Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Dominicus, der hl., und der von ihm gestiftete Orden der Dominicaner oder Predigerbrüder (ordo fratrum praedicatorum). I. Leben des Heiligen und Ordensgründung. Es ist gewiß als providentielle Fügung zu betrachten, daß fast gleichzeitig mit dem hl. Franciscus von Assisi, welcher der vielfach bedrängten Kirche Gottes eine neue, kräftige Stütze werden sollte, ein Mann auftrat, der dasselbe Ziel mit anderweitigen Mitteln anstrebte. Der hl. Dominicus war 1170 zu Calaroga, einem Dorfe Altcastiliens in der Diöcese Osma, geboren. Er soll väterlicherweits aus dem edlen Geschlechte der Guzman entsprossen sein (P. Bremond O. Pr., De Gusmana stirpe S. Dominici, Romae 1740), doch wird dieß von den Bollandisten und vielen Neueren in Zweifel gezogen. Sein Vater hieß Felix; seine Mutter, Johanna von Aza, wird im Officium des Dominicanerordens als Selige verehrt. Dominicus wurde in seinem siebenten Lebensjahre seinem Oheim, dem Erzpriester in Gamiel d’Izan, zum Unterricht übergeben; von da kam er an die Universität Palencia. Hier lag er von seinem 15. bis zu seinem 25. Lebensjahre dem Studium der Philosophie und Theologie ob und machte zugleich in der Frömmigkeit große Fortschritte. Nach Vollendung seiner Studien wurde er 1195 Canonicus am Capitel zu Osma durch Vermittlung des frommen Diego von Azevdeo, der damals Prior desselben war. Um diese Zeit scheint er auch die Priesterweihe empfangen zu jaben, da aus den Lebensbeschreibungen des Heiligen bestimmt hervorgeht, daß er die priesterliche Würde bekleidete. Als Canonicus von Osma verwaltete er mit Eifer das Predigtamt, doch stets innterhalb der Grenzen dieser Diöcese. Bald wurde er Subprior und unterstützte in dieser Stellung eifrigst den seit 1201 auf den Bischofssitz von Osma erhobenen Diego bei Reformirung der Capitels nach der Regel des hl. Augustin. Als gegen das Ende des Jahres 1203 Bischof Diego im Auftrage des Königs Alfons VIII. von Castilien nach Dänemark reiste, um an dem dortige Hofe eine Braut für den Königssohn Castiliens zu werben, erwählte er sich den Subprior Dominicus zu seinem Begleiter. Nachdem er dänische Hof seine Zustimmung zur beabsichtigten Verbindung gegeben, kehrten Beide zurück, um dieß ihrem Könige zu beichten, reisten aber dann wieder nach Dänemark, um die Braut nach Castilien zu geleiten. Mittlerweile war diese gestorben, und Diego zog, nachdem er diese Wendung der Dinge dem Könige durch einen Boten berichtet hatte, mit Dominicus nach Rom. Auf der Rückreise kamen sie nach Montpellier in Südkrankreich, wo soeben drei päpstliche Legaten über weitere Schritte gegen die häretischen Albigenser beriethen. Diego und Dominicus wurden zu ihren Berathungen beigezogen und erklärten, daß nur durch demüthiges und von strenger Lebensweise begleitetes Auftreten, sowie durch eifrige und gründliche Predigt des Wortes Gottes jenen Häretikern mit Erfolg entgegengewirkt werden könne. Dieser Rath gefiel den Legaten; Diego aber und sein Begleiter begannen sofort in Languedoc zu predigen (1205). Zugleich errichtete Dominicus in Prouille, einem Dorfe am Angabe der Pyrenäen in der damamligen Diöcese Toulouse, eine Zufluchtsstätte für solche Mädchen, welche in Gefahr waren, wegen Armut der Eltern den Häretikern zum Unterrichte übergeben zu werden. Dieses Asyl, welches am 27. December 1206 bezogen wurde, war die erste Stiftung des Heiligen. Es wurde bald zu einem Nonnenkloster umgestaltet und enthielt den Kaim zur späteren Gründung des eigentlichen Dominicanerordens. Dominicus, dessen Absichten der damalige Bischof Fulco von Toulouse kräftig unterstütze, nannte sich von nun an Prior von Prouille. An dem Kreuzzuge, welcher 1208 nach Ermordung des päpstlichen Legaten Castelnau gegen die Albigenser unternommen wurde, nahm Dominicus keinen Antheil; man liest nur, daß er während der Schlecht bei Muret 1213 in der dortigen Schloßkapelle mit anderen Priestern um den Sieg der Kreuzfahrer gebetet habe. Desto eifriger aber widmete sich der Heilige während der Jahre 1208–1215 der Bekehrung der Irrgläubigen, indem er unter vielen Mühen und Verspottungen, aber auch von manchen Erfolgen ermuthigt ihnen das Wort Gottes verkündete. In diese Zeit verlegen manche Biographen die Einführung des heiligen Rosenkranzes in der Form, in welcher er jetzt gebetet wird (vgl. Mamachi, Annal. Ord. Praed. Romae 1756, ad an. 1213, n. 21 sqq.). Nach Beendigung des Albigenserkrieges 1215 sollte nun nach Gottes Absicht die Zeit kommen, in welcher