Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Diacon (διάκονος), minister), im weitesten Sinne derjenige, welcher ein Kirchenamt zu versehen hat, im engeren und eigentlichen Sinne derjenige Kirchendiener, dessen Amt (diaconatus) die unterste Stufe in der dreifachen Rangordnung der Kirchengewalt bildet. Seine Bestimmung ist, die Bischöfe und Priester, ähnlich wie die Leviten des alten Bundes, in der Ausübung ihres kirchlichen Amtes zu unterstützen. 1. Ob dem Diaconate Sacramentsnatur zukomme, wird zwar von mehreren theologen bezweifelt und von einigen, wie Durand, Cajetan und Salmeron, geradezu negirt (Barbosa, Jus eccl. univ. lib. I, c. 35, n. 5–9), weil eine solche weder mit voller Evidenz aus der heiligen Schrift oder Tradition nachgewiesen werden könne, noch eine definitive Entscheidung der Kirche hierüber vorliege. Gleichwohl aber darf die sacramentale Würde des Diaconates als sicher angenommen werden, nachdem das Concil von Trient (Sess. XXIII, c. 6) das Ministerium, worunter doch nur das Amt der Diaconen verstanden sein kann (c. 1, D. XXI; c. 23, D. XCIII), ausdrücklich als eine Stufe der göttlich institutirten Hierarchie bezeichnet. Hiermit hat das Concil nicht bloß den göttlichen Ursprung dieses Ordo bezeugen, sondern offenbar die Anerkennung aussprechen wollen, daß der Diaconat an dem Sacramente der Ordination wesentlich participire, während allen unteren Weihegraden keine sacramentale Qualität zukommt, weil sie nur kirchlicher Einsetzung und somit als Resultat der Geschichte zu betrachten sind (Bened. XIV, De synodo dioec. 8, 9, 2–12). Diese Ansicht wird mächtig unterstützt durch die Ähnlichkeit der Diaconatsweihe mit der Priester-Ordination. Hier wie dort wird durch Handauflegung und Gebet die Eingliederung in die göttliche Hierarchie vollzogen und insbesondere vermittels der das Priesterthum Christi durchherrschenden Gnade auch die priesterliche Helferwürde gesetzt, während durch die Übergabe des kirchlichen Vorlesebuches die specielle Diaconatsgnade und dadurch die Befähigung zur Verwaltung der einzelnen Diaconatsfunctionen bewirkt wird. Gleichwie darum der Episcopat die Ausgestaltung und Vollendung des Sacerdotiums ist und die ganze Fülle der apostolischen Vollmachten in sich vereinigt, ebenso ist der Diaconat der Anfang und die Vorhalle der priesterlichen Dignität, welche sich aus dem generisch Einen Weihesacramente gleichsam in drei concentrischen Kreisen entfaltet, wovon der Diaconat den äußeren bildet und nach Verhältniß seiner göttlichen Bestimmung vom gemeinsamen Gnadencentrum durchstrahlt wird. Überdieß bezeugt auch das ganze christliche Alterthum, daß der Diaconat seinen Ursprung in Christus, sowie seinen Anfang in den Aposteln habe und nicht ein späteres Product der Gemeinde sei. Schon in den paulinischen Briefen stehen die diaconen neben den Bischöfen und Priestern (Phil. 1, 1; 1 Tim. 3, 8–13), ebenso in den Schriften der Väter (Clem. I Cor. 42; Ignat. ad Magnes. 2; Tertull. Praescr. 41, Bapt. 17; August. Ep. 21 ad Valer. 1), welche ihnen ausdrücklich die liturgische Dignität vindiciren: so Ignatius (Trall. 2; Magnes. 6), Polycarp (Phil. 5), Justin (I Apol. 45), Clemens von Alexandrien (Strom 7, 1), Cyprian (Ep. ad Cornel. 52), Gregor von Nazianz (Ep. 205), Ambrosius (De offic. 1, 50, n. 255), Hieronymus (in Ezech. 44), Siricius (Ep. 10 ad episc. Gall., n. 5 sq.), Theodoret (in Tim. 3, 8) und Andere, während sie von den Gläubigen wie die Bischöfe und Priester, mit besonderer Verehrung ausgezeichnet wurden (Const. Apost. 2, 30). Die von Einigen aus Cyprian (Ep. 9) und Hieronymus (Ep. 85 ad Evagr.), sowie aus den Beschlüssen der trullanischen Synode (c. 16) entnommenen Einwendungen haben schon Estius (Comm. IV, d. 24, § 18), Thomassin (Vet. et nov. Eccles. discipl. 1, 2, 29), Petavius (De eccles. dogm. IV, diss. lib. 2, c. 1) und Barbosa (l. c. n. 9) zur Genüge widerlegt.

