Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 1, Sp. 53]Aben-Esra, Abraham ben Meir Aben-Esra, rabbinischer Gelehrter, stammte aus einer angesehenen jüdischen Familie zu Toledo. Sein Geburtsjahr geben die Rabbinen nicht an, und in Betreff seines Todesjahres stimmen ihre Angaben nicht zusammen. Sein Commentar zum Koheleth wurde, wie er selbst am Ende desselben sagt, im J. 1140 vollendet. Er blühte daher jedenfalls um die Mitte des 12. Jahrhunderts, und sein Geburtsjahr mag in den Anfang desselben fallen. Er war ein Schüler und nachheriger Schwiegersohn des berühmten Juda Hallevi, Verfassers des Buches Cosri und älterer Zeitgenosse des Maimonides, von dem er sehr hoch geachtet wurde. In den fünfziger Jahren des 12. Jahrhunderts unternahm er eine wissenschaftliche Reise durch mehrere Länder Europa’s, ging dann nach Palästina, hielt sich längere Zeit zu Tiberias auf und besprach sich mit den dortigen Gelehrten über den masorethischen Bibeltext. Nach einer vieljährigen Wanderung endete er endlich im 75. Jahre sein Leben auf der Insel Rhodus. Er war der hebräischen und arabischen Sprache ganz mächtig und ausgezeichnet als Grammatiker, Philosoph, Dichter, Astronom, Arzt und Kabbalist, und besonders als Exeget. Seine exegetischen Schriften werden sogar jenen des Jarchi vorgezogen. Sein hebräischer Stil ist klarer und correcter als der Jarchi’s, und seine Auslegung verständiger und minder freigebig mit rabbinischen Fabeln. Auch hält er sich meistens genau an den Text und läßt das Fremdartige weg, das sonst an denselben angelehnt zu werden pflegt. Dabei ist seine Erklärung, obwohl im Ganzen traditionell und rabbinisch-orthodox, doch zugleich etwas freisinnig, und er nimmt z. B. keinen Anstand, gegen mehrere Stellen des Pentateuchs den Verdacht der Unächtheit deutlich genug auszusprechen. Seine Bibelcommentare sind größtentheils wiederholt im Druck erschienen, theils in den großen rabbinischen Bibelausgaben, theils auch einzeln, mit lateinischen Übersetzungen zur Seite. Auch von seinen übrigen zahlreichen Schriften existiren viele Abdrücke, und noch immer werden neue veranstaltet (Wolf, Bibl. hebr. I, n. 110; Fürst, Bibl. Jud. I, 251).

[Welte.]


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