Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 2, Sp. 666]Bibelhandschriften heißen im engeren Sinne diejenigen Exemplare der heiligen Schrift, welche vor Erfindung der Buchdruckerkunst durch Abschreiben hergestellt sind. Da dieselben als Quellen zur Ermittelung des Bibeltextes den Übersetzungen gegenüber treten, so denkt man bei dem Ausdruck Bibelhandschrift gewöhnlich nur an Exemplare der biblischen Urtexte, also an hebräische und griechische. Dieselben theilen im Allgemeinen sämmtliche Eigenthümlichkeiten, welche aus der Paläographie bekannt sind. Die älteren Handschriften sind auf Pergament, auch wohl auf Leder, die jüngeren (seit 1000) theilweise auf Baumwollenpapier, noch später (seit 1250) auch wohl auf Leinenpapier angefertigt. Von den hebräischen Handschriften des A. T. sind die zu liturgischen Zwecken bestimmten als Rollen (volumina), alle übrigen aber, und ebenso sämmtliche Handschriften des N. T. als Bücher (codices) angefertigt. Auf den Rollen und in den ältesten Handschriften steht der Text columnenweise. Die vielfach verschiedene Beschaffenheit der hebräischen und der griechischen Handschriften macht eine gesonderte Betrachtung nothwendig.

A. Handschriften des hebräischen Alten Testamtentes oder der protocanonischen Bücher gibt es jetzt nur solche, welche nach Einführung der sogen. Masora (s. d. Art.) entstanden sind. Die vorhandenen Manuscripte sind entweder öffentliche, d. h. zum Vorlesen in [Bd. 2, Sp. 667]der Synagoge bestimmte, oder private, d. h. zum Gebrauch Einzelner angefertigte. Erstere haben immer das alte Rollenformat und sind mit großer kalligraphischer und orthographischer Sorgfalt in der sog. Quadratschrift, aber ohne Vocalzeichen, letztere sind theils in Quadratschrift mit Vocalbezeichnung, theils in der jüngeren, sogen. rabbinischen Schrift angefertigt und zeigen ihrer äußeren Beschaffenheit nach die größte Mannigfaltigkeit. Die öffentlichen Handschriften enthalten nur diejenigen Theile der heiligen Schrift, welche bei der jüdischen Liturgie vorgelesen werden, also den Pentateuch, die Haphtaroth und die fünf Rollen (Hohes Lied, Ruth, Klagelieder, Prediger, Esther). Auch die privaten enthalten nur zum kleineren Theil die ganze hebräische Bibel; weitaus die meisten umfassen bloß einzelne Bücher oder Klassen von Büchern. Den Privathandschriften sind oft auch Übersetzungen in morgenländischen Sprachen, die große und die kleine Masora, oder jüdische Commentare beigefügt.

Die vorhandenen Synagogenrollen (soweit sie unter den oben angegebenen Begriff der Bibelhandschriften fallen) sind unter Beobachtung vieler kleinlicher Vorschriften hergestellt, welche sich in dem zum Talmud gerechneten Tractat Sopherim finden. Nach diesen müssen die Rollen geschrieben werden mit schwarzer Tinte; nur Ein Buchstabe mit einer Tinte von anderer Farbe oder mit Gold macht die Abschrift profan und für den Synagogengebrauch untauglich. Aber auch nicht jede Art von schwarzer Tinte ist erlaubt. Wenn Kohlen, oder Vitriol, oder Gummi, oder faules Wasser zu ihr genommen worden, so ist sie untauglich; man muß sie bereiten mit Ruß von verbranntem Öl oder Pech, diesen mit Honig durchkneten und hart werden lassen, und wenn man schreiben will, die Masse mit Gallwasser aufweichen (Schickard, Jus regium Hebraeorum, ed. Carpzov. Kips. 1674, 96 sq.). Sodann darf nur geschrieben werden auf Häute von reinen Thieren, deren Fell nicht so porös oder dünn ist, daß die Schrift durchschlägt. Die Haut ist übrigens tauglich, wenn auch das Thier nicht ordentlich geschlachtet worden ist; nur ist die Haut eines zerrissenen der eines abgestandenen Thieres vorzuziehen. Die Zubereitung derselben muß aber schon mit der Intention, Material zu einer Synagogenrolle zu beschaffen, geschehen; daher sind Thierhäute, welche von Nicht-Juden zum Schreiben präparirt worden sind, untauglich, weil nur Juden jene Intention in rechter Art haben können (Schickard 89 sq.). Das das Abschreiben noch wichtiger ist, als die Zubereitung des Materials, und in noch höherem Grade die rechte Intention erfordert, so läßt sich denken, daß brauchbare Synagogenrollen von Juden selbst geschrieben sein müssen; von Heiden geschriebene müssen vergraben, von Häretikern geschriebene verbrannt werden (Schickard 126). Der Abschreiber muß sich zu seinem Geschäft [Bd. 2, Sp. 668] eigens vorbereiten, ein authentisches Exemplar als Original nehmen und beim Abschreiben desselben jeden Buchstaben, bevor er ihn schreibt, eigens ansehen, um keinen Fehler zu begehen. Der Raum zwischen je zwei Buchstaben eines Wortes muß ein Haar oder einen Faden breit sein, zwischen zwei Worten muß er die Breite eines schmalen Buchstabens, zwischen zwei Paraschen die Breite von neun Buchstaben und zwischen zwei Büchern die Breite von drei Zeilen haben. Die beiden Lieder des Pentateuchs (Exod. 15. Deut. 32) müssen stichenweise geschrieben sein. Den Namen Gottes darf der Abschreiber nur mit einer neu eingetauchten Feder schreiben, und wenn er beim Schreiben desselben selbst begrüßt wird von einem König, darf er den Gruß nicht erwiedern, bis er den Namen ausgeschrieben hat u. dgl. (vgl. Eichhorn, Einleitung in das A. T., 4. Ausg., II, 461 ff.). Die vollendete Abschrift wird einer strengen Revision unterworfen, und wenn sie nur wenige Fehler hat, werden dieselben verbessert; hat sie aber auf einem Blatte mehr als zwei Fehler, so ist sie untauglich und wird vergraben (Menachot f. 29 b.). Die bei der Correctur tauglich erfundene Abschrift wird an beiden Enden mit Darmsaiten von reinen Thieren an zwei Cylinder befestigt und aufgerollt und dient fortan zum Synagogengebrauch.