2. Einsetzung. In Folge der freiwilligen Gütergemeinschaft war in der Erstlingskirche zu Jerusalem den Aposteln auch die Verwaltung der Gemeindekasse und die Leitung der Speise- und Almosenvertheilung zugefallen. Da wurden unter den hellenischen Juden bald Äußerungen der Unzufriedenheit darüber laut, daß ihre Wittwen zu Gunsten der hebräischen bei der Spendevertheilung verkürzt würden. Zu diesen Klagen hatten offenbar diejenigen Personen Anlaß gegeben, deren sich die Apostel hierbei bedient hatten. Letztere erkannten die Mangelhaftigkeit der bisherigen Organisation und sahen ein, daß sie durch die Sorge für die leiblichen Bedürfnisse der Gemeinde ihrem Hauptberufe, der Verkündigung des Evangeliums, entfremdet würden. Sie riefen daher eine eigene Institution in’s Leben, indem sie durch die Gemeinde sieben Männer wählen ließen, welche sie durch Handauflegung und Gebet zu ihren Gehilfen ordinirten und mit der Einnahme, Verwaltung und Vertheilung der Collecten, sowie mit der Veranstaltung und Leitung der gemeinsamen Mahlzeiten beauftragten (Apg. 6, 1–6). Die ganze Kirche hat hierin von jeher die thatsächliche Einsetzung des Diaconates erkannt. Da aber in den neutestamentlichen Schriften diese Sieben weder zusammen noch einzeln als Diaconen bezeichnet werden, und da überhaupt erst im Brief an die Philipper und in den Pastoralbriefen, also nach dem Jahre 64, von Diaconen die Rede ist, so glaubt Döllinger (Christenthum und Kirche, 2. Aufl., 303 ff.) der Vermuthung Raum geben zu sollen, daß damals eine Scheidung zwischen Diaconen und Presbytern noch nicht eingetreten, sondern die Sieben zu Jerusalem noch die ganze erst später in die beiden Ämter des Diaconats und Presbyterats zertheilte kirchliche Thätigkeit geübt hätten. Dem steht indeß, wie erwähnt, die allgemeine kirchliche Annahme entgegen, welche durch die vorgebrachten hauptsächlich negativen Gründe noch keineswegs erschüttert werden kann. In jedem Falle aber rührt die factische Einsetzung des Diaconats unmittelbar von den Aposteln her, welche dabei im Sinne und Auftrage Christi selbst (Ignat. Smyrn. 8) handelten, da er es ihnen überlassen hat (Joh. 16, 12–13), ob sie bei Spendung des Weihesacramentes auf die einzelnen Individuen die sacerdotalen Vollmachten ganz oder nach Ermessen nur theilweise übertragen wollten. Warum gerade sieben Männer zu Diaconen bestellt wurden, wird nirgends angegeben; vielleicht weil diese Zahl als die heilige galt, vielleicht auch, weil die Gesammtgemeinde in Jerusalem damals bereits sieben Abtheilungen hatte. Die griechischen Namen der Erwählten, nämlich Stephanus, Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nicolaus, deuten an, daß sie sämmtlich Hellenisten waren. Nur Stephanus und Philippus (Apg. 8, 8 ff.; 21, 8) sind uns näher bekannt. Stephanus insbesondere wird als ein Mann voll des Glaubens und des heiligen Geistes geschildert, sowie er auch gleich nach seiner Erwählung Zeichen und Wunder that und mit solcher Weisheit und Kraft dem Volke predigte, daß selbst seine Feinde ihm nicht widerstehen konnten (Apg. 6, 8 ff.). Der zuletzt genannte Nicolaus, ein antiochenischer Proselyt, ist nach dem Vorgange des irenäus (Haer. 2, 27) und Epiphanius (Haer. 25) von Grotius, Thiersch u. A. wohl mit Unrecht als Stifter der Secte der Nicolaiten, von welchen Johannes in der geheimen Offenbarung (2, 6. 15) spricht, betrachtet worden.

3. Zahl der Diaconen. Da für den Bischof der alten Kirche die Hilfe der Diaconen unentbehrlich war (Const. Apost. 2, 26; Hieron., De sept. ord. eccl. c. 5), so erscheinen sie in allen größeren Gemeinden, nach deren Umfang sich ihre Zahl richtete. Doch wurde nirgends die ursprüngliche Siebenzahl überschritten (Devoti, Jus can. I, 137) und, als später in größeren Städten Versuche zu deren Vermehrung auftauchten, diese Beschränkung sogar gesetzlich bestimmt (Conc. Neocaesar. circ. a. 314, c. 15). Da aber die Zahl der Gläubigen immer mehr zunahm und der Gottesdienst sich immer großartiger entfaltete, reichten die vorhandenen Diaconen für die ihnen zustehenden Dienstleistungen nicht mehr aus, und so entstanden im natürlichen Entwicklungsgange schon mit Beginn des dritten Jahrhunderts eine Reihe anderer Gehilfen, welche die Diaconen unterstützten und diejenigen Functionen des Ministeriums übernahmen, welche als sehr untergeordnet sich ohnehin mit der Diaconatswürde weniger vertrugen (Thomass. l. c. c. 35, n. 5). Aber auch die Zahl der diaconen wurde trotz kirchlichen Verbotes an mehreren Orten bald vermehrt. So hatte Alexandrien im vierten Jahrhundert eine Anzahl Diaconen, von denen neun auf des Arius Seite traten; zu Edessa befanden sich im J. 451 bereits 39 Diaconen (Mansi, Coll. Conc. VII, 255); zu Constantinopel waren deren im sechsten Jahrhundert 100 (Novell. 3, 1) und im siebenten 150 (Photius in Nomocan., Tit. I, c. 50). Am längsten beharrte die römische Kirche auf der Siebenzahl der Diaconen. Dieß bezeugt Papst Cornelius (251) in einem Briefe an Bischof Fabian von Antiochien (Euseb., H. E. 6, 43), sowie Sozomenus (H. E. 1, 15), welcher zugleich ausdrücklich erwähnt, daß anderwärts diese Zahl nicht so streng eingehalten werde. Die Stadt Rom war nämlich in sieben Districte oder Diaconien eingetheilt, denen je ein Bezirksdiacon (Diaconus regionarius) vorstand, um die Geschäfte der Armenpflege, sowie die Aufsicht über die in demselben befindlichen Armen- und Krankenhäuser wahrzunehmen. Einer davon hatte zugleich die Oberleitung über die anderen und wurde Archidiacon genannt. Frühzeitig schon erhielten die römischen Diaconen ausschließlich den Titel Cardinaldiaconen und saßen im Rathe des Papstes. Obwohl bei diesen Cardinaldiaconen die apostolische Institution der Siebenzahl noch lange aufrecht gehalten wurde, so hatte man doch allmälig auch noch andere einfache Diaconen (Diaconi stationarii), welche kein ständiges Amt bekleideten, und aus deren Mitte die Regionardiaconen entnommen wurden, an den einzelnen Kirchen Roms aufgestellt, wie sich z. B. im J. 520 bereits 100 Diaconen in Rom befanden (Mabill. Museum ital., Par. 1724, II, 18). Einigen davon lag insbesondere die Aufsicht über die Gräber der Martyrer ob, und sie hießen deßhalb custodes martyrum oder matyrarii, auch cubicularii (Martigny, Dictionnaire des Antiquités chrétiennes s. v. Martyrarii). Erst im elften Jahrhundert wurden wegen Häufung der Geschäfte die Bezirksarmenpfleger auf 14 vermehrt, und demgemäß auch die Zahl der Cardinaldiaconen verdoppelt; später kamen noch sechs Palastdiaconen (Diaconi palatini) für den unmittelbaren Dienst des Papstes im Lateran hinzu (Mabill. l. c. p. 17). Unter Papst Honorius II. gab es bereits 20 Cardinaldiaconen, bis Sixtus V. 1586 deren Zahl definitiv auf 14 festsetzte, wobei es auch in der Folge verblieb. So war die Siebenzahl der Diaconen auch hier endgültig überwunden. Seit dem Mittelalter nahm die Zahl derselben allenthalben ab, so daß es an einzelnen bischöflichen Kirchen bald gar keine Diaconen mehr gab. Da sich nämlich die speciellen Verrichtungen der Diaconen durch die veränderten Zeitverhältnisse theils verloren, theils in anderer Weise ersetzt wurden, trat allmälig die jetzige Ordnung ein, wonach der Diaconat außerhalb der Kirche zu Rom nur mehr eine Übergangsstufe zum Presbyterate bildet.

