Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Edict von Mailand 313, ein Toleranzedict der Kaiser Licinius und Constantin zu Gunsten des Christenthums. Schon im Frühjahre 312 ließ Constantin, der auf seinem Feldzuge gegen Maxentius eben in Italien eingebrochen war und schon mehrere Länder besetzt hielt, im Einverständnisse mit Licinius, dem Beherrscher des europäischen Ostens, verkünden, daß von nun an Jeder in der Religion seiner Eltern bleiben solle, und daß namentlich auch die Christen ihren Glauben beibehalten dürften. Wenn diese hierdurch auch gleiche Berechtigung mit den Heiden erlangten, so involvirte das Decret doch noch eine sehr beschwerende Beschränkung in Bezug auf die weitere Ausbreitung des Christenthums. Als aber nach des Maxentius Sturze Constantin, nunmehr Alleinherrscher des Abendlandes, mit Licinius in Mailand zusammenkam, um diesem seine Schwester Constantia anzuvermählen, traten beide Kaiser mit einander darüber in Berathung, was zur Sicherung des Reiches zweckdienlich wäre. Die Verhandlungen führten zum berühmten Edicte von Mailand (Juni 313), welches den Christen, sowie allen übrigen Unterthanen des ganzen römischen Reiches freistellte, sich derjenigen Religion zuzuwenden, welche jeder für sich am ersprießlichsten halte (ut declaremus et christianis et omnibus liberam potestatem sequendi religionem suam quisque voluisset). Auch sollten den Christen die zu ihren Versammlungen bestimmten Plätze nebst den sonstigen ihrer Genossenschaft vormals eigen gewesenen, vom Staate eingezogenen liegenden Gütern unentgeltlich ohne Verzug und Abbruch zurückgestellt, die derzeitigen privaten Inhaber aber aus der Staatskasse entschädigt werden (Euseb. H. E. 10, 5; Lactant. De mort. Persecut. 48). Constantin ging sofort daran, dieses allgemeine Toleranzedict im ganzen Abendlande zur Durchführung zu bringen; Licinius aber vermochte demselben im Osten erst nach seinem Siege über Maximin volle Geltung zu verschaffen. Damit ward dem Heidenthum der Charakter als alleinherrschende Staatsreligion entzogen und allgemeine Gewissensfreiheit an deren Stelle gesetzt. Die aus dem Heidenthume stammende Verfassung war nunmehr durchbrochen und das gewaltige Reich auf eine andere, der frühern geradezu entgegengesetzte Grundlage gestellt, aber auch der absterbenden Civilisation die Möglichkeit eines schönern Wiederauflebens gegeben.

[Seidl.]


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