Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Büßerorden, Gesammtname für Orden und religiöse Corporationen, deren Mitglieder sich entweder zu Werken der Buße in außergewöhnlich strenger Weise verpflichten, oder sich dem Liebeswerke unterziehen, gefallenen Personen einen Zufluchtsort und die Anleitung zur Buße zu bieten. Hierher gehören:

1. Augustiner-Eremiten, s. d. Art. Augustiner.

2. Conservatorio de S. Croce della penitenza, auch del buon Pastore oder le Scalette genannt, gestiftet 1615 zu Rom vom Carmeliter Dominicus von Jesus und Maria. Dieser sammelte, unterstützt von dem vornehmen Römer Baltassare Paluzzi, einige Frauenspersonen, deren Sittlichkeit gefährdet war, in einem kleinen Hause (Conservatorio) der Via Lungara und schrieb ihnen eine Lebensregel vor. Sie legten kein Gelübde ab und konnten daher in ein Kloster treten oder heiraten. Viele jedoch wollten im Hause bleiben und wünschten ein klösterliches Leben zu führen. Sie erhielten nun die Regel und das Kleid des hl. Augustinus. Mit Unterstützung des Kurfürsten Maximilian von Bayern und des Cardinals Antonius Barberini wurde der Bau eines Klsoters und einer Kirche vollendet. Die äußere Leitung der Anstalt erhielt ein Prälat als Viceprotector; ihm standen vier Räthe (deputati) zur Seite; seit 1802 übernahm das römische Pfarrcollegium diese Aufgabe. Die innere Leitung hatte anfänglich eine Priorin; seit 1838 wurde aber das Haus den Frauen vom guten Hirten (s. d. Art.) unterstellt (daher auch der Name Conservatorio del buon Pastore). Anfänglich wurden nur freiwillige Büßerinnen aufgenommen, später auch Frauen, die von ihren Männern geschieden waren. Die Büßerinnen haben strenge Clausur; der ihnen bestimmte Raum ist von den Wohnungen der Nonnen getrennt. Die besseren werden mit Aufsichtsposten betraut; sie können in gewisse Klöster, nicht aber in die Congregation vom guten Hirten übertreten. Außerdem wurde eine Erziehungsanstalt für verwahrloste Mädchen (classe di preservazione) und eine Strafanstalt für weibliche Verbrecher mit dem Hause verbunden. Pius IX. vergrößerte letztere im Jahre 1851, so daß bis 100 Sträflinge aufgenommen werden konnten. Die Hälfte des täglichen Arbeitsverdienstes war ihnen zur freien Verfügung überlassen. (Vgl. B. Piazza, Eusevologio Romano 4, 13; Morichini, Degli istituti di carità 3, 5; Helyot III, 381; Moroni XVII, 20.)

3. Carmeliterinnen, s. d. Art.

4. Dritter Orden des hl. Dominicus von der Buße, s. d. Art. Tertiarier.

5. Orden von Fontevrault, s. d. Art.

6. Dritter Orden des hl. Franciscus von der Buße, s. d. Art. Tertiarier.

7. Frauen vom guten Hirten, s. d. Art. Hirt, der gute.

8. Büßer oder Einsiedler vom hl. Johannes dem Täufer, Name mehrerer Einsiedlervereine. Ein Verein bei Pampelona im Königreiche Navarra zählte fünf Einsiedeleien mit je acht Einsiedlern. Die Einsiedeleien führten die Namen zum hl. Clemens, von der Mutter Gottes von Montserrato, zu den hll. Bartholomäus, Martinus und Fulgentius. Ihre Bewohner führten ein äußerst abgetödtetes Leben in beständigem Fasten und Stillschweigen. Am Halse trugen sie ein schweres hölzernes Kreuz und geißelten sich wöchentlich dreimal, in der Fastenzeit täglich. Das Chorgebet war gemeinschaftlich. Ihr Kleid war von lohfarbigem grobem Stoffe, mit einem ledernen Gürtel zusammengehalten, darüber hing ein kurzer Mantel. Gregor XIII. bestätigte sie und gab ihnen einen eigenen Provinicial. Eine andere Congregation dieses Namens bestand in Frankreich, 1630 von einem Priester Michael de Sabine begründet. Dieser suchte die bestehenden Einsiedler, bei denen manche Mißbräuche eingeschlichen, zu reformiren, vernahm darüber die frömmsten aus ihnen und legte Regeln für sie in 22 Artikeln nieder, welche die Bestätigung der Bischöfe von Metz und Le Puy en Velay erhielten und in diesen Bisthümern den Einsiedlern zur Beobachtung vorgeschrieben wurden. Die Einsiedler jeder dieser Diöcesen standen unter einem Visitator, der alljährlich nebst vier Majoren und einem Secretär gewählt wurde und mit diesen die Aspiranten zu prüfen hatte. Ihr tannenfarbiger Habit, von ledernem Gurt umschlungen, ein schwarzes Scapulier, ein Mantel nebst Kopfbedeckung wurde ihnen vom Bischof gereicht. Der Visitator hatte die Einsiedler zu besuchen und die Zucht zu überwachen. Ohne seine Erlaubniß konnte keiner reisen oder seinen Wohnort verändern; unwürdige konnten ausgewiesen werden. Erst im 45. Lebensjahre, und zwar nach 25jährigem Verweilen im Vereine, durften sie die ewigen Gelübde ablegen. Auch in den Bisthümern Genf und Vienne gab es solche Vereine (Helyot IV, 291).