4. Befugnisse: a. in der alten Kirche. Zunächst hatte der Diaconat die Verwaltung der Armenpflege und der Vermögensgeschäfte der christlichen Gemeinde zum Gegenstande. Bald fielen ihm auch andere Verrichtungen und Hülfeleistungen, namentlich beim Altardienste, zu. Gleich nach der Weihe erscheinen Stephanus und Philippus außer in der Armenpflege auch im Predigtamt und in der Spendung der Taufe thätig (Apg. 6, 10; 8, 5. 38), woraus zur Genüge erhellt, daß die ursprüngliche Bestellung für die Armen und die Agapen nur die Gelegenheitsursache, nicht der einzige Zweck der Einsetzung des Diaconalamtes gewesen ist. Aus dem Anfangs gelegten Keime entwickelten sich im Verlaufe des Kirchenlebens die Amtsbefugnisse des Diaconats, welche nie als rein öconomische, sondern stets, weil auf alle drei Vollmachten sich beziehend, als zum heiligen Dienste gehörig betrachtet wurden. Seit der Zeit der Apostel (Phil. und 1 Tim. a. a. O.) erscheinen sie im ganzen christlichen Alterthume nicht bloß als Diener des Tisches, sondern vor Allem als Diener der Kirche Gottes und der Geheimnisse Jesu Christi (Gregor. de Valentia, Comment. theol. IV, disp. 9, q. 1, pct. 2, und Estius l. c., § 18). Doch ist den Diaconen vorzugsweise der äußere Dienst, den sie sowohl für den Bischof als auch für das Volk leisten, anvertraut, und sie haben insbesondere die kirchliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Während der Presbyter im Heiligthume weilt, treten sie mehr zum Volke heraus, wie man aus den verschiedenen Geschäften ersieht, welche ihr Amt in sich vereinigt. Demnach öffnen und schließen die Diaconen die Pforten der Kirche, halten die von bösen Geistern Gequälten und mit Sünden Befleckten vom Altare fern (Dionys. Areopag., De eccl. hier., c. 9. 10), bereiten Alles zum Gottesdienste vor, begleiten den Priester oder Bischof mit brennenden Lichtern zum Altare, lesen vom Ambon herab die Epistel und das Evangelium, fordern zum Gebete für die Energumenen und Täuflinge auf (Const. Apost. 8, 6. 7), weisen, ehe die Opferung beginnt, alle Ungetauften aus der Versammlung fort (ib. c. 5. 12), nehmen die Opfergaben der Gläubigen in Empfang und bringen sie dem Priester, verkünden die Namen derselben und verlesen die Diptychen der Lebenden und Todten (Martène, De antiq. eccl. rit. I, 401, ed. Rotomagi 1700), überwachen die Ruhe und Aufmerksamkeit während des Gottesdienstes (Const. Apost. 2, 57), den sie mit Psalmengesang begleiten, und geben durch Zeichen und Rufe den Beginn der einzelnen Handlungen und Gebete kund (Chrys. in Act. Apost. hom. 19). Auch theilen die Diaconen den Gläubigen die Eucharistie, besonders den Kelch aus und bringen die heilige Communion den Abwesenden (Justin. Mart., I Apol. 65. 67; Const. Apost. 8, 13; cf. Tertull., De spect. c. 25 und Cypr., De laps. c. 25). Nimmt der Celebrant die Austheilung der Eucharistie selbst vor, so helfen sie, indem sie den Communicanten die Patene unterhalten und zum Empfange des heiligen Blutes die Fistula, durch welche es aufgesogen wird, darreichen (Devoti, Inst. can. II, 96). Endlich entlassen sie das vom Priester gesegnete Volk, begleiten den Priester aus der Kirche und wachen an den Pforten beim Ausgange der Gläubigen über Ordnung und Sitte (Const. Apost. 8, 11). Außerdem haben die Diaconen die Katechumenen zu unterrichten und verwalten mit Erlaubniß des Bischofs das Predigtamt, sowie sie bei Spendung der Taufe assistiren und ausnahmsweise selbst taufen (Tertull., De baptism. c. 17; cf. Greg. de Val. l. c. pct. 3 und Estius l. c., § 16). Besonders liegt ihnen zur Zeit der verfolgung die Pflicht ob, die Martyrer und die gefangenen Christen in den Kerkern zu besuchen und zum standhaften Bekenntnisse des Glaubens zu ermuntern (Cypr. Ep. 10 Martyribus). Auch haben sie an den Energumenen den Exorcismus vorzunehmen und üben selbst bei der Verwaltung der Bußdisciplin eine freilich nur äußere und symbolische Schlüsselgewalt aus. Ohne das Bußsacrament selbst spenden zu können, dürfen sie bei Todesgefahr, um dem Pönitenten zur Reue und Sehnsucht nach dem Bußsacramente Behufs Ersetzung desselben zu verhelfen, sogar Beichten anhören und die canonische Reconciliation mit der Kirche aussprechen (c. 2, X 5, 18; c. 31, C. XIII, q. 2; vgl. Bened. XIV. l. c. 7, 16, 5, und Phillips, Lehrbuch des Kirchenrechts § 262, Note 5). In diesem Sinne ist es auch aufzufassen, wenn bei Cyprian (ep. 17) gesagt wird, daß ein Diacon im Nothfalle die Exomologesis vornehmen