Dominicus seinen Plan, zum Zwecke des Predigtamtes einen eigenen Orden zu stiften, ausführen konnte. Bei der Stiftung desselben schlossen sich ihn zunächst zwei Bürger von Toulouse an, Peter Cellani, der ihm ein Haus schenkte, und ein gewisser Thomas. Ihnen folgten noch vier andere; Bischof Fulco überwies dem Hause den sechsten Theil des Zahnten, der zum Baue von Kirchen in der Diöcese Toulouse bestimmt war; auch Graf Simon von Montfort, der Besieger der Albigenser, unterstütze das Unternehmen. Dominictus begab sich noch in demselben Jahre nach Rom, um vpm Papste Innocenz III. die Genehmigung seines Ordens zu erhalten; allein der Papst nahm zwar die Stiftung zu Prouille durch Urkunde vom 8. October 1215 in Schutz, wies aber Dominicus an, vorerst eine der bereits vorhandenen Ordensregeln zu erwählen, da das eben gehaltene vierte Lateranconcil der Errichtung neuer Orden nicht günstig war. Bei diesem Aufenthalte in Rom wurde Dominicus mit dem hl. Franciscus von Assisi bekannt, in dem er ein auserlesenes Werkzeug für die Pläne Gottes verehrte. Nach Prouille zurückgekehrt, entschied er sich, da er ja früher selbst Canonicus war, für die Augustinerregel, der er 1216 Einiges aus den Satzungen des Prämonstratenserordens beifügte, während Fulco ihm die Kirche zum hl. Romanus zu Toulouse überwies. Dorthin wurde der klösterliche Verein aus dem Hause des Peter Cellani übertragen; neben der Kirche wurde das Kloster ad. S. Romanum gebaut, welches als das erste eigentliche Dominicanerkloster zu betrachten ist. Die ersehnte Bestätigung des Ordens ertheilte der neue Papst Honorius III. durch zwei Bullen vom 22. December 1216. Dominicus, welcher in die Hände des Papstes selbst Profeß ablegte, erhielt noch weitere Privilegien. Zu diesen gehörte besonders die allgemeine Approbation zum Beichthören und das Recht zum Predigen für sämmtliche Diöcesen. Während seines römischen Aufenthaltes predigte der Heilige vor der Dienerschaft im päpstliche Palaste,dieß pflegte er von da an jedesmal zu thun, so oft er nach Rom kam, und wurde so gewissermaßen der erste Magister s. Palatii. Nach Ostern 1217 kehrte Dominicus wieder nach Toulouse und Prouille zurück und sandte am Maria-HImmelfahrtstag von seinen ersten 16 Genossen mehrere nach Paris und Spanien, um dort und anderwärts den Orden zu verbreiten. Er selbst ging abermals nach Rom, bewog dort durch seine Predigten Viele zum Eintritte in seinen Orden und errichtete schließlich in San Sisto ein Kloster für Nonnen, in Santa Sabina eines für Brüder. Damals kamen auch Hyacinth und Ceslaus aus Polen mit ihm in Berührung; durch sie fand der Orden Eingang in Polen. Ebenso schloß sich zu Rom der berühmte Lehrer des canonischen Rechtes in Paris, Reginald, an Dominicus an und zog durch sein Ansehen und seine Beredsamkeit Viele nach sich; er wurde bald darauf der Stifter des Klosters St. Nicolaus zu Bologna. Der Heilige selbst begab sich 1218 nach Spanien, um auch in seinem Vaterlande dem Orden Eingang zu verschaffen; dann wendete er sich nach Paris, wo die früher ausgesendeten Genossen bereits das Kloster zum hl. Jacov gegründet hatten. Im J. 1219 war er in Bologna, von wo er Brüder zu neuen Gründungen in Oberitalien aussandte. In Bologna fand 12120 das erste Generalcapitel statt, auf welchem der Beschluß gefaßt wurde, auf Eigenthum zu verzichten und bloß von Almosen zu leben. Rastlos predigte Dominicus dann in oberitalischen Städten und gründete wahrscheinlich um diese Zeit seinen dritten Orden. Zu Ende 1220 reiste er zum sechsten Male nach Rom und blieb dort bis Frühjahr 1221. Nachdem noch unter ihm das zweite Generalcapitel im Mai 1221 in Bologna abgehalten worden, auf welchem der Orden bereits acht Provinzen zählte, faßte er den Entschluß, bei den heidnischen Kumanen zu predigen und sein Blut für Christus zu vergießen. Doch kehrte er von einer Reise nach Venedig todkrank in das Kloster zu Bologna zurück und starb hier, nachdem er noch die versammelten Brüder zum Festhalten an der Regel und zur gegenseitigen Liebe ermahnt hatte, auf Asche liegend am 6. August 1221. Sein Leib wurde in der Kirche des Klosters St. Nicolaus bestattet. Schon 1234 (13. oder 3. Juli) canonisirte ihn Papst Gegor IX. Sein Fest wurde, da am 6. August schon das des heiligen Papstes Sixtus II. gefeiert und später der 5. August durch das Fest Maria Schnee ausgezeichnet wurde, auf den 4. August verlegt. Sein Leib ward 1267 in ein reich geschmücktes Grab übertragen, welches 1473 seine großartige, künstlerische Vollendung erhielt.

