Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Brevier (Breviarium) ist in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Auszug aus einer größeren Sammlung (Plenarium) von kirchlichen Gebetsformularen. Der Name kommt zuerst für die Reisegebetbücher der Ordensleute vor, welche die Psalmen auswendig wußten und diese daher nicht aufzuschreiben brauchten. Nach seiner jetzigen Anwendung aber, welche vermuthlich durch Gregor VII. eingeführt worden ist, bezeichnet das Wort Brevier, im Unterschied von Meßbuch und Agende, eine Sammlung von Gebetsformularen nicht sacramentalen Charakters, welche zu dem öffentlichen, nach Tag und Stunde festgesetzten Gebetsgottesdienst der Kirche dienen (daher früher auch Horarius, scil. liber). Ein besonderer Theil der Liturgie dient nämlich der Kirche dazu, durch den Mund ihrer Diener vor Gott ihren Glauben zu bekennen, ihm das schuldige Lob darzubringen und ihm ihre Anliegen vorzutragen. Der Sprachgebrauch hat sich soweit verschoben, daß auch das officielle Gebet selbst, das Breviergebet, ganz gewöhnlich unter »Brevier« verstanden wird, obwohl für diese Übung eine Reihe anderer Namen vorhanden ist. Die gewöhnlichste und richtigste Benennung ist Officium divinum, weil durch das regelmäßige Gebet die Kirche ihre Pflicht Gott gegenüber erfüllt. Cursus wird es genannt, entweder weil es in seiner Ordnung dem Laufe der Sonne folgt, oder weil es im Laufe des Tages und des Kirchenjahres betend durchwandert wird. Andere Namen sind: Horae canonicae, weil es durch die Kirchengesetze und zwar nach bestimmten Stunden angeordnet ist; divina Psalmodia, weil die Psalmen, oder auch weil das Lob Gottes den Haupttheil bilden; Missa (Conc. Agath. 506, c. 30), weil die Entlassung durch Ite missa est auch bei den Tagzeiten gebräuchlich war (Hefele, Conc.-Gesch. II, 632. 655); Collecta oder Synaxis wegen der gemeinsamen Abbetung; ferner Opus Dei, Agenda, Namen, welche keiner Erklärung bedürfen. Die Griechen haben die Namen Σύναξις und Κανών.

A. Geschichte des Breviers. Wie für den christlichen Cultus überhaupt, so auch für das Breviergebet finden wir ein Vorbild im alten Bunde, wo sich im Verlauf der Zeiten ein tägliches Gebetsritual für die Haupttagzeiten gebildet hatte (s. d. Art. Tephilla). In der christlichen Kirche wurden von den apostolischen Zeiten an die dritte, sechste und neunte Stunde des Tages durch Gebet geheiligt. Tertullian nennt dies drei Gebetsstunden deßhalb apostolische (De jejun. c. 10). Für die griechische Kirche bezeugen Clemens von Alexandrien (Strom. 7, 7) und die apostolischen Constitutionen (8, 34; vgl. Clementin. Hom. 3, 69) die Feier dieser drei Gebetsstunden. Zu diesen Gebeten kamen das gemeinschaftliche Morgen- und Abendgebet, als necessario (Cypr. De orat.) und als legitime (Tertull., De orat. c. 12) zu verrichten, seit dem dritten Jahrhundert im Abendlande, seit dem Ende des Jahrhunderts auch im Oriente (Const. Apost. 2, 59; 8, 34), hinzu; ferner gestaltete auch das nächtliche Gebet sich zu einem gemeinschaftlichen, wenn es mit einer Vigilfeier zusammenfiel, in welcher man mit der Recitation von Psalmen und Orationen Lesungen aus der Schrift verband (Act. S. Cypr., n. 15; Act. S. Saturnini, n. 1; Ruinart, ed. Ratisb. 259. 177). Mit der Entstehung der Klöster im vierten Jahrhunderte wurde das nächtliche Gebet, wie das der sogen. apostolischen Stunden, gleichfalls ein gemeinschaftliches und mit Lesungen aus der Schrift verbundenes. An den Vigilien theilte man es in drei Officien und rief die Mönche durch die Worte: Venite exultemus zusammen (Ursprung des heutigen Invitatoriums, d. h. der Aufforderung zum Gebete, mit welcher das Brevier täglich beginnt). An das nächtliche Gebet schloß sich das Morgengebet (Matutin) ebenso an, wie heute die Laudes den Nocturnen folgen. In einem Kloster zu Bethlehem wurde, weil die Zeit zwischen den Laudes und der Terz zu lang erschien, ein zweites Morgengebet nach Sonnenaufgang (die heutige Prim) eingeführt (Cassiani Instit. 3, 4), eine Einrichtung, die sich bald allgemein verbreitete. Um dieselbe Zeit (Ende des 4. Jahrhunderts) wurde auch das eigentliche Abendgebet, das jetzige Completorium, von der Vesper getrennt. Die erste Erwähnung geschieht in der Regel des heiligen Benedict. Auf diese Weise entstanden sieben Gebetsstunden, wohl auch mit Rücksicht darauf, daß der Psalmist von einem siebenmaligen Lob Gottes spricht, die Nocturn mit den Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Completorium.

Wie die Liturgie der katholischen Kirche bei aller Einheit der Grundzüge sich in den Einzelkirchen zu einer reichen Mannigfaltigkeit ausgestaltete, so erhielt auch das canonische Stundengebet in den einzelnen Theilkirchen seine besondere officielle Feststellung. Es sind darum im Folgenden die in der katholischen Kirche officiell anerkannten verschiedenen Breviere in ihrer Einzelgeschichte zur Darstellung zu bringen.

a. Abendländische Breviere. I. Das römische Brevier. 1. Seine Geschichte. Um die Psalmodie zu erleichtern, soll nach dem übereinstimmenden Zeugnisse der mittelalterlichen Liturgiker Papst Damasus den hl. Hieronymus beauftragt haben, die Psalmen auf die verschiedenen canonischen Stunden zu vertheilen. Da dieses gegenüber den Lectionen aus der heiligen Schrift nicht weniger nothwendig war, wurden auch diese Lesestücke in einem eigenen Buche, dem Lectionarius (comes), zusammengestellt. Diese Bücher bildeten den ältesten Bestandtheil des Breviers. Gregor der Große berichtet (Ep. 12, 9), daß Damasus auf Vorschlag des hl. Hieronymus in das römische Brevier Mehreres aus dem des Orientes herübergenommen habe. In diese Zeit fällt auch die allgemeine Verbreitung des Wechselgesanges bei der Recitation der Psalmen. Der hl. Ambrosius führte ihn zuerst in Mailand ein, um den Gläubigen, welche in den ersten sechs Jahrhunderten diesen Gebeten regelmäßig beiwohnten, die Theilnahme angenehmer und leichter zu machen. Einen weiteren Einfluß übte seit Anfang des fünften Jahrhunderts die liturgische Ausgestaltung des Kirchenjahres. Der hl. Augustinus brach seine Erklärung des Johannis-Evangeliums zur Osterzeit ab, weil während dieser Zeit die Auferstehung des Herrn nach dem Berichte der vier Evangelien gelesen wurde. Gennadius sagt vom Presbyter Musäus aus Massilia (um 450): »Er excerpirte aus den heiligen Schriften die Lesungen für das ganze Jahr, wie für die Festtage, ferner die Responsorien der Psalmen und die Capitula in Übereinstimmung mit der Zeit und den Lesungen.« Da auch der hl. Benedict (gest. 543) in seiner Regel den Verlauf der täglichen Lesungen bei einfallenden Festen zu unterbrechen befahl, muß zu Ende des sechsten oder am Anfange des siebenten Jahrhunderts das Kirchenjahr den Inhalt des Stundengebetes in allen seinen Theilen beeinflußt haben.

Gregor der Große erwarb sich große Verdienste, wie um die Revision der Meßliturgie, so auch durch seine Arbeiten bezüglich der Responsorien und Antiphonen, und zwar sowohl hinsichtlich des Textes, als der Melodien. Unter ihm fand der römische Ritus, der mit Ausnahme von Mailand in ganz Italien und ebenso in Afrika der alleinherrschende war, auch seinen Eingang in England. Der hl. Augustin und seine Gefährten brachten natürlich das römische Officium dorthin, wenn auch Gregor ihnen nicht untersagte, einzelne Gebräuche der alten britischen Kirche und des gallischen Ritus aufzunehmen (Respons. Gregorii ad interrog. III. August., Labbé V, 1568). Später sandte Papst Agatho einem englischen Abte auf seine Bitte einen Archicantor, der in dem betreffenden Kloster den römischen Ritus lehrte. Das zweite Concil von Cloveshove befahl im J. 747: Ut uno eodemque modo dominicae dispensationis sacrosanctae festivitates celebrentur juxta exemplar, quod scriptum de Romana habemus ecclesia. Itemque ut per gyrum anni natalitia sanctorum uno eodemque die juxta martyrologium ejusdem Romanae ecclesiae cum sua sibi convenienti psalmodia seu cantilena venerentur (Labbé VI, 1577). Weil die Tochter von der Mutter die Gebete lernte, so erhielten Deutschland durch den hl. Bonifatius, der Norden durch den hl. Ansgar und den hl. Rembert, die Slaven durch den hl. Adalbert das römische Brevier. Die gallische Kirche, welche, hauptsächlich vom Orient her gestiftet, eine eigene Liturgie hatte, wurde im achten Jahrhundert durch die Bemühungen des Papstes Stephan, Pipins und seines Sohnes, Karls des Großen, in die liturgische Einheit mit Rom eingeführt. Hatten schon im fünften und sechsten Jahrhundert die gallischen Concilien von Vannes 461, Agde 506 und Epaone 517 die liturgische Einheit in dem damals möglichen Maße herbeizuführen sich bestrebt, ut, sicut unam fidem tenemus, unam et officiorum regulam teneamus (Labbé IV, 1057), so wurde jetzt der Eintritt in diese größere Einheit möglich ob unanimitatem Apostolicae Sedis et sanctae Dei Ecclesiae pacificam concordiam (Caroli M. Capit. Aquisgran. 789, c. 90), ut non esset dispar ordo psallendi, quibus erat compar ardor credendi … nec sejungeret officiorum varia celebratio, quos conjunxerat unius fidei pia devotio (Lib. Carol. contra Synod. Graec. lib. 1). Über den 900 Jahre später erfolgten Bruch mit dieser Einheit s. unten. Schließlich vollendete sich im elften Jahrhundert die liturgische Einheit der abendländischen Christenheit durch die Einführung des römischen Ritus an Stelle des gotischen oder mozarabischen in Spanien. Nachdem das Concil von Jacca in Aragonien 1063 für seinen Bezirk den Priestern das Gesetz gegeben hatte, ne alio more quam Romano precarentur (Labbé IX, 1112), und 1068 dieselbe Vorschrift für Catalonien erlassen worden, soweit sie nicht bereits durch Karl den Großen durchgeführt war, wurde der römische Ritus auch in den Königreichen Castilien und Leon eingeführt durch die vereinten Bemühungen des hl. Gregor VII. und des Königs Alfons VI. Bei der großen Rolle, welche in jenen Zeiten des Glaubens die Liturgie in dem Leben der Völker einnahm, geschah diese Änderung des Ritus nicht ohne Widerstand. Am größten war derselbe in dem am 25. Mai 1085 eroberten Toledo. Kostbare nationale Überlieferungen mußten dabei aufgegeben werden; aber es geschah um den viel höheren Preis, daß Spanien dadurch völlig in die sociale Einheit der abendländischen Christenheit eintrat und die Gefahren für den Glauben fortfielen, welche, wie gerade das Beispiel Spaniens im achten Jahrhundert zeigt, bei einer particularen Liturgie leichter entstehen. Somit war für das ganze Abendland, mit Ausnahme des kleinen Bezirks des ambrosianischen Ritus, die liturgische Einheit hergestellt.

Die liturgische Ausgestaltung des Kirchenjahres hatte das Stundengebet vielfach umgeändert. Da aber einerseits das für jeden Tag bestimmte Officium noch Geltung hatte, andererseits manche Feste einen bloß localen Charakter trugen, las man neben dem Tagesofficium an manchen Orten noch ein Festofficium. Dadurch beanspruchte das Breviergebet so viele Zeit, daß es abgekürzt werden mußte. Aus dieser Abkürzung wollen Manche den Namen Breviarium herleiten. Die erste Hand an dieses Werk legte Gregor VII., zunächst für die mit vielen Arbeiten überladenen Glieder der römischen Curie. Da man sich bis zum elften Jahrhunderte beim Stundengebete verschiedener Bücher bediente (Psalterium, Lectionarium, Antiphonarium, Martyrologium; vgl. Zaccaria, Biblioth. ritual. I, 96), so war es ohne Zweifel Gregor VII., welcher aus diesen Büchern ein Buch, das Breviarium Romanum, zusammenstellte. Eine Beschreibung der damaligen, mit der jetzigen wesentlich übereinstimmenden Ordnung gibt der 1097 geschriebene Micrologus. Obgleich nicht vorgeschrieben, verbreitete sich das Brevier in der von Gregor VII. revidirten Form durch die ganze Kirche, namentlich durch die Franciscaner, denen ihr Stifter vorgeschrieben hatte, sich stets des Breviers der römischen Mutterkirche zu bedienen, und die nun naturgemäß das der päpstlichen Kapelle annahmen. Sowohl bei der weiten Verbreitung dieses Ordens und der großen Zahl der aus ihm genommenen Bischöfe, als auch bei den inneren Vorzügen dieses Breviers begreift es sich, daß fast alle Breviere des 14. und 15. Jahrhunderts nach dieser modificirten Ordnung eingerichtet wurden. Der Orden erwarb sich noch ein weiteres Verdienst um das römische Brevier, indem sein vierter General, Haymon, mit Billigung Gregors IX. eine neue Revision desselben vornahm (Wadding, Ann. Min. ad an. 1249). Nicolaus III. führte dieselbe in den römischen Kirchen ein. Wahrscheinlich bestand die Arbeit Haymons in der Trennung des Officiums in das Officium de tempore und das de sanctis, wie eine hierauf bezügliche Vergleichung des Rationale von Beleth und Durandus zeigt; eine Einrichtung, die auch auf das Missale ausgedehnt wurde. Wie bereits in früheren Jahrhunderten, fanden auch in dieser Periode zahlreiche neue Officien Aufnahme, die in ihrer bald naiven, bald majestätischen Schönheit einen Theil des literarischen Reichthums des 13. und l4. Jahrhunderts bilden. Beispiele davon haben sich in dem Proprium der Franciscaner und der Dominicaner erhalten. So schön dieselben waren, so drohten sie doch den uralten Charakter des Breviers mit ihren reichen Blüten zu verdecken. Die Freiheit, die den einzelnen Kirchen bezüglich des Breviers, falls sie das Wesen desselben nicht alterirten, zugestanden war, führte zu vielen Verschiedenheiten, zur Aufnahme apocrypher Heiligenlegenden u. s. w., und die Nothwendigkeit, dasselbe durch Abschreiben zu vervielfältigen, wurde Veranlassung zu willkürlichen oder unabsichtlichen Änderungen. So drohte die Einheit der Liturgie, welche zugleich die Einheit des Glaubens sicherte und die Einheit der abendländischen Christenheit befestigte, sich immer mehr zu verdunkeln. Eine Verbesserung des Breviers gehörte deßhalb auch zu den Reformforderungen des 15. und 16. Jahrhunderts.