dürfe. Morin, Lucas Holsten u. A. wollten aus einem Briefe Innocenz’I. an Decentius sogar folgern, dßa Diaconen auch die Gewalt zu firmen übertragen worden sei; dieß beruht jedoch auf einem Mißverständnisse, indem der Papst an jener Stelle nich vom Sacramente der Firmung, sondern von der Heilung von Energumenen spricht (Bened. XIV. l. c. 7, 3). Nicht weniger umfassend ist die Theilnahme der diaconen an der äußern Regierungsgewalt des Bischofs (Conc. Carth. IV, a. 398, c. 23); auch hier erscheinen sie als die Mittler zwischen Bischof und Gemeinde. Sie üben die unmittelbare Aufsicht über das gläubige Volk auch außerhalb der gottesdienstlichen Versammlungen (Const. Apost. 3, 19), bringen das Wichtigere zur Kenntniß des Bischofs, assistiren mit dem Presbyterium seinem Gerichte und entscheiden in minder schwierigeren Fällen selbst (ib. 2, 44). Besonders ist ihnen die Verwaltung des zeitlichen Gutes der Kirche (Origen. in Matth. t. 16, c. 22; Const. Apost. 8, 30. 31), die Sorge für die Armen und Kranken, für die Wittwen, Waisen und Fremden anvertraut (Apg. 6, 1 ff.; 11, 29 f.; vgl. Ratzinger, Geschichte der kirchlichen Armenpflege 44). Voll Bewunderung erzählt uns die Geschichte die herrlichsten Erfolge, welche die Kirche gerade in der Armenpflege durch den Diaconat mit seiner ausgezeichneten Organisation erzielt hat. Aus dieser vielseitigen Stellung erklärt es sich, warum die apostolischen Constitutionen (l. c.) den Diacon Auge, Ohr, Mund, Hand, Herz und Seele des Bischofs nennen (Ἔστω ὁ διάκονος ἐπισκόπου ἀκοὴ καὶ ὀφϑαλμὸς καὶ στόμα καρδία τε καὶ ψυχή). Die Diaconen sind aber, wie des Bischofs, nicht minder auch des Volkes Augen, die unmittelbaren Zeugen des Wandels des Hirten wie der Heerde. Der bischof soll nämlich nie allein sein (c. 58, C. II, q. 7; c. 60 ead.; c. 60, D. I De cons.), er soll Diaconen (Diaconi testimoniales) um sich haben, damit sie für ihn Zeugniß geben und ihn namentlich ob der Verkündung des göttlichen Wortes gegen falsche Anschuldigungen sicher stellen (ut custodirent episcopum praedicantem propter stilum veritatis, cf. c. 11, D. XCIII). Seit Entwicklung des Subdiaconats und der andern niedern Weihestufen verblieben den Diaconen nur noch die ehrenvolleren und einflußreicheren Dienste sowohl beim heiligen Opfer als auch in der Verwaltung des kirchlichen Vermögens (c. 1, D. XXI; c. 1, D. XXV), und es wurden ihnen sogar mancherlei höhere Jurisdictionsrechte übertragen. Sie wurden den unteren Clerikern vorgesetzt und hatten besonders, wie schon Papst Fabian anordnet (Baron. ad ann. 238, n. 1), die kirchlichen Notare, welche die Kirchenarchive inne hatten und die Kirchenbücher führten, zu überwachen, sowie sie selbst, namentlich auf Concilien, als Notare fungirten. auch wurden sie, besonders bei der anfänglichen Entwicklung des Parochialsystems, einzelnen Landgemeinden vorgesetzt und erscheinen so als die ersten Landpfarrer (Synode zu Elvira a. 306, c. 77). Päpste und bischöfe bedienten sich ihrer als Gesandte in den verschiedensten Angelegenheiten, vorzüglich auch als Apokrisiarier am kaiserlichen Hofe zu Constantinopel und als Abgeordnete zu Synoden, wobei ihnen nicht bloß eine berathende, sondern zuweilen sogar eine entscheidende Stimme eingeräumt wurde (Bened. XIV. l. c. 13, 2, n. 5; Hefele, Conc.-Gesch. I, 18 ff.). Wenn uns die Geschichte Männer namhaft macht, in denen sich ihr Ordo wie einst bei Stephanus und Laurentius gleichsam verkörperte, so hat sie dagegen auch manche Beispiele des Mißbrauchs und Überschreitens der göttlich gesetzten kirchlichen Ordnung zu berichten. Da die unmittelbare Stellung zum Bischof den Diaconen großes Ansehen verlieh, ihre Zahl verhältnißmäßig gering und ihnen an bedeutenden Kirchen eine große Schaar niederer Diener unterstellt war, so begannen gar manche den zahlreichern Presbytern gegenüber sich zu überheben, und es begreift sich leicht, daß sich für den ersten unter ihnen, für den Archidiacon, am meisten Versuchung hierzu bot. Daher die Klagen des hl. Hieronymus (vgl. Phillips, Kirchenrecht I, 206 ff.) welche ihren Wiederhall in der kirchlichen Gesetzgebung seit dem 4. Jahrhunderte gefunden haben. Man sah sich oft genug veranlaßt, den Diaconen ihre Unterordnung unter das Presbyterium in’s Gedächtniß zu rufen und sie in die gebührenden Schranken zu verweisen. Einige Diaconen gingen in ihrer Selbstüberhebung so weit, daß sie sich, obgleich nicht zum Sacerdotium, sondern zum Ministerium geweiht, Rechte