Die vielen noch aus der Zeit vor 1450 herrührenden Privathandschriften zeigen nicht eine so ängstliche Vorsicht, weil für die Anfertigung solcher Exemplare weniger strenge Vorschriften bestanden. Es gibt Manuscripte auf Thierhäuten und Pergament, aber auch auf Baumwollen- und Leinenpapier. Die Buchstaben sind mit schwarzer Tinte geschrieben, aber die Anfangsworte mit Gold und Farben verziert. Vocale und Accente sind meist beigegeben und oft in Farben hergestellt. Das Format ist sehr mannigfaltig, von Folio bis zu Duodez. Die einzelnen Bücher sind durch Zwischenräume von einander getrennt, welche entweder leer geblieben sind oder die sog. Epikrisen, d. h. Angaben über Zahl der Verse u. dgl. im vorhergehenden Buche enthalten. Die Aufeinanderfolge der einzelnen Bücher nach dem Pentateuch ist verschieden, bald die im Talmud angegebene, bald die jetzt in den gedruckten Ausgaben eingehaltene (s. Kaulen, Einl. S. 155).

In den Randbemerkungen zu den hebräischen Bibelhandschriften werden oft als Auctoritäten für die eingehaltenen Lesarten alte hochberühmte Manuscripte genannt, welche jetzt verloren sind. Das wichtigste derselben war ספר הללי nach der einen Erklärung die Handschrift des Hillel, nicht des berühmten Gesetzeslehrers, sondern eines zu Anfang des siebenten Jahrhunderts lebenden Rabbi, nach der anderen eine Handschrift aus Hilla. Dieselbe war um 600 geschrieben. Im J. 1196 benutzte sie der Grammatiker Jakob ben Elasar in Toledo zu seinem Werke Sepher haschschalem, und aus diesem sind mancherlei Anführungen [Bd. 2, Sp. 669] erhalten; seitdem ist sie verschollen, und man weiß nur, daß um 1500 ein Theil derselben nach Afrika verkauft wurde. Sie hatte schon Vocale und Accente, stellte also den masorethischen Text dar. Etwas später ward in Syrien מחזורא רובח geschrieben, ein großes Ritualwerk, welches auch die ganze Bibel enthielt. Außerdem werden citirt: die Handschrift des Sanbuki aus Ungarn (ספר זנבוקי), der Pentateuch von Jericho (חומש יריחו), die Sinaihandschrift (ספר סיני), die Handschriften von Jerusalem (ס' ירוּשׁלמי) und Damascus (ס' דמשק), sämmtlich schon im siebenten Jahrhundert bekannt und angesehen, sowie die Handschrift des Karäers Moses ben Naphthali (ס' בן נפטלי) aus dem Anfang des neunten Jahrhunderts, in Babylon geschrieben.

Die Anführungen aus diesen alten Handschriften sind oft das einzige Mittel, wodurch das Alter der noch vorhandenen Manuscripte ungefähr bestimmt werden kann. Beischriften nämlich, welche über Entstehung und Herkunft der betreffenden Codices Auskunft geben könnten, finden sich nur in der Minderzahl der hebräischen Bibelhandschriften; wie es scheint, wurden solche überhaupt erst seit dem zehnten Jahrhundert beigefügt. Nicht selten sind solche Zusätze verdächtig; in vielen Fällen hat die Fälschung und Antedatirung derselben bewiesen werden können. Sie enthalten den Namen des Abschreibers, mitunter auch des Vocalen- und Masoraschreibers, den Namen des Eigenthümers, die Angabe der Zeit, in welcher die Handschrift vollendet worden, endlich auch Mittheilungen über etwaige Veräußerungen und die späteren Besitzer. Die Datirungen sind gewöhnlich nach der jüdischen Weltära, oft mit Weglassung der Jahrtausende, gegeben; seltener ist die Rechnung nach der seleucidischen Ära oder nach Jahren seit der Zerstörung des Tempels. Wo die Datirungen fehlen, reichen paläographische Merkmale selten aus, um das Alter zu bestimmen; nur ein gewisser Tact, der durch Vergleichung vieler datirten Handschriften erworben worden, kann hier aushelfen.

Als die bedeutendsten Männer, welche durch Übung zur Beurtheilung hebräischer Handschriften befähigt gewesen, müssen gelten: Kennicott, welcher zum Behuf einer neuen Textausgabe 580 Handschriften verzeichnete (Dissert. gener. in Vet. Test. Hebraicum auct. Benj. Kennicott [ex vol. II. edit. Bibl.] recudi cur. P. J. Bruns, Brunsw. 1783); J. B. de Rossi, welcher 710 hebräische Bibelhandschriften selbst besaß und für seine Variae Lectiones Veteris Testamenti (Parmae 1784–1788, 4 voll. mit Suppl. ib. 1798) verglich; endlich A. Harkavy und H. L. Strack, welche 201 Codices der Petersburger Bibliothek genau beschrieben (Catalog der hebr. Bibelhandschriften der k. öffentl. Bibl. in St. Petersburg, 1. und 2. Theil, 1875, St. Petersb. und Leipz.). Nach den von diesen Gelehrten gegebenen Ausweisen sind 1627 biblische [Bd. 2, Sp. 670] Handschriften bekannt geworden, nämlich 580 durch Kennicott (Codd. K), 844 durch de Rossi (Codd. R), 201 durch Harkavy und Strack (Codd. F. A. B) und 2 im Morgenland befindliche durch J. Sappir. Diese »Codices« sind aber durchaus nicht lauter Exemplare der ganzen hebräischen Bibel, sondern enthalten zum größeren Theil bloß einzelne Abschnitte aus derselben und bestehen mitunter aus einzelnen zerrissenen Blättern von zu Grunde gegangenen Pergamentbüchern.