Die ersten Versuche waren von der Renaissance beeinflußt, welche sich hauptsächlich an der Sprache stieß. Es waren die neuen Hymnen juxta veram metri et latinitatis normam des Bischofs Zacharias Ferreri von Vicenza (Rom 1525) mit den naivsten heidnischen Bildern und Anspielungen, und das Breviarium Romanum ex S. potissimum Scriptura et probatis Sanctorum historiis collectum et concinnatum, Romae 1535, gewöhnlich Breviarium S. Crucis genannt, weil der Verfasser, der Franciscaner Quignonnez, als Cardinal den Titel von Sta Croce führte. Die Arbeit war von Clemens VII. veranlaßt und von Paul III. approbirt. Letzterer gestattete dieselbe für die Privatrecitation des Weltclerus. Die Vorrede hob auch als Vorzug hervor, daß es kürzer sei. Das Psalterium wurde in ihm jede Woche ganz gebetet, ebenso im Laufe des Jahres beinahe die ganze heilige Schrift gelesen, dagegen fielen die Antiphonen, Responsorien, Versikel, viele Hymnen und alles, was sich auf die gemeinsame Recitation und die Anwesenheit der Gläubigen bezog, aus. Es war also ein Bruch mit der ganzen liturgischen Vergangenheit und eine Verwischung des Charakters des Breviers, auch des privatim gebeteten, als des Gebetes der Kirche. Zugleich mit Quignonnez hatte Clemens VII. auch den Stifter der Theatiner, den hl. Cajetan, und einen seiner ersten Schüler, J. P. Caraffa, den späteren Papst Paul IV., mit einer Revision des Breviers beauftragt. Diese Arbeit wahrte demselben seinen alten Charakter, verbesserte die apocryphen Heiligenlegenden und ließ als Homilien nur Stücke aus Werken der Kirchenväter zu. Paul IV., welcher weiterhin keine Indulte zum Gebrauch des Breviers des Quignonnez mehr ertheilte, setzte persönlich die Reformarbeit fort, kam aber damit nicht zu Ende. Seine Vorarbeiten wurden von Pius IV. dem Concil von Trient übersendet, welches seinerseits die Vollendung in die Hände des apostolischen Stuhles legte. Der hl. Pius V., den Gott ad reparandum divinum cultum erwählt hatte, brachte das Werk zum Abschluß und publicirte 9. Juli 1568 das neue Brevier durch eine Bulle, welche alle Kirchen zu dessen Annahme verpflichtete, sofern sie nicht bereits seit 200 Jahren ein eigenes Brevier hatten. Zugleich entband er alle nicht zum Chordienste Verpflichteten, wenn sie sich des von ihm edirten Breviers bedienten, von der Recitation des Officium parvum B. M. V., des Officium defunctorum und der Gradual- und Bußpsalmen. Die Grundidee der Reform war, das Brevier seinem ursprünglichen Charakter wieder zu nähern und die Auswüchse zu entfernen. Für die Anordnung der Psalmen, Antiphonen, Hymnen und für die Vertheilung der heiligen Schrift wurden die ältesten Handschriften consultirt. In der richtigen Anschauung, daß das allgemeine Calendarium nicht von einigen wenigen Jahrhunderten gefüllt werden dürfe, sondern Raum auch für die späteren Zeiten behalten müsse, war man sehr zurückhaltend bezüglich der Aufnahme der Heiligenfeste und ließ ungefähr 200 Tage für das Ferialofficium übrig, wodurch auch Raum für die in den einzelnen Kirchen besonders verehrten Heiligen geschaffen wurde, eine Maßregel, deren Zweckmäßigkeit sich bald herausstellte, als Gott der Kirche so viele neue große Heilige gab. Bezüglich der beibehaltenen Heiligen entfernte man die eigenen Officien und ließ ihnen meist nur die Lectionen der zweiten Nocturn und die Oration eigenthümlich. Von allen den poetischen Officien des 13. und 14. Jahrhunderts wurde nur das vom heiligen Frohnleichnamsfeste beibehalten, welches zum liturgischen Ruhm jener Zeit mehr als genügt. Bezüglich der Vertheilung der heiligen Schrift wurde der Canon Gregors VII. wieder in Kraft gesetzt, die Homilien und anderen Stellen der heiligen Väter aus den ächten Schriften gewählt, soweit die damalige Kritik es möglich machte. Aus den historischen Stücken wurde alles als apocryph Erkannte ausgeschieden, beibehalten aber, was durch das Zeugniß auch nur Eines bewährten Auctors geschützt wurde. Die meisten Heiligenleben wurden neu redigirt. Wegen der vielen, durch die Willkür der Drucker eingeschlichenen Änderungen ließ Clemens VIII. durch eine Commission, zu der unter Andern Baronius, Bellarmin, Silvius Antonianus und Gavanti gehörten, das Brevier revidiren. Urban VIII. nahm eine neue Revision besonders der Homilien vor, von denen einige durch passendere ersetzt wurden, und ließ, selbst Dichter, durch Famianus Strada und zwei andere Jesuiten die Hymnen nach den Regeln der klassischen Prosodie corrigiren. Die Namen dieser drei Päpste finden sich deßhalb auf dem Titelblatt der Breviere.

Auch in den meisten Kirchen, welche seit mehr als 200 Jahren ein eigenes, wenn auch dem Wesen nach römisches Brevier hatten, wurde das reformirte Brevier wegen seiner großen Vorzüge im Laufe der Zeit adoptirt und das nicht reformirte eigene römische Brevier aufgegeben; wo man letzteres beibehielt, wurde es mit dem reformirten immer mehr in Übereinstimmung gebracht. So de consensu S. D. N. Gregorii XIII. in der Ausgabe des Kölner Breviers, welche Erzbischof Salentin 1576 veranstaltete, mehr noch in den Ausgaben von Erzbischof Ferdinand 1606, Erzbischof Joseph Clemens 1718 und Erzbischof Max Friedrich 1780. Gegenwärtig sind nur noch die Erzdiöcese Köln und die Diöcesen Trier und Münster im Besitze eines eigenen Breviers. Allein in Köln wurde schon seit 1854 für alle neugeweihten Priester das reformirte römische Brevier obligatorisch, und seit 1857 das neue Proprium auf die Kölner Heiligen mehr Rücksicht nahm, als das Kölner Brevier, sind die meisten Kirchen, auch in der Stadt Köln selbst, zum Breviere Pius’ V. übergegangen. In Münster hat die gleiche Bewegung jüngst durch Einführung dieses Breviers in der dortigen Domkirche ebenfalls begonnen. Was die Orden betrifft, so behielten die alten Mönchsorden ihr breviarium monasticum bei. Von den Bettelorden gingen alle mit Ausnahme der Dominicaner zu dem revidirten Brevier über. Die Kirchen des mozarabischen und des ambrosianischen Ritus fielen nicht unter die Vorschrift Pius’ V. und behielten ihre Breviere. Die späteren Änderungen des römischen Brevieres beziehen sich nur auf die Einführung neuer Feste oder Erhöhung des Ritus früherer.

Eine tiefeingreifende Änderung der Rubriken traf Leo XIII. durch Decret vom 17. September 1882, nach welchem, mit Ausnahme der Feste der Kirchenlehrer, die Festa duplicia minora und semiduplicia bei Occurrenz nicht mehr transferirt, sondern nur commemorirt werden sollen. (Literatur zur Geschichte des römischen Breviers: Thomassini Vetus et nova disciplina Eccl. 1, 2, 71–88; Bona, Psallentis ecclesiae harmonia, Romae 1653; Grancolas, Comm. hist. in Romanum Breviar., Venet. 1734; Azevedo, Exercitationes liturg., Romae 1750; Guéranger, Inst. liturg., 3 voll., Parisiis 1840–1852.)

2. Die Einrichtung des römischen Breviers. Die elementaren Bestandtheile des römischen, wie aller Breviere sind Psalmen, Lectionen und Gebete, um die sich andere, mit ihnen verwandte Theile gruppiren. An die Psalmen schließen sich Antiphonen, Versus, Benedictionen an; an die Lesungen aus der Schrift die aus der Lebensgeschichte der Heiligen und aus den Homilien der Väter. Zu den Lectionen rechnet man auch die Kapitel und Hymnen. Die Gebete treten in der Gestalt der Preces, Suffragien der Heiligen, mariamschen Schlußantiphonen und der eigentlichen Orationen auf. Das organische Ganze zu welchem diese drei Hauptbestandtheile für je eine Gebetsstunde sich zusammenschließen (Probst, Brevier 135), ist die Hore, die mit Psalmen beginnt und nach den Lesungen (Kapitel, Responsorien) mit einer Oration endigt. Es gibt sieben Horen, welche zusammen ein Tagesofficium bilden. Jeder Tag hat nämlich, nach dem Willen der Kirche, seine eigene Gebetsaufgabe, die in der Recitation dieses Officiums besteht. Weil jedoch die Tage des Kirchenjahres theils feriale, theils sonntägliche, theils festliche sind, sind es auch die Officien. Durch die großen Feste des Kirchenjahres: Weihnachten, Ostern, Pfingsten, influenzirt, gestalten sich die Sonntage zu Sonntagen des Advent, der Fasten etc. Dasselbe gilt von den Ferien und den Festen des Herrn (z. B. Epiphanie, Christi Himmelfahrt, Frohnleichnamsfest). Diese von den drei Hauptfesten abhängigen Ferien, Sonntage und (secundären) Feste bilden das sog. Officium de tempore. Die Feste der Heiligen stehen hingegen nicht in diesem Zusammenhange mit dem dreifachen Festcyclus des Kirchenjahres; darum wird ihr Officium wenig oder gar nicht durch ihn modificirt. Demzufolge enthält das Brevier seit Haymon zwei Theile, das Proprium de tempore und das Proprium sanctorum. Das doppelte Proprium setzt aber ein doppeltes Commune voraus. Das commune de tempore ist das Psalterium, in welchem die Psalmen auf die verschiedenen Horen der Woche, vom Sonntag bis Samstag, vertheilt sind. Deßgleichen enthält es diejenigen Hymnen, Kapitel und Responsorien, die nicht als gewissen Tagen eigenthümliche in das Proprium aufgenommen sind. Endlich findet in ihm das Completorium seinen Platz, weil es mit wenigen Ausnahmen immer in derselben Weise recitirt wird. Geht das Commune de tempore oder das Psalterium dem Proprium de tempore im Brevier vorher, so folgt das Commune sanctorum dem Proprium sanctorum nach. Den verschiedenen Klassen der Heiligen entsprechend, enthält es ein Commune apostolorum, martyrum etc., das unter Umständen das Proprium theilweise oder ganz ersetzt. Diesen vier Haupttheilen, dem Psalterium, dem Proprium de tempore, dem Proprium sanctorum und Commune Sanctorum folgt ein Appendix mit dem Officium parvum B. M. V., dem Officium defunctorum etc. Der gesammte Stoff ist gewöhnlich auf vier Bände vertheilt, die, wenn auch nicht völlig, so doch der Hauptsache nach den vier Jahreszeiten entsprechen. Das erste beginnt mit dem ersten Adventssonntag und endigt mit dem Samstag vor dem ersten Fastensonntag; das Proprium sanctorum umfaßt die Feste der Heiligen vom 29. November bis 12. März. Das Proprium de tempore des zweiten Bandes geht vom ersten Fastensonntag bis zum Samstag nach Pfingsten und das Proprium sanctorum desselben bis zum 19. Juni. Der dritte oder Sommertheil enthält die Zeit vom Trinitätsfeste bis zum 15. Sonntage nach Pfingsten und die Feste der Heiligen bis zum 2. September; der Herbsttheil aber den Rest des Kirchenjahres bis zum Beginne des Adventes, beziehungsweise bis zum 29. November.

[Probst.]