der beiden höheren Ordines anmaßten und sich sogar in Betreff der Eucharistie den Priestern gleichstellten. Während ihnen nun dieses die erste Synode zu Arles (a. 314) untersagte (can. 15) und ihre Unterordnung unter die Presbyter aufrecht erhielt (can. 18; cf. Conc. Carth. IV, a. 398, c. 37 und Conc. Toletan. IV, a. 633, c. 39), und das Concil von Nicäa (a. 325, can. 18) ihnen verbot, den Priestern das heilige Sacrament zu reichen oder beim Empfange desselben sich den Vortritt anzumaßen, geht die angebliche vierte Synode zu Carthage (398) noch weiter, indem sie ihnen die Ausspendung der Eucharistie in Gegenwart des Priesters ohne dessen ausdrückliche Erlaubniß untersagt (can. 38). Außerdem finden sich Verordnungen darüber, dßa ein Diacon in der Versammlung von Presbytern nie unaufgefordert das Wort nehmen (Conc. Carth. l. c. can. 40) und in Gegenwart eines Priesters nur auf dessen Einladung sich setzen dürfe (ib. can. 39 und Conc. Laodic. a. 365, can. 20), es sei denn, daß er die Stelle eines Bischofs oder gar Patriarchen vertrete (Conc. Trull. a. 692, can. 7). Vgl. hierzu Casparis Ziegleri De Diaconis et Diaconissis veteris Ecclesiae liber commentarius, Wittebergae 1678, c. 10, n. 5 sqq.

b. nach heutigem Rechte. Die Diaconatsbefugnisse nach heutigem Rechte faßt das römische Pontificale (in ord. Diac.) in die Worte zusammen: Diaconum oportet ministrare ad altare, baptizare et praedicare. Von seinen wesentlichen Dienstleistungen bei der Liturgie im christlichen Alterthume sind die Functionen des Diacons bei der feierlichen Messe abzuleiten: er ist comminister et cooperator corporis et sanguinis Domini (Pontific. Rom. l. c.). Wie es das Verhältniß seiner sacramentalen Weihe zum Priesterthume mit sich bringt, ist er der Nächste beim Celebrans und der eigentliche Minister desselben (c. 1, D. XXV), während der Subdiacon wieder als sein Minister und an gewissen Stellen der L iturgie als sein Stellvertreter erscheint. Dem Diacon allein steht es zu, auf einem erhöhten Platze, gegen Norden gewendet (Barbos l. c. n. 23), das Evangelium zu singen, dem Celebranten die Opfermaterie zu reichen, die Gläubigen zur Kniebeugung, zum Lobe Gottes zu ermahnen und zu entlassen. Wird bei einer liturgischen Handlung das Allerheiligste ausgesetzt, so geschieht die Ex- und Reposition desselben durch den Diacon. In Momenten, wo er keine Function versieht, hat er seinen Platz hinter dem Celebrans nur eine Stufe unter dem Suppedaneum, während der Subdiacon hinter ihm auf dem Planum steht. Außer dem unmittelbaren Dienste beim heiligen Opfer darf der Diacon auf Geheiß des Seelsorgers die heilige Communion spenden (c. 18, D. XCIII), doch ist dieser Auftrag nur im Nothfalle oder aus triftigen Gründen zulässig (S. R. C. 25. Febr. 1717). Ferner kann derselbe durch den Bischof oder Pfarrer zur feierlichen Taufe ermächtigt werden (c. 13 ead.); aber wieder nur ob magnam necessitatem vel ecclesiae utilitatem, z. B. wenn kein Priester da, der Pfarrer schwer krank oder excommunicirt oder sonst durch Predigt und Beichthören beschäftigt wäre, oder wenn Viele zu taufen sind (c. 19, D. IV de cons.). Denn der Diacon ist zwar zum Taufen geweiht, aber nur ex commissione, er ist nicht vermöge der Weihe minister ordinarius. Ohne Auftrag darf er daher auch im Nothfalle nicht feierlich taufen (Glosse zu c. 13, D. XCIII); würde er ohne Auftrag feierlich taufen, gleichviel ob im Nothfalle oder nicht, so verfällt er der Irregulariätt (Barbos. l. c. n. 29 bis 33). Doch behauptet Permaneder, ebenfalls auf die angezogene Gesetzesstellen gestützt, daß ein Diacon dann, wenn kein Priester vorhanden wäre, die solemne Taufe ohne speciellen Auftrag vorzunehmen berechtigt sei, und Gousset glaubt, daß in diesem Falle die Irregularität nicht eintrete. Endlich darf der Diacon Katechesen halten und mit Erlaubniß des Bischofs oder Pfarrers predigen (c. 1, C. XXV; c. 2, D. XCII; vgl. Catech. Roman. II de ord. sacr. 38). Als Zeichen ihrer Würde tragen die Diaconen die Stola transversa auf der linken Schulter über die Brust und den Rücken (Conc. Tolet. a. 633, c. 40; vgl. c. 3, D. XXV), wie schon die Abbildungen bei Aringhi und Ciampini (Vet. mon. tab. 28) u. A. ausweisen. Das eigentliche Diaconatskleid ist die Dalmatica und an den Fast- und Bußtagen die Planeta, welche am Rücken etwas aufgerollt wird (planeta plicata). Eines besonderen Privilegs, Ehrenschuhe zu tragen, erfreuen sich die Diacone von Messina (c. 21, D. XCIII).