Dominius gehört zu den bedeutendsten Männern der Kirche Gottes durch seine persönliche Heiligkeit und durch Stiftung seines Ordens. In ihm lebte eine unbegrenzte Liebe zu Gott und zum Nächsten, unermüdete Thätigkeit für die Ehre Gottes, unbesiegbarer Eifer im Gebete und in strengen Bußübungen; seine aufrichtige Demuth zeigte er unter Anderem darin, daß er wiederholt angetragenen Bisthümer ablehnte. Sein sanftes Äußere war der Abglanz des im Innern wohnenden Friedens. Was die schwierige Frage über etwaige Schriften des Heiligen betrifft, so ist es sicher, daß er mehrere Briefe an Brüder und Schwestern seines Ordens schrieb und die Ordensconstitutionen in der Hauptsache zusammenstellte. Da er lange bei den Albigensern predigte und auch mit einigen derselben Disputationen hatte, so mag er immerhin folgende ihm zugeschriebene Schriften verfaßt haben: 1. Libellus rationes atque auctoritates in confirmationem fidei continens; 2. Schedula auctoritates pro ecclesiae cath. fide exhibens, und 3. Acta Dominici ut ministri reconciliationis haereticorum in sinum ecclesiae redeuntium a legatis s. pontificis constituti. In letzterer Schrift kommen zwei von ihm gefällte Sentenzen vor, die den Charakter der Ächtheit an sich tragen. Außerdem soll der Heilige Erklärungen über die Psalmen, das Matthäusevangelium, die paulinischen und katholischen Briefe geschrieben haben; möglich, daß diese Angabe auf Richtigkeit beruht, da der Heilige über die genannten heiligen Bücher Vorträge hielt. Für unächt werden gehalten: Liber de corpore Christi; Homiliae tres de gratia Dei et totidem de ineffabili Trinitate. Indeß ist zu bemerken, daß wir auch von den Schriften, die er verfaßt haben mag, wenig oder fast nichts besitzen. Von den Quellen und der Literatur über Dominicus, den auch Dante in seiner Divina Commedia (Parad. 12) verherrlichte, heben wir hervor: Jordanus, De principiis Ord. Praed., worin eine Vita des Heiligen enthalten ist; die Arbeit ist wahrscheinlich vor 1233 verfaßt, da Jordan von der Übertragung und Canonisation des Heiligen schweigt (bei Quétif et Echard, Script. Ord. Pr. I, 2 sq.); dann Zeugenaussagen im Canonisationsprozesse, also aus den Jahren 1233 und 1234; ferner eine Lebensbeschreibung von Constantin O. Pr., Bischof von Orvieto, verfaßt 1242–1247; von Humbert, dem fünften Ordensgenerale, um 1250 (bei Quétif l. c. 25 sq.); von Bartholomäus von Trient, 1234–1251 (bei Boll. Aug. I, 559 sq.); von Gerhard von Frachet, um 1256 (gedruckt Douai 1619); von Dietrich von Apolda O. Pr., um 1288 (Boll. l. c. 562 sq.). Eingehend handeln über dsa Leben des Heiligen Quétif und Echard (l. c. 1,89); die Bollandisten (l. c. 358 sq.); P. Touron, La vie de s. Dominique de Guzman, Paris 1739; Mamachi, Annales Ord. Praed., Romae 1756, I; in neuerer Zeit Lacordaire, Vie de Saint Dominique, Bruxelles 1841, deutsch 2. Auflage Regensburg 1871; F. Ratte, Blumen aus dem Garten des hl. Dominicus, Paderborn 1866.

II. Geschichte und Verfassung des Ordens. Noch zu Lebzeiten des Heiligen wurde der Orden auch in England eingeführt, wo er seine erste Niederlassung in Oxford erhielt. Der hl. Hyacinth, der in Rom das Ordenskleid empfangen hatte, predigte auf seine Rückkehr nach Polen in Friesach in Kärnthen, und dieß wurde Veranlassung zu einer Klostergründung daselbst (1218), der ältesten in ganz Österreich; außerdem wurden auf seinen Antrieb hin Convente in Olmütz und Krakau gegründet. Ebenso thätig war der Gefährte Hyacinths, der sel. Ceslaus. Der Orden verbreitete sich in kurzer Zeit nach Rußland, Dänemark, 1280 sogar nach Grönland, nach Griechenland und Palästina. Die tüchtigsten Lehrer und Studenten an den Universitäten Paris und Bologna, Hoch und Nieder, traten mit Begeisterung in den neuen Orden. Die Klöster wurden meist in größeren und kleineren Städten, weniger auf dem Lande errichtet. In Frankreich wurden die Dominicaner von ihrem ersten Kloster zu Paris, St. Jacob, gern Jacobiner, in England von ihrer Kleidung beim Ausgeben (schwarze Kappa) schwarze Brüder genannt. Den nächsten Zweck des Ordens besagt sein Name: Predigerorden. Schon der hl. Dominicus nannt sich minister praedicationum (vfl. das Siegel bei Quétif l. c. 85), und Papst Honorius III. spricht in einer Bulle vom 26. Januar 1217 von den Brüdern zu St. Roman als den »Predigern« von Toulouse. Nach diesem Hauptzwecke sollten also die Ordensbrüder durch eifrige Predigt des Wortes Gottes die Rechtgläubigen um Glauben bestärken, die Irrgläubigen zum wahren Glauben zurück- und die Ungläubigen hinzuführen. Hieraus erklärt sich, daß die Dominicaner vorzügliche Prediger, eifrige Kämpfer für die Wahrheit (der Orden hießt auch Ordo veritatis), große Theologen und opferbereite Missionare wurden. Es war aber auch naturgemäß, daß sie als die geeignetsten Organe der Kirche zur Prüfung aller neu vorgebrachten Meinungen und zur Reinhaltung des Glaubens erschienen. So erhielt der Dominicanerorden bald eine wichtige Mission in der Leitung der kirchlichen Inquisition. In vielen Dominicanerconventen waren einzelne Brüder mit dem officiellen Titel haereticae pravitatis inquisitores, welche in dieser Eigenschaft eine eigenen Stellung hatten, die veröffentlichten Schriften präften u. s. w. Auch bei der spanischen Inquisition, die vielfach zu einem Staatsinstitute wurde, stand meist ein Dominicaner an der Spitze. Das Amt eines Magister