II. Die Breviere der Diöcesen Köln, Münster und Trier. In den Diöcesen Köln und Trier war bis zum achten Jahrhundert wahrscheinlich ein dem alten gallischen ähnliches Officium in Geltung; jedoch wurde seit der Einführung des römischen Ritus in Gallien zur Zeit Pipins und Karls d. Gr. in denselben sicher das römische Brevier gebetet. In der Diöcese Münster, welche erst zur Zeit Karls d. Gr. gegründet wurde, war es von Anfang an im Gebrauche. Deßhalb hatten diese Diöcesen in Folge des Zugeständnisses Pius’ V. die Berechtigung, ihr römisches Brevier in der bisherigen Form beizubehalten, und waren nicht verpflichtet, das von dem genannten Papste verbesserte anzunehmen. Sie machten auch von dieser Berechtigung Gebrauch und behielten die alten Breviere bei; gegenwärtig sind diese die einzigen dieser Art, da das mailändische und das mozarabische nicht dem römischen Ritus angehören. Freilich waren die Breviere dieser Diöcesen der Verbesserung wenigstens ebenso bedürftig, wie die der andern Kirchen, und die verbessernde Hand wurde auch von den Bischöfen an sie gelegt. Dieselben waren bestrebt, dieses alte römische Brevier dem reformirten des hl. Pius V. immer ähnlicher zu machen; selbst in den letzten Ausgaben, welche namentlich für Köln und Münster in eine so traurige Zeit fielen, ist diese Richtung beibehalten und den Brevieren der Charakter des römischen geblieben.

Die gegenwärtig geltenden Ausgaben sind für Köln von 1780, für Münster von 1784 (neugedruckt 1830), für Trier von 1748. Die Hauptverschiedenheiten von dem jetzigen römischen Brevier waren ursprünglich diejenigen, welche sich auch in den alten römischen Brevieren Frankreichs, wohl aus dem altgallischen Officium, erhalten hatten: der Gebrauch der Ferialpsalmen in der Vesper der Heiligenfeste, die Psalmen 112. Laudate pueri, 116. Laudate Dominum omnes gentes, 145. Lauda anima Dominum, 146. Laudate Dominum quoniam bonus, 147. Lauda Jerusalem in der ersten Vesper der Feste erster Klasse; ein Responsorium nach dem Capitel der ersten Vesper an den höheren Festen, ein besonderer Hymnus in der Complet an manchen Festen; das 9. Responsorium im 3. Nocturn, auch wenn Te Deum gebetet wurde, der versus sacerdotalis zwischen Matutin und Laudes, das Beten eines Officium de patronis an drei durch kein festum novem lectionum besetzten Tagen jeder Woche außer dem Advente und der Zeit von Septuagesima bis Ostern; das Beten nur eines Nocturns von drei Psalmen und drei Lectionen in der Zeit von Ostern bis Pfingsten. Manche dieser Abweichungen haben sich in allen drei Brevieren erhalten, die meisten in dem Kölner, in welchem nur das 9. Responsorium, wenn Te Deum gebetet wird, und der versus sacerdotalis vor den Laudes in Wegfall gekommen ist. – Der bedenklichste Punkt hinsichtlich dieser Breviere ist der, daß sie nicht sämtliche Heiligenofficien, welche seit Pius V. vorgeschrieben wurden, aufgenommen haben: denn da die betreffenden Gebote für alle gelten, welche das römische Brevier beten, so sind durch dieselben auch diejenigen verpflichtet, welche dieses Brevier in der alten Form recitiren. – Wie eine auch nur oberflächliche Vergleichung zeigt, stehen jene Breviere weit hinter dem jetzigen römischen zurück, und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis wann sie letzterem die Stelle einräumen werden. Bezüglich der Anbahnung jener Änderung in Köln und Münster s. oben; dieselbe erleichtert sich auch dadurch, daß der Apostolische Stuhl die Beibehaltung liebgewonnener alter Eigenthümlichkeiten im Ritus bereitwillig gestattet. (Vgl. die bezüglichen Concessionen in den Missae et Officia propria der Erzdiöcese Köln und in den Statuta synodi dioeces. Rhemens. 1851, p. 47 sq.)

III. Das Breviarium monasticum ist das von dem hl. Benedict mit Genehmigung des Papstes Gregor des Großen für seinen Orden vorgeschriebene und von den Camaldulensern, Cisterciensern, Karthäusern und fast allen Mönchsorden mit einigen Modificationen befolgte Officium. Es ist, wegen der dem Benedictinerorden vorgeschriebenen Thätigkeit gegen das frühere Mönchsofficium etwas abgekürzt, aber wegen der höheren Gebetsaufgabe länger als das des Weltclerus. Die Psalmen sind so vertheilt, daß in jeder Woche das ganze Psalterium gebetet wird. Das Nachtsofficium hat stets 12 Psalmen in zwei Nocturnen, denen an Sonn- und Festtagen drei Cantica des A. T. als dritte Nocturn beigefügt werden. Die Vesper hat vier, die Complet drei Psalmen und kein Nunc dimittis. Der hl. Benedict schreibt auch Hymnen vor, welche er Ambrosiani nennt. Später wurden die marianischen Schlußantiphonen neu beigefügt. Die sonn- und festtäglichen Officien haben in jeder Nocturn vier Lectionen, die vier letzten mit einer Homilie; die Ferialofficien und die Feste trium lectionum nur drei; von Ostern aber bis 1. November Eine lectio brevis (wohl wegen der Feldarbeiten). Das Frohnleichnamsofficium ist das römische. Der Hauptunterschied bei den Cisterciensern besteht darin, daß diese keine Festa trium lectionum haben, sondern die betreffenden Heiligen nur commemoriren; ferner sind die Hymnen der Terz und der Complet je nach den Zeiten und Festen verschieden. Die Karthäuser stimmen im Brevier fast vollständig mit den Cisterciensern überein, nur ändern sie die Psalmen der Vesper nach den Festen und beten in der Prim täglich das Symbolum Athanasianum. Eine Revision des Breviarium Monasticum, mit Benutzung des reformirten römischen Breviers von den zu Rom residirenden Generalprocuratoren der verschiedenen Benedictiner-Congregationen bearbeitet, wurde von Paul V. am 1. October 1612 approbirt, aber nicht vorgeschrieben; gleichwohl wurde es fast allgemein angenommen, nicht jedoch von den Cisterciensern. Näheres über die Einrichtung s. bei Grancolas I, c. 14; Bona, Psallentis ecclesiae harmonia c. 18, § 3 sq.; Guéranger, Instit. liturg. I, 217 ss. II, 15–19.

IV. Das Brevier der Dominicaner wurde 1253 von Humbert, dem späteren Ordensgenerale, im Pariser Kloster St. Jacques (woher die dortigen Dominicaner den Namen Jacobiner erhielten) redigirt. Es ist das römische Brevier der damaligen Zeit mit den Eigenthümlichkeiten der französischen, insbesondere der Pariser Kirchen (Luigi Vincenzo Cassitto, Liturgia Domenicana I, 11), welchem die Ordensfeste beigefügt sind. Die Officien der letzteren wurden im Geiste der Zeit, mit Ausnahme der Psalmen, Lectionen und Orationen, ganz in poetischer Form verfaßt, ähnlich wie die der Franciscaner, aber mit dem Unterschied, daß letztere durch eine naive Einfachheit, die der Dominicaner durch Majestät und Feierlichkeit sich auszeichnen. Diese charakteristische Form hat der Orden auch bei den Officien seiner späteren Heiligen beibehalten, und das in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts verfaßte Officium des Rosenkranzfestes trägt ganz die Farbe des 13. Jahrhunderts. Die Hauptunterschiede von dem römischen Brevier sind folgende. In dem Ferialofficium der Prim haben sie nur die drei gewöhnlichen Psalmen, an Sonntagen dagegen von Septuagesima bis Ostern neun Psalmen. Das Martyrologium lesen sie nach den Laudes, und nur, wenn diese anticipirt werden, nach der Prim. Als marianische Antiphon nach der Complet haben sie stets Salve Regina, welcher sie eine andere zu Ehren des hl. Dominicus mit einigen Gebeten beifügen. Wie in dem kölnischen Brevier, hat die erste Vesper der höchsten Feste die Psalmen Laudate pueri Dominum, Laudate Dominum omnes gentes, Lauda anima mea Dominum, Laudate Dominum quoniam bonus, Lauda Jerusalem; ferner wird der Hymnus der Complet nach den Festen gewechselt, und von Ostern bis Pfingsten nur eine Nocturn mit drei Psalmen und drei Lectionen gebetet. (Bona l. c. § 7; Guéranger I, 339.)

V. Die neueren französischen Breviere können zwar nicht als berechtigt anerkannt werden, sind aber gleichwohl hier zu berücksichtigen, weil sie faktisch zeitweilig fast in ganz Frankreich in Gebrauch waren. Hier, wo der römische Ritus seit Pipin und Karl d. Gr. allgemein bestand, machten die meisten Kirchen von dem Indult Pius’ V. keinen Gebrauch, sondern nahmen, wie die sämmtlichen königlichen Kapellen, das reformirte römische Brevier an; die anderen, mit Ausnahme von Lyon, reformirten ihr Diöcesan-Brevier nach demselben. Im Anfang des 17. Jahrhunderts war ein erster Versuch des Pariser Parlaments, diese rein kirchliche Frage der Staatsgewalt zu unterwerfen, noch durch die Versammlung des Clerus von 1605 vereitelt worden; 70 Jahre später begannen von Seiten der Parlamente, der Jansenisten und leider auch des Episcopates die erfolgreichen Attentate, wodurch Frankreich der liturgischen Einheit des Abendlandes entzogen und das römische Brevier abgeschafft wurde, nicht um den altgallicanischen Ritus, sondern um neuen, vielfach von ausgesprochenen Jansenisten verfaßten Brevieren Platz zu machen, welche sich von dem altgallicanischen noch weiter entfernten als von dem römischen. Der Sturm begann in den Diöcesen, welche ihr altrömisches Diöcesanbrevier beibehalten hatten und nun bei neuen Ausgaben über die gestatteten Schranken der Verbesserung hinausgingen. Zuerst geschah dieß, noch mit einiger Reserve, in dem Breviere von Vienne 1678, dann offen in dem Pariser von 1680, mit der jansenistischen Tendenz, die Verehrung der Heiligen und insbesondere der allerseligsten Jungfrau zu vermindern und die Auctorität des Papstes zu verdunkeln. Noch weiter ging in den Neuerungen das Brevier, welches die Genossenschaft von Clugny 1686 an Stelle des Breviarium monasticum setzte, und welches hier besonders erwähnt werden muß, weil die vom Victorianer P. J. B. Santeul, einem leichtfertigen Freunde der Jansenisten, verfaßten Hymnen allmälig in mehr als 60 Diöcesen Frankreichs die Werke der alten kirchlichen Dichter verdrängten. Den neuen Antiphonen und Hymnen wurden neue Melodien unterlegt, welche ebenso wenig gregorianisch waren, wie der Text. Das 18. Jahrhundert ging noch weiter. Gleich als habe bis dahin kein Brevier bestanden, als sei das Gebet der Kirche ein Gegenstand für jeden Projectenmacher, als könne die Braut Jesu Christi nicht mit ihren eigenen Worten zu ihm beten, veröffentlichte Foinard 1726 sein Projet d’un nouveau bréviaire … particulièrement composé de l’écriture sainte, instructif, édifiant … sans renvois … et très court, und im J. 1726 das entsprechende Breviarium ecclesiasticum, in welchem nicht einmal die Schriftstellen des Gregorianischen Antiphonars Gnade gefunden hatten. Die ganze Festordnung wurde umgemodelt. Wie sehr dieserlei Anschauungen damals in Frankreich herrschten, zeigen die rasch sich folgenden neuen Breviere, großentheils von ausgesprochenen Jansenisten und im Interesse der Secte verfaßt. Im J. 1736 erschien ein neues Pariser Brevier, dessen Hymnen von Coffin, einem Laien und notorischen Jansenisten, verfaßt sind; letzterem mußten wegen seiner hartnäckigen Ketzerei von seinem Pfarrer, der doch dieses Brevier selbst betete, die Sterbesacramente verweigert werden. In diesem Brevier findet sich außer anderen Neuerungen auch die Ordnung des Psalteriums geändert; mehr oder minder verdeckt wurde der Jansenismus gelehrt. Die wenigen, zu der ersten zurückgezogenen Ausgabe gedruckten Cartons gaben keine wesentliche Verbesserung eines Werkes, in welchem nur die Benedictio mensae und das Itinerarium unverändert geblieben waren. Nur wenige Stimmen, darunter die der Bischöfe von Marseille und Lodève, H. de Belsunce und F. H. Fumel, erhoben sich gegen diese Neuerungen; vielmehr hatten 30 Jahre später drei Viertel der französischen Cathedralen den römischen Ritus aufgegeben und 50 davon, darunter auch die zu Lyon, das Pariser Brevier von 1736 angenommen. Selbst Prälaten, welche eifrige Vertheidiger der Kirchenlehre gegen die Jansenisten waren, brachen in ihren neuen Brevieren mit dem Geiste der liturgischen Einheit und dem Geiste der Tradition, während sie den Jansenismus aus denselben fernzuhalten suchten. So wurden in dem Breviere von Amiens von 1746 viele Collecten des römischen Breviers für die Sonntage nach Pfingsten, in welchen von der Gnade die Rede ist, geändert, als ob in den Gebeten der römischen Mutterkirche eine jansenistische Deutung zu befürchten sei! Die Prämonstratenser (1782), sowie die Congregationen von St. Vannes (1777) und von St. Maur (1787), machten sich ebenfalls modernere Breviere. Beim Ausbruch der Revolution hatten von 113 Diöcesen Frankreichs mehr als 80 das römische Brevier aufgegeben; von den Kirchen, welche nach dem Indult Pius’ V. ihre altrömischen Breviere hatten beibehalten dürfen, war keine der liturgischen Einheit treu geblieben, mit Ausnahme der Stiftskirche des hl. Martin zu Tours. Die aus dieser Verschiedenheit der Breviere entstandene Verwirrung wurde noch größer als in Folge der neuen Organisation Theile verschiedener Diöcesen zusammengelegt wurden. Statt aber zu der Einheit des römischen Ritus zurückzukehren, bestimmten die organischen Artikel zum Concordat (Art. 39), daß für das ganze damalige Frankreich eine gemeinsame Liturgie eingeführt werden sollte. Auch nach dem Sturze Napoleons ging die traurige Verwirrung weiter. Diöcesen, welche bis dahin treu den seit Karl dem Großen eingeführten römischen Ritus bewahrt hatten, erhielten nun neue Breviere, einzelne in zwanzig Jahren drei verschiedene. Anderseits begann aber auch die Reaction. Wie man in Wissenschaft und Kunst die Anschauungen früherer Jahrhunderte wieder würdigen lernte, so auch in der Liturgie. Bischof Parisis führte 1839 die römische Liturgie wieder in seiner Diöcese Langres ein, und seitdem ist, besonders durch die Bemühungen des Abtes Guéranger von Solesmes, Frankreich, anfangs unter großem Widerstreben der Reste gallicanischer Anschauungen, beinahe vollständig zur liturgischen Einheit des Abendlandes zurückgekehrt (vgl. Guéranger, Instit. liturg. II, 43–646).