5. Erfordernisse. Die Apostel forderten von den Männern, welche sie fortan als Gehilfen annehmen sollten, daß sie voll der Weisheit und des heiligen Geistes (Apg. 6, 3), frei von schmutziger Gewinnsucht und untadelig seien (1 Tim. 8–10). Um sich der Würdigkeit der Ordinanden zu versichern, geschah die Wahl derselben unter Mitwirkung der gemeinde, und an dieses Beispiel hielt man sich bis in’s sechste Jahrhundert. Der Bischof zog nämlich beim Clerus über das Leben und die Sitten dessen, den er zum Diacon weihen wollte, Erkundigungen ein, stellte denselben der Gemeinde vor, und nach deren Zustimmung erklärte er dessen Wahl für vollgültig (Synode von Hippo a. 393, c. 20 und Carthago a. 398, c. 22). Seit dem sechsten Jahrhundert ging man jedoch wegen vorgekommener tumultuarischer Auftritte von dieser Form allmälig ab, und Kaiser Justinian beschränkte das Recht der Gemeindebürger dahin, gegen den Ordinanden beim Bischofe Einsprache zu erheben (Novell. 123, c. 14). Davon ist übrig geblieben, daß noch jetzt bei der Ordination eines Diacons der Bischof an das umstehende Volk die Frage richtet, ob jemand etwas gegen den Ordinanden vorzubringen habe. Das Concil von Trient (Sess XXIII, c. 13 De ref.) verlangt, dßa die Diaconanden ein gutes Zeugniß haben, in den niederen Weihen erprobt seien und die nöthige Kenntniß für die Ausübung des neuen Ordo besitzen. Deßgleichen wurde außer den sonstigen für den Clericalstand überhaupt nöthigen Eigenschaften für die Diaconanden zeitig der Cölibat gefordert. Doch konnte das Gesetz nicht überall durchdringen, so daß der berühmte Bischof Paphnutius auf dem Concil zu Nicäa 325 es nicht für gerathen hielt (Socr. I, 11; Soz. 1, 23), das Verbot der Clerogamie zu verschärfen oder gar bis auf den Subdiaconat auszudehnen (Phillips, K.-R. I, § 64, und Hefele, Conc.-Gesch. I, § 43). Es verblieb vorderhand bei den Beschlüssen der Synode von Ancyra (a. 314, c. 10, al. 9), nach welchen dem Diacon bei der Weihe der Vorbehalt der Ehe gestattet wurde, so daß er sich, so lange er diacon war, verehelichen konnte, aber seines Amtes entsetzt wurde, wenn er, ohne jenen Vorbehalt gemacht zu haben, heiratete. Ebenso gestattete die trullanische Synode (can. 6) den Diaconen die Ehe, doch sollte, so lange sie mit ihrer Frau zusammenlebten, die Ausübung ihres Ordo cessiren (Barbos. l. c. n. 12) Im Occidente dagegen war man schon früher strenger vorgegangen, da das Concil von Elvira (circ. 306, can. 33) die Verpflichtung zum Cölibate auf alle Cleriker ausgedehnt hatte. Dieses Gebot wurde in der Folge für die Diaconen im Allgemeinen aufrecht erhalten (c. 3, D. LXXVII; c. 7, D. XXVIII), während es für die unteren Cleriker weniger durchgeführt werden konnte (vgl. Gregor. de Val. l. c. q. 5, pct. 5). Wegen dieser nicht geringen Requisite hielt man stets an dem Grundsatze fest, dßa die Aufnahme in den diaconat erst im reiferen Alter erfolgen dürfe. Anfangs ertheilte man diese Würde erst mit dem 30. Lebensjahre (c. 3, D. LXXVII); doch schreiben schon die alten Concilien (vgl. c. 5–7, D. LXXVII u. c. 2, D. LXXVIII), sowie Kaiser Justinian (Novell. 123, c. 13) für den Diaconat, wie auch bei den Leviten des alten Bundes der Fall war, das 25. Lebensjahr vor. Allmälig ging man aber von dieser Strenge ab, bis Papst Clemens V. auf dem Concil zu Vienne 1311 für den Diaconat das vollendete 20. Lebensjahr festsetzte (Clem. c. 3, De aetate 1, 6). Das gegenwärtig geltende Recht beruht auf den Bestimmungen des Concils von Trient (Sess. XXIII, c. 12 De ref.), nach welchen der Diaconat mit dem 23. Lebensjahr ertheilt werden darf.