s. Palatii, das mit so großen Vorrechten namentlich von Papst Leo X. ausgestattet wurde, bekleidete vom Anfange an und bekleidet bis zur Stunde nur ein Dominicaner. Doch erscheinen im dreizehnten Jahrhundert auch Franciscaner als Lectores s. Palatii (Moroni XXVI, 84. XXXVIII, 159). Mit dem Zwecke des Ordens hängt innigst seine innere Einrichtung und Verfassung zusammen. Der Orden galt seit dem ersten Generalkapitel 1220 stets als Mendicantenorden; erst Papst Martin V. erlaubte 1425 den Erwerb liegender Gründe und sicherer Einkünfte für einzelne Käufer, Sixtus IV. gestattete dieß durch Bullen vom 1. Juli 1475 und 13. April 1477 für den ganzen Orden; die einzelnen Personen dürfen aber nie Eigenthum erwerben. Die Lebensweise der Ordensgenossen ist eine strenge; die Abstinenz vom Fleischgenuß ist eine beständige, die Fasten werden vom Feste Kreuzerhöhung bis Ostern und noch an einigen anderen Tagen gehalten. Die gesammte Kleidung, nicht bloß der Ordenshabit, darf bloß aus Wolle bestehen. Das Stillschweigen muß zu gewissen Stunden stricte gehalten werden. Durch diese strenge Disciplin sill der Geist möglichst frei gemacht werden für die große Aufgabe des Ordens. Die Glieder desselben zerfallen in zwei Hauptklassen, Clerici (sacerdotes) und Laienbrüder. Die ersteren beginnen ihr Noviziat nach zentätigen Exercitien und fangen erst nach Vollendung des Noviziatsjahres ihre Studien an, welche im Ganzen acht Jahre dauern. Alles ist dazu angethan, tüchtige Prediger, Beichtväter und Gelehrte heranzubilden. Jeder muß zwei Jahre hindurch Philosophie und zwei Jahre Theologie (mehr Einleitung zur eigentlichen Theologie) studiren. Nach Beendigung dieser beiden Curse gehen die Befähigteren zum Studium der Theologie und der Philosophie nach der Summe des hl. Thomas über, während die übrigen in einfacherer Weise in der Theologie unterrichtet werden. Die ersteren legen nach VOllendung der thomistichen Studien das Lectoratsexamen ab und werden Lectores (kein Grad, sondern ein bleibender Titel); wer sich sieben Jahre als Lector bethätigt, rückt zum Magister studentium (ein Amt, aber kein Grad), nach weieren zwei Jahren zum Baccalaureus (Grad und Amt), dann zum Regens Studiorum und endlich zum Magister (Doctorgrad) vor. Die Grade der Theologie und der Philosophie werden immer mitsammen verliehen. Jede Provinz soll ihr Studium generale (Ordensuniversität) haben. Das Predigtamt ist im Orden noch dadurch besonders ausgezeichnet, daß ein Brude,r welcher länger und besonders ruhmwürdig gepredigt hat, den Titel Praedicator generalis empfängt. Wer diesen Titel, den nur der General oder da Generalcapitel verleiht, erhalten soll, muß mindestens 35 Jahre als sein; Lectorat und Praedicatura generalis sollen in einer Privinz nicht mehr Praedicatores generales als Convente sein; den mit diesem Titel Ausgezeichneten steht Sitz und Stimme beim Provinzialcapitel zu. Die Laienbrüder, deren Institution auf den hl. Dominicus zurückreicht, müssen zuerst ein Jahr als Tertiarier im Kloster sein; hierauf erfolgt die Einkleidung, nach zwei Jahren das einjährige Noviziat, dann die einfache Profeß, nach drei Jahren endlich die vota solemnia. Die Kleidung der Dominicaner ist ein weißer Habit mit weißem Scapulier und Kapuze. Beim Predigen und Beichthören, sowie bei Ausgängen aus dem Kloster ziehen sie darüber einen schwarzen Mantel mit schwarzer Kapuze. Die Laienbrüder tragen weißen Habit mit schwarzem Scapulier und schwarzer Kapuze. Die ganze Verfassung und Gesetzgebung des Ordens ist in den Ordensconstitutionen enthalten, welche durch den großen Rechtsgelehrten und dritten General des Ordens, den hl. Raimund von Peñaforte, um 1238 überarbeitet und gesammelt wurden. Der Orden zerfällt in Provinzen, welche unter Provinzialen stehen und der einheitlichen Leitung des Generals unterworfen sind; jedem Kloster steht ein Prior vor. Die oberste legislative Gewalt haben die Generalcapitel, welche aus dem jeweiligen General, dem Provinzialobern und je einem von der Provinnz gewählten Beisitzer bestehen; wenn auf zwei nach einander folgenden Generalcapiteln etwas erörtert und auf dem dritten festgesetzt wird, so hat dieß den Charakter einer Constitution (eines Textes). Die Capitel wurden Anfangs alljährlich, und zwar die ersten zwei zu Bologna, die von 1222-1264 folgenden abwechselnd zu Paris und Bologna, dann auch an deren Orten, meist zur Pfingstzeit, abgehalten. Nach neuerem Rechte sollten sie sich alle drei Jahre versammeln, allein es ist dieß nicht immer möglich. Das letzte war 1871 in Gent. Der General (Magister generalis) wurde frühers lebenslänglich, seit der Verordnung Papst Pius’ VII. von 1805 auf sechs Jahre gewählt; Papst Pius IX. setzte 1862 die Functiosdauer auf zwölf Jahre fest. Er wird auf dem Generalcapitel gewählt. Der Ordensgeneral scheint seit ältester Zeit zu St. Sabina in Rom residirt zu haben, von 1273 an aber ist St. Maria sopra Minerva der Sitz desselben. Der neu gewählte General ernennt sich seine Socii, die ihm in der Leitung des Ordens, soweit ihnen der General Einfluß läßt, zur Seite stehen. Die Provinziale werden auf vier Jahre erwählt, und zwar vom Provinzialcapitel, welches sich aus den Prioren, den Praedicatores generales und aus einigen von den größeren Conventen zu wählenden stimmberechtigten Mitgliedern zusammensetz; das Provinzialcapitel wält außerdem vier Definitoren, welche mit dem Provinzial die Geschäfte der Provinz berathen. Die Prioren werden von den einzelnen Conventen gewählt. Die gewählten Provinziale müssen vm General, die Prioren vom betreffenden Provinzial bestätigt werden; der General selbst bedarf einer Bestätigung nicht. Die ursprüngliche Verfassung erlitt im Laufe der Zeit selbstverständlich manche Änderungen; eine Übersicht dieser Veränderungen, sowie eine Darstellung des gegenwärtig geltenden Rechtes bieten die auf Veranlassung des Generals Alex. Vinc. Jandel herausgegebenen Constitutiones fratrum Ord. Praed., Paris. 