Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 1, Sp. 33]Abeliten (Abelonianer, Abelonier) werden bei Augustinus (De haeresibus cap. 87) als eine ehemals in Afrika vorhandene, aber zu seiner Zeit bereits erloschene Secte erwähnt. Weil sie nur unter dem Landvolke vorkam, nennt er sie eine bäurische (rustica) Partei. Dieselbe war höchst wahrscheinlich ein Überrest der alten Gnosis und hatte mit letzterer auch die auf dualistischen Grundsätzen beruhende Verwerfung des ehelichen Umgangs gemein. Gleichwohl waren die Abelonier verheiratet; allein Männer und Frauen lebten nur wie Geschwister mit einander, um die Erbsünde nicht weiter zu verbreiten. Sie adoptirten fremde Kinder, je einen Knaben und ein Mädchen, und hinterließen denselben ihr Vermögen unter der Bedingung, daß auch sie der Secte angehören wollten. Ihren Namen hatten sie von ihrem Vorbilde Abel, dem Sohne Adams, der wie sie sagten, auch verheiratet gewesen sei, aber sich des ehelichen Umgangs enthalten habe, eine Meinung, welche, wie Calmet in seinem biblischen Wörterbuche zeigt, vielfach unter den Alten verbreitet war. Außer Augustin spricht nur noch der anonyme Verfasser des Buches Praedestinatus cap. 87 von den Abelonianern. G. W. F. Walch in seiner Ketzergeschichte (I, 608) vermuthet ohne hinreichenden Grund, das Bestehen der Secte möge wohl nur erdichtet sein.


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