6. Ordination. Nach dem Vorgange der Apostel wurde die Diaconatsweihe im christlichen Alterthume durch Handauflegung und Gebet des Bischofs ertheilt, und nur allmälig verknüpften sich zur Vermehrung der Feierlichkeit verschiedene Cerimonien mit diesem wesentlichen Bestandtheile des ritus. Gegenwärtig verläuft derselbe auf folgende Weise. Nach Ablesung der Epistel in der Messe des Bischofs werden die Weihecandidaten vom Archidiacone namentlich aufgerufen, worauf dieselben, mit Amict, Albe, Cingulum und Manipel bekleidet, Stola und Dalmatik auf dem linken Arme, eine Kerze in der rechten Hand, vortreten und vor dem Bischofe niederknieen. Hierauf richtet der Archidiacon im Namen der Kirche an den Bischof die Bitte, die vorgestellten Subdiaconen zur Würde des Diaconates zu weihen, und bezeugt auf des Bischofs Frage deren Würdigkeit, worauf dieser Clerus und Volk auffordert, etwaige Einwendungen gegen die Ordination dieser Candidaten vorzubringen. Nach einer kurzen Pause hält er an die Ordinanden eine feierliche Anrede über das Diaconenamt, ihnen die Pflichten und Befugnisse auseinandersetzend, und ermahnt sodann Clerus und Volk, sein Gebet mit dem ihrigen zu unterstützen. Die Diaconanden werfen sich auf ihr Angesicht, und es wird die Allerheiligen-Litanei gebetet, während welcher sie eine dreimalige feierliche Segnung durch die Hand des Bischofs erhalten. Nach diesem gemeinsamen Gebete folgt nun die Übertragung des Diaconenamtes und die übernatürliche Befähigung dazu durch den wesentlichen Weiheact. Der bischof steht mit entblößtem Haupte und erhobenen Händen vor den Ordinanden und spricht über sie die Weihe-Präfation, ein höchst schwungvolles Gebet, in welchem der Jubel der Kirche über den neuen Zuwachs ihrer Diener ausdruck findet. Plötzlich bricht er ab und legt allein, wie schon das vierte Concil von Carthago (a. 398, c. 4) und ein uraltes Wandgemälde im Cömeterium des hl. Hermes (Martigny, Dictionnaire 548 und Aringhi II, 329) bestätigen, also nicht auch die anwesenden Priester, die rechte Hand jedem Weihecandidaten mit den Worten auf: Accipe Spiritum sanctum ad robur et ad resistendum diabolo et tentationibus ejus in nomine Domini. Darauf setzt er die Präfation fort, indem er den heiligen Geist über die Diaconanden herabruft, damit sie zur treuen Verwaltung ihres göttlichen Dienstes durch das Geschenk seiner siebenfachen Gnade gestärkt werden mögen. Nachdem er sie dann unter Segenswünschen mit Stola und Dalmatik bekleidet hat, übergibt er ihnen das Evangelienbuch, welches jeder mit der rechten Hand berührt, während der Bischof spricht: Accipe potestatem legendi Evangelium in ecclesia Dei tam pro vivis quam pro defunctis in nomine Domini. Mit zwei Gebeten um Gottes Segen für die Geweihten, daß sie würdig werden, jener Siebenzahl sich anzuschließen, deren Führer der hl. Stephanus sei, schließt der Weiheritus ab. Dieser wahrhaft schöne und reich gegliederte Organismus der Diaconatsweihe stammt der Hauptsache nach aus dem zwölften Jahrhundert. Was das Alter der einzelnen Cerimonien selbst anlangt, so ist die feierliche Unterweisung über die Geschäfte und Pflichten des Diaconats jüngeren Datums, sowie sich die angefügten moralischen Anwendungen in keinem der jetzt abrogirten Pontificalien finden, während dagegen das Abbeten der Allerheiligen-Litanei schon in den ältesten Pontificalbüchern vorgeschrieben ist. Die Formel, unter welcher die handauflegung des Bischofs stattfindet, stammt aus dem zwölften Jahrhunder (Martène l. c. II, 313). Die Übergabe der Stola reicht über das Zeitalter Gregors des Großen hinauf (Assemani, Cod. liturg. l. 8, p. 54; vgl. Conc. Bracar. a. 563, c. 9), scheint aber erst nach und nach überall in den Ordinationsritus aufgenommen worden zu sein, da mehrere handschriftliche Pontificalien der vorzeit sie nicht kennen. Für das Anziehen der Dalmatik ist ein über 700 Jahre altes Salzburger Pontificale (Martène l. c. p. 401) eines der ältesten Zeugnisse. Das Darreichen des Evangelienbuches ist nach dem neunten Jahrhundert in Gebrauch gekommen und wird schon in über 1000 Jahre alten Pontificalien der Kirche Englands (Martène l. c. p. 314) erwähnte, während Durand (IV Sentent., d. 24, q. 3) bezeugt, daß zu Annecy, wo er selbst Bischof war, Anfangs des 14. Jahrhunderts diese Cerimonie noch nicht in Übung gewesen, sondern erst durch ihn eingeführt worden sei. Viel älter sind die beiden Schlußorationen, welche sich schon in einem über 1200 Jahre alten Codex vorfinden. Der Ordinationsritus der griechischen Kirche weicht in vielen Punkten von dem der abendländischen ab und gestaltet sich folgendermaßen. Der diaconand küßt vor Allem die Ecken des Altares, die Hand und das Epigonation des Bischofs, worauf dieser seine Rechte über ihn ausbreitet und spricht: »Die göttliche Gnade, welche unsere Gebrechen heilt und unsere Mängel ersetzt, befördert den ehrwürdigen Subdiacon N. zum Diacon; laßt uns also für ihn beten, dßa die Gnade des heiligen Geistes über ihn komme.« Während dann zwei Chöre in der Kirche abwechslungsweise das Kyrie eleison singen, macht der Bischof dreimal das kreuzzeichen über den Ordinanden und spricht unter Handauflegung (χειροϑεσία) zwei weitere Gebetsformeln, hängt ihm das Orarium (unsere Stola) über die linke Schulter und bekleidet ihn mit dem Sticharion(Dalmatik), sowie mi den Epimanikien (unseren Manipeln ähnlich), russisch Porutsche, während er jedesmal mit lauter Stimme ruft: ἄξιος (er ist würdig), was von den umstehenden Geistlichen und dann vom Chore je dreimal nachgesungen wird. Der neue Diacon tritt, nachdem er vom Bischofe den Friedenskuß erhalten, sofort seinen Dienst an (vgl. Goar, Eucholog. 