Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 1, Sp. 21]Abbot, Georg, anglikanischer Erzbischof von Canterbury, geb. am 29. October 1562 zu Guilfort in Surrey, gest. am 4. August 1633. Er war der Sohn eines armen Tuchscheerers und konnte nur durch fremde Unterstützung studiren. Wer kam 1578 an die Universität Oxford, wurde dort Fellow, später (1597) Doctor der Theologie und Master des Universitätscollegiums, 1599 Dechant zu Winchester, 1600 Vicekanzler der Universität Oxford. Seinen antipapistischen Eifer zeigte er jetzt schon unter Anderem darin, daß er durchaus keine Crucifixe, sondern nur leere Kreuzbilder dulden wollte. Im J. 1608 ging er mit dem Schatzmeister von Schottland, Graf Dumber, als Kaplan nach Schottland und führte hier nach dem Wunsche des Königs, trotz alles Widerstandes der Presbyterianer, die bischöfliche Verfassung ein. Nachdem er hiermit das Vertrauen des Königs Jakob I. gewonnen hatte, verwendete ihn dieser nun auch zu politischen Geschäften, namentlich zur Vermittelung des Friedens zwischen Spanien und den Niederlanden, erhob ihn am 3. December 1609 zum Bischof von Lithfield, am 20. Januar 1610 zum Bischof von London und am 9. April 1611 zum Erzbischof von Canterbury. Er war der Rathgeber des Königs und der Liebling des Volkes, mild gegen die Puritaner, aber intolerant gegen die Katholiken, so daß er im J. 1613 in der Sternkammer öffentlich erklärte: »Der König würde in demselben Augenblicke, wo er den Katholiken Duldung bewilligte, zum Verräther werden.« (Lingard, Geschichte von England, IX, 180, N. 3) Um dieselbe Zeit kam Hugo Grotius nach England, um den König für die Sache der Remonstranten (s. d. A.) zu gewinnen; aber Abbot widersetzte sich ihm und hielt ihn, freilich sehr irrig, für einen leeren Schwätzer. Dagegen beschützte Abbot den apostasirten Antonio de Dominis (s. d. A.) und erhielt dafür von diesem zum Danke das Manuscript von Sarpi’s Geschichte des Tridentiner Concils. Als 1618 der König erlaubte, auch am Sonntage Theater zu spielen, verbot Abbot die Verlesung des Edictes. Im folgenden J. 1619 gründete er ein Spital und suchte den König zu bewegen, daß er den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, welcher die böhmische Krone angenommen [Bd. 1, Sp. 22] hatte, kräftig unterstütze. Im J. 1621 hatte Abbot das Unglück, auf der Jagd einen Menschen zu erschießen. Obgleich er nicht einmal eigentlich unvorsichtig gewesen, verfiel er doch darüber in eine Art Schwermuth, schloß sich ein, legte sich schwere Fasten auf und unterstützte die Wittwe des Verunglückten. Es entstand aber die Frage, ob er nicht nach dem canonischen Rechte unfähig geworden sei, bischöfliche Functionen zu verrichten. In der That weigerten sich mehrere neu ernannten Bischöfe, darunter auch sein theologischer Gegner, Laud, von ihm die Ordination anzunehmen. Der König berief daher eine Commission zur Untersuchung der Sache, und als sie nicht einig werden konnte, that er selbst den Spruch, Abbot sei den weltlichen Gesetzen gegenüber schuldlos. Um aber die Sache auch kirchlich zu bereinigen, machte Jakob I. zugleich von seinem kirchlichen Supremate Gebrauch und beauftragte acht Bischöfe, den Erzbischof von allen kirchlichen Strafen loszusprechen, die er sich etwa zugezogen haben möchte. So war Abbot wieder völlig retablirt, aber er erschien von nun an nur noch selten am Hof. Im J. 1622 hintertrieb er die Vermählung des Prinzen Karl mit einer spanischen Infantin und stand im J. 1625 dem König im Tode bei. Der neue König Karl I. war ihm wenig geneigt und ließ auch 1630 den neugeborenen Prinzen von Wales nicht von ihm, sondern von Laud taufen. Drei Jahre später starb Abbot, den 4. August 1633, und gerade Laud wurde sein Nachfolger. Abbots Portrait und ein Verzeichniß seiner vielen jetzt vergessenen theologischen Schriften findet sich in den Neuen Beiträgen von theologischen Sachen auf das J. 1753, Leipzig, b. d. Titel d. S. 80 f. In inneren kirchlichen Fragen suchte Abbot zwischen den verschiedenen Parteien zu vermitteln, stieß darum oft bei Allen an und konnte sich nur rühmen, vieles Schlimme verhütet und die Lösung schwieriger Fragen auf eine spätere Zeit vertagt zu haben. Er war vorherrschend Staatsmann und übte, wenigstens unter Jakob I., bedeutenden Einfluß. – Sein älterer Bruder, Robert Abbot, war Bischof von Salisbury (gest. 1617) und ein sehr heftiger Polemiker gegen das Papstthum, namentlich gegen Bellarmins Tractat über die Gewalt des Papstes. (Von ihm Antichristi demonstratio.)

[Hefele.]


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