Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.


Abfall (Apostasie) und die canonischen Strafbestimmungen hierüber. Ist es Berufspflicht für jedes Mitglied der Kirche, den christlichen Glauben zu bewahren, und für jedes Mitglied des geistlichen wie des klästerlichen Standes, die besonderen Standesobliegenheiten zu erfüllen: so bilden Abfall vom christlichen Glauben, apostasia a fide, Abfall vom geistlichen Stande, apostasia ab ordine, und Abfall vom Ordensstande, apostasia a religione, zu den allen Christgläubigen, Clerikern und Regularen auferelegten Berufspflichten die geraden Gegensätze. – Der Abfall vom christlichen Glauben schließt die Häresie in sich ein, ist aber mehr als sie. Denn die Häresie besteht in der Verwerfung eines Dogma’s oder mehrerer Dogmen, die Apostasie in der Verwerfung aller; der Häretiker fällt theilweise, der Apostat ganz von dem christlichen Glauben ab. Die APostaten, von denen die zum Islam Abfallenden insbesondere Renegaten genannt werden, verfallen der dem Papste speciali modo reservirten Excommunication (gemäß der Constitution Pius’ IX. Apostolicae Sedis vom 12. October 1869) und werden, wenn sie Geistliche sind, mit Amtsentsetzung, Deposition und Degradation bestraft (c. 9. 13. 15 de haereticis X. 5, 6; c. 12. 13 in VIto 5, 2). – Wenn ein Cleriker der niederen Weihen die geistliche Kleidung ablegt, als Laie lebt und so den geistlichen Stand verläßt, so verliert er die Standesprivilegien und das ihm verliehene Beneficium (c. 1. 3. 7. 9 de cler. conjug. X. 3, 3; c. 1 de apostatis X. 5, 9). Aber weil er noch nicht unwiderruflich an den geistlichen Stand gebunden und selbst vom Ehestande nicht ausgeschlossen ist, so macht er sich nicht des Vergehens der Apostasie schuldig. Dieses verübt der Geistliche der höheren Weihen, wenn er sich über die Pflichten seines Standes wegsetzt und ein Laienleben anfängt. Wenn er gar eine eheliche Verbindung, die wegen der höhern Weihe nichtig ist, zu schließen wagt, so verfällt er nach c. un. de consanguinitate et affinitate Clem. 4, 1 der Excommunication, welche nach der Constitution Apostolicae Sedis dem Bischofe reservirt ist. – Mit dem eigenmächtigen Austritt aus dem Orden wird das feierliche Gelübde gebrochen und der Abfall vom Ordensstande vollzogen. Den Regularen, welcher eine in Folge des votum solemne professionis religiosae nichtige eheliche Verbindung schließt, trifft ebenfalls die dem Bischof reservirte Excommunication Außerdem verfallen alle vom Orden Abtrünnige den übrigen in den besondern Constitutionen der einzelnen Orden festgesetzten Strafen, unter welchen die ipso facto verhängte Excommunication fast allgemein angegeben ist. {74} Häufig ist diese Excommunication dem Papste oder den Obern der betreffenden Orden reservirt. (S. d. A. Strafgewalt der Kirche, Irregularität und Ehescheidung.)

[Gerlach.]


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