Unter den datirten Handschriften, welche wissenschaftlich untersucht worden sind, hat sonst als die älteste der Petersburger Codex F 3 gegolten, eine halb verfaulte Pentateuchrolle mit Epigraph vom Jahre 843 n. Chr. Letzteres ist aber durch Harkavy als unächt erwiesen. Als älteste datirte Bibelhandschrift muß daher ein Prophetencodex gelten, welcher in der Synagoge zu Kairo aufbewahrt wird und 827 nach der Tempelzerstörung = 895 nach Chr. Geb. von dem Karäer Moses ben Ascher zu Tiberias geschrieben ist. Hierauf kommt Cod. B 3, die späteren Propheten mit der großen und der kleinen Masora enthaltend, mit Vocalen und Accenten nach dem sog. babylonischen Punktationssystem, geschrieben 916 n. Chr., von Abr. Firkowitsch in der Synagoge von Tschufut-Kale in der Krim gefunden. Diese höchst merkwürdige Handschrift ward auf Kosten der russischen Regierung von Strack photolithographisch facsimilirt 1875; besonders erschien daneben Hosea Joel Proph. ad fidem cod. Bab. Petr., ed. Strack. (Die Liter. über den Codex s. bei Harkavy und Strack a. a. O.) Hierauf folgt der Zeit nach Cod. B 19ª, eine vollständige Bibel mit außerordentlich reichhaltiger Masora, geschrieben 1009 n. Chr.; Cod. K. 590 auf der k. k. Hofbibliothek zu Wien, enthaltend Propheten und Hagiographa, nach der Überschrift 1019 n. Chr. angefertigt; Cod. K 154 in der großherzoglichen Bibliothek zu Karlsruhe, früher Eigenthum Reuchlins, enthaltend Propheten mit Targum, sehr vom masorethischen Text abweichend, nach der Unterschrift geschrieben 1106; Cod. K 326 in der Nationalbibliothek zu Paris, enthaltend Hagiographa und frühere Propheten, am Ende defect, geschrieben 1118; Cod. F. 85, ein Pentateuch mit großer und kleiner Masora, sehr beschädigt, geschrieben 1132; Cod. K. 293 in einer Privatbibliothek zu Toledo, enthaltend Pentateuch und 5 Megilloth, mit vielen alten Lesarten, geschrieben 1144; Cod. K 531 in der Salvatorsbibliothek zu Bologna, enthaltend Propheten und Hagiographen, geschrieben 1193. Handschriften aus dem 13. und 14. Jahrhundert finden sich häufiger in Bibliotheken und im Privatbesitz.

Unter den undatirten Handschriften finden sich gewiß einzelne, welche in ein höheres Alterthum hinaufreichen, als die vorstehend angegebenen; indeß läßt sich über diese immerhin nur ein unsicheres Urtheil bilden. Als die älteste muß die Handschrift einer ganzen Bibel gelten, welche gewöhnlich [Bd. 2, Sp. 671] nach dem im zehnten Jahrhundert zu Tiberias lebenden R. Aaron ben Ascher benannt wird. Sie ist geschrieben von שלמח בן בדיאעא, interpunktirt von מר אהרן בן מר אשר und stammt demnach spätestens aus dem zehnten Jahrhundert. Das Exemplar des R. Aaron ben Ascher galt bei den Juden aller Schattierungen als Mustercodex und ward wir ein Heiligthum angesehen. Man darf mit Grätz (Gesch. der Jud. V, 344) sagen, daß der jetzt übliche Text der hebräischen Bibel einzig auf ben Aschers Originalexemplar beruht. Jahrhunderte lang war dasselbe nur aus Citaten bekannt; jetzt weiß man, daß es erst zu Jerusalem war (daher ספר ירושלמי genannt), dann noch vor Saladins Zeit nach Ägypten kam, wo es Maimonides sah (daher auch ס' מצרי) und nunmehr zu Aleppo aufbewahrt wird. Wohl ebenso alt, vielleicht noch älter, ist Cod. R 634, ein Bruchstück des Pentateuchs ohne Vocale und sonstige Zuthaten. Dann folgt Cod. R 503, ein aus verschiedenen Stücken zusammengetragener, am Anfang und am Ende defecter Pentateuch, dessen Bruchstücke in’s zehnte und elfte Jahrhundert gehören. Cod. K 1 in der bodlejanischen Bibliothek, das ganze Alte Testament enthaltend, sehr abweichend vom masorethischen Text und mit den alten Übersetzungen harmonirend, aus dem elften Jahrhundert; Cod. K 536 in der malatestanischen Bibliothek zu Cesena, enthaltend Pentateuch, Propheten und 5 Megilloth, aus dem elften Jahrhundert; Cod. R 262, enthaltend Pentateuch, Haphtaroth, Megilloth, sehr oft mit dem Samaritaner und den alten Übersetzungen stimmend, aus dem elften Jahrhundert; Cod. R 10, Pentateuch und Megilloth mit Targum, R 349, Buch Hiob, R 379, Hagiographa, R 611, Pentateuch, sämmtlich aus dem elften oder zwölften Jahrhundert; Cod. K. 162 zu Florenz in der Laurentiana, enthaltend die vorderen Propheten theilweise, aus dem Anfang des zwölften Jahrhunderts; Cod. K 4 in der Bodlejana, enthaltend das ganze hebräische A. T., K 193 in der Ambrosiana zu Mailand, enthaltend den Pentateuch, K 201 in der Ebner’schen Bibliothek zu Nürnberg, enthaltend die Propheten und Hagiographen, K 210 in der Nationalbibliothek zu Paris, enthaltend das ganze A. T., reich an guten Lesarten, sämmtlich aus dem zwölften Jahrhundert.

