Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Eibingen, Frauenkloster O. S. B. bei Rüdesheim im Rheingau, wurde zuerst im J. 1148 von einer edeln Rüdesheimer Dame Namens Marika gegründet. Diese Stiftung scheint aber wenig geglückt oder alsbald wieder zu Grund gegangen zu sein. Es steht nämlich fest, dass schon bald nachher, etwa um das Jahr 1165, die hl. Hildegard, nachdem sie um das Jahr 1147 das Jungfrauenkloster auf dem Rupertsberg zu Bingen in’s Leben gerufen hatte, von da aus auch ein Tochterkloster zu Eibingen eingerichtet und persönlich besucht hat. Dieses zweite Kloster erfreute sich eines sehr langen Bestandes und überdauerte fast um zwei Jahrhunderte das Rupertsberger Mutterkloster. Nachdem letzteres im J. 1632 von den Schweden in Asche gelegt worden war, begaben sich die von dort flüchtigen Nonne für immer in das Eibinger Kloster und brachten dorthin die Reliquien des hl. Rupert und der hl. Hildegard, sowie die kostbaren Handschriften von den Werken der letztern. Die Oberin führte fortan den Titel Abtissin von Rupertsberg und Eibingen, und die Klostergebäude wurden für die nun vergrößerte Anzahl von Einwohnerinnen entsprechend erweitert. Endlich vernichtete aber die Säcularisation am Anfang unseres Jahrhunderts auch die Eibinger Klostergenossenschaft; im J. 1814 mußten die noch übrigen Nonnen das Klostergebäude verlassen. Die Hildegard’schen Handschriften wanderten in die Landesbibliothek zu Wiesbaden, deren weitaus wichtigsten Schatz sie heute noch bilden; die Reliquien der hl. Hildegard aber finden sich jetzt in der Kirche des Klosters, welche nunmehr die Eibiger Pfarrkirche ist, in würdiger Weise aufbewahrt, während die des hl. Rupert in der Rüdesheim gegenüber gelegenen, zu Bingen gehörigen Kapelle des hl. Rochus auf dem Rochusberge geborgen sind. (Vgl. Schmelzeis, Das Leben und Wirken der hl. Hildegardis, Freiburg 1879, 513 ff.)

[Schmelzeis.]


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