1872. Noch sei hier erwähnt, daß die Dominicaner bei der heiligen Messe einen eigenen Ritus befolgen, der in einzelnen Punkten vom römischen abweicht: so wird die Eingießung des Weines in den Kelch schon vor dem Stufengebet vorgenommen, beim Offertorium die Patene mit der HOstie auf den mit Wein gefüllten Kelch gelegt und die Opferung in einem einzgen Acte gemacht. Die Freundschaft, welche zwischen den heiligen Stiftern des Prediger- und des Franciscanerordens bestand, wird zwischen beiden Orden gesetzmäßig festgehalten und unter Anderem dadurch bekundet, daß jedes Kloster am Feste des Ordensstifters, wo immer möglich, den Gottesdienst von dem anderen Orden verrichten läßt. Diese Versammlung von Heiligen und Gelehrten hatte vom 13. bis zum 16. Jahrhundert neben den Minoriten einen ausgedehnten Einfluß in der Kirche. Schon 1230 erhielten die Dominicaner einen Lehrstuhl an der Universität zu Paris, und einige Jahrhunderte hindurch lehrten an dieser, sowie an den Universitäten zu Bologna, Padua, Köln, Prag und Wien viele Mitglieder des Ordens als Professoren der Theologie und Philosophie (vgl. bezglich Wiens Seb. Brunner, Der Prediger-Orden in Wien und Österreich, Wien 1867, 30 ff.). Auch in ihren eigenen Generalstudien, die häufig mit den eigentlichen Universitäten im engen Verbande standen, hatten die Dominicaner hervorragende Männer als Lehrer. Die größten Theologen und Philosophen, Albert d. Gr. und der hl. Thomas von Aquin, gehörten ihrem Orden an; viele gelehrte Männer, SCholastiker wie Mystiker zierten ihn, und auch später, als die Blütezeit der eigentlichen Scholastik vorüber war, gingen noch aus dem Orden ansehnliche theologische Schriftseller hervor. Es seien aus früherer und späterer Zeit erwähnt: Raymund von Penaforte, Jacobus de Voragine, der Verfasser der Legenda aurea, Vincenz von Beauvais, Durandus, Doctor resolutissimus genannt, Tauler, Heinrich Seuse, Joh. Capreolus, der Fürst der Thomisten, der gl. Antoninus, Erzbischof von Florenz, Johann de Ragusio, Johann Torquemada, Cardinal Cajetan, Melchior Canus, Petrus und Dominicus Soto, Las Casas, Ludwig von Granada, Carranza, Dominicus Baffez, Didacus Alvarez, Ledesma, Abraham Bzovius, Goar, Combefis, Billuart, Natalis Alexander, Echard, Vincenz Orsini (Papst Benedict XIII.), Gotti, Orsi, Mamachi u. v. A. Was die Dominicaner auf dem Gebiete der Bibelerklärung geleistet, siehe bei Ludw. Bertr. Loth (Catalogus fratrum Ord. Praed., qui S. Scr. illustrarunt, in Guil. Pepin, Exposit. in Genesin, Duaci 1634; auch Quétif I, 941 ff.). Es ist bekannt, daß der Dominicaner Hugo a S. Caro die erste Verbal-Bibelconcordanz verfaßte, sowie daß die Dominicaner eigenen Correctorien betreffs der Verbesserung des Vulgatatextes führten. Der Orden erwarb sich auch manches Verdienst um die Geschichtswissenschaft, indem in seinen genau geführten Nekrologien und Chroniken viel quellenmäßiges Material enthalten ist. Im 14. Jahrhundert ragt Bernardus Guidonis als historischer Schriftsteller hervor; der früher lebende Dietrich von Apolda hat neben manchem Legendenhaften, das dem Charakter seiner Zeit dient, auch viel Zuverlässiges und Geschichtliches. Neben der Pflege der Wissenschaft entfalteten die Dominicaner eine große Missionsthätigkeit. Bald nach der Gründung des Ordens zogen sie nach Schweden, Litauen, Rußland, Preußen, Grönland, um die noch meist heidnischen Bewohner zu bekehren. Später wendeten sie sich nach dem Inneren von Asien, sowie nach Japan, China und Indien, und viele von errangen sich daselbst die Palme des Marterthums. Ebenso eilten sie, als kaum die neue Welt entdeckt war, nach Amerika, um den wilden Stämmen Christum zu predigen und sie zu civilisirten Menschen heranzubilden; noch heute erinnert der Name von S. Domingo an ihre dortige Thätigkeit. Ebenso muß erwähnt werden, daß die Dominicaner auf dem Gebiete der Kunst Großes leisteten. Insbesondere wurde die Baukunst und Malerei, namentlich die Miniaturmalerei, in den italienischen Klöstern von kunstsinnigen Jüngern geübt. Herrliche Kirchen und andere Kunstgebäude hatten Dominicaner zu Baumeistern. Das Kloster zu S. Maria Novella in Florenz war eine förmliche Künstlerschule; vorzüglich ragten Fra Sisto und Fra Ristoro, beide gegen Ende des 13. Jahrhunderts, als berühmte Architekten hervor. Ebenso künstlerisch wurde in dem genannten Kloster, sowie in S. Marco zu Florenz und S. Caterina zu Pisa die Malerei betrieben; Fr. Johannes von Fiesole, zugenannt der Englische, Benedict von Mugello und auch noch Bartholomäus della Porta erwarben sich bleibenden Ruhm. Die Miniaturmalerei in den Codices u. s. w. wurde in den italienischen Klöstern mit Vorliebe gepflegt. Auch zeichneten sich manche Dominicaner-Laienbrüder als Kunstschreiner (arcularii) und Kunstschloser aus (vgl. Vinc. Marchese, Memorie dei più insigni Pittori, Scultori e Architetti Domenicani, 4. ed., Bologna 1878-1879; Seb. Brunner, Die Kunstgenossen der Klosterzelle, 2. Thle., Wien 1863; Renaissance und Dominicaner-Kunst, in Histor.