Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.


Abgaben bei den Hebräern waren theils religiöse, theils bürgerliche. 1. Die religiösen Abgaben bestanden theils in der Entrichtung der Zehnten, Erstgeburten und Erstlinge an die Priester und Leviten (s. d. A.), theils in der Entrichtung eines jährlichen halben Schekels zur Unterhaltung des Heiligthums von Seite jedes Israeliten, der das zwanzigste Jahr zurückgelegt hatte (Ex. 30, 12. 13). Im Pentateuch wird zwar diese Steuer nicht ausdrücklich als eine jährlich zu entrichtende bezeichnet und ihre Erhebung während der Wanderungen durch die Wüste nur einmal wirklich berichtet (Ex. 38, 25). Daß man aber die Vorschrift doch von einer jährlich zu entrichtenden Steuer verstand, erhellt aus 2 Par. 24, 6, wo König Joas die Tempelabgabe einfach mit Erinnerung an das mosaische Gesetz einfordert. Nach dem Exil dagegen verlangte Nehemias nur einen Srittel-Schekel als Tempelabgabe, was Einige für eine vorübergehende, durch den Drang der Umstände gebotene Erhöhung der alten Heiligthumssteuer ansehen, Andere dagegen als eine Verringerung derselben. Letztere scheinen den Buchstaben des Textes für sich zu haben, welcher von einem Hinzukommen des Drittel-Schekels zum halben Schekel, was Erstere annehmen müssen, in der That nichts sagt. Indessen scheint doch an eine Erhöhung gedacht werden zu müssen, denn eine eigenmächtige Herabsetzung der mosaischen Abgabe läßt sich von Nehemias nicht erwarten, und die obwaltenden Verhältnisse werden ohne Zweifel eher ungünstig als günstig für eine solche gewesen sein. Der Text läßt dann nur das Gesetzliche und Herkömmliche, als sich von selbst verstehend, unberührt, und erwähnt bloß, was dem Bedürfniß gemäß noch über die gesetzliche Vorschrift hinaus geleistet wurde.

2. Bürgerliche Abgaben kamen bei den Hebräern vor Einführung des Königthums nicht vor. Erst an die Könige wurden Naturalzinse (1 Sam. 8, 15. 17. 4 Kön. 3, 4), freiwillige Geschenke (1 Sam. 10, 27; 16, 20. 3 Kön. 10, 25. 2 Par. 17, 5), in außerordentlichen Fällen eine Kopfsteuer (4 Kön. 15, 20; 23, 35), auch Zölle (3 Kön. 10, 15) und Regalien (Amos 7, 17) und Frohndienste (1 Sam. 8, 12. 16) geleistet, neben welchen Leistungen natürlich die kirchlichen Abgaben fortbestanden. Während des Exils hatten die im Lande Zurückgebliebenen an den babylonischen König einen bestimmten, nicht näher bezeichneten Tribut (φόρον ὡρισμένον Jos. Antt. 10, 9, 1) zu entrichten. Nach dem Exil wurden den Zurückgekehrten mehrerlei Abgaben an den persischen Hof auferlegt, deren Benennungen jedoch für uns nicht mehr deutlich sind und von der Vulgata mit tributum, vectigal et reditus übersetzt werden (1 Esdr. 4, 13. 20; 7, 24), und bei deren Eintreibung die Beamten sich auch mancher Bedrückung {75} schuldig machten (2 Esdr. 5, 15). Später, wo Palästina den ägyptischen und syrischen Königen unterworfen war, forderten auch diese bedeutende Abgaben von den Juden. Der jährliche Pachtpreis derselben z. B. unter Ptolemäus Euergetes betrug 16 Silbertalente, den begreiflich die Abgabe selbst bedeutend übersteigen mußte, weil die Ober- und Unterpächter dabei noch ihren entsprechenden Gewinn suchten (Jos. Antt. 12, 4, 5). An die syrischen Könige mußten Zölle, Kopfsteuer, Salzsteuer, Kronsteuer, der dritte Theil der Getreideernte, die Hälfte der Baumfrüchte (1 Mach. 10, 29; 11, 35; 13, 39. Jos. Antt. 12, 3, 3; 13, 8, 3) entrichtet werden, die häufig auch verpachtet wurden (1 MAch. 11, 28; 13, 15). Nachdem das syrische Joch wieder abgeschüttelt war, bestanden die an die einheimischen Fürsten zu entrichtenden Abgaben hauptsächlich in Grund- und Erwerbsteuer (Jos. Antt. 15, 9, 1; 10, 4; 17, 2, 1; 8, 4), Zöllen (ib. 14, 10, 6. 22); Accisen (ib. 17, 8, 4) und öfters auch Kriegssteuern (ib. 14, 11, 12). Diese Abgaben blieben größtentheils noch, als Judäa in die Gewalt der Römer überging, nur daß sie jetzt an eben diese abgetragen werden mußten (Matth. 22, 17. Jos. Antt. 18, 1, 1; 4, 3), mitunter auch in erhöhtem Maße, da z. B. die Kopfsteuer als außerordentlich drückend bezeichnet wird. Übrigens mag der Druck auch theilweise auf Rechnung der Zoll- und Steuereinnehmer kommen, an welche die Abgaben verpachtet wurden, und welche sich durch Erpressungen zu bereichern suchten. (S. d. A. Zölle.)

[Welte.]


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