Später als in Frankreich griff in Deutschland die falsche Aufklärung in das kirchliche Gebiet der Liturgie ein. Vor Allem machte sich hier das Bestreben geltend, sowohl im Breviere, wie im Missale und Rituale, die Sprache der Kirche zu verdrängen und an ihre Stelle, angeblich zur Belehrung und Erbauung des Volkes, die Muttersprache zu setzen. Aber auch der Inhalt des Breviers sollte mehr dem Zeitgeiste entsprechen. Die Mainzer Monatsschrift von 1789 verlangte ein neues Brevier, welches die ermüdende Länge und das Anstößige des alten vermeide und abwechselnd und unterrichtend sei (Brück, Rationalistische Bestrebungen im 18. Jahrhundert, Mainz 1865, 79). Als anstößig galten aber besonders die Lebensbeschreibungen der Heiligen in den Lectionen der zweiten Nocturn. Kaiser Joseph befahl in zwei Mandaten unter Androhung einer Strafe von 50 Gulden, daß die Lectionen über das Leben des hl. Benno und des Papstes Gregor VII. aus den Brevieren herausgerissen oder verklebt werden sollten (Brunner, Mysterien der Aufklärung, Mai 1869, 163); im Clerus selbst ging ein Sprichwort, eine Sache sei so erlogen, wie der zweite Nocturn. Kurfürst Max Franz von Köln betraute nun Professor Dereser mit der Abfassung eines neuen Breviers. Es erschien zuerst mit dem Titel: Erbauungsbuch für katholische Christen auf alle Tage des Jahres, Augsburg 1792, später aber (8. Aufl. Rottenburg 1819) als Deutsches Brevier für Stiftsdamen, Klosterfrauen und jeden guten Christen (4 Bände). Es zerfiel in vier Theile. Die »Morgenandacht« hatte drei Psalmen, welche für die einzelnen Wochentage und für die Feste des Herrn verschieden waren; daran reihten sich drei Lectionen. Die erste gab an Sonntagen und in der Fasten das Evangelium des Tages, sonst eine fortlaufende Lesung aus dem Neuen Testament, welches im Laufe eines Jahres vollständig durchgenommen wurde. Die zweite und dritte Lection bot eine nüchterne Erklärung der ersten Lesung. An Festen von Heiligen, welche in der heiligen Schrift genannt sind, folgte noch als vierte Lection eine kurze Lebensbeschreibung; für andere Heilige sollte diese vierte Lesung aus dem Commune genommen werden. Der zweite Theil des Breviers enthielt Erklärungen und Betrachtungen über die heilige Messe. Der dritte Theil, die »Nachmittagsandacht«, bot drei nach den Tagen verschiedene Psalmen, das Magnificat und ein Gebet. Der vierte Theil war ein Abendgebet mit Gewissenserforschung. Dieses sogenannte Brevier erhielt die Approbation von Köln, Münster, Osnabrück, Konstanz und Speier und trat in sehr vielen Frauenklöstern an die Stelle des römischen. Franz Ludwig von Würzburg gestattete es auch den studirenden Stiftsherren. Weiter ging noch Wessenberg, der gegen eine kleine Abgabe vom Breviergebete überhaupt dispensirte. Mehrere Decennien Verstrichen, bis in allen Theilen Deutschlands das wiedererwachte katholische Leben sich auch in Rücksicht auf das Breviergebet manifestirte.

VII. Das Mailänder Brevier wird auch das Ambrosianische genannt, nicht als ob es den hl. Ambrosius zum Verfasser gehabt habe, sondern weil dieser Heilige an der Verbesserung der von ihm vorgefundenen Liturgie seiner Kirche arbeitete. Mit Sicherheit kann man ihm nur die Einführung des alternativen Psalmirens (S. August. Conf. 9, 6 sq.) und einer Anzahl von ihm verfaßter Hymnen zuschreiben. Nach dem römischen ist das Mailänder Brevier das älteste des Abendlandes und reicht ohne Zweifel bis in die Anfänge der Gründung dieser Kirche, also in die apostolische Zeit, hinauf, wenn auch die Annahme von Joh. Visconti (De rit. Missae 2, 12), das Mailänder Missale habe von dem Apostel Barnabas, das Brevier von dem Bischof Mirocles von Mailand seine Einrichtung erhalten, durch keine alten Zeugnisse gestützt ist. In vielen Punkten stimmt dieses Brevier mit dem römischen überein. Ob der Grund in der ursprünglichen Verwandtschaft, in dem Einfluß der römischen Mutterkirche, in gegenseitigen Entlehnungen, oder in diesem allen liege, läßt sich jetzt nicht mehr klarstellen. Die Mailänder hielten stets mit großem Eifer an ihrem besondern Ritus fest. Als Karl d. Gr. in den ihm unterworfenen Reichen die Einführung des römischen Ritus veranlaßte oder förderte, gelang es ihm nicht, den Widerstand der Mailänder zu überwinden, und nach dem Berichte des Landulphus (1080) sprach sich sogar ein, von Muratori (Antiquit. Italiae IV, 834) allerdings bezweifeltes, Wunder für das Fortbestehen des besonderen Ritus aus. Man habe auf den Altar des hl. Petrus ein römisches und ein Mailänder Sacramentar verschlossen hingelegt, um von der Thatsache, welches zuerst sich von selbst öffne, die Entscheidung abhängig zu machen; da hätten sich beide zugleich geöffnet. Ein späterer Versuch Nicolaus’ II., Mailand in die liturgische Einheit des Abendlandes hineinzuziehen, gelang ebenfalls nicht, obgleich er sich dazu der Energie des hl. Petrus Damiani bediente. Mabillon (Mus. Ital. I, 95–99) veröffentlicht Briefe zweier Priester von Regensburg, Paul und Gebhard, worin dieselben den Thesaurarius Martin an der Kirche des hl. Ambrosius um 1024 ersuchen, ihnen das Sacramentar des hl. Ambrosius und sein Antiphonar, letzteres cum notulis, abschreiben zu lassen. Förmlich eingeführt wurde dieses Officium aus Veranlassung Karls IV. um die Mitte des 14. Jahrhunderts in der Kirche des Heiligen zu Prag (Gerbert, Vet. Liturg. Alleman. I, 63). Das Unternehmen des Cardinals Branda di Castiglione, welcher mit der Absicht der Abschaffung des Mailänder Ritus am Weihnachtsfeste 1440 in der Kirche S. Ambrogio zu Mailand das Hochamt nach römischer Weise halten ließ, und ein, wie man glaubte, von dem Heiligen selbst herrührendes Sacramentar an sich nahm, erregte einen Aufstand des Volkes, welcher den Legaten Eugens IV. zur Herausgabe des Buches und zum Verlassen der Stadt veranlaßte. Alexander VI. bestätigte ausdrücklich das Recht des Herzogs und des Volkes von Mailand, Messe und Officium nach dem Ambrosianischen Ritus zu halten (Ughelli, Italia sacra, Eccles. Mediolan. IV, 385), und wenn diese Bulle auch zunächst nur von der Kirche und dem Kloster des hl. Ambrosius spricht, so schließt sie doch die anderen Kirchen der Stadt und des Territoriums nicht aus; jedenfalls befanden sich die meisten Kirchen der Stadt und der Diöcese beim Erlaß der Bulle Pius’ V. 1568 seit mehr als 200 Jahren im Besitz dieses besonderen Breviers und erhielten also das Recht, dasselbe beizubehalten. Aus einem Briefe des hl. Karl Borromäus von 12. November 1578 (Lebrun, Explic. de la Messe II.) sieht man, daß damals schon in vielen Ordenskirchen der römische Ritus bestand, daß es aber Murren erregte, wenn der heilige Erzbischof an Orten, wo keine Kirchen des römischen Ritus waren, fremden Priestern gestattete, nach diesem Ritus die heilige Messe zu lesen, ja daß er die einem fremden Priester ertheilte Erlaubniß, in der Mailänder Kirche S. Ambrogio in einer dunklen Kapelle so zu celebriren, wegen des darüber entstandenen Lärmens zurücknehmen mußte. Noch jetzt wird es nicht gestattet, auf dem Altar über dem Grabe des hl. Ambrosius nach römischem Ritus zu lesen; zu Rom ist man weniger engherzig und gestattet den Mailändern auf dem Grabe des hl. Petrus die Celebration nach ihrem Ritus (Guéranger, Institut. liturg. I, 194–202).

Das Mailänder Brevier theilt das Psalterium in 2 Theile. Der erste (Ps. 1–108) ist, wie auch im römischen, für das Nacht-Officium, der zweite (Ps. 109–150) für das des Tages bestimmt, und letzterer ganz wie im römischen Breviere vertheilt. Der erste Theil zerfällt wieder in 10 Abschnitte (decuriae), welche für die Tage von Montag bis Freitag zweier Wochen bestimmt sind. Die Decurie für den Montag der ersten Woche enthält die 16 ersten, die für den Dienstag die folgenden 14 Psalmen, die andern 10, die letzte 8 Psalmen. An den Samstagen, Sonntagen und Festtagen des Herrn treten Cantica an die Stelle der Psalmen; die sechs Tage vor Weihnachten und vor Ostern haben eigene Psalmen. Weihnachten und Epiphanie haben drei Nocturnen und 9 Lectionen, Charfreitag hat sechs Lectionen; die drei letzten sind die vollständigen Passionen nach Marcus, Lucas und Johannes (die Passion nach Matthäus wird in der Messe gelesen). Das Psalterium beten die Mailänder (wie die Canoniker von St. Peter im Vatican) nach dem Psalterium romanum. Die Nocturnen beginnen mit Pater, Ave, Deus in adjutorium, dann folgt der Hymnus: Aeterne rerum conditor, ein Responsorium, Canticum trium puerorum: Benedictus Dominus Deus patrum nostrorum mit einer Antiphon und drei Kyrie eleison; hierauf die Psalmen oder Cantiken des Tages und drei Lectionen, am Sonntage aus einer Homilie, an den Ferien aus der heiligen Schrift; an den Festen ist die dritte von dem Leben des Heiligen oder aus einem bezüglichen Sermo, den beiden ersten Lectionen folgt ein Responsorium, der dritten das Te Deum, wenn die Zeit es verlangt, sonst bleibt sie ohne Zusatz. Die Laudes beginnen mit Deus in adjutorium, dann folgt mit seiner Antiphon und drei Kyrie eleison das Benedictus, an dessen Stelle an den Adventsonntagen, Weihnachten und Epiphanie das Canticum Moysis: Audite coeli tritt; hieran schließt sich an Sonntagen und den Heiligenfesten eine 5 oder 7 Mal wiederholte Antiphon zum heiligen Kreuze mit stiller Oration, das Canticum Moysis: Cantemus Domino mit seiner Antiphon, 3 Kyrie eleison und Oration, ferner das Canticum trium puerorum, wofür Samstags Psalm 117, an den andern Wochentagen Psalm 50 mit Antiphon und 3 Kyrie eleison gebetet wird. Es folgt eine Oration und dann unter einem Gloria Patri die 4 Psalmen: Laudate Dominum de coelis, die beiden folgenden und Laudate Dominum omnes gentes. Hierauf wird ein Capitel, eine Antiphon und drei Kyrie gebetet, dann Dominus vobiscum und ein von beiden Chören gemeinsam recitirter Psalm; hierauf ein Hymnus, der nach der Qualität des Festes wechselt, 12 Kyrie eleison und die Psallenda des Festes oder die zwei des Sonntags, d. h. eine Antiphon mit Gloria Patri, drei Kyrie eleison, einigen Versikeln und der Oration, an deren Stelle im Ferial-Officium ein Responsorium tritt. So endigen die Laudes, wenn nicht eine Commemoration zu machen ist, was durch die Psallenda des Festes geschieht. Mit Ausnahme der höheren Feste findet täglich eine Commemoration der allerseligsten Jungfrau, des hl. Ambrosius und des Kirchenpatrons statt.

Die Prim hat den Hymnus und die drei Psalmen des römischen Brevieres ohne Antiphon; nach den Psalmen Alleluja oder Laus tibi Domine etc., dann die Epistolella mit Responsorium, täglich das Symbolum Athanas., Capitel und, mit Ausnahme der höheren Feste, Preces, drei nie wechselnde Orationen, das Martyrologium, den Versikel Exultabunt sancti in gloria und eine Oration. – Terz, Sext und Non haben dieselben Hymnen und Psalmen, wie im römischen Brevier, aber ohne Antiphon, dann Alleluja oder Laus tibi Domine, Epistolella, Preces, wenn diese zu beten sind, und Oration. An den Sonn- und Feiertagen wird zur Terz der Hymnus Jam surgit hora tertia gesungen. Die Vesper beginnt nach Pater und Ave mit Dominus vobiscum, dann folgt ein nach den Officien verschiedenes Responsorium (Lucernarium), wieder Dominus vobiscum, eine Antiphon, nochmals Dominus vobiscum und der entsprechende Hymnus, Dominus vobiscum, ein Responsorium, Dominus vobiscum, dann mit ihren Antiphonen die 5 Psalmen des römischen Brevieres; an den Festen des Herrn aber nur ein Psalm, welchem die Ps. Ecce nunc benedicite Dominum und Laudate Dominum omnes gentes unter einer Antiphon und einem Gloria Patri beigefügt werden. Nach den Psalmen und Antiphonen folgt dreimal Kyrie eleison, Dominus vobiscum, eine Oration, Dominus vobiscum, das Magnificat mit Antiphon, Kyrie eleison und eine andere Oration, dann die Psallenda u. s. w., wie am Ende der Laudes. An den Wochentagen der Quadragesima wird statt des Magnificat zwölfmal Kyrie eleison gebetet. An den Festen der Orts- und Kirchenpatrone, die mit Vigilien gehalten werden, sind nach dem ersten und zweiten Psalm Lectionen aus dem Leben des Heiligen beigefügt, und nach dem Magnificat folgt eine Litanei. – In der Complet folgt auf Pater und Ave das Converte nos, Deus in adjutorium, dann der Hymnus Te lucis ante terminum (in der Quadragesima: Christi qui lux et dies); hierauf ohne Antiphon die Psalmen Cum invocarem, In te Dne, Qui habitat, und unter einem Gloria Patri die Psalmen Ecce nunc benedicite und Laudate Dominum omnes gentes, Alleluja oder Laus tibi Domine, dann in der Quadragesima der Hymnus Te lucis ante terminum, sonst sofort die Epistolella mit Responsorium, das Nunc dimittis, die Preces, wenn sie zu beten sind, die Marianische Antiphon und zum Schluß das Confiteor. (Vgl. die Literatur bei Moroni LXXXII, 300.)

