Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 1, Sp. 383]Akoluthen (Acolythen), die am Altare dienenden Cleriker, welchen den vierten der ordines minores (s. Ordo) innehaben. Papst Cornelius bemerkt in einem im J. 251 geschriebenen Briefe: »Novatian wußte, in Rom seien 7 Diaconen und ebensoviele Subdiaconen, 42 Akoluthen, 52 Exorcisten und Lectoren mit den Ostiariern.« Da Cornelius nicht nur sagt: er wußte es, sondern noch beifügt: »und wie hätte er es nicht wissen können?« so waren im J. 250 offenbar und offenkundig die genannten Cleriker in der römischen Kirche in Thätigkeit. Ferner berichtet der sogen. Anastasius, Papst Fabian, der Vorgänger des Cornelius, habe 7 Subdiaconen gemacht, eine Nachricht, die mit dem Obigen übereinstimmt und insofern nicht nur auf Glaubwürdigkeit Anspruch hat, sondern auch zeigt, daß sich Fabian mit der Organisation des Clerus beschäftigte. Weil endlich vor dem J. 250 die Akoluthen nirgends erwähnt werden, ist es wahrscheinlich, daß sie Papst Fabian (236–251) eingeführt hat. Nach Cornelius gedenkt ihrer Cyprian, der sie mit den Subdiaconen zur Übersendung von Almosen verwendet. Während es Ein Subdiacon ist, sind es drei Akoluthen, die dem ersten vermutlich untergeben waren. Dieses Zahlenverhältniß stimmt mit der Angabe des Cornelius überein, der sie zudem unmittelbar auf die Subdiaconen folgen läßt. Wegen der spärlichen Nachrichten, die wir über sie besitzen, muß es dahingestellt bleiben, ob sie schon im dritten Jahrhundert zu anderen kirchlichen und besonders liturgischen Verrichtungen beigezogen wurden. Die Erzählung von dem Akoluthen Tharsicius, der die Eucharistie den Gläubigen in das Haus brachte und dabei das Martyrium erlitt, beweist an sich wenig, da dieses auch den Laien gestattet war, erhält aber eine Bedeutung, wenn man diesen Vorgang in Verbindung mit den Worten des Papstes Innocenz I. an den Bischof Decentius bringt. Der Papst schreibt nämlich: »Da die [Bd. 1, Sp. 384] Presbyter wegen der Sorge für das Volk am Sonntage nicht mit uns zusammen sein können, so erhalten sie das von uns vollzogene Ferment (von uns consecrirte Eucharistie) durch die Akoluthen, damit sie nicht glauben, sie seien von unserer Gemeinschaft getrennt.« Diese Worte zeigen, wozu man die Akoluthen zu Ende des vierten und Anfang des fünften Jahrhunderts verwendete. Der sechste Canon der angeblich vierten Synode von Carthago, der vor Ende des sechsten Jahrhunderts abgefaßt wurde, spricht von der Ordination der Akoluthen, bei der sie vom Bischofe über ihre Pflichten belehrt wurden. »Vom Archidiacon erhielt er den Leuchter mit Wachskerze, zum Zeichen, sein Amt sei, die Lichter der Kirche anzuzünden, und ein leeres Gefäß, um den Wein zur Eucharistie des Blutes Christi herbeizubringen.« Worte, unter welchen diese Übergabe erfolgte, sind keine angegeben und, wie Martène meint, wohl auch nicht gesprochen worden. Muratori hat hingegen in seiner Liturgia Romana vetus II, 407 unter der Aufschrift Sacramentarium Gregorianum einen vaticanischen Codex aus dem zehnten Jahrhundert veröffentlicht, in welchem nach Anführung des sechsten Canon des vierten carthaginensischen Concils zwei Gebete verzeichnet sind. Das erste stimmt völlig mit dem des römischen Pontificales: Domine sancte pater, omnipotens aeterne Deus, qui ad Moysen et Aaron locutus es etc., das zweite aber mit dem, welches dem genannten unmittelbar vorhergeht, von der zweiten Hälfte an (ut ad accedendum lumen etc.) überein. Da diese Gebete mit dem genannten Canon des carthaginensischen Concils verbunden sind, läßt sich vermuthen, der afrikanische Ordinationsritus sei später in Rom adoptirt worden. Diese Vermuthung wird durch Nachfolgendes gestützt. Unter der Aufschrift: »Wie in der heiligen römischen Kirche die Akoluthen ordinirt wurden«, enthält der achte von Mabillon edirte Ordo Romanus einen von dem Obigen abweichenden Ordinationsritus. Während der Feier der Messe wird der angehende Akoluth mit der Planeta (Dalmatica) und dem Orarium (Stola) bekleidet. Wenn der Bischof oder Papst zur Communion gekommen ist, tritt der Betreffende zu ihm hin und erhält eine Tasche auf die Arme gelegt. Hierauf wirft er sich mit der Tasche zur Erde nieder, und der Bischof betet über ihn: »Unter der Fürbitte der heiligen, glorreichen und immerwährenden Jungfrau Maria und des heiligen Apostels Petrus bewahre, behüte und schütze dich der Herr. Amen.« Mabillon glaubt, daß dieser Ordo den älteren und darum ächteren (puriorem) Ordinationsritus wiedergebe (Museum italic. II, 84). Denn er steht nicht nur mit den citirten Worten des Papstes Innocenz I., sondern auch mit dem zweiten römischen Ordo im Einklang, demgemäß die Akoluthen die in der Messe geopferten Oblaten in einer Tasche den Presbytern zum Zerbrechen brachten (l. c. 49). Als dieser Gebrauch aufhörte, gab man ihnen als Symbol [Bd. 1, Sp. 385] ihres Dienstes nicht mehr die Tasche, sondern den Leuchter und einen Becher. Später gingen die Verrichtungen der Akoluthen meistens auf Laien über. Das Concil von Trient (Sess. XXIII, c. 17 de Ref.) verlangt, daß die niederen Kirchendienste wieder von eigentlichen Clerikern besorgt werden sollen, die Verordnung trat jedoch nicht in’s Leben.

[Probst.]


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