249; Arcud., De Concord. Eccles. l. 6, de sacram. ord., c. 2). Welches die wesentliche Materie und Form bei Ertheilung der Diaconatsweihe sei, ist controvers: entweder bloß die Handauflegung mit den dabei gesprochenen Worten, oder diese in Verbindung mit der Überreichung eines Symbols der Diaconatsbefugnisse, insbesondere des Evangelienbuches. Da aber Papst Eugen IV. in seinem Decrete an die Armenier nur die Darreichung des Evangelienbuches als Materie des Diaconats bezeichnet – Diaconatus vero per libri evangeliorum dationem (traditur) – und die Diaconanden auch im römischen Pontificale erst nach dessen Übergabe Ordinati genannt werden, so wollten mehrere theologen daraus folgern, es sei dieß allein das sichtbare Zeichen dieses Ordo. Dagegen ist zu erinnern, daß die Überreichung des Evangeliencodex viele Jahrhunderte hindurch ganz unbekannt war und noch jetzt in der griechischen Kirche nicht üblich ist (Arcud. l. c. l. 6, c. 2). Papst Eugen mocht es für überflüssig erachten, die Materie der Diaconatsweihe mit dogmatischer Vollständigkeit anzugeben, und sich begnügen, die Nothwendigkeit der Handauflegung, weil ohnehin bei den Armeniern in Übung, voraussetzend, eine der hauptsächlichsten Cerimonien zu erwähnen, welche bei Ertheilung dieses Ordo nicht unterlassen werden solle. Die Orientalen sollten sich hierbei den Lateinern accommodiren, das war die Absicht Eugens. In diesem Sinne nennt auch das Pontificale den Diacon noch Ordinanden, bis die Weihe ganz vollendet ist, und es kann von diesem Ausdrucke als bloßer Rubrik nicht auf die dogmatisch erforderliche Materie geschlossen werden. Übrigens müßte bei Unterlassung der Berührung des überreichten Evangelienbuches diese Cerimonie nachgeholt werden (S. R. C. 16. Junii 1837), schon desßhalb, weil in praxi bei Spendung eines Sacramentes immer pars tutior zu wählen ist.

7. Besondere Klassen. Solche sind: a. Die Diaconi cardinales, welche ehemals in Diaconi regionarii und Diaconi palatini vel basilici zerfielen, von welchen oben die Rede war. Deßgleichen wurden bereits erwähnt die Diaconi stationarii, testimoniales und martyrarii (vgl. Du Cange s. v. Diaconus). b. Die Diaconi cruciferi vel magni, Großdiaconen oder Exokatakälen (ἐξωκατακῆλαι), welche, sechs an der Zahl, an der Patriarchalkirche zu Constantinopel den Vorrang vor allen übrigen Geistlichen hatten und die Hauptofficiale und geistlichen Räthe des Patriarchen waren (Binterim, Denkwürdigkeiten I, 2, 2 ff.). c. Die Diaconi selvatici – vom italienischen selvatico = wild –, welche im ehemaligen Königreiche Neapel und in mehreren Städten Spaniens vorkommen. Es sind das keine wirklichen Diaconen, sondern Männer, welche sich unentgeltlich dem Dienste einer Kirche oder eines Bischofs widmen, ohne irgend eine Weihe zu empfangen. Sie genießen deßhalb auch nicht das privilegium canonis, aber erfreuten sich ehemals wegen ihrer vertraulichen Stellung zum Bischofe des privilegium fori. Ihre Zahl ist beschränkt, und eine Entscheidung der Cardinal-Congregation für neapolitanische Angelegenheiten bestimmte 1623 ausdrücklich, daß deren an Cathedralkirchen je vier, an Collegiat- und Pfarrkirchen je zwei und an anderen Kirchen nur je einer zugelassen werden dürfe (vgl. Barbos. l. c. I, c. 39, § 4, n. 19–24). – Außerdem möge hier der Vollständigkeit wegen Einiges Platz finden über Diaconen in mehreren heterodoxen Kirchen: a. Die russisch-griechischen Diaconen unterstützen den Priester und Bischof bei allen gottesdienstlichen Verrichtungen, verkünden insbesondere das Evangelium, reichen den Kelch des Abendmahles, bringen Gebete und Weihrauch dar und vertheilen die Eulogien. b. Die anglicanischen Diaconen werden nach Ablegung des Suprematseides durch Handauflegung und Überreichung des Evangelienbuches ordinirt und sind, wie in der römisch-katholischen Kirche, die Gehilfen des Priesters, ohne zu einer eigentlich kirchlichen Pfründe gelangen zu können. c. In der lutherischen Kirche ist Diacon bloßer Titel für den Hilfsgeistlichen, besonders für den zweiten oder dritten Pfarrer an einer Gemeinde. Auch im Dienste der innern evangelischen Mission stehende Geistliche führen mitunter diesen Titel. Sind mehrere Hilfsprediger an einem Orte, so heißt der erste Archidiacon. d. Die reformirte Kirche betrachtet das Amt der Diaconen als einen nothwendigen Bestandtheil der Kirchenverfassung und hat ihnen die Armenpflege, sowie die Verwaltung der milden Stiftungen zugewiesen. Mit den Predigern und Ältesten bilden sie das Presbyterium der Gemeinde. e. Bei den Brüdergemeinden leisten Diaconen den Ältesten Assistenz und können bei deren Abwesenheit alle geistlichen Verrichtungen wie diese vornehmen; besonders obliegt ihnen die Armen- und Krankenpflege, die Aufrechterhaltung der Ordnung bei den religiösen Versammlungen und die Aufsicht über die Sitten der Gläubigen. (Vgl. Seidl, Der Diaconat in der Apostelgeschichte und den paulinischen Briefen, Katholik 1883, I, 586. II, 40; Ders., Der Diaconat in der kath. Kirche, dessen hieratische Würde und geschichtliche Entwicklung, Regensburg 1884.)

[Seidl.]


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