9. Orden von der Buße der hl. Magdalena, s. d. Art. Magdalenerinnen.

10. Ordo poenitentiae ss. Martyrum oder Ordo Mariae de Metro de poenitentia ss. Martyrum war der Name eines Ordens, der im Anfange des 16. Jahrhunderts in Polen und Böhmen blühte. Die Zeit der Gründung läßt sich nicht mehr mit Bestimmtheit angeben. Ferraris (Promta Bibl. v. Religio) glaubt, Innocenz III. habe zu Anfang des 13. Jahrhunderts den Orden bestätigt. Schriftsteller des Augustinerordens berichten von großer Ausbreitung, welcher der Orden in diesem Jahrhunderte in Italien erlangt habe. Diese Ansicht solle bestätigt werden durch eine Bulle des Papstes Bonifaz VIII. vom J. 1295, welche 1507 durch Papst Julius II. in einer neuen Bulle authentisirt wurde. Helyot aber bestreitet die Ächtheit dieser zweiten Bulle; jedenfalls muß der in sie aufgenommene historische Theil der ersten Bulle in Zweifel gezogen werden, denn in derselben wird ein Kloster des Ordens als Conventus S. Mariae de Metro in Rom erwähnt, von welchem niemals in der Geschichte Roms anderwärts die Rede ist; nicht einmal der Platz, auf dem es gestanden ist, kann nachgewiesen werden. Sicher dagegen ist die Existenz des Ordens schon seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Polen und Litauen. Das bedeutendste der dortigen Klöster war das des hl. Marcus in Krakau. Die Religiosen daselbst lebten nach der Regel des hl. Augustinus. Sie trugen weiße Talare mit weißem Scapuliere, auf welchem ein Kreuz und ein Herz von rother Farbe sich befand; im Chore hatten sie ein Superpellicium und eine weiße Mozzette, auf der Straße den schwarzen Talar. In einem Actenstücke, welches Thomas Oborsik, Canonicus von Krakau, 1624 bei der Übertragung der Reliquien des seligen Michael Gedrok aus diesem Orden erließ, werden die Religiosen Regulirte Chorherren und MEndicanten genannt. Der Leiter des Ordens führte den Titel: Prior Ecclesiae S. Mariae de Metro. Höchst wahrscheinlich entstand aus der abgekürzten Schreibweise dieses Titels (S. M. De Metro) die Annahme, daß auch ein besonderer Büßerorden der Regulares S. Martyris Demetrii sich gebildet habe, wie Barbosa (Jus eccl. 1, 41, 116) und Augustinerschriftsteller meinen. Ein polnischer Priester vindicirte in einem zu Wilna gedruckten Buche (Opus miserentis Dei) diesem Büßerorden einen fabelhaften Ursprung. Er führte ihn nämlich auf einen römischen Consul Demetrius zurück, welchen Papst Cletus in einem von ihm gestifteten Kloster aufgenommen habe. Auch soll Cyriacus, Bischof von Jerusalem, Mitglied dieses Ordens gewesen sein. Doch wird selbst die Existenz dieses hl. Demetrius von Tillemont, Papebroich u. A. als märchenhaft zurückgewiesen (vgl. Halyot II, 241 ss.).

