Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Biret (birretum), auch Baret, die kirchliche Kopfbedeckung der katholischen Priester und Bischöfe, bei ersteren von schwarzer Farbe, bei letzteren, wenigstens außer Rom, violet, in Rom gewöhnlich schwarz; bei den spanischen Bischöfen auch schwarz mit grünem Quästchen. Die Cardinäle tragen sämmtlich ein rothes Biret. Die Form ist hie und da verschieden. In Italien hat das Biret gewöhnlich drei Rippen oder Ecken und nur bei den Doctoren der verschiedenen Facultäten, wenn sie in corpore erscheinen, vier; in Deutschland und sonst hat das Biret fast allgemein vier solcher cornua. In Italien wird es auch im Hause getragen, anderswo nur im Chor und bei geistlichen Functionen, jedoch nicht am Altare selbst, sondern nur beim Gehen und Sitzen. Die Ableitung des Namens ist unsicher, ebenso die Zeit des Ursprungs. Vielleicht ist es ein Ersatz für die frühere Kapuze oder das beim Gange zum Altare in Kapuzenform aufgeschlagene Humerale. Die erste Erwähnung des Biretes findet man im zehnten Jahrhundert, bei dem Berichte von der Degradation eines Bischofes von Cahors durch Johannes XII. im J. 956, wobei demselben auch das Biret abgenommen wurde. Im elften Jahrhundert wird mit diesem Namen die Kopfbedeckung des Papstes bezeichnet. Eine Sculptur an der Bronzethüre des Baptisteriums vom Lateran zeigt den Papst Cölestin III. mit einem runden, niedrigen Biret. Die Päpste legten sich mit der Zeit eine Kopfbedeckung bei, welche den Namen Camauro (Camelaugum, Camelaucum, Camelaucus und Camelaucium) erhielt; dieser Name für die päpstliche Kopfbedeckung kommt beim Bibliothekar Anastasius vor. Die neueste Form des Camauro war die, daß es wie ein Helm den ganzen Kopf bedeckte bis zur Stirne, während die zwei Seiten sich verlängertn, so daß sie die Ohren bedeckten. Der Stoff war im Sommer carminrother Atlas, im Winter gleichfarbiger Sammt mit Hermelinpelz verbrämt. Man findet, wie alte Gemälde uns zeigen, eine ähnliche Kopfbedeckung auch bei Gelehrten u. s. w. In den letzten Zeiten bedienten sich die Päpste des Camauro fast nie mehr oder höchstens in ihrer Wohnung, z. B. Pius IX. im Winter. Der Name Camauro kommt auch vor in der Kathedrale von Benevent, wo er eine vom dortigen Erzbischof aus Privileg eine Zeit lang getragene Kopfbedeckung bezeichnete. Auch benannte man so das päpstliche Triregnum. Hier ist noch die kleinere, runde, clericale Kopfbedeckung zu erwähnen: pileolum, birettino, calota, bei uns in Deutschland gewöhnlich »Soli Deo« genannt, von der Farbe des Talars (bezw. Biretes), das die Priester bloß privatim, die Bischöfe, Cardinäle und Päpste auch bei den Functionen sowohl unter der Mitra, als auch allein tragen, selbst in der Messe, nur nicht von der Präfation bis nach dem Empfange des heiligen Blutes; auch legen sie es ab coram exposito SS. Sacramento. (Vergl. Bock, Die liturgischen Gewänder der Kirche, Bonn 1866, II, 342 ff.)

[Stahl.]


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