-polit. Blätter XCIII, 897. XCIV, 26. Der Orden zählt viele Heilige, so Raimund von Penaforte, Petrus Martyr, Hyacinth, Vincenz Ferrerius u. A.; er hab der Kirche die vier Päpste Innocenz V., Benedict XI., den hl. Pius V. und Benedict XIII., mehr als 60 Cardinäle, gegen 1000 Bischöfe und Erzbischöfe. Zur Zeit des sog. abendländischen Schisma’s war auch der Dominicanerorden, wie andere, in zwei Parteien getheilt; die französischen Provinzen, sowie die sicilische und aragonische hingen Clemens VII. und seinen Nachfolgern an, während die übrigen an der Obedienz Urbans VI. festhielten; beide Parteien wählten eigene Generale und hielten eigene Generalcapitel. Dieser Zustand dauerte von 1380 bis zur Wahl Martins V. 1417. Die im Laufe der Zeit erschlaffte Zucht empfing ihre Wiederherstellung theils durch die Ordensgenerale selbst, theils durch Bildung von Ordenscongregationen innerhalb der einzelnen Provinzen. Als erster Reformator im Orden wird der selige Konrad von Preußen genannt, welcher als Ordensgeneral seit 1389 die regelmäßige Observanz in ganz Deutschland herstellte; ihm folgte der selige Bartholomäus vom hl. Dominicus (gest. als Bischof von Coron 1417), welcher seit 1402 das Gleiche für Italien durchführt.e Im J. 1418 errichtete Matthäus Bonimperto (gest. als Bischof vin Matnua 1444) eine lombardische Congregation, von welcher 1493 bis 1498 durch Hieronymus Savonarola eine toscanische abgezweigt wurde. Nach der Wiedervereinigung dauerte die lombardische bis 1531. Unter dem Generalat von Martial Auribelle vereinigten sich 28 Klöster zu einer holländischen Congregation. Nachdem sich dieser viele französische Kloster angeschlossen hatten, wurde 1514 eine eigenen gallicanische Congregation von ihr abgetrennt, neben welcher 1596 die Congregation Occitaine zu Toulouse ihren Anfang nahm. Bernhardin von Lucca (gest. 1585) gründete im Gebiete von Neapel die Congregation von der hl. Katharina von Siena in den Abruzzen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts bestanden (Helyot II, 228) die Congregation des hl. Vinc. Ferrerius in der Bretagne mit 14 Conventen, die der Engel in der Provence mit 6, die elsässiche mit 4, die vom Namen Jesu auf den Antillen mit 1, die vom hl. Dominicus auf S. Domingo mit 2, die von S. Sabina in Rom mit 8, die vom hl. Marcus in Florenz mit 6, die vom hl. Jacob Salomonius zu Venedig mit 7, die von U. L. Frau zu Neapel mit 13, die vom hl. Dominicus Surianus von Sardinien mit 10, die vom hl. Marcus om Gebiete von Neapel mit 13 Conventen. Endlich ist zu nennen die Congregation des allerheiligsten Sacramentes, welche in der Nähe von Avignon von Anton Le Quieu (1601–1676) nach der ganzen Strenge der ursprünglichen Regel, insbesondere rücksichtlich der Armut und des Fastens, eingerichtet wurde. – Durch die sog. Reformation im 16. Jahrhundert verlor der Orden seine Niederlassungen in England, Dänemark, Schweden und vielfach auch in Deutschland. Doch zählte er noch 1783 45 Provinzen mit vielen Conventen in allen Welttheilen (besonders Polen, Frankreich, Spanien, Italien). Die Klosteraufhebung unter Kaiser Joseph II. verminderte die Zahl der Convente in Österreich bedeutend; Steyr, Münzbach, Neukloster, Pettau, Krems, Budweis, in Galizien wurden unterdrückt, einige, wie Leoben, starben von selbst aus. Die große Revolution in Frankreich wie die Säcularisation in Deutschland 1803 zerstörten in diesen Ländern den Orden auf kürzere und längere Zeit. In unserem Jahrhundert trugen der geistreiche Lacordaire (gest. 1861) und der Ordensgeneral Alex. Vincenz Jandel (gest. 1872) zur Restaurirung und Reorganisirung des Ordens in Frankreich und sonst sehr viel bei. In Spanien zerrüttete die Revolution 1868 den Orden beträchtlich, doch erholte sich derselbe dort seitdem wieder einigermaßen. Im österreichischen Kaiserstaate ist die galizische Provinz, welche noch 13 Convente hat, die dalmatinische, die 8 schwach besetzte Convente zählt, und die sog. Provincia Imperii mit 15 Conventen (Wien mit dem Sitze des Provinzials, Prag, Olmütz, Znaim, Ungarisch-Brod, Leitmeritz, Eger, Auffig, Retz, Steinamanger, Ödenburg, Raschau, Eisenburg, Friesach, seit 1858 en Dominicanerinnen von Lienz auf 50 Jahre überlassen, Graz mit dem Studium generale, ein Haus in Eppan). Nach den 1872 erschienenen Constitutiones Fratr. Ord. Praed. zählt der Orden allerdings 52 Provinzen in Europa, Indien, Armenien, Mexico, Peru u.s.w., davon bestehen aber einige nur nominell. Die Dominicaner sind auch in unseren Tagen Pfleger der Wissenschaft geblieben; es genüge, auf Namen wie Thomas Zigliara (von Leo XIII. am 12. Mai 1879 zum Cardinal creirt), Marchese, Guglielmotti, Gonzalez, Lacordaire, Monfabré, H. G. Denifle, Albert M. Weiß hinzuweisen. Es ist bekannt, daß im Schooße des Ordens unter dem Vorsitze des genannten Cardinals eine neue Ausgabe der Werke des hl. Thomas veranstaltet wird. Von 1857–1869 lehrten an der Wiener Universität Fr. Philipp Guidi (später Cardinal) und Fr. Hyac. Pellegrinetti thomistische Theologie. Was die Dominicaner als Prediger, Beichtväter und Beförderer der Rosenkranz-Bruderschaften wirken, ist von dem gläubigen Volke allenthalben anerkannt.