11. Ordo religiosus de poenitentia, dessen Glieder in Rom Scalzetti heißen, weil sie anfangs barfuß gingen, wurden von dem im Rufe der Heiligkeit gestorbenen Spanier Johannes Varella y Losada gegründet. Derselbe hatte zuerst in Italien und Africa Kriegsdienste geleistet, sich dann aber nach widrigen Schicksalen zu einem strengen Bußleben entschlossen. Eine Zeit lang verrichtete er im Kloster der Observanten zu Salamanca gegen Almosen die niedern Hausarbeiten. Im Verlangen nach Verdemüthigungen stellte er sich sogar irrsinnig. In den wiederholten Aufforderungen frommer Personen sah er den Willen Gottes, einen eigenen Büßerorden zu stiften. er entwarf 1851 eine Ordensregel und begann mit acht Gefährten zu Salamanca am 8. März 1752 das Ordensleben. Papst Benedict XIV. billigte die Regel, welche Varella persönlich in Rom überreichte, sprach aber in Rücksicht auf die Fürsten den Wunsch aus, man möge sich lieber einem bestehenden Orden anschließen. Da dieses niht geschehen konnte, suchte Varella zunächst in Italien Niederlassungen zu gründen. Es entstanden Häuser in Neapel und Rom, dann vier Convente in Ungarn. Letztere wurden aber durch die Klostergesetze Josephs II. bald wieder aufgehoben. Doch verschaffte Bischof Esterhazy von Erlau, der Varella zum Priester weihte, ihm die Möglichkeit einer weiteren Existenz. Auch die Häuser, die er in Spanien und Portugal gründete, unterlagen bald den zahlreichen Anfeindungen. Noch einmal kam er nach Rom, von wo aus er ein Kloster bei Viterbo gründete. Zu Ferrara beschloß er am 24. Mai 1769, 45 Jahre alt, sein thätiges Leben und wurde in der Kirche des heiligen Kreuzes begraben. Sein Orden verbreitete sich nach seinem Tode, so daß Pius VI. mittelst Breve vom 21. Mai 1784 die Constitutionen bestätigte und später dem Orden die Privilegien der Franciscaner verlieh. An der Spitze des Ordens steht ein General, neben ihm ein Generalcommissar, ein Generalprocurator, vier Custoden und vier Definitoren, sämmtliche auf sechs Jahre gewählt vom Generalcapitel. Letzteres wird alle drei Jahre gehalten. Die einzelnen Klosterobern heißen Guardiane. Neben den drei Ordensgelübden hatten sie mit den Franciscanern auch das Gelübde gemeinsam, die Lehre von der unbefleckten Empfängniß Mariä zu vertheidigen. Sie können keinen Grundbesitz erwerben und leben bloß von Almosen. Es findet bei ihnen eine Veränderung des Taufnamens statt. Sie wirken sehr eifrig beim Volke, namentlich durch Missionen bei den verwahrlosten Klassen, und stehen deßwegen beim Volke in großem Ansehen, aber nicht minder bei den Päpsten. Der Habit ist von grobem, dunkelm Tuche, nach Farbe und Schnitt ähnlich dem der Observanten. Der Gürtel ist blau, bei den Priestern und Clerikern mit weißer, bei den Brüdern mit schwarzer Quaste. Sie tragen Sandalen und nur auf Reisen einen Hut. Beim Volkee haben sie meistens den Namen Scalzetti, manchmal auch Nazareni. In Rom erhielten sie zwei Kirchen: S. Maria delle Grazie an der Porta Angelica und S. Maria degli Angeli in macello Martyrum in der Rione dei Monti, gewöhnlich alle Colonnaccie genannt. Selbstverständlich haben sie durch die neueren Umwälzungen gelitten (Moroni LII, 53).

