Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 1, Sp. 28]Abdias, fingirter erster Bischof von Babylon und angeblicher Verfasser der Schrift De historia apostolici certaminis libri X. Darin sagt der Verfasser von sich, daß er von jüdischer Abkunft, einer der 70 Jünger des Herrn gewesen, die Apostel Simon und Judas nach Persien begleitet und von ihnen zum Bischof von Babylon aufgestellt worden sei. Seine Schrift will er hebräisch geschrieben haben; dann soll sie sein Schüler Eutropius in’s Griechische und Julius Africanus in’s Lateinische übersetzt haben. Sie ward in einem Kloster in Kärnthen aufgefunden und zuerst edirt von Wolfg. Lazius zu Basel 1551. Von da an erschien sie öfter (Paris. 1560, 1583. I. A. Fabric., Cod. apocr. N. T. Hamb. 1703, ed. II 1719, p. 387 seq.). Lazius hielt sie für ächt und den Abdias für einen wirklichen Apostelschüler; Andere stimmten ihm bei. Jetzt ist es jedoch eine ausgemachte Sache, daß Abdias ein fingirter Name, und daß das Buch eine späte, schon ursprünglich lateinisch geschriebene Compilation sei, denn 1. das ganze Alterthum, auch Eusebius und Hieronymus, kennen weder dieses Buch noch seinen Verfasser, und von Ordericus Vitalis (12. Jahrh.) ist es nicht erwähnt; 2. lobt und citirt der Verfasser den Hegesippus, der in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts gelebt hat; 3. enthält es offenbar viel Erdichtetes und selbst Fabelhaftes, so daß es dem Verwerfungsurtheil des Papstes Paul IV. verfallen ist. Vgl. C. Oudin, Comment. de script. eccl. Lips. 1722, II, 418–21. Deutsch erschien die Schrift zu Stuttgart 1855 und öfter als bloße buchhändlerische Speculation.


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