Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Vorwort des Redacteurs.

Was mich bestimmte, dem Vorschlag Sr. Eminenz des Herrn Cardinals Hergenröther und dem Wunsche des Herrn Verlegers zu entsprechen, war hauptsächlich die Erwägung, daß durch eine Weigerung dem Zustandekommen des lange vorbereiteten Unternehmens neue Schwierigkeiten und ein abermaliger Aufschub bereitet würden. Erleichtert wurde mir seitdem die schwere Arbeit dadurch, daß der Assistent des Herrn Cardinals, Herr Dr. Streber aus München, nach Verlegung seines Wohnsitzes hierher auch mich mit Kenntniß und Geschick bei der Herausgabe unterstützt. Bei derselben bin ich durchaus dem Programm vom Februar 1878 treu geblieben. Dasselbe verlangt, daß die einzelnen Artikel mit wissenschaftlicher Tiefe und kirchlicher Correctheit in klarer und verständlicher Darstellung über die Gegenstände der theologischen Erkenntniß orientieren, ohne den Gang der wissenschaftlichen Untersuchung darzulegen und ohne sich in Polemik zu verlieren. Nach diesen Gesichtspunkten habe ich sämmtliches Material vor dem Druck nochmals revidirt und besonders auf die im Programm geforderte Form zurückzuführen gesucht. Außerdem habe ich nach Maßgabe von Erfahrung und neu erwachsener Kenntniß das Vorhandene durch Neubeschaffung einer Anzahl von Artikeln erweitert und ebenso, wie Herr Dr. Streber, die Lücken ausgefüllt, welche durch das Ausbleiben anderweitig zu erwartender Arbeiten entstanden waren. Hierbei sind jedoch die von mir verfaßten exegetischen Artikel nicht mitverstanden, weil dieselben mir sämmtlich von der früheren Redaction übertragen wurden. Wenn das Programm insofern nicht ganz eingehalten erscheint, als einzelne Artikel eine verhältnißmäßig zu große Ausdehnung erhalten haben, so kann hierfür die Tüchtigkeit der aufgenommenen Artikel entschädigen. Dem Kundigen wird es nicht entgehen, daß der nunmehr vorliegende Band des Kirchenlexikons durchgängig die Ergebnisse ernster und gewissenhafter Forschung darbietet und die theologische Wissenschaft durch eine Menge bisher ungedruckter Aufschlüsse bereichert. Namentlich ist auf die relative Vollständigkeit und die Zuverlässigkeit der biographischen Artikel besondere Sorgfalt verwendet worden. Hierbei wurde jedoch aus naheliegender Rücksicht von allen noch lebenden Personen, wie groß auch deren Bedeutung für die theologische Wissenschaft sein mag, abgesehen. Eine Reihe von Artikeln der ersten Auflage wurde weggelassen, weil ihr Inhalt in keine Beziehung zu dem Zweck einer theologischen Encyklopädie gebracht werden konnte. Dagegen zählt dieser erste Band der neuen Bearbeitung von »Aachen« bis »Basel« incl. 1035 Artikel, während dieselbe Reihe in der früheren Ausgabe nur 665 Artikel (beidemale die Verweisungen ungerechnet) umfaßt. Die Vervollkommnung des Werkes ist daher in der jetzigen Bearbeitung inhaltlich durch die Vermehrung um beiläufig 400 Artikel gekennzeichnet. Daneben ist eine sehr große Zahl der früheren Artikel durch neue Arbeiten ersetzt worden, und es ist kein älterer Artikel aufgenommen worden, der nicht auf die Höhe der heutigen wissenschaftlichen Erkenntniß wenigstens durch Hinzufügung der neueren Literatur gebracht worden wäre. Bei den literarischen Nachweisungen sind strenge Anforderungen bezüglich der Genauigkeit gemacht worden, und es ist das Verdienst des Herrn Dr. Streber, bei ihrer Verificirung keine Mühe gescheut zu haben. Da aber hierzu nicht überall ausreichende Mittel vorhanden gewesen sind, so muß die Redaction für alle Fälle, in welchen sich eine Ungenauigkeit herausstellen sollte, dem jedesmal unterzeichneten Verfasser die Verantwortung überlassen. Die Literaturangaben sind reichlicher gegeben, als ursprünglich beabsichtigt war, so daß einem mehrseitig geäußerten Wunsch wohl entsprochen sein wird. Monographien sind mit möglichster Sorgfalt verzeichnet. Für manche Fälle muß aber auf die Literaturangaben in den übergeordneten Artikeln verwiesen werden, z. B. bei Ordenspersonen, auf die in dem Artikel über ihren Orden enthaltenen.

Mit Bezug auf den Umfang des Ganzen will ich noch ausdrücklich hervorheben, daß die Ausdehnung des ersten Bandes genau dem Voranschlage entspricht, welcher die Größe des Werkes auf zehn Bände festgestellt hat. Für die äußere Einrichtung ist ebenfalls das Programm maßgebend geblieben. Die biblischen Namen sind durchgängig in der Schreibung der Vulgata gegeben, und nach letzterer sind auch die Bibelstellen citirt. Die Zusammenfassung oder Sonderung verwandter Stoffe ist zumeist nach praktischen Rücksichten geschehen; dem Zusammenhange des Zusammengehörigen ist durch reichliche Verweisungen Rechnung getragen worden. Bei der Geschichte der einzelnen Bisthümer sind bloß diejenigen Bischöfe, deren Bedeutung über die Grenzen ihrer Diözese hinausreicht, in eigenen Artikeln, die übrigen nöthigen Falls unter dem Schlagwort der betreffenden Diöcese besprochen. Wo unter Einem Namen verschiedene Personen zu behandeln sind, stehen zuerst die biblischen, dann die Päpste, dann alle übrigen alphabetisch nach ihren Beinamen.

Da in der reichen Artikelzahl vielerlei Gegenstände nur gelegentlich behandelt worden, so ist schon jetzt ein tüchtiger Gelehrter damit beschäftigt, ein Register über alle diejenigen Materien anzulegen, welche nicht unter eigenen Schlagwörtern vorkommen; dasselbe wird gleichzeitig mit dem Schluß des letzten Bandes gedruckt werden.

Jeder andere wünschenswerthe Aufschluß wird durch die Consequenz, welche bei Vertheilung und Behandlung des Stoffes eingehalten worden ist, leicht zu erlangen sein. Es erübrigt mir demnach bloß noch, den Herren Mitarbeitern für das große Vertrauen, welches sie mir entgegengebracht haben, meinen herzlichen Dank zu sagen. Bei der großen Menge von Material, welche schon vorhanden ist, habe ich bis jetzt nur in beschränktem Maße ihre weiter Hülfe in Anspruch nehmen können. Voraussichtlich werden die folgenden Bände rascher als der erste erscheinen können, und ich darf wohl die Hoffnung aussprechen, daß die katholischen Gelehrten Deutschlands dann um so freudiger ihre schönen Kräfte dem einzigartigen Werke zuwenden werden.

Bonn, am Feste des hl. Joseph 1882.

Dr. Fr. Kaulen.


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