Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 1, Sp. 20]Abbo von Fleury, hl., O. S. B., Klosterreformator und Schriftsteller, geb. um 945 bei Orléans, gest. als Abt von Fleury am 13. Nov. 1004, war schon als Knabe den Benedictinern zur Erziehung anvertraut worden. Wegen seiner überraschenden Fortschritte in den Wissenschaften wurde er zur höheren Ausbildung nach Paris und Rheims gesandt; dort widmete er sich der Philosophie, Mathematik und Astronomie. Nachdem er eine Zeit hindurch als Lehrer der Schule zu Fleury gewirkt hatte, berief ihn Oswald, Erzbischof von York, nach England, um die Reform von Clugny im Kloster Ramsey einzuführen. Nach seiner Rückkehr war er 988 Abt von Fleury und verschaffte dem Kloster bald den Ruhm einer Pflanzstätte der Frömmigkeit und Wissenschaft. Zahlreich strömten die Schüler ihm zu, so daß er den Namen totius Franciae magister famosissimus erhielt. Mit großer Unerschrockenheit trat er für bedrohte Rechte der Kirche ein. Während Bischöfe sich schwach zeigten, wahrte er die kirchlichen Gesetze und das Ansehen des Papstes sowohl dem König Hugo gegenüber, der in ungerechter Weise den Erzbischof Arnulph von Rheims entsetzt hatte, als auch gegen König Robert, der nach langem Widerstreben erst auf Abbo’s Andringen die unerlaubte Ehe mit Bertha aufhob und von da an bis zu seinem Tode eine musterhaftes Leben führte. In einer Reihe von Briefen an verschiedene Ordensobere sucht Abbo allenthalben die klösterliche Disciplin zu erneuern. Sein Eifer brachte ihm aber den Tod. Denn als er das Priorat La Reolle in der Gascogne reformiren wollte, wurde er bei einem gegen sein Gefolge erregten Tumulte durch einen Lanzenstich getödtet. Wegen der Wunder, die an seinem Grabe geschahen, verehrte man ihn bald in verschiedenen Kirchen Galliens als Heiligen und Martyrer. Fest 13. Nov. – Die bekanntesten unter seinen Schriften sind: 1. Collectio canonum (ed. Mabillon, Analect. ed. II, Paris 1723), vgl. Canonensammlungen; 2. Apologeticus adversus [Bd. 1, Sp. 21] Arnulphum, episc. Aurel. (ed. Pelletier, Paris 1687); 3. Vita s. Eadmundi, bei Surius 20. Nov.); 4. Vita Romanorum Pontificum, bloßer Auszug aus dem Werke des sog. Anastasius Bibliothecarius; 5. Quaestiones grammaticales (ed. A. Mai, Classici Auctores, V, 329); 6. Epistolae (ed. Pelletier 1687); ferner Schriften über Zeitrechnung. Sammelausgabe der Werke bei Migne, Lat. CXXXIX. Daneben sind noch im Manuscripte Abhandlungen philosophischen, historischen und astronomischen Inhaltes vorhanden. Sein Leben beschrieb sein Schüler Aimoin (Migne, Lat. CXXXIX und Mabillon, Acta SS. O. S. B. Saec. VI. Pars 1). – Cuissard-Gaucheron, L’école de Fleury-sur-Loire à la fin du 10e siècle (Mém. de la Soc. Arch. de l’Orléanais, XIV, 1875).

[Streber.]


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