Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 2, Sp. 954]Böhm, Johann, religöser Fanatiker, bekannt unter dem Namen: »der Pauker von Niklashausen«, gest. 1476. Er gatte bis zu Anfang dieses Jahres in der Umgegend von Helmstadt in Bayern durch Hirtendienste und durch Paukenschlagen bei Tanzbelustigungen sich seinen Lebensunterhalt verdient. Am Sonntag Lätare (im März) 1476 trat er plötzlich als Schwärmer vor das Volk, indem er bei der Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Niklashausen seine Pauke verbrannte und mit Berufung auf den Auftrag der Gottesmutter zu predigen begann. Er eiferte gegen Putzsucht und jeden Mißbrauch des Reichthums; besonders aber zog er gegen die Geistlichen zu Felde, denen er Geiz und andere Laster vorwarf. Zugleich verkündete er ein neues »Reich Gottes auf Erden«, in welchem es keinen Unterschied der Stände und keine Privilegien und Separatrechte mehr geben werde. Die Predigten, welche er nunmehr an allen Sonn- und Fest-tagen hielt, fanden bald einen gewaltigen Zulauf von Nah und Fern. Vorzüglich das arme Volk strömte dem Pauker zu; allein auch aus höheren Kreisen wurde ihm Aufmunterung und Unterstützung zu Theil. Erst im Juli, als ein bewaffneter Aufstand der Anhänger Böhms drohte, ließ der Bieschof Rudolf von Würzburg diesen gefangen nehmen und einige Tage darauf, am 19. Juli, dem Feuertode überliefern. Aber das fanatisirte Volk ließ sich nicht wieder ganz zur Ruhe bringen. (Vgl. Trithem., Chron. Hirs. II, 486; Archiv des hist. Vereins von Unterfranken und Aschaffenb. XIV, Heft 3, 1–108, Würzburg 1858; v. Liliencron, Hist. Volkslieder II, Nr. 148; Ludewig, Geschichtsschr. v. d. Bischofth. Würzb. 852–855.)

[Langhorst S. J.]


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