VIII. Das mozarabische Brevier. Wahrscheinlich hatte Spanien ursprünglich den römischen Ritus und erhielt erst nach dem Einzuge der Goten den sogen. gotischen Ritus, welcher mit dem orientalischen verwandt ist, aber in lateinischer Sprache gefeiert wurde. Er wurde nach Bekehrung der Goten durch die hll. Leander und Isidor gereinigt, vervollkommnet und in ganz Spanien herrschend. Das vierte Concil von Toledo vollendete 633 die liturgische Einheit der iberischen Halbinsel. Den Namen mozarabisch erhielt dieser Ritus, weil die unter der maurischen Herrschaft lebenden spanischen Christen so genannt wurden. Im elften Jahrhundert wich die beschränkte liturgische Einheit des einzelnen Landes der größeren des Abendlandes, und an die Stelle des mozarabischen trat der römische Ritus, während jener sich nur in einigen wenigen Kirchen erhielt, für welche er auch unter Cardinal Ximenes von dem apostolischen Stuhle auctorisirt wurde. (Das Nähere siehe im Art. Liturgie, die mozarabische.) Das mozarabische Brevier hat außer den sieben Theilen des römischen an den Feiertagen noch ein achtes Officium vor der Prim, die Aurora; vier andere, nämlich In principio noctis, Ante lectum, Media nocte und In surrectione lecti sind fortgefallen. Alle Horen mit Ausnahme der Complet beginnen mit Kyrie eleison, Pater, Ave (dazu kommt vor dem Nocturn noch das Ave Regina coelorum mit Versikel und Oration). Dann folgt In nomine D. N. I. C. lumen cum pace, Deo gratias. Dieselben schließen mit Pater noster, in Laudes und Vesper unter Beifügung einer Oration und dem Segen des Priesters. – In dem kurzen Nocturn folgen auf den Psalm 50 mit seiner Antiphon drei Antiphonen und Orationen mit einem Responsorium; an den Sonntagen statt der ersten dieser drei Antiphonen der Hymnus Aeterne rerum conditor mit einer Oration und drei Psalmen. An den Sonntagen von Ostern bis Pfingsten und an den hohen Festen wird statt des Psalmes Miserere der Psalm Domine quid multiplicati sunt gebetet. – In den Laudes folgt auf den nämlichen Anfang ein Canticum aus dem Alten oder dem neuen Testament, an den Marienfesten oder zu Weihnachten das Magnificat, am Feste des hl. Johannes des Täufers das Benedictus; dann nach Dominus sit semper vobiscum eine Antiphon und das Canticum trium puerorum, eine Antiphon und Psalm Laudate Dominum de coelis, eine Lesung aus den Propheten (Prophetia), ein Hymnus, eine Ermahnung an das Volk zum Gebet (Supplicatio), Kyrie eleison, ein Capitel, Pater noster, eine Anzahl Versikeln (Laus) und der Segen. – Die Aurora enthält den Psalm Deus in adjutorium, Beati immaculati, In quo corrigit, Retribue, die Laus, einen Hymnus, Pater noster und einige Preces. – Die Prim enthält sieben Psalmen mit einer Antiphon, Responsorium, Prophetia, Epistel, Laus, Hymnus (außer Advent und Fastenzeit), Te Deum und Gloria in excelsis, dann das Apostolische Glaubensbekenntniß, eine Supplicatio, Pater noster und Segen. – Terz, Sext und Non haben vier Psalmen, Responsorien, Prophetia, Epistel, Laus, Hymnus, Preces, Supplicatio, Capitel, Pater noster und Segen. – Die Vesper hat keine Psalmen, sondern Laus, Antiphon, Laus, Hymnus, Supplicatio, Capitel, Pater noster, Segen, eine dritte Laus, während welcher die Kirche incensirt wird, und die Oration des Tages. – Das Completorium beginnt mit dem Psalm Signatum est super nos lumen vultus tui Domine, dann folgen drei Alleluja (in der Fastenzeit Laus tibi Dne), ein Psalm, drei Alleluja, der Psalm Qui habitat, ein Psalm Hymnus, Supplicatio, Pater noster, Segen, Salve Regina mit Versikeln und Oration. (Vgl. Bona l. c. § 11.)

[Heuser.]

b. Morgenländische Breviere. I. Das griechische Brevier. Bei aller Übereinstimmung in der wesentlichen Einrichtung entwickelte sich seit dem Frieden der Kirche unter Constantin das Officium mit Eigenthümlichkeiten in den verschiedenen Patriarchaten, jedoch so, daß die einen von den anderen bewährte Anordnungen entlehnten. So wurde zu Antiochien zuerst der alternirende Psalmengesang eingeführt (Theodoret, H. E. 2, 24), was bald zu Constantinopel durch den hl. Chrysostomus und im Abendlande durch den hl. Ambrosius nachgeahmt wurde. Durch die Natur der Sache hatten die griechischen Mönche Besonderheiten im Officium, weßhalb der hl. Sabbas gegen Ende des fünften Jahrhunderts eine Anweisung für dessen Recitation während des ganzen Jahres schrieb, welche durch den hl. Johannes Damascenus später hergestellt wurde. Mit den schismatischen Tendenzen erlischt seit dem neunten Jahrhundert das liturgische Leben der griechischen Kirche, während andererseits mit dem steigenden Einfluß von Constantinopel auf die älteren Patriarchate des Morgenlandes, wie in der Liturgie, so auch im Officium die dort gebräuchliche Form im ganzen Morgenlande die fast allein herrschende wurde, und die von Jerusalem, Antiochien und Alexandrien ihr weichen mußten. Gegenwärtig beten dieses Officium nicht nur die schismatischen Griechen, sondern auch alle unirten Griechen, selbst im Abendlande, ferner, in slavischer Sprache, die russische Kirche und die unirten und schismatischen Griechen in Lithauen, Polen, Ungarn u. s. w. Neben den in dem allgemeinen melchitischen Calendarium verzeichneten Festen feiern die einzelnen Nationen im Officium noch einzelne besondere Feste, die unter den Lateinern wohnenden Unirten auch einige aus dem lateinischen Ritus entnommene, so z. B. in Italien Frohnleichnam und St. Joseph (19. März), Allerheiligen (1. Nov.), Allerseelen (2. Nov.), in Ungarn und Siebenbürgen das Fest des heiligen Königs Stephan (20. Aug) (Nilles, Kalend. I, 30). In Folge der Erstarrung des Lebens durch das Schisma hat das Officium auch bei den Schismatikern im Ganzen die alten Texte und damit auch die reichen Zeugnisse für den Primat des Papstes bewahrt und ist in seiner Einheit ein großer Schutz gegen das weitere Versinken in Ketzerei geblieben. In Folge derselben Erstarrung hat die Entwickelung aufgehört, die Form ist noch immer die weitläufige der früheren Jahrhunderte, so daß das griechische Officium oft drei bis vier Mal mehr Zeit in Anspruch nimmt als das römische.

Wie in der lateinischen Kirche vor Gregor VII., so ist noch jetzt in der griechischen Kirche das Officium auf verschiedene Bücher vertheilt, nämlich auf das Horologium, das Psalterium, den Oktoechos, die Menäen, die Synaxarien, das Triodium, das Pentekostarium, das Typikum, die Evangelien, den Apostolus, die Lectionen aus dem A. T. 1. Das Ὡρολόγιον enthält die ständigen Psalmen und Gebete der Tagzeiten für das ganze Kirchenjahr, ferner das Calendarium (1. Sept. bis 31. Aug.) mit den Τροπάρια (antiphonartigen Sätzen) und den Κοντάκια (kürzeren Hymnen) des Festes oder der Heiligen, endlich verschiedene Gebete und Troparien für bestimmte heilige Zeiten und Feste, in verschiedenen Editionen verschieden. 2. Das Ψαλτήριον der gewöhnlichen Ordnung ist in 20 Καϑίσματα (Abschnitte, eigentlich Sitzungen, weil sie sitzend gebetet werden) eingetheilt. Jedes derselben zerfällt wieder in drei Στάσεις, so genannt, weil die Doxologie nur am Schlusse einer solchen Unterabtheilung und zwar stehend gebetet wird. 3. Der Ὀκτώηχος enthält die verschiedenen Troparien und Canones nach den acht Kirchentönen. 4. Die Μηναῖα bieten in 12 nach den Monaten geordneten Bänden die kurzen Geschichten der Feste und der Heiligen, sowie die Rubriken und die Troparien. Stücke aus den Menäen für die Feste sammt den nöthigsten Rubriken enthält das Ἀνϑολόγιον (Blumenlese). 5. Die Συναξάρια geben einen compendiösen, aber vollständigen Auszug der Menäen; sie sind dem römischen Martyrologium ähnlich, wenngleich das Elogium der Heiligen und der Feste ausführlicher ist. 6. Das Τριώδιον enthält das Officium von Septuagesima bis Charsamstag und hat seinen Namen davon, daß die Canones und Hymnen in dieser Zeit statt neun nur drei Oden haben. 7. Das Πεντηκοστάριον gibt das Officium von Ostern bis zur Octav von Pfingsten. 8. Das Εὐαγγελιάριον bietet die Evangelien und eine Anweisung, das Evangelium zur Sonntagsmatutin zu finden. 9. Das Τυπικόν (Regelbuch) enthält die Rubriken für die an jedem Tage zu betenden Stücke und die Angabe der Fest- und Fasttage. Es ist für die verschiedenen Kirchen verschieden; für die Klöster heißt es Κτητορικόν. Im engeren Sinne heißen Τυπικά die kleinen, auf die Feier bezüglichen Psalmverse, welche sich im Typikon eingenommen finden. 10. Der Ἀπόστολος umfaßt die Apostelgeschichte, die Briefe und die Apocalypse. 11. Die Ἀναγνώσματα geben die Lectionen aus dem A. T.