Es gibt demnach keine hebräischen Bibelhandschriften, welche in ein höheres als das durch die Masorethen herbeigeführte Zeitalter gehören. Zum Theil rührt das daher, daß nach dem Tractat Sopherim abgenutzte Exemplare sorgfältig verborgen oder vernichtet werden mußten. Allerdings soll in Damascus noch ein hebräischer Bibelcodex aus dem dritten Jahrhundert und in Gobar bei Damascus noch ein anderer sogar aus der Machabäerzeit verborgen gehalten werden (Heidenheim, Vierteljahrschrift I, 260). Allein diese Angaben werden wohl ebenso wenig Bestätigung finden, wie die abenteuerlichen Nachrichten, [Bd. 2, Sp. 672] welche eine Zeitlang über hebräische Bibelhandschriften aus der Krim umgingen. Dort sollte der Karaiten-Rabbiner Firkowitsch zu Eupatoria einen Schatz von Bibelhandschriften zusammengetragen haben, welche ihrer Entstehung nach über alle bekannten Daten bis 489 hinaufreichten (Muralt in Heidenheims Vierteljahrsschrift VI, 186). Jetzt sind die Epigraphe, welche dieses behaupteten, als Fälschungen erkannt, und es bleibt Firkowitsch nur der Ruhm, in der jetzigen Petersburger Sammlung (s. o.) allerdings die ältesten und merkwürdigsten hebräischen Bibelhandschiften, welche es gibt, zugänglich gemacht zu haben.

Von den textkritischen Bemühungen der Juden frei geblieben sind jedenfalls die hebräischen Pentateuchhandschriften der Samaritaner. Von denselben kam die erste 1616 aus Damascus nach Europa, und zwar in die Bibliothek des Oratoriums zu Paris; überhaupt sind jetzt im Abendlande, meist in der vaticanischen und der bodlejanischen Bibliothek, 16 derartige Handschriften bekannt, welche in die Verzeichnisse der hebräischen Handschriften mit eingereiht sind (Cod. K 61 bis 66. 127. 183. 197. 221. 333–4. 363–4. 503–4). Sie sind in den verschiedensten Größen, von Folio bis zu 24º, geschrieben, ohne alle Zuthaten zum Text, und haben nur zum Theil Epigraphe mit dem Namen des Schreibers oder des Besitzers, sowie mit der Jahreszahl der Anfertigung. Sie reichen nicht über das 13. Jahrhundert hinauf und sind meist ungenau abgeschrieben. Im Morgenlande jedoch sind unter zahlreichen Exemplaren auch einige gewiß sehr alte Handschriften. In der Synagoge zu Nablus ist eine Lederrolle vorhanden, welche den europäischen Beschauern aus dem Tempel auf dem Garizim herzurühren schien; eine Octavhandschrift ist vom Jahre 657 datirt, ein dritter Codex steht an Alter zwischen den beiden genannten (Rosen in der Zeitschr. der d. morgenl. Ges. XVIII, 1864, 582). Alte Fragmente des Buches Exodus brachte Saulcy nach Paris (Bargès, Notice sur deux fragments d’un Pentat. hébr.-samar., Paris 1865; vgl. Zeitschrift der d. morgenl. Ges. XXI, 1867, 288. Vgl. außer den schon angeführten Schriften noch Wolf, Bibl. hebr. II, 293 sq.; Carpzovii Crit. sacra p. I, cap. 8; Le Long, Bibl. sacra ed. Boerner, Lips. 1709, 59 sq.; Houbigant, Prolegg. in Script. S., Paris. 1746; Tychsen, Tentamen de variis codd. Hebr. V. T. Manuscr. generibus, Rostochii 1772; Bruns in Paulus’ Neuem Repert. II, 3; Eichhorn, Einl. in das A. T. II, § 348 ff.; Rosenmüller, Handb. für die Liter. d. bibl. Kritik u. Exeg. II, 17 ff.; Schnurrer, De aetate Codd. manuscr. V. T. difficulter determinanda, in Dissertatt. philol. 1 sq.; J. B. de Rossi, Manuscr. codices hebr. et all. linguarum biblioth. auct., inter quos innumeri biblici, accur. descr. et illustr., 3 voll., Parmae 1803–1804; Ejusd. Clavis s. Descriptio collatorum Mss. vor der Varr. [Bd. 2, Sp. 673] Lectt.; Pinner, Prospectus der der Odessaer Gesellschaft für Geschichte und Alterthümer gehörigen hebr. und rabbin. Manuscripte, Odessa 1845; Bär, Zwei alte Thorarollen aus Arabien und Palästina, Frankfurt 1870; Strack, Prolegg. crit. in Vet. Test. hebr., Lipsiae 1873, 9–58 (mit reichhaltiger anderweitiger Literatur).