III. Dominicanerinnen, der weibliche Zweig des vom hl. Dominicus gestifteten Ordens, sind der Zeit der Gründung nach älter als der männliche Zweig, indem der Heilige schon 1206 zu Prouille ein Nonnenkloster errichtete. Den elf Jungfrauen, welche in demselben zusammentraten, gab er die Regel des hl. Augustinus, welche um einige specielle Bestimmungen vermehrt wurde; sie mußten strenge Clausur halten, noch strengeres Stillschweigen beobachten und jede freie Zeit mit Handarbeit ausfüllen. Sie standen unter einer Oberin, welche Priorin genannt wurde. Diese Stiftung leitete Dominicus bis 1216 persönlich; nach Errichtung des ersten Ordens wie er auch einigen seiner Brüder ein Haus in der Nähe der Religiosen an, damit letztere für ihre geistliche Leitung wie für ihre zeitlichen Angelegenheiten an denselben eine Stütze fänden. Die Brüder mußten von dem Frauenkloster mit allem Nöthigen versorgt werden. Die hiermit auferlegte Last konnte dasselbe leicht tragen, weil sein Vermögen durch milde Schenkungen sich in kurzer Zeit außerordentlich vermehrte. Auch zog der Ruf der dort geübten Andacht und Tugend so viele Personen an, daß bald bestimmt werden mußte, die Zahl der Schwestern dürfe Hundert nicht übersteigen. Nachdem der Predigerorden gestiftet war, erhielten diese aus Ehrfurcht vor demselben den Namen »Zweiter Orden des (hl.) Dominicus«, eine Bezeichnung, welche vom Range, nicht von der Zeit der Stiftung zu verstehen ist. Das nächste Kloster dieser Genossenschaft entstand erst 1218 zu Rom, als Dominicus vom Papst Honorius III. den Auftrag erhielt, eine Anzahl von kleineren Congregationen und Privatgenossenschaften zu einem geregelten Ordensverband zu vereinigen. Der Papst bestimmte hierzu das Kloster S. Sisto, das er eben für die Brüder errichten ließ, und wies letzteren dafür S. Sabina an. Den hartnäckigen Widerstand der hierzu nicht geneigten Frauen brach Dominicus mit Energie und Beharrlichkeit, aber auch durch ein staunenswertes Wunder, das er vor ihren Augen verrichtete. Sie erkannten ihn nunmehr als ihren Obern an, gelobten strenge Clausur und verpflichteten sich zu vollkommener Armut. Der Heilige hab ihnen daher auch die Tracht der Predigerbrüder, mit der Ausnahme, daß sie statt der Kapuze einen weißen Schleier mit schwarzem Weihel erhielten. Das Kloster S. Sisto ist demnach das erste in welchem Dominicanerinnen regulär eingekleidet wurden. Der so gestiftete Frauenorden verbreitete sich schnell überall hin, wo Klöster der Prediger waren; sie waren fast sämmtlich exempt und nur ausnahmsweise dem Bischof unterworfen. Die Dominicanerinnen genießen nach ihren Constitutionen niemals Fleisch, außer im Falle der Krankheit; sie fasten von Kreuzerhöhung aber bloß an jedem Freitag; sie kleiden sich nur in Wolle und schlafen bloß auf Stroh. Mit der Zeit ist diese Strenge freilich in einzelnen Häusern gemildert worden (vgl. Constitt. ed. 1872, 641–672). In einer Reihe von französischen Häusern erlitt die Regel auch Änderungen in Bezug auf die Clausur, die Kleidung und die Übung der Armut: in einzelnen derselben ward die Bestimmung eingeführt, daü nur adelige Töchter Aufnahme finden sollten. Der Zweck des Ordens war ursprünglich das beschauliche Leben; die Schwestern mußten dabei Tag für Tag neben dem römischen Officium im Chor auch noch das Officium de B. M. V. halten. Später war ihnen bei Milderung der Regel auch der Unterricht der weiblichen Jugend überwiesen. Die meisten Klöster dieses Ordens fielen der Revolution und der Säcularisation zum Opfer. In Baden durfte das arme »Zofinger Kloster« zu Konstanz, das reiche »weiße Kloster« in Freiburg bestehen bleiben. Letzteres nahm 1867 ein tragisches Ende, ersteres besteht noch heute vollkommen regulär, aber mit gemilderter Clausur. In neuerer Zeit wurden wieder einige Convente in Bayern (Augsburg, Bayerdiessen, Donauwörth, Fremdingen, Landsberg, Niederviehbach, Regensburg, Speier, Türkheim, Wettenhausen, Wörishofen u. a.) errichtet, welche sich meist mit Unterricht befassen. Auch in Österreich stehen noch einzelne Dominicanerinnenklöster. Dieser zweite Orden zählt eine ziemliche Anzahl von Heiligen, unter denen besonders die hl. Agnes von Montepulciano zu nennen ist. Insofern einzelne Klöster sich an die unter den Predigerbrüdern bestehenden Congregationen anschlossen, kann man auch beim zweiten Orden von einer Elsässer und einer sardinischen Congregation sprechen.