Zum Verständniß der Beschreibung des Officiums schicken wir die Erklärung einiger technischer Ausdrücke in alphabetischer Reihenfolge voraus: 1. Ἀκάϑιστος heißt ein stehend zu betendes Loblied. Das berühmteste ist das auf die allerseligste Jungfrau am Dankfeste für die dreimalige Errettung Constantinopels. Es besteht aus 24 Strophen und wird am Samstag der vierten Fastenwoche gebetet (σάββατον τοῦ ἀκαϑίστου ὕμνου; vgl. Nilles, Kalend. II, 165 sq.). 2. Ἀντιφωνίαι sind Wechselgesänge in der Form der Responsorien des römischen Breviers. Beim Morgengottesdienste werden sie aus den Gradualpsalmen genommen und heißen dann Stufenlieder. 3. Δόγμα nennt man den größeren Hymnus, der die Stichiren in der Sonntagsvesper schließt und auf die Dogmen rücksichtlich der allerseligsten Jungfrau Bezug hat. Hymnen derselben Art, aber kleineren Umfanges heißen δογματικά. Von Beiden gibt es acht nach den acht Kirchentönen; sie sind verfaßt vom hl. Johannes Damascenus. 4. Die große Δοξολογία heißt im griechischen Ritus sowohl das Gloria in excelsis als das Te Deum; die kleine Doxologie ist das Gloria Patri. 5. Ἐκτενής (sc. εὐχή) ist ein Gebet, welches eine Reihe von Fürbitten umfaßt. Die große Ektenie besteht aus zwölf, die kleine aus zwei Fürbitten; bei jeder Fürbitte antwortet der Chor mit Kyrie eleison; zum Schlusse wendet man sich an Maria und an alle Heiligen um Fürsprache und endet mit der Lobpreisung der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Die Bitt-Ektenie enthält sechs Bitten, welche der Chor mit den Worten »Herr gewähre« begleitet. 6. Ἐξαποστειλάριον heißt der Hymnus, welcher am Sonntage nach dem neunten Gesange des Canons gesungen wird. Der Name rührt daher, daß in ihm die verheißene Sendung des heiligen Geistes gepriesen wird. 7. Ἠχος bezeichnet die der alten griechischen Musik entnommenen acht Tonarten, dorisch, jonisch, phrygisch, lydisch, hypodorisch, hypojonisch, hypophrygisch und hypolydisch. Sie werden nach Wochen gewechselt, so daß erst nach acht Sonntagen dieselbe Tonweise wiederkehrt. Zu jeder dieser acht Tonarten traten mit der Zeit noch mehrere verwandte (ὅμοιοι). Die Slaven fixirten diese verschiedenen Tonweisen mit Noten nach der Scala ut, re, mi, fa, so, la, si; so entstand der vom eigentlichen griechischen Gesange verschiedene Kiewer Kirchengesang. 8. Καϑίσματα heißen die 20 Abschnitte, in welche das Psalterium eingetheilt ist (Psalm 1–8; 9–16; 17–23; 24–31; 32–36; 37–45; 46–54; 55–63; 64–69; 70–76; 77–83; 84–90; 9l–100; 101–104; 105–108; 109–1l7; 118; 119–131; 132–142; 143–150). Dem letzten Abschnitte sind gewöhnlich die Cantica des A. und N. T. beigefügt. Jedes Kathisma ist in drei kleinere Theile (στάσεις) eingetheilt, die je mit Gloria Patri geschlossen werden. Am Ende eines jeden werden noch entsprechende Troparien und ein Gebet gesprochen. An den Wochentagen betet man beim Morgenofficium je zwei Kathismen, zwischen welchen Kathismengesänge eingeschaltet werden; bei der Vesper eines. Demnach wird in jeder Woche das ganze Psalterium absolvirt. Während der Quadragesima aber sind täglich sieben Kathismen zu beten (drei beim Morgenofficium, drei bei den Horen, eines bei der Vesper), daneben noch neun Cantica aus dem A. T. 9. Κανών ist die geregelte Zusammenstellung der Gesänge (ᾦδαι) zu Ehren der Festgeheimnisse oder des Heiligen des Tages. Ein vollständiger Canon besteht aus neun Abschnitten, welche durch kurze Ektenien in drei Theile zerfallen. Jedem Abschnitte geht ein Εἱρμός (slav. irmos, Reihe) voraus, dessen Melodie auch die der folgenden Gesangsstücke ist; letztere heißen darum τροπάρια, weil sie sich nach dem Irmos richten. Das letzte Troparion bezieht sich regelmäßig auf die Mutter Gottes. Die Canones der einzelnen Wochentage stehen in dem obengenannten Oktoechos, die der unbeweglichen Feste in den Menäen, die der beweglichen Feste in dem Triodion und Pentekostarion. 10. Κοντάκιον ist ein kurzes, den Inhalt des Festes oder das Lob des Heiligen darlegendes Lied. 11. Λιταί (Litanei) bedeutet ein Gebet in kurzen Sätzen; es wird bei der großen Vesper in der Vorhalle der Kirche sonst auch bei Processionen verrichtet. 12. Οἶκος (slav. ikos, rumän. icosu, Haus) ist ein dem kürzeren Troparion sich anschließender Hymnus, welcher den ganzen Bau der Festidee darstellt (Nilles, Kalend. I, LIII, gegen Rajewsky, Eucholog. LXI, welcher das slavische Ikos auf εἰκός zurückführt). 13. Πανάγια nennt man das kurze Gebet: Allerheiligste Dreifaltigkeit, erbarme dich unser; reinige uns o Herr, von unseren Sünden; vergib uns, o Gebieter unsere Vergehungen, erbarme dich unserer Schwächen, o Heiliger; und heile sie um deines Namens willen. Dieses Gebet wird in jedem Officium mehrmals wiederholt. (Sonst bedeutet πανάγια auch das gesegnete Brod, das in der österlichen Zeit unter bestimmten Gebeten vor dem Mittagessen umhergereicht wird). 14. Παροίμιον (Sprichwort) werden gewisse Perikopen aus dem A. T. genannt, die bei der großen Vesper mit Hinweisung auf den Gegenstand der Festfeier gebraucht werden. 15. Πολυέλεος nennt man die Stichen aus dem Psalm 135, der an Festtagen beim Morgenofficium gebraucht wird, da in demselben sich die Worte: Die Barmherzigkeit des Herrn währt ewig, öfters wiederholen. 16. Προκείμενον ist der Versikel, der vor den biblischen Lesungen gesprochen wird. 17. Στίχος, eine kurze Sentenz aus der heiligen Schrift, meist aus den Psalmen, hat Ähnlichkeit mit den Antiphonen des römischen Ritus; στιχηρά sind kirchliche Hymnen, welche mit oder ohne vorangeschickten Stichen am Morgen und in der Vesper gesungen werden. 18. Τριαδικά nennt man Troparien zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit; sie werden in der Fastenzeit nach dem Alleluja gesungen. 19. Τρισάγιον ist das Gebet: Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher, erbarme dich unser. 20. Τροπάριον heißen kurze Gesangsstücke, welche von zwei Chören abwechselnd gesungen werden. Es gibt Bitt-Troparien, in welchen die Bitte um Vergebung der Sünden und um Verleihung der Gnaden ausgesprochen wird; Lob-Troparien, vor welchen die Worte: Gelobt bist du, o Herr, gesprochen werden, und Troparien des Tages, welche sich auf das ständige Gebetsobject des Wochentages beziehen. Neben den durch das Calendarium angegebenen besonderen Festen des Jahres, welche ihre Berücksichtigung in den Horen finden, wird nämlich an jedem Wochentage noch ein besonderes Geheimnis des Glaubens verehrt, am Sonntag die Auferstehung Christi, am Montag die heiligen Engel, am Dienstag der heilige Johannes der Täufer, am Mittwoch das Leiden Christi und Mariä, am Donnerstag die heiligen Apostel und der heilige Nicolaus, am Feitag das Leiden Christi, am Samstag alle Heiligen und das Andenken der Abgestorbenen. Θεοτόκιον heißt das besondere Troparion zu Ehren der allerseligsten Jungfrau. Μεγαλίζον wird ein kurzes, dem Feste entsprechendes Lied genannt, das sechs- bis achtmal wiederholt und vor dem Bilde Christi oder des betreffenden Heiligen gesungen wird. 21. Ὑπακοή heißt der auf die Auferstehung Christi sich beziehende Hymnus, welcher im Nachtofficium nach dem Evangelium gesungen wird; zum Zeichen der Aufmerksamkeit wird er stehend angehört. 22. Φωταγωγικόν ist ein Lied, welches an gewöhnlichen Tagen nach dem neunten Gesang des Canons gesungen wird und mit Bezug auf die aufgehende Sonne die Bitte um das geistige Licht ausspricht.

Die Theile des griechischen Officiums stimmen mit denen der abendländischen Kirche überein. Die ständigen Theile sind im Horologium auch in der gleichen Reihenfolge gedruckt: Das Nachtofficium (μεσονύκτιον), das Morgenofficium (ὄρϑρον) mit der Prim (ὥρα πρώτη), die Terz (ὥρα τρίτη), die Sext (ὥρα ἕκτη), die Non (ὥρα ἐνάτη), die Vesper (ἑσπερινόν) und die Complet (ἀπόδειπνον). Außerdem wird in den Klöstern für die Zeit zwischen den einzelnen kleinen Horen und zwischen Non und Vesper noch ein besonderes Officium, die Zwischenstunden (μεσόωραι), gebetet. Die Einrichtung der einzelnen Theile ist folgende. Das Nachtofficium ist ein dreifaches, nämlich für die Wochentage vom Montage bis Freitag (im griechischen Ritus beginnt die Woche mit dem Montage), für den Samstag, endlich für den Sonntag. a) Wie alle Tageszeiten, wenn sie getrennt gebetet werden, so beginnt das erste Officium mit allgemeinen Gebeten und den Invitatorien, zuerst: Gepriesen sei Gott der Herr, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen; dann einem Gebete zum heiligen Geiste; ferner dem obengenannten Trisagion; einem Gebete zur heiligen Dreifaltigkeit; der Doxologie, dem Pater noster, zwölfmaligem Kyrie eleison und dem Psalme: Kommet, lasset uns anbeten. Hierauf folgt der Psalm 50 und 118, welch letzterer in drei Theilen (στάσεις s. o.) recitirt wird (Vers 1–72, 73–131, 132–176). Es folgt das Symbolum Constantinop., das Trisagion, das Pater noster, das Troparion, Kontakion und Theotokion der Tageszeit in der achten Tonart; vierzigmal Kyrie eleison; das Gebet des hl. Basilius: O du zu aller Zeit und zu jeder Stunde im Himmel und auf Erden angebeteter und hochgepriesener Christus; dreimal Kyrie eleison; die Doxologie; ein kurzgefaßter Lobgesang zu Ehren der allerheiligsten Jungfrau und die Segnung. Für die Quadragesima ist notirt das Gebet des hl. Ephrem: Herr, Gebieter meines Lebens u. s. w., welches mit drei tiefen Verbeugungen (μετάνοιαι μεγάλαι) gebetet wird; dann zwölf kleinere Verbeugungen (μετάνοιαι μικραί) mit dem Gebete: Gott sei mir armen Sünder gnädig u. s. w. und abermals eine tiefe Verbeugung. Ferner folgt das Gebet des hl. Basilius: Gebieter, Gott Vater, Allbeherrscher u. s. w. Auf das Venite adoremus folgen die Psalmen 120 und 133; die Doxologie, das Trisagion, die Panagia, Pater noster; Troparien, Kontakion und Theotokion; zwölfmal Kyrie und das Gebet für die Abgestorbenen. An dieser Stelle bestehen aber Verschiedenheiten in den einzelnen Ausgaben des Horologiums. Die unirten Griechen und die Slaven haben nach dem Gebete für die Verstorbenen das Bitt-Troparion, Kontakion und Theotokion, dann Ektenien mit dem Entlassungsgebete, Gebet der Abbitte und die Litanei. Bei der Privatrecitation hat die Abbitte Ähnlichkeit mit dem lateinischen Misereatur und Indulgentiam. Diese Ordnung des nächtlichen Officiums gilt für alle Ferialtage des Jahres mit Ausnahme der Osterzeit, für welche die Angaben des Pentekostarions eintreten. – b) Das Officium nocturnum am Samstage, welches nur am Samstage der Osterwoche geändert wird, hat dieselben Invitatorien, wie oben angegeben worden. Es folgen hierauf Psalm 50, 64, 65, 66 und die Doxologie; dann Psalm 67 mit der Doxologie; Psalm 68 und 69 mit der Doxologie; das Symbolum, Trisagion, Panagia, Pater noster, Troparion, Kontakion und Theotokion dem Tage angepaßt. Das Übrige ist wie bei dem täglichen Nocturnum, nur tritt an die Stelle des letzten Schlußgebetes das Gebet des heiligen Märtyrers Eustratios. – c) Das Sonntagsnocturnum, das nur am Ostersonntag geändert wird, beginnt wie das tägliche Officium. Nach dem 50. Psalme folgt aber gleich in der vorgeschriebenen Tonart der Canon zum Preise der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Es folgt dann der große, zehnstrophige Hymnus des hl. Gregor vom Sinai zu Ehren der Dreifaltigkeit und eine kurze Lobpreisung Mariä; Trisagion, Panagia, Pater noster, Bitt-Troparion, Kontakion und Theotokion wie an Wochentagen. Bei der Privatrecitation wird mit dem Gebete des Mönches Marcus zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit geschlossen. Für den Ostersonntag bietet das Pentekostarion die Gebete.

Die zweite Tageszeit ist das Morgenofficium mit der Prim. Sie beginnt mit denselben Gebeten und Invitatorien wie das Nocturnum; es folgt Psalm 19 und 20 mit der Doxologie; Trisagion, Panagia, Pater noster, Troparion, Kontakion zum Preise des heiligen Kreuzes und Theotokion. Dann die Psalmen 3, 37, 62 mit der Doxologie, dreimal Alleluja und Kyrie; Psalm 87, 102, 142 mit Doxologie, dreimal Alleluja; die große Ektenie und das Gebet: Gott ist der Herr und ist uns erschienen, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn; hierauf die Troparien und die entsprechenden Theotokien. Für die Fastenzeit notirt das Horologium das Alleluja mit den entsprechenden vier Stichen. Nun folgen die Triadika nach den acht Tonweisen (in der Fastenzeit werden sie gelesen); sodann die zwölf Morgengebete, welche der Priester still betet, während die übrigen den Psalm 142 recitiren; zwei kleine Ektenien und die Kathismengesänge sammt den entsprechenden Theotokia. Diese Kathismengesänge sind nach den Tagen verschieden. An Sonntagen folgen die Lob-Troparien, die kleine Ektenie, die Antiphonen nach der sechsten Gesangsweise, die Ektenien, das Prokimenon und das Evangelium der Auferstehung und ein hierauf bezügliches Gebet; der 50. Psalm, die Stichiren mit der Doxologie des Sonntags; die Litanei, die Ektenie und der neunstrophige Canon der Auferstehung nach dem sechsten Gesangstone. An Wochentagen aber liest man nach den Kathismengesängen den 50. Psalm und den Canon des betreffenden Tages. Zwischen die achte und neunte Strophe des Canons wird das Magnificat oder ein anderes Loblied zu Ehren Mariens eingefügt; am Schlusse folgt das Exaposteilarion oder das Entlassungsgebet, der Lichtgesang (φωταγωγικόν), die Psalmen 148, 149, 108; die Stichiren ad laudes und die große Doxologie (Gloria in excelsis); am Sonntage noch zwei wechselnde Troparien; hierauf die Ektenie, zwei Stichen und die Stichiren. Die besonderen Gebete des Morgenofficiums an den verschiedenen Festen sind im Typikon angegeben, die der Osterzeit im Pentekostarion.

In der Prim folgen auf die Psalmen 5, 89 und 100 die Troparien nach der Vorschrift des Typikons, dann das ständige Theotokion, die Troparien der Wochentage (für die Fastenzeit gibt es besondere), das Gebet der Prim und die Entlassung. Die Terz enthält die Psalmen 16, 24 und 50, das Theotokion und die Troparien, das Gebet der Hore, welches der hl. Basilius verfaßt hat, und die Entlassung. Die Sext hat die Psalmen 53, 54 und 90; die Non die Psalmen 83, 84 und 85; im Übrigen sind beide der Terz gleich. Abweichend ist die Ordnung dieser vier kleineren Horen am Tage vor Weihnachten und Epiphanie, sowie am Charfreitag, wo die sogen. königlichen Horen gebetet werden, dann in der Osterwoche. Die Mesooren haben in der Prim die Psalmen 45, 91 und 92; in der Terz die Psalmen 29, 31 und 60; in der Sext die Psalmen 55, 56 und 69; in der Non die Psalmen 1l2, l37 und 139; hierauf folgt je das Troparion und ein Gebet. Wenn die heilige Messe nicht gefeiert wird, findet nach der Mesoore der Sext noch das Officium typicorum (ἀκολουϑία τῶν τυπικῶν) statt. Dasselbe besteht aus Psalm l02 und 145, mehreren Gebeten, Troparien des sechsten Tones, einer Epistel, einem Evangelium und Gebeten; dann einem Glaubensbekenntnisse, Kontakia und Theotokion, dem Gebete zur allerheiligsten Dreifaltigkeit, dem Psalm 37, dem Gebete zu Ehren Mariens und der Entlassung.