B. Die griechischen Bibelhandschriften. a) Die Handschriften der sog. deuterocanonischen Bücher des A. T., für welche sämmtlich der griechische Text als Original angesehen wird, brauchen hier nicht besonders berücksichtigt zu werden, da man im christlichen Alterthum nur Eine griechische Bibel ohne strenge Unterscheidung zwischen Altem und Neuem Testament kannte. Allein schon ursprünglich umfaßten nur wenige Handschriften die ganze heilige Schrift, und jetzt gibt es nur Theilhandschriften oder defecte Exemplare der ganzen Bibel. Von diesen enthalten, soweit es wissenschaftliche feststeht, 30 die sog. Zusätze zum Buch Esther, 32 das Buch Tobias, 31 Judith, 34 das erste, 32 das zweite Machabäerbuch, 39 Baruch, 39 die sog. Zusätze zu Daniel, 31 das Buch der Weisheit, 32 den Ecclesiasticus. (Vgl. Scholz, Einl. I, 567; Tischendorf, Vet. Test. gr. Prolegg. XXIV.)

b) Die griechischen Handschriften des Neuen Testamentes. Die Originalhandschriften der neutestamentlichen Bücher sind sämmtlich verloren gegangen. Sie waren jedenfalls auf Papyrus geschrieben (2 Joh. 12) und konnten daher keine lange Dauer beanspruchen. Der Sage nach soll das Autograph des Johannisevangeliums im siebenten Jahrhundert noch zu Ephesus gewesen sein (Chron. Pasch. bei Migne, PP. lat. XVII, 77). In Venedig und Prag zeigte man früher Bruchstücke eines alten lateinischen Marcusevangeliums als angebliches Autograph des heiligen Apostels.

Abschriften vom griechischen N. T. gibt es wohl an tausend. Indeß bieten nur wenige das ganze N. T., und zwar dann in Verbindung mit dem griechischen A. T. und außerbiblischen Vorlesebüchern. Die meisten enthalten einzelne Abtheilungen des Canons oder einzelne Schriften; viele sind bloße Lectionarien mit den kirchlichen Perikopen. Bei manchen ist eine alte lateinische Übersetzung neben oder zwischen den Text geschrieben (codices graecolatini); einzelne haben eine koptische Übertragung neben dem Original (z. B. Cod. T. Evang.), andere jüngere eine arabische. Zuweilen finden sich auch Stellen aus den heiligen Vätern u. dgl. als Anmerkungen hinzugefügt (Cod. X). – Der äußern Gestalt nach sind sämmtliche neutestamentliche Handschriften Bücher (codices), keine Rollen (volumina). Das Format ist verschieden von Folio bis zu 24º in allen Größen. Neben den gewöhnlichen Materialien zeigt noch ein einziger (Cod. Q Paul.) Papyrus als Schreibstoff. Das Pergament ist mitunter purpurn (roth, [Bd. 2, Sp. 674] violett) gefärbt, die Schrift mit Gold und Silber hergestellt und mit Miniaturen verziert (besonders Cod. Σ). Die Schrift nimmt bei kleineren Formaten die ganze Blattseite ein; bei größeren steht sie in 2, 3, 4 Columnen. Gewöhnlich hat jedes Buch Über- und Unterschrift. Die ältesten Handschriften haben jedes Buch in continuo; bei einer Anzahl späterer sind Apostelgeschichte und Briefe nach der von Euthalius erfundenen Weise stichometrisch geschrieben; noch jüngere ersetzen die Stichen durch Interpunktion. Die Zerlegung in Lesestücke oder Perikopen ist allgemein beigeschrieben; in einigen kommt auch die Eintheilung in τίτλοι oder Breves vor. Eine sehr große Zahl zeigt vorn die Canones des Eusebius. – Über das Alter der Handschriften gibt nur selten eine Unterschrift, ein Menologium oder dergleichen Aufschluß; gewöhnlich muß die Entstehungszeit nach paläographischen Kennzeichen ermittelt werden. Eines der wichtigsten darunter ist die Schriftart. Die Cursivschrift, worin die neutestamentlichen Bücher und Briefe jedenfalls von ihren Verfassern oder deren Amanuensen niedergeschrieben wurden, findet sich in keinem Manuscript, da gewiß schon die Originalreinschriften mit Uncialbuchstaben geschrieben wurden. Mit letzteren, in der sog. Majuskelschrift, sind fast alle neutestamentlichen Handschriften geschrieben, welche sich aus dem ersten Jahrtausend erhalten haben. Der Schriftzug in denselben ist meist kalligraphisch gestaltet, groß und klar, und fast ohne Buchstabenverbindung. Die Wörter sind nicht getrennt; höchstens sind in späterer Zeit Punkte zur Unterscheidung derselben hinzugesetzt worden. Am Ende der Zeile oder Columne werden die Wörter ohne alle Rücksicht auf die Etymologie gebrochen oder auch durch kleine Buchstaben verschmälert. Jota subscriptum, Spiritus und Accente kommen nicht vor. Zur Raumersparniß dienen eine Menge Abkürzungen, z. B. ΘΣ, ΙΣ, ΚΣ, welche in jüngeren Abschriften oft mißverständlich aufgelöst worden sind. Eigenthümlich ist den Uncialhandschriften die Verwechlung der Vocale nach dem Itacismus ΕΛΘΙΝ für ἐλϑεῖν, ϹΩϹΕ für σῶσαι, ΓΥΝΕΤΑΙ für γίνεται, ΑΙΑΝ für ἐάν, ΤΗϹ für ταῖς. Die jüngste Uncialhandschrift stammt aus dem Jahre 995; aus späterer Zeit erscheint die Majuskel noch als Prachtschrift in Lectionarien. Der Gebrauch der Minuskelschrift läßt im Allgemeinen auf die Entstehung im zweiten Jahrtausend unserer Zeitrechnung schließen; einzelne neutestamentliche Minuskelhandschriften sind aber schon seit 890 angefertigt. In diesen sind breite Columnen gewählt, die Wörter am Ende der Zeilen nur nach Maßgabe des Raumes gebrochen, Jota subscriptum, Spiritus und Accente eingeführt, Ligaturen bis zum Übermaß angewandt. Die Worttrennung ist nur allmälig und sehr unvollkommen eingehalten.

