Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Farben, liturgische, nennt man Weiß, Roth, Grün, Violett und Schwarz, sofern sie in der römischen Liturgie, und war speciell für die liturgischen Gewänder vorschriftsmäßig in Anwendung kommen. Es ist jetzt allgemein anerkannt, daß schon Heiden und Juden für die Zwecke des Cultus sich bestimmter einzelner Farben bedienten, welche keineswegs in bloßer Rücksicht auf größtmögliche Sinnenpracht ausgewählt wurden