Die Vesper beginnt nach den Invitatorien mit dem 103. Psalme; es folgen die Ektenie, dann acht Gebete, die der Priester still betet, während die Übrigen den Psalm recitiren; dann die Psalmen 140, l41, 129 und 116; während des vorletzten Psalmes werden 4–10 Stichiren nach der vorgeschriebenen Gesangsweise gesungen. Die Stichiren finden sich im Oktoechos, im Triodion, in den Menäen und im Anthologion. Hierauf kommen das Gebet des Introitus und der Hymnus des Märtyrers Aphthenogenos: Lumen hilare; dann die Prokimena sammt den Stichen; ein Gebet; die Ektenie; das Gebet der Hauptbeugung; Stichiren und die Stichen des 122. Psalmes und der täglichen sechsten Gesangsweise; der Lobgesang Simeons, das Gebet zur Segnung des Brodes, Öles und Weines; endlich Troparien und in der Fastenzeit ein weiteres Gebet.

Die griechische Kirche unterscheidet ein kleines und ein großes Completorium. Das kleine, welches das gewöhnliche ist, besteht aus den Psalmen 50, 69 und 142; der großen Doxologie (Gloria in excelsis), dem Glaubensbekenntnisse; einem Canon zu Ehren Mariens nach einer der acht Gesangsweisen (enthalten im Oktoechos); dann Troparien zu Ehren des hl. Basilius, der Kirchenväter, der Martyrer, zur Fürbitte der Abgestorbenen; Gebete zur allerseligsten Jungfrau; Bitt-Troparien, Ektenie, Entlassungsgebet und Abbitte sammt der Litanei. Das große Completorium findet statt zu Weihnachten, Epiphanie und in der großen Fastenzeit mit Ausnahme der Samstage und Sonntage. Es enthält die Psalmen 69, 4, 6, 12, 24, 30 und 90; das Lied des Isaias (8, 9–13; 9, 2. 6. 7); die Troparien des Tages, das Glaubensbekenntniß, eine kurze Litanei zu allen Heiligen, das Trisagion und die Troparien der zweiten Gesangsweise; ein Gebet des hl. Basilius; die Psalmen 50 und 101; das Gebet des Königs Manasses; Trisagion, Panagia und Pater noster; Bitt-Troparien, Gebet, Psalm 142, Gloria in excelsis; einen Canon zu Ehren des Tagesheiligen; für die große Fastenzeit ein Lied nach der sechsten Gesangsweise mit Stichen; vierzigmal Kyrie eleison und ein Gebet. Der Schluß ist wie beim kleinen Completorium.

Literatur: Goar, Eucholog. Graecorum, Venet. 1730; Leo Allatius, De libris eccles. Graec. in Fabricii Biblioth. Graec. V; Pitra, Hymnographie de l’Église grecque, Rome 1867; Bona, De variis rit. divin. psalmod. c. 18, § 13; Nilles, Kalendar. man. utriusque eccles., Oenip. 1879; Rajewsky, Euchologion der orthodox-katholischen [russischen] Kirche, Wien 1861.)

[Sarnicki, O. S. Bas.]

II. Das armenische Brevier theilt das Psalterium in acht Sectionen: 1–17; 18–35; 36–54; 55–71; 72–98; 99–105; 106 bis 118; 119–150. Diese Abtheilungen werden in den Klöstern täglich gebetet, in den andern Kirchen auf die Tage einer jeden Woche vertheilt. Die Horen sind dieselben wie in dem römischen Brevier, jedoch ist das Completorium ein doppeltes, von denen das eine privatim vor dem Schlafengehen gebetet wird. Alle Horen beginnen und endigen mit Pater noster. – In dem Nachtofficium folgt: »Herr, öffne meine Lippen« u. s. w., ein Lob der heiligen Dreifaltigkeit, vier Psalmen mit Gloria Patri, eine Oration und die Vorlesung einer Ermahnung, an den Festtagen dreimal, an den Fasttagen hundertmal, an andern fünfzigmal »Herr, erbarme dich unser«, eine Oration, Hymnus (an den Sonntagen das Evangelium); Gebete und die zwei ersten Sectionen des Psalteriums; hierauf vier Ermahnungsreden, verschieden nach der Zeit, mit entsprechenden Gebeten; der Hymnus Rex saeculorum und ein nach den Tagen wechselnder Hymnus, ein Gebet und die Lesung des Menologiums; dann die dritte, vierte und fünfte Section des Psalteriums. In den Laudes folgen auf das Pater noster einige Versikeln, das Canticum puerorum, eine Oration, ein Lied zum Lobe des Heiligen, ein Gebet zu Maria, das Magnificat, ein Hymnus zu Ehren Mariä, das Benedictus. An den Sonntagen folgt hier ein Gebet in verschiedenen Anliegen, eine Oration, Versikel, ein Evangelium der Auferstehung, Lesung einer Ermahnung und eine Oration; an den andern Tagen eine Oration, Psalm 50, Ermahnung, die Fürbitte der Tagesheiligen anzurufen, ein Lied zu den Heiligen; ein Gebet, Psalm 148–150, Versikel zu Ehren Gottes und jener Heiligen, Gloria in excelsis, Versikel, Gebete, von drei Mönchen oder Clerikern gesungen; Oration, Trisagion, Psalm 112; an den Sonntagen das Tagesevangelium, Hymnus, sechs Psalmen, Gebete, Hymnus, Lesung, Oration.

Prim: Versikel mit Doxologie, drei Psalmen mit zwei Orationen, an den Fasttagen ein Hymnus; dann vier Psalmen mit Doxologie, Versikel, Lesung, Oration. Terz: Gebet zum heiligen Geiste, Psalm 50, Canticum, Lesung, die sechste Section des Psalteriums, Gebet zum heiligen Geiste, Psalm 21 und 142 (vom achten Verse an), Lesung, Oration. Sext: Gebet zu Gott dem Vater, Psalm 50, Canticum, Lesung, die siebente Section des Psalteriums, Psalm 40 (die vier ersten Verse) und 90, Lesung, Oration. Non: Gebet zu Gott dem Sohne, Psalm 50, Lesung, Oration, die achte Section des Psalteriums, vier Psalmen, Canticum, Lesung. In den Klöstern folgt nun die heilige Messe, auf diese, oder bei dem Privatrecitiren auf die Non ein Psalm, dann das Encomium des Tagesheiligen, Trisagion, Oration, Lesung, einige Versikel, eine längere Lesung aus den Propheten oder aus dem Apostolus (z. B. ein ganzer Brief), drei Alleluja mit Versikeln, Lesung des Evangeliums, Credo, Lesung, Oration. Vesper: Versikel mit Gloria Patri, vier Psalmen, an den Sonntagen 20 Orationen, ähnlich wie in den Laudes mit vorhergehender Ermahnung zum Gebete mit Bezeichnung des Anliegens, wobei jedesmal geantwortet wird: Lasset uns den Herrn bitten; dann Oration, Trisagion, Psalm, Canticum, Lesung, Oration, drei Psalmen, Lesung, Oration. Completorium. a) Das in der Kirche bei Sonnenuntergang gebetete: Versikel, sieben Psalmen, die zwei letzten Verse vom Psalm 85, Gloria Patri, ein langes Canticum um eine glückliche Nacht, Lesung, Oration, Psalm, an den Fasttagen ein Hymnus; dann Lesung, Oration. b) Das nach dem Abendessen beim Beginne der Nacht gebetete zweite Completorium, nach welchem keine Speise mehr genommen werden darf: Versikel mit Psalm 42, Gloria Patri, Versikel, mehrere Theile des Psalm 118, die vier letzten Verse von Psalm 35, ein Theil des Canticum Habacuc, drei Psalmen, der Anfang des Canticum puerorum, Benedictus, Psalm 150, das Nunc dimittis, Theile von Psalm 137 und 141, das Magnificat, die zwei letzten Verse von Psalm 85, Oration, Psalm 4, Hymnus, Lesung des Evangeliums, eine längere Oration. Die Sprache des Officiums ist die altarmenische.

Von großem Einfluß auf das Officium ist es, daß die armenische Kirche nur acht unbewegliche Feste (Epiphanie, Jesu Aufopferung im Tempel, Maria Verkündigung, Geburt Johannes’ des Täufers, Auffindung der Kleider der allerseligsten Jungfrau, Mariä Geburt, Mariä Aufopferung im Tempel, Mariä Empfängniß, zu denen bei den katholischen Armeniern noch das Weihnachtsfest am 25. December, welches die andern mit Epiphanie zusammen feiern, und in Ungarn und Siebenbürgen noch einige andere Feste hinzukommen) kennt. Die übrigen Feste des Herrn verlegen sie auf Sonntage und die Heiligenfeste auf Wochentage, welche von den acht Abtheilungen des armenischen Kirchenjahres abhängen; Mittwoche (Offic. poenit.) und Freitage (Offic. defunctorum) bleiben von Heiligenfesten stets frei. Bei Heiligenfesten, die in die Octaven großer Feste fallen, bezieht sich nur ein Theil des Officiums auf Ersteres; so wird z. B. von Johannes’ Enthauptung, welches am Samstage in der Osterwoche gefeiert wird, nur ein Hymnus in der Matutin vom hl. Johannes gebetet, der Rest von der Auferstehung. (Bona, Psallentis eccles. harm. c. 18, § 15; Nilles, Kalendar. II, 553 sqq.)

III. Das Brevier der Maroniten ist in syrischer Sprache und hat die gewöhnlichen Tagzeiten mit Ausnahme der Prim. Dasselbe zeigt die Eigenthümlichkeit, daß nicht das ganze Psalterium im Laufe der Woche oder des Jahres gebetet wird, sondern jede Hore immer nur dieselben Psalmen enthält, nämlich das Nachtofficium Ps. 133 und 116, das Morgenofficium Ps. 62, 90, 50 und 116, die Terz und Non Ps. 50, die Vesper Ps. 50, 140, 141 und acht Verse von Ps. 118 das Completorium Ps. 50, 90 und l16. Jede Hora beginnt mit Trisagion, Pater, Ave, Credo und einer Oration; es folgt ein Hymnus, ein Psalm oder Canticum einige Anrufungen. Das Nachtofficium hat 16 Orationen, 11 Cantica, 6 Hymnen, 2 Psalmen, 1 Responsorium und mehrere Anrufungen, welche Stücke miteinander abwechseln: zuerst wird eine Oration gebetet, dann ein Canticum mit der zweiten Oration, dann der erste Hymnus mit dem ersten Psalm und zwei Orationen u. s. f. Das Morgenofficium hat 11 Orationen, 7 Hymnen, 4 Psalmen und 1 Responsorium, welche in ähnlicher Weise gebetet werden. Terz und Non haben 5 Orationen, 2 Cantica und 1 Psalm. Die Sext hat denselben Inhalt, nur statt des Psalmes ein drittes Canticum. Die Vesper hat 7 Orationen, 2 Hymnen, 4 Cantica, 4 Psalmen und 1 Responsorium, ähnlich wie im Nacht- und Morgenofficium geordnet. Das Completorium hat 5 Orationen, 3 Psalmen, 2 Hymnen und 2 Cantica, ähnlich geordnet (Bona l. c. c. 18, § 16).

IV. Das Brevier der Kopten ist in alt-koptischer Sprache und hat die gewöhnlichen Horen und in jeder 12 Psalmen, darunter stets Ps. 50. Die Horen beginnen mit Pater und Ave, das Nocturnum mit Venite adoremus; letztere hat viele Lesungen aus der heiligen Schrift, Lesungen aus den heiligen Vätern aber nur in der Charwoche. In den Klöstern, wo viele Mönche sind, theilen sich dieselben in das Psalterium, so daß sie am Morgen das ganze Psalterium beten. Dieselbe Einrichtung hat das Brevier des abessynischen Clerus. (Vgl. Bona l. c. c. 18, § 18; Moroni LXXXII, 316.)

[Heuser.]