Zur Bezeichnung der einzelnen Handschriften dienen zunächst Epitheta, welche von ihrer Geschichte oder ihrem Aufbewahrungsort hergenommen [Bd. 2, Sp. 675] sind, z. B. Codex Alexandrinus, Codes Bezae, Codex Boernerianus, Codex Vaticanus, Codex Borgianus, Codex Mosquensis. Zu kritischen Zwecken aber hat man alle in Europa und Asien bekannt gewordenen Handschriften als eine einzige Sammlung gedacht und sie als solche in Abtheilungen mit gesonderten Bezeichnungen gebracht. Uncialhandschriften werden mit den großen Buchstaben erst des lateinischen, dann des griechischen Alphabets, Minuskelhandschriften mit arabischen Ziffern bezeichnet, z. B. Codex B, Codex 23. Für einen besonders wichtigen Codex hat Tischendorf noch einen Buchstaben des hebräischen Alphabets zu Hülfe genommen. Nun sind diese Bezeichnungen für vier Klassen des N. T., nämlich 1. Evangelien, 2. Apostelgeschichte und katholische Briefe, 3. paulinische Briefe, 4. Apocalypse, parallel gewählt worden, so daß Ein Buchstabe oder Eine Ziffer mehrere Handschriften, je eine aus den angegebenen Klassen, bezeichnen kann. Codex F z. B. ist bei den Evangelien der Codex Boreeli zu Utrecht, bei den Briefen Pauli aber der Codex Augiensis zu Cambridge. Bloß die Bezeichnungen א oder S für den Codex Sinaiticus, A für den Codex Alexandrinus, B für den Codex Vaticanus, C für den Codex Ephraemi rescriptus sind bei allen Klassen gleich. Da in jüngster Zeit viele lose Blätter aus alten Handschriften gefunden worden sind, welche entweder untereinander oder mit vorhandenen Manuscripten in näherem oder fernerem Zusammenhang stehen, so werden diese durch eine Zuthat zu dem betr. Buchstaben kenntlich gemacht; so bezeichnet Wa zwei Pergamentblätter aus einem Evangelium Lucas’ zu Paris, Wc drei solcher Blätter zu St. Gallen. Wo diese Bezeichnungen zu kritischen Zwecken angewandt sind, kann kein Irrthum stattfinden. Sonst setzt man wohl hinzu: Codex E (Ev.), Codex G (Paul.) u. s. w. Nach diesen Vorbemerkungen stehen hier die wichtigern der griechischen Bibelhandschriften in der oben angegebenen Klasseneintheilung.

I. Evangelien (Vollständig, wo nicht anders bemerkt ist). Codex א, bei Andern S, ist der berühmt gewordenen Codex Sinaiticus, eine Handschrift aus dem vierten Jahrhundert, von welcher Tischendorff 1844 einige Blätter, 1859 aber alles Übrige in dem Katharinenkloster auf dem Sinai entdeckte. Er enthält den größten Theil des A. T., das ganze N. T., den sog. Barnabasbrief vollständig und den ersten Theil des Hermas. Durch Tischendorfs Vermittelung wurden die zuerst gefundenen Blätter dem König Friedrich August von Sachsen, der übrige Codex aber dem Kaiser Alexander II. von Rußland geschenkt. Veröffentlicht wurde zuerst: Codex Friderico-Augustanus, ed. Tischendorf, Lips. 1846; dann folgte nach der Notitia ed. cod. Sin., ib. 1860, eine mit größtem Luxus facsimilirte Ausgabe unter dem Titel Bibliorum codex Sinaiticus Petropolitanus etc. ed. Constant. de [Bd. 2, Sp. 676] Tischend., Petrop. 1862; hierauf eine Quartausg. mit den Zeilenabsätzen des Codex als Nov. Test. Sinaiticum, ed. Tischend., Lips. 1863; eine Octavausgabe mit fortlaufenden Zeilen ib. 1864; ferner Nov. Test. Graece ex Sin. codice, Vaticana itemque Elzeviriana lectione notata, Lips. 1865; Ejusd. Conlatio crit. cod. Sinaitici cum textu Elzev., ib. 1869; Scrivener, A full Collation of the Cod. Sinait. with the received text of the New Testament, Cambridge 1864, 2. ed. 1867. (Zum A. T. ward der Codex von Nestle verglichen; s. d. Art. Septuaginta.)

A, Codex Alexandrinus, eine griechische Bibel mit einigen Lücken nebst zwei Briefen des hl. Clemens, von dem griechischen Patriarchen Cyrillus Lukaris 1628 an Karl I. von England geschenkt, in der Bibliothek des britischen Museums zu London, aus dem fünften Jahrhundert. Das N. T. ward daraus, in Kupferstich facsimilirt, von Woide, London 1786, herausgegeben. Eine Vergleichung desselben mit der dritten Ausgabe des Stephanus ist Woidii Notitia codicis Alex. rec. cur. Spohn, Lond. 1788. Im J. 1860 ward er von Cowper, aus dem stephanischen Text ergänzt, zu London herausgegeben. (Über Babers Ausgabe des A. T. u. s. w. s. d. Art. Septuaginta.)