12. Kapuzinerinnen, s. d. Art.

13. Die Büßerinnen U. L. F. von der Zuflucht wurden von der ehrwürdigen Maria Elisabeth vom Kreuze Jesu im J. 1631 gestiftet. Dieselbe war in Remiremont in der Duché am 30. November 1592 geboren; ihr Vater war Jean Leonard de Ranfain, ihre Mutter Claudia de Magnière. Nach einer in den härtesten freiwilligen Abtödtungen durchlebten Jugend wurde sie von ihren Eltern zu einer Ehe mit einem alten Adeligen, Dubois, genöthigt. Ihr Mann quälte sie auf’s Äußerste, bis er endlich, nachdem ihn die Tugend und Frömmigkeit seiner Frau zur Bekehrung geführt hatte, im April 1616 starb. Nun folgten für sie einige Jahre innerer Prüfungen, wodurch sie vorbereitet wurde, das Werk einer Ordensgründung auszuführen. Anfänglich öffnete sie einigen Mädchen, welche bisher der Sünde gedient hatten, einen Zufluchtsort und sorgte, unterstützt von ihren drei Töchtern, für die geistige und leibliche Pflege der Unglücklichen. Franz von Lothringen, Bischof von Toul, ermunterte sie, zur Fortsetzung des Werkes eine Congregation zu errichten. Dieselbe wurde am 1. Januar 1631 unter dem Namen U. L. Frau von der Zuflucht constituirt und 1634 von Urban VIII. bestätigt. Maria Elisabeth, ihre Töchter und sieben andere Gefährtinnen legten am 1. Mai 1634 Profeß ab. Das erste Haus war in Nancy; es folgte die Gründung eines zweiten in Avignon, dessen Leitung Elisabeths älteste Tochter Paule avon der Mneschwerdung übernahm. Am 14. Januar 1649 schloß die Gründerin ihr thätiges und an Abtödtungen reiches Leben, den Ruf der Heiligkeit hinterlassend. Die Congregation breitete sich immer weiter aus und wirkte überaus segensreich. Sie befolgt die Augustinerregel; als zweiten Patron verehrt sie den hl. Ignatius von Loyola, aus dessen Constitutionen Vieles entnommen ist. Drei Klassen von Personen befinden sich in ihren Häusern. Die erste besteht aus unbescholtenen Jungfrauen oder Frauen, die sich durch besonderes Gelübde dem Dienste der Büßerinnen weihen; sie dürfen nur ein Drittheil der Gesammtzahl betragen. Die zweite Klasse bilden Büßerinnen, welche durch Frömmigkeit und Bußgeist sich auszeichnen und zur Profeßablegung zugelassen werden. Diese unterscheiden sich in Kleidung u. s. w. in keiner Weise von den ersten und bilden mit ihnen nur Eine Gemeinde; doch können sie zu keinen Ämtern gelangen und, falls das Kloster arm ist, wird von ihnen eine entsprechende Pension gefordert. Die dritte Klasse bilden freiwillige oder unfreiwillige Büßerinnen, welche dieselbe Regel, wie die übrigen, beobachten, aber ohne Gelübde und ohne Ordenstracht sind; sie leben unter Clausur in einem besondern Theile des Klosters. Der Congregation steht ein aus Geistlichen und aus Laien zusammengesetzter Rath zur Seite. Der Habit ist röthlich-braun mit weißem Scapulier und Rosenkranz am Gürtel. Im Chor tragen sie einen röthlich-braunen Mantel, auf der linken Seite ist ein Kreuz angenäht. Innocenz XI. gestattete die Feier eines besonderen Festes von U. L. F. von der Zuflucht, sowie die Errichtung einer Bruderschaft unter gleichem Namen (vgl. Helyot IV, 344). Gegenwärtig besitzt die Congregation Niederlassungen in den Diöcesen Besançon, Blois, Coutances, Marseille, Rennes, La Rochelle, St. Brieux, Toulouse, Tours und Valence (vgl. La France ecclés. por l’an 1882).

14. Mehrere Bruderschaften schreiben in ihren Statuten besondere Bußübungen, Fasten, Geißelungen, Tragen des Ciliciums, Barfußgehen u. s. w. vor. Derartige Bruderschaften, in Rom besonders häufig, führen ihren Namen gewöhnlich von der Farbe des Habits, der bei den Bruderschaftsprocessionen und Andachten getragen wird und aus einer Art von Kutte besteht, über welche eine das Gesicht verhüllende Kapuze gestürzt wird. Diese Bruderschaften haben ihre eigenen Statuten, ihre besondern Kirchen, oft auch besondere Begräbnisse. Die Eintretenden müssen eine Probezeit bestehen. a) Die Bruderschaft der weißen Büßer. Die älteste ist die des Gonfalone (Bannerträger), gegründet 1264. Sie erhielt ihre Statuten vom hl. Bonaventura und wurde unter dem Namen Pflegebefohlene der heiligen Jungfrau (Recommendati B. M. V.) in der Kirche Maria Maggiore 1265 von Clemens IV. bestätigt. Unter Innocenz IV. standen ihre Mitglieder treu zur Fahne des Papstes; daher erhielten sie das Banner der Kreuzfahrer mit rothem und blauem Kreuze. Ihr Sitzu ist jetzt in der Pfarrkirche S. Lucia del Gonfalone. Sie sorgen für Pflege der Kranken und Pilger, für Aussteuer von Mädchen und für Beerdigung der Armen. Weißen Habit trägt auch die Bruderschaft von den heiligen fünf Wunden zu S. Lorenzo in Damaso, die vom heiligen Schutzengel u. s. f. b) Zu den Bruderschaften der schwarzen Büßer gehören die Bruderschaft von der Barmherzigkeit (s. d. Art.), welche die zum Tode Verurtheilten auf dem letzten Gange begleitet; die Erzbruderschaft della morte, welche für christliches Begräbnis der Armen in den Pfarreien, sowie der in der Campagna gefundenen Leichen Sorge trägt. c) Blaue Büßer vom hl. Joseph, vom hl. Julian in Monte Giordano. d) Graue, rothe, violette, grüne Büßer. (Vgl. Helyot VIII, 259 ss.)

[Stahl.]


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