B. Verpflichtungen rücksichtlich der Recitation des Brevieres. In den ersten Zeiten hielten alle Gläubigen sich für verpflichtet, zu den canonischen Stunden in der Kirche zu erscheinen; wer verhindert war, betete zu Hause allein oder mit Anderen die für die betreffende Stunde bestimmten Psalmen, Lesungen und Orationen (Tert., De jejun. 10; Const. Apost. 8, 34). Der Clerus aber hielt gemeinschaftlich das canonische Officium in der Kirche ab, welcher er zugeschrieben war. Dieß galt nicht bloß von bischöflichen Kirchen, sondern auch von Pfarrkirchen auf dem Lande (Gregor. Turon. Vit. Patr. 101; Conc. Emerit. a. 666, can. 18, Harduin. III, 1004; Conc. Trevir. a. 1238, c. 30; Hartzh., Conc. Germ. III, 560). Im fünften und sechsten Jahrhundert bestand in Spanien und Frankreich die Sitte, daß an Wochentagen nur Matutin und Vesper in der Kirche feierlich gehalten wurden; die übrigen Horen konnten zu Hause gebetet werden; an Sonn- und Festtagen mußten aber alle Cleriker in der Kirche zur feierlichen Recitation des ganzen Officiums erscheinen. Saumselige wurden des Stipendiums für den Tag, sogar des Amtes selbst beraubt (Pseudo-Carth. IV, a. 398, can. 49; Conc. Aurel. II, a. 533, can. 14; Hefele, Conc.-Gesch. II, 73. 757). Als seit dem zwölften Jahrhunderte auch Ordinationen auf den Titulus patrimonii ertheilt wurden, hielten solche Cleriker, welche keinen Antheil am Genusse der Kirchengüter hatten, sich von der Pflicht befreit, dem feierlichen Officium im Chore beizuwohnen oder privatim dasselbe zu recitiren. Aber zahlreiche Particularsynoden (Trier 1227, Köln 1279, Ofen1279, Pennanfiel 1302 u. s. f.) erklärten die tägliche Recitation als allgemeine Pflicht der Betreffenden. Das Concil von Basel (Sess. XXI) s rieb für alle Cathedral- und alle Collegiatkirchen die feierliche Recitation der canonischen Tageszeiten vor und befahl, daß die Distributiones quotidianae jedem Verpflichteten nur nach Maßgabe der Anwesenheit an den einzelnen Stunden gegeben würden. Der Beneficiat, welcher im Chore nicht anwesend sein könne, müsse das Brevier privatim beten. Nach dem heute geltenden Rechte ruht in der abendländischen Kirche die Verpflichtung zum öffentlichen oder privaten Breviergebete auf folgenden drei Titeln. Auf Grund der Weihe (titulo ordinis) sind alle Cleriker verpflichtet, welche die höheren Weihen (vom Subdiaconate angefangen) erhalten haben, selbst die Suspendirten, Degradirten und Excommunicirten (c. 9, D. XCII; c. 13, D. V de Consecrat.; c. 1, X de celebr. missae 3, 41; c. 9 eod.; Conc. Basil. Sess. XXI). Wenn ein solcher Cleriker mit päpstlicher Dispense heiratet, bleibt für ihn nach der probableren Meinung die Pflicht zum Breviergebete bestehen, falls er nicht auch hiervon eine besondere päpstliche Dispense erhalten hat. Auf Grund eines kirchlichen Beneficiums (titulo beneficii ecclesiastici) sind alle Kleriker (auch die Minoristen) verpflichtet, sobald sie in den Genuß der Pfründe getreten sind, oder es nur von ihnen abhängt, in denselben zu gelangen (c. 9, X de celebr. missae 3, 41; Conc. Basil. cit.; Leo X., Supremae dispositionis; Pius V., Ex proximo Lateran.). Für die Mitglieder der Dom- und Collegiatstifte besteht (Trid. Sess. XXIV, c. 12 de Ref.) die Pflicht der gemeinschaftlichen Recitation im Chore. Auf Grund der Zugehörigkeit zu einem Orden (titulo religionis) sind endlich alle Religiosen beiderlei Geschlechtes verpflichtet, sobald dem Orden überhaupt durch Gewohnheitsrecht das Chorgebet auferlegt ist. Novizen und Laienbrüder sind nicht verpflichtet, falls nicht die specielle Ordensregel dasselbe verlangt. Das einzelne Kloster hat ebenso, wie jedes Collegiat- und Cathedralcapitel, die Pflicht, als Communität das Officium divinum in choro zu recitiren; es genügt hierzu die Anwesenheit dreier Mitglieder.

Die Verpflichtung, das Brevier im Chore oder privatim zu recitiren, ist in der abendländischen Kirche eine schwere, so daß der, welcher das ganze Tagesofficium oder auch nur soviel, als der Umfang einer Hore beträgt, vernachlässigt, hiermit eine schwere Sünde begeht. Außerdem legt das fünfte Concil im Lateran den Beneficiaten die Pflicht der Restitution auf, ein Gebot, das Pius V. in der Bulle Ex proximo 1571 mit den Worten wiederholt: Wir verordnen, daß der, welcher an einem Tage oder an mehreren Tagen alle canonischen Horen vernachlässigt, alle diesen Tagen entsprechenden Einkommenstheile des Beneficiums verlieren soll. Wer die Matutin vernachlässigt, soll die Hälfte des Einkommens restituiren, die andere Hälfte, wer die übrigen Hören ausläßt; wer aber eine einzelne Hore versäumt, verliere den sechsten Theil des Einkommens. Gemäß einer Auslegung, welche Gesetzeskraft erhalten hat, wird jedoch der Beneficiat, falls mit einem Beneficium noch anderweitige Amtspflichten verbunden sind, nicht mit dem ganzen Einkommen zur Strafe gezogen, sobald er die übrigen Amtspflichten erfüllt. Die Abtragung der Restitution ist nicht von einem Urtheilsspruche abhängig (Propos. 20 damnata ab Alex. VII., 1665) und kann nicht durch ein früher gespendetes Almosen ausgeglichen werden. Von der Pflicht des Breviergebetes entbindet Krankheit. Sie muß gerade keine schwere, aber doch eine solche sein, welche die Recitation des Officiums sehr beschwerlich macht. Liguori fügt dem Satze, daß ein Kirchengebot mit großer Beschwerde nicht verpflichte, die Worte bei: aut probabili talis incommodi periculo. Wer daher in einem leidenden Zustande durch Erfüllung dieser Pflicht fürchten müßte, denselben zu verschlimmern oder die Genesung zu verzögern, wäre von ihr entbunden. Ferner befreit von dieser Obliegenheit Blindheit und ein gerechtes Hinderniß (justum impedimentum) z. B. große und plötzliche Beanspruchung durch Berufsgeschäfte oder durch Übung von Liebeswerken, die ohne großen Nachtheil für den Pflichtigen oder einen Dritten nicht verschoben werden können. Der unverschuldete Mangel eines römischen Breviers entbindet nicht von der Verpflichtung, sich eines anderen (z. B. des der Benedictiner) zu bedienen, und der Mangel des betreffenden Tagesofficiums nicht von der Obliegenheit, die Horen aus dem Commune zu recitiren, wie der völlige Mangel eines Breviers von der Recitation aus dem Gedächtniß nicht freispricht. Endlich befreit eine rechtmäßig erworbene Dispens vom Breviergebet, weil das Gebot desselben, als ein kirchliches, auch von der Kirche aufgehoben werden kann. (Näheres bei S. Alphons., Theol. mor. V, 154–159.)

Anders gestaltete sich die Praxis in der morgenländischen Kirche. Die Orden behielten das feierliche Officium im Chore bei; rücksichtlich der Privatrecitation der Cleriker gehen aber die Ansichten auseinander. Die Einen stellen jede Verpflichtung extra chorum einfach in Abrede; Andere wollen sie auf die Tage beschränkt wissen, an welchen der Priester celebrire; Andere möchten die Geistlichen mit einigen Erleichterungen verpflichtet halten, entweder so, daß das Officium verkürzt recitirt werde, oder daß ein und dasselbe Officium auf mehrere Tage vertheilt werde; Andere urgiren endlich die Obligation im strengen Sinne des Wortes für die Orientalen ebenso wie für die Lateiner. Die Congregation de Propaganda fide beschäftigte sich in den Jahren 1868–1869 mit dieser Frage, ohne eine definitive Entscheidung zu erlassen. Auf eine Privatanfrage erhielten Priester des griechischen Ritus vor Kurzem die Weisung: Sequantur praxim aliorum piorum sacerdotum illius regionis (Innsbrucker Zeitschr. f. Theol. VII, 188).

Bezüglich der Weise der Recitation gelten die Bestimmungen, daß man sich dabei des richtigen Breviers bediene und das richtige Officium des Tages bete. Hätte man aus Unachtsamkeit ein unrichtiges gebetet, so ist man nicht verpflichtet, das richtige an demselben Tage nachzuholen, weil man nicht annehmen kann, die Kirche wolle in einem solchen Falle zu einer so großen Mühe verpflichten; ist das gebetete Officium aber merklich kürzer, so ist man zu einer Ergänzung verpflichtet, z. B. so, daß wo statt des Sonntagsofficiums das eines Heiligen gebetet wurde, man noch neun Psalmen aus der ersten Nocturn des Sonntags nachzubeten hätte (Prop. 34 damn. ab Alex. VII). Wer irrthümlich statt des Heiligenofficiums des Tages das eines andern Heiligen gebetet hat, muß an dem Tage, wo letzteres zu beten ist, dieses und nicht das früher ausgelassene beten. Wer während des Recitirens den Irrthum bemerkt, hat den Rest richtig zu beten. Wer freiwillig oder absichtlich das unrichtige Officium betet, sündigt wenigstens dann schwer, wenn dieses mehr als 3 oder 4 Mal im Jahre geschieht, weil dieses eine schwere Verkehrung der vorgeschriebenen Ordnung wäre. Das Beten des Officiums muß ferner ein mündliches sein, so daß alle Worte und Silben wirklich ausgesprochen werden, und es sündigt schwer, wer einen merklichen Theil des Tagesofficiums nicht oder nur verstümmelt, so daß der Sinn verloren geht, ausspricht. Wer mit einem Andern betet, kann alternirend aussprechen, aber so laut, daß er von diesem verstanden wird, und muß selbst auf das von seinem Gefährten Recitirte Acht geben. Wer zum gemeinschaftlichen Chorgebete verpflichtet ist, genügt dieser Pflicht nur, wenn er auch am gemeinsamen lauten Psalliren sich betheiligt (Trid. l. c.; Bened. XIV. Constit. Quum super 1744 und Instit. eccles. 17, § 3). Wer allein recitirt, muß Alles auf vernehmliche Weise aussprechen, wenn auch nicht so laut, daß er es selbst vernehmen kann. Das Brevier muß mit der wenigstens virtuellen Intention, gemäß dem obliegenden Gebot der Kirche, zu beten, recitirt werden. Diese Intention zeigt sich hinreichend darin, daß man das Brevier zu diesem Zwecke in die Hand nimmt. Wer das Tagesofficium aus wissenschaftlichen Absichten, oder um die Psalmen auswendig zu lernen, laut durchläse, genügte dem Gebote nicht. Ferner gehört zur Erfüllung des Gebotes Andacht, und zwar nicht bloß eine attentio externa, welche gleichzeitige Vornahme von physisch incompatibeln Beschäftigungen ausschließt, sondern auch eine attentio interna wenigstens auf die Worte, weil es sonst kein Gebet ist. Die von der Kirche vorgeschriebene Ordnung verlangt, daß man die einzelne Hore nicht ohne Grund in merklicher Weise unterbreche; Matutin und Laudes gelten in dieser Beziehung nicht als eine Hore und können also auch ohne Grund getrennt gebetet, auch die einzelnen Nocturnen ohne Sünde durch Zwischenräume bis zu 3 Stunden getrennt werden, wie dieß der früheren Disciplin entspricht. Die Horen sind in der vorgeschriebenen Reihenfolge zu beten; von dieser ohne Grund abzugehen, wäre eine (läßliche) Sünde. Die Zeit für das Officium läuft von Mitternacht zu Mitternacht; ein Nachholen genügt nicht, wohl aber kann Matutin und Laudes schon am Vorabende gebetet werden, sobald die Sonne den größeren Theil ihres nachmittägigen Laufes durchmessen hat. Um noch früher anticipiren zu können, bedarf es einer päpstlichen Dispens, welche beschäftigten Beichtvätern leicht ertheilt zu werden pflegt. In choro ist die Anticipation mit Ausnahme der Tage, an welchen die Rubriken sie erlauben (Chartage), nur bei rechtsgültiger Gewohnheit oder specieller Dispens des Bischofs gestattet (Bened. XIV. Instit. eccl. 17, § 4). Die genaue Einhaltung der durch die Namen der Horen bezeichneten Stunden ist bei der privaten Recitation zwar löblich, aber keine Pflicht, sondern es genügt, um auch eine läßliche Sünde zu vermeiden, daß die Vesper und Complet oder auch Sext und Non zwischen Mittag und Mitternacht, die übrigen Tagzeiten mit Ausnahme der Matutin zwischen der Morgenröthe und Mittag gebetet werden. Zu einer weiteren Nichtbeobachtung der Zeit ist erfordert und genügt jede nützliche und ehrbare Ursache. Treffend ist die Maxime: Ante horam orare praevidentiae est, post horam negligentiae, in hora obedientiae. (Vgl. S. Alphons., Theol. mor. V, n. 160 sq.; Benger, Pastoral II, 294 ff.) Was den Geist des Breviergebetes betrifft, so ist es von höchster Bedeutung sowohl für die gesammte Kirche, als für den einzelnen Priester. »Wenn es wahr ist,« sagt Dr. Mast, »daß die Waffen der streitenden Kirche Gebet und Thränen sind; wenn es wahr ist, daß das Gebet gleichsam der Kitt ist, welcher den mystischen Leib der Kirche zusammenhält; wenn es wahr ist, daß in der ganzen Geschichte der Kirche unsichtbare und übernatürliche Potenzen wirken: so dürfte die Einsicht, was die Kirche am Breviergebete, d. h. an einem nie unterbrochenen, gemeinsamen, durch höheren Geist geordneten Gebete habe, keiner Schwierigkeit mehr unterliegen. Ferner, wenn Gebetsgeist und priesterliche Würde eng verwandte Begriffe sind, so daß der Priester ohne diesen Geist eine abnorme Erscheinung ist, wie könnte die Kirche diese unendlich wichtige Wahrheit dem Clerus nachdrücklicher einschärfen, als daß sie ihm das Gebet zu einer speciellen Pflicht macht? Sie schreibt gleichsam ein Gebetspensum vor, um so das Individuum im Gehorsam gegen die Auctorität zu erhalten, und täglich und stündlich von ihm das Opfer des Eigenwillens verlangend, ist er fähig, ein Gefäß der Gnade für seine eigene Person und ein Kanal derselben für die Gläubigen zu werden. Auch stellt sich in der Gemeinsamkeit eines alle Länder der Erde umfassenden Gebetes auf eine großartige Weise die Einheit der katholischen Kirche dar. Kein kleiner Vorzug! Das Breviergebet besteht sodann darin, daß es den Priester in der erfolgreichsten Weise in die Festzeiten der Kirche hineinzieht und ihn auf die innigste Weise mit der triumphirenden Kirche vereinigt.« (Vgl. Benger, Pastoraltheologie II, 319 ff.)

[Probst.]


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