B, Codex Vaticanus (n. 1209), im A. T. defect, von Hebr. 9, 14 an verstümmelt, aus dem vierten Jahrhundert, auf der vaticanischen Bibliothek zu Rom, wo er sicher schon vor 1550 sich befand. Er trägt alle graphischen Kennzeichen des höchsten Alterthums an sich. Statt der sonst vorkommenden Distinctionen hat er eine ganz selbständige Texteintheilung, bei welcher die paulinischen Briefe als ein einziges Buch betrachtet sind. Nach den Ziffern der Abtheilungen stand der Hebräerbrief, der jetzt an der gewöhnlichen Stelle eingeheftet ist, ursprünglich zwischen dem Galater- und Ephesierbrief. In letzterem finden sich von der ersten Hand noch nicht die Worte ΕΝ ΕΦΕΣΩ. Erst im zehnten oder elften Jahrhundert ist er mit Spiritus und Accenten versehen worden. Collationirt ward die Handschrift 1669 von Bartolocci, 1720 für Bentley von Micon, um 1770 von Birch; beschrieben wurde sie 1809 von Hug (De antiquitate Cod. Vatic. Comment., Tub.), 1847 von Tischendorf (in den Studd. u. Kritt. 1847, 1), 1860 von Vercellone (Dissertt. della Ponteficia Accademia Romana di Archeologia XIV, 323). Ein Facsimile derselben gab Tischendorf a. a. O. Über die nach diesem Codex veranstalteten Ausgaben s. d. A. Bibelausgaben des N. T. Im J. 1868 ließ Pius IX. mit den Typen der Ausgabe vom Cod. Sin. eine facsimilirte Ausgabe der ganzen Handschrift durch Vercellone und Cozza beginnen, welche 1881 vollendet wurde (Bibliorum sacrorum Graecus codex Vaticanus, 5 tomi; vgl. Vercellone, Ulteriori studi sul N. T. Greco dell’ antichissimo codice Vatic., Roma 1866; Tischendorf, Appendix [Bd. 2, Sp. 677] codd. celeberrimorum Sinait. Vatic. Alex., Lips. 1867.)

C, Codex Ephraemi rescriptus, ungefähr 200 Blätter mit der größeren Hälfte des N. T. (und Fragmenten des A. T.), aus dem fünften Jahrhundert, im zwölften Jahrhundert mit dem Text von Werken des hl. Ephräm überschrieben, auf der National-Bibliothek zu Paris, entziffert und facsimilirt herausgegeben von Tischendorf, das N. T. 1843, die Fragmente des A. T. 1845.

D, Codex Bezae Cantabrigiensis, Evangelien und Apostelgeschichte, griechisch und lateinisch, aus dem sechsten Jahrhundert, 1581 von Beza nach Cambridge geschenkt, herausgegeben 1793 von Kipling, 1864 von Scrivener zu Cambridge.

E, Codex Basileensis K. IV, 35, aus dem achten Jahrhundert, auf der Stadtbibliothek zu Basel; F, Codex Boreeli zu Utrecht, aus dem neunten Jahrhundert, collationirt in Jod. Heringa, Disput. de cod. Boreeliano, ed. Vinke, Ultraj. 1843; Fa, Codex Boislinianus, Fragmente zu Paris, herausgegeben von Tischendorf in Monum. sacra ined., Lips. 1846, 400; G, Codex Harteianus 5684, aus dem zehnten Jahrhundert, im britischen Museum zu London; H, Codex Seidelii, mit manchen Lücken, aus derselben Zeit, zu Hamburg; J, Codex Tischendorfianus II, 28 Palimpsestblätter aus dem fünften bis dem siebenten Jahrhundert mit Bruchstücken aus den Evangelien, der Apostelgeschichte und zwei paulinischen Briefen, auf der Bibliothek zu Petersburg, herausgegeben in den Monumm. I, 1855; K. Codex Cyprius, aus dem neunten Jahrhundert, auf der National-Bibliothek zu Paris; L, Codex Paris. n. 62, aus dem achten Jahrhundert, auf der National-Bibliothek zu Paris, herausgegeben von Tischendorf l. c. 57 sq.; M, Codex Paris. 48, aus dem neunten Jahrhundert, auf der National-Bibliothek zu Paris; N, 45 Blätter eines kostbaren Purpurcodex aus dem sechsten Jahrhundert zu Wien, London, Rom und auf Patmos, herausgegeben in Monumm. sacr. ined. 10 und in Monumm. VIII; P, Codex Guelferbytanus rescr., unter einer Handschrift mit den Werken des hl. Isidor, Bruchstücke der Evangelien aus dem sechsten Jahrhundert, zu Wolfenbüttel, herausgegeben von Knittel in Ulfilae vers. Goth., Brunsv. 1762, 55 und von Tischendorf in Monumm. VI; S, Codex Vaticanus 354, geschrieben 949, in der vaticanischen Bibliothek zu Rom; T, Codex borgianus, einige Kapitel des Evangeliums Johannis mit koptischer Übersetzung, aus dem fünften Jahrhundert, in der Propaganda zu Rom, herausgegeben von Georgi als Fragmentum Evang. S. Joh. graeco-copto-theb. saec. IV (sic!), Romae 1789; U, Codex Nanianus, jetzt Marcianus, aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert, zu Venedig; Z, ein Codex rescr. des Matthäusevangeliums, aus dem sechsten Jahrhundert, jetzt zu Dublin, herausgegeben von Barrett, Dublin 1801, und von Abbott in [Bd. 2, Sp. 678]Par Palimpsestorum Dublinensium, Lond. 1880; Γ, Codex Tischendorf. IV, viele Bruchstücke der Evangelien, darunter Lucas ganz, Marcus fast ganz, von 844, theils in der Bodlejana zu Oxford, theils zu Petersburg (vgl. Tischendorf, Notitia edit cod. bibl. Sin., Lips. 1860, 53); Δ, Codex Sangallensis, griechisch und lateinisch, aus dem neunten Jahrhundert, zu St. Gallen, facsimilirt herausgegeben von Rettig, Zürich 1836; Λ, Codex Tischendorf. III, Lucas und Johannes, aus dem achten oder neunten Jahrhundert, auf der Bodlejana (vgl. Tischend. l. c. 58); Ξ, Codex Zazynthius, Fragmente von Lucas aus dem achten Jahrhundert, in der Bibliothek der englischen Bibelgesellschaft, herausgegeben von Tregelles 1861; Π, Codex Petropolit., aus dem neunten Jahrhundert, von Tischendorf zu Smyrna entdeckt, dann dem Kaiser Alexander II. geschenkt, jetzt zu Petersburg (vgl. Tischend. l. c. 51); Σ, Codex Rossanensis, enthaltend Matthäus und Marcus, Purpurcodex aus dem sechsten Jahrhunder, von Gebhardt und Harnack zu Rossano in Calabrien aufgefunden, in der erzbischöflichen Curie daselbst (vgl. G. u. H., Evangeliorum cod. graecus purpureus Rossanensis, seine Entdeckung u. s. w., Leipzig 1880); Φ, untergegangene Uncialhandschrift, aus welcher vier von Ferrar und Abbott collationirte Minuskelhandschriften geflossen sind (s. u.).