IV. Tertiarier oder dritter Orden des hl. Dominicus. Damit die Kirche bei dem Kampf gegen die Albigenser nicht jedesmal auf den guten Willen der Einzelnen angewiesen wäre, gründete der hl. Dominicu 1220, als er in der Lobardei predigte, unter dem Namen »Miliz Jesu Christi« eine Genossenschaft von Männern, welche sich verpflichteten, ihr Hab und Gut für die Kirche einzusetzen und mit en Waffen gegen die Häretiker in’s Feld zu ziehen. Bei den Verheirateten forderte er die Zustimmung der Frauen, gab letzteren auf, für das Waffenglück der Männer zu beten, so daß sie gewissenmaßen auch als Glieder der Genossenschaft erschienen, und schrieb beiden Theilen als Zeichen ihrer Zugehörigkeit eine weiß und schwarze Kleidung vor. Die Begeisterung des Mittelalters führte bald viele Männer und Jünglinge, Frauen und Töchter in diesen Verband, der aus dem Munde des Heiligen einige kurze Vorschriften zu einem gottgefälligen Leben und wenige Gebetsübungen als Regel erhielt. Als nach dem Tode des Stifters die Secte der Albigenser erloschen und damit der Zweck der Stiftung erfüllt schien, wollten die Mitglieder der Genosenschaft auf die liebgewordenen Formes des religiösen Lebens nicht verzichten und den Krieg gegen die inneren Feinde unseres Heiles fortführen. Sie nannten sich deßwegen Brüder und Schwestern der Buße und erhielten später den Namen des dritten Dominicanerordens. In dieser Gestalt verbreitete die Congregation sich weithin unter Geistlichen und Laien bederlei Geschlechts und fand wegen der Andacht und Tugend, durch welche ihr Mitglieder im weltlichen Stande hervorleichteten, große Anerkennung. Bald traten von den weiblichen Mitgliedern auch einzelne zu gemeinschaftlichem Leben zusammen, hielten Clausur und legten das einfache Gelübde der Keuschheit ab. Als solche Häuser sich mehrten, machte sich der Mangel einer geschriebenen Regel fühlbar, und der siebente General des Predigerordens, P. Munio von Zamora, schrieb deßwegen die vom hl. Dominicus gegebene Regel in erweiterter Form nieder und wies den ganzen dritten Orden zu ihrer Befolgung an. Diese Regel wurde 1405 von Innocenz VII. und 1439 von Eugen IV. bestätigt. Seitdem besteht der dritte Orden theils als Genossenschaft von Klosterfrauen, theils als Konfraternität von Weltleuten beiderlei Geschlechts. Erstere waren zur Zeit in Europa und Amerika weit verbreitet und befaßten sich vorzugsweise mit dem Unterricht der Mädchen. Sie tragen Habit, Scapulier und Schleier von weißer Farbe, darüber in der Kirche einen weiten schwarzen Mantel, nach welchem sie auch den Namen Mantellaten erhielten. Sie beobachten weniger Strengheiten als der zweite Orden, indem sie Leinwand gebrauchen und dreimal wöchentlich Fleisch genießen. Die Gelübde einiger Häuser sind als feierliche anerkannt. In den Ländern deutscher Zunge finden sich jetzt nur noch vereinzelte Häuser, namentlich in der SChweiz und eines am Rothen Hahnen bei Koblenz. Der dritte Orden des hl. Dominicus hat in seinen beiden Bestandtheilen eine große Zahl von Heiligen und Seligen aufzuweisen. Zu diesen gehören die hll. Katharina von Siena und von Ricci, die hl. Rosa von Lima, die seligen Colomba von Rieti, Benvenuta Bojani, Osanna von Mantua, Lucia von Narni und Andere. Über die zu Macerata gegründete Congregation zum Zweck der ewigen Anbetung s. d. Art. Ewige Anbetung I, 801. (Vgl. außer den angeführten Schriften noch Malvenda, Annales Ord. Praed., Neapoli 1627; Mamachi, Annales Ord. Pr., 5 voll., Romae 1754; Hernando de Castillo y Juan Lopez, Historia general y vida de San Domingho y de su Orden de Predicatores, 6 voll. Madrid 1612 sq.; Danzas, Étude sur les temps primitifs de l’ordre de S. Dominique, 4 vols., Par. 1874 ss.; Vinc. M. Fontana, Constitutiones, declarationes etc. ab a. 1216 ad 1348, Romae 1864; Ripoll et Bremond, Bullar. O. Pr., 8 voll., Romae 1737 sq.,; Luc. Holstenii Codex Regularum I; über die Heiligen, Martyrer, Schriftsteller u. s. w. des Ordens handeln Marchese, Sacro Diario Domenicano, 6 voll., Napoli 1686; Feuillet et Soueges, Année Dominicaine, ou les vies des Saints etc., 14 vols. Par. 1678 ss.; Quétif et Echard, Scr. O. Pr., 2 voll. Par. 1719–1721; Touron, Hist. des hommes ill. de S. Dominique, 6 vols., Par. 1743–1749; Cavalieri, Galleria de sommi pontefici, patriarchi, arcivescovi et vescovi dell’ordine de’ precatori, 2 voll., Benev. 1796; Caro, St. Dominique et les Dominicains, Paris 1853.)

[Otto Schmid.]


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