Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Bekenner (Confessores) hießen anfänglich alle Christen, welche zur Zeit der Verfolgung ihren Glauben vor den Richtern muthvoll bekannten. Wenn über sie in Folge ihres Bekenntnisses schwere Peinen verhängt wurden, oder der Tod im Gefängnisse erfolgte (Cypr. ep. 12), so wurde der Bekenner den Martyrern beigezählt. Bald hat sich jedoch der Begriff des Wortes erweitert, und man bezeichnete, namentlich nachdem die Christenverfolgungen aufhörten, mit dem Worte Bekenner diejenigen männlichen Heiligen, welche sich durch hohe Glaubenskraft, durch hohe Frömmigkeit und hohe sittliche Vollendung, dann zum Theil auch zugleich durch hohe Verdienste um Kirche und Religion im Leben ausgezeichnet hatten. In diesem Sinn ist das Wort Bekenner in der Kirchensprache herrschend geworden, und man begreift daher unter diesem Namen alle männlichen Heiligen außer den Martyrern. Diesen Unterschied präcisirt eine dem vierten Jahrhundert angehörige Grabschrift (De Rossi, Bull. 1864, 30): A Domino coronati sunt beati confessores, comites martyrum, Aurelius Diogenes confessor et Valeria felicissima. Vivi in Deo fecerunt. Der Name Bekenner selbst, obschon er ohnehin auch aus der Natur der Sache erklärt werden kann, lehnt sich offenbar an Matth. 10, 32 an. In den Bekennern sucht demnach die Kirche heiligen Vollendeten aus allen Jahrhunderten und aus allen Kreisen des kirchlichen Lebens ein ehrendes Andenken zu erhalten. Es gehören dahin Vollendete, die entweder, wie die Apologeten und Kirchenväter, dem Christenthum durch die Waffen der Intelligenz und Wissenschaft sein Dasein und seine Herrschaft auf Erden erhalten und gründen halfen; oder solche, die theils als begeisterte Glaubensboten auch in späteren Zeiten das Licht und den Samen des Evangeliums unter heidnische Völker trugen, theils als Säulen der Kirche dieselbe unter allen Stürmen aufrecht erhielten und das Christenthum durch die Nacht und Barbarei der Jahrhunderte retteten; endlich Männer und Jünglinge, die durch das ideale Beispiel ihres gottbegeisterten Glaubens und Sinnes, ihrer großen Tugenden, ihres reinen Wandels, ihrer hohen Selbstverläugnung, ihrer glühenden Andacht und innigen Frömmigkeit unendlich viel dazu beitrugen, das Bewußtsein und den Geist des christlichen Glaubens und Lebens, die Begeisterung für Gott und Christus in der Kirche und in der Menschheit zu erhalten, fester zu gründen und in weiteren Kreisen zu verbreiten. – Wenn in der kirchlichen Liturgie unter den verschiedenen Bekennern verschiedene Unterscheidungen zugelassen werden (Pontifices, Doctores, non Pontifices), so geschieht dieß gemäß dem größeren oder geringeren Verdienste um Kirche und Religion, das etwa zur inneren Vollendung noch hinzukam. Die Verehrung der Bekenner trat, wenigstens nach den uns vorliegenden Zeugnissen, nicht so frühe in den kirchlichen Cultus ein, wie die Verehrung der Martyrer, welche, wie die der Apostel, den ersten Zeiten des Christenthums angehört, eine Erscheinung, die uns nicht befremden kann. Die Verehrung der Bekenner mußte schon darum in der ersten Zeit zurücktreten, weil der Schmuck der Heiligkeit ohne das Martyrium in der ersten Kirche keine Auszeichnung Einzelner, sondern der ganzen Kirche oder doch der Mehrzahl ihrer Glieder war. Nur in den Martyrern offenbarte sich in jenen Jahrhunderten die Heiligkeit in eminentem Grade. Auf ihrem Heldenmuthe ruhte die Erhaltung des Christenthums, und ihre begeisterte Verehrung selbst hatte eine große moralische Kraft zur Erweckung gleicher heroischer Begeisterung für den Glauben in den übrigen Gläubigen. Dennoch begegnen uns schon frühe Spuren auch von der liturgischen Verehrung der Bekenner. Ganz abgesehen davon, daß schon theilweise die Apostel selbst hierher bezogen werden müssen – denn gewiß wendete sich ihnen die liturgische Verehrung schon der ersten Kirche nicht bloß als Martyrern, sondern eben als Aposteln zu –, wird von den kirchlichen Schriftstellern, und namentlich von den kirchlichen Rednern der ersten Jahrhunderte schon die Aufforderung zur Nachahmung der Martyrer keineswegs auf das Martyrium selbst beschränkt, sondern dieselben werden von ihnen als Ideale der frommen Begeisterung und christlichen Selbstverläugnung überhaupt dargestellt. So war schon in der Verehrung der Martyrer die Verehrung der Bekenner gegeben oder nahe gelegt. Es finden sich aber auch vom dritten Jahrhundert an für das Dasein dieser Verehrung ausdrückliche Zeugnisse. Schon Origenes spricht von einer Fürbitte aller Heiligen Gottes (De orat. 11; In Cantic. 2, 4; Contr. Cels. l. 8). In demselben Jahrhundert ist Cyprian bemüht, den Bekennern gleiche Verehrung mit den Martyrern zu vindiciren (Ep. 37 ad Presbyt. et Diac. de zel. et liv.). Mehr Spuren begegnen uns indessen vom vierten Jahrhundert an (Hier. Ep. 108 ad Eust.; Vit. s. Hilar. 31; Sozom. 3, 14). Im Abendlande wissen wir namentlich vom hl. Martinus, Bischof von Tours, der um das Jahr 400 starb, daß ihm bald nach seinem Tode eine hohe kirchliche Verehrung, zunächst im fränkischen Reiche, zu Theil ward. Von jetzt an wurde die Verehrung der Bekenner allgemeiner. Übrigens erscheint die größere Theilnahme für die Verehrung der Bekenner gerade seit dem vierten Jahrhundert an ihrer geeigneten historischen Stelle, indem sich eben damals ein ruhigeres kirchliches Leben zu bilden anfing, und das Beispiel stiller Tugenden daher jetzt besondere Bedeutung gewann. Auch die Aufnahme alttestamentlicher Personen zur kirchlichen Verehrung gehört den ersten Jahrhunderten an. – Die wirkliche kirchliche Verehrung der Bekenner ist übrigens erst von der kirchlichen Ermächtigung dazu abhängig (s. Beatification und Canonisation). Vielen Bekennern wird nur in gewissen Ländern und Kirchen, anderen in der ganzen Kirche die kirchliche Verehrung zu Theil. Zu den letzteren gehören fast ohne Ausnahme diejenigen, welche durch die Aufnahme in die römische Liturgie eines universellen Gedächtnisses gewürdigt worden sind (vgl. J. B. Lüft, Liturgik, s. v. Heilige).

[Lüft.]

Bisweilen verstand man unter Confessor auch die Sänger und Psalmisten, da die heilige Schrift das Wort confiteri öfter in dem Sinne Dei laudes decantare gebraucht. In diesem Sinne werden bei den Fürbitten der Charfreitagsliturgie die Confessores unter den kirchlichen Ständen ausgeführt (Du Cange. s. v. Confessor).


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