Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 1, Sp. 19]Abbadie, Jakob, reformirter Theologe, geb. zwischen 1654 und 1657 in der französischen Landschaft Béarn, zu Sedan zum Doctor der Theologie promovirt, † 1727. Derselbe war unter dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm Prediger der reformirten Gemeinde in Berlin, gab aber nach dessen Tod 1688 diese Stellung auf und folgte dem ihm sehr geneigten Marschall von Schomberg nach Irland. Als dieser 1690 in der Schlacht an der Boyne fiel, begab er sich nach England und wurde Prediger der französischen Calvinistengemeinde in London, dann Decan von Killalow in Irland. Als Schriftsteller bekämpfte er mit vielem Scharfsinn die Atheisten, Deisten und Socinianer. Berühmt ward er besonders durch seinen Tractat über die Wahrheit der Religion, der zuerst 1684 in Rotterdam in zwei Quartbänden in französ. Sprache erschien, dann auch in das Deutsche und Englische übersetzt wurde. Den späteren Ausgaben (z. B. in Haag 1741, 4 Bde.) ward seine Abhandlung von der Gottheit Christi und die Schrift: »Die Kunst, sich selbst zu kennen, oder Untersuchung der Quellen der Sittenlehre«, beigegeben, die ebenfalls vielen Beifall fanden. Bei einzelnen großen Mängeln in der Beweisführung [Bd. 1, Sp. 20] gehört Abbadie doch zu den besseren apologetischen Schriftstellern, die der Protestantismus aufzuweisen hat. Vgl. Schröckh, K.-G. seit der Reform. VI, 260–266, die France protestante und das Wörterbuch von Chaufepié.

[J. Card. Hergenröther.]


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