II. Apostelgeschichte und katholische Briefe (vollständig, wie oben) außer א, A, B, C, D.

E, Codex Laudianus, stichometrische Apostelgeschichte griechisch und lateinisch, aus dem sechsten Jahrhundert, kam aus Sardinien nach England, ward schon von Beda Venerabilis gebraucht, gehörte später Beza, ward von dem anglicanischen Erzbischof Laud der Bodlejana geschenkt, herausgegeben von Hearne, Oxford 1715, und von Tischendorf, Monumm. IX.

H, Codex Mutinensis n. 196, aus dem neunten Jahrhundert, in Modena, zuerst von Scholz bekannt gemacht; K, s. u.; L, enthaltend Apg. 8, 10 bis Ende, katholische Briefe, Briefe Pauli bis Hebr. 13, 10, früher dem Cardinal Passionei gehörig, jetzt in der Angelica zu Rom; P, auch die Briefe Pauli und die Apocalypse enthaltend, Palimpsest aus dem neunten Jahrhundert, von dem russischen Bischof Porfirius aus dem Orient nach Petersburg gebracht und von Tischendorf gelesen und herausgegeben Monumm. V. VI.

III. Paulinische Briefe (vollständig, wie oben) außer א, A, B, C.

D, Codex Claromontanus, aus dem sechsten Jahrhundert, lateininsch und griechisch, früher Beza gehörig, jetzt auf der National-Bibliothek zu Paris (Nr. 107), herausgegeben von Tischendorf, Lips. 1852; E, Codex Sangermanensis (nach dem Brande der Abtei St. Germain des Prés zu Paris nach Petersburg verkauft), ungeschickte Abschrift des Codex Claromontanus; F, Codex Augiensis, von Röm. 3, 19 an dreizehn [Bd. 2, Sp. 679] Briefe griechisch und lateinisch, Hebräerbrief bloß lateinisch, aus dem neunten Jahrhundert, erst dem Kloster Reichenau gehörig, dann von Bentley gekauft, jetzt in Cambridge, herausgegeben von Scrivener, Cambridge 1859; G, Codex Boernerianus, dreizehn Briefe, griechisch und lateinisch, aus dem neunten Jahrhundert, jetzt zu Dresden, herausgegeben von Matthäi, Meißen 1791; H. Codex Coislinianus, Fragmente einzelner Briefe aus dem sechsten Jahrhundert, theils zu Paris, theils in Rußland an verschiedenen Orten, theils auf dem Athos herausgegeben von Montfaucon, Bibl. Coislin. 251; Duchesne, Arch. des missions scientif. et littér., 3. Série, III, Paris 1876, 420; K, Codex Mosquensis (S. Syn. n. 98), enthaltend sämmtliche Briefe des N. T., aus dem neunten Jahrhundert, stammt vom Berge Athos, jetzt in Moskau; L, s. o.; P, s. o.; Q. Fragmente des ersten Cor.-Briefes auf Papyrus aus dem fünften Jahrhundert, zu Petersburg.

IV. Apocalypse, außer א, A, B.

B, Codex Vaticanus n. 2066, aus dem achten Jahrhundert, einst den Basilianern zu Rom gehörig, jetzt in der Vaticana, von Tischendorf abgedruckt Monumm. 1846, 407, herausgegeben als Append. Novi T. Vatic., Lips. 1869, von Mai in seiner Ausgabe des Cod. Vatic. 1858.

Außerdem gibt es noch für die Evangelien mehr als 500 Minuskelhandschriften nebst mehr als 200 Lectionarien, von denen gegen 60 noch im zehnten, elften und zwölften Jahrhundert mit Majuskeln geschrieben sind, für die Apostelgeschichte und die katholischen Briefe über 200, für die Paulusbriefe über 300, für die Apocalypse mehr als 100 Minuskelhandschriften. Von diesen sind herausgegeben die vier Codices 13 Paris. aus dem zwölften Jahrhundert (Evangelien), 69 Leicestr. aus dem vierzehnten Jahrhundert (ganzes N. T.), 124 Vindob. aus dem zwölften Jahrhundert (Evangelien), 346 Mediol. aus dem zwölften Jahrhundert (Evangelien), in Ferrar, A Collation of four important Mspts of the Gospels, ed. by Abbott, Dublin 1877. (Vgl. Scholz, Einl. I, 579; Tischendorf, Prolegg. ad Ed. VII, crit. maj.; Reuß, Gesch. der heiligen Schriften N. T., 5. Aufl., Braunschweig 1874, II, 87; Hundhausen im Liter. Handw. 1882, 353 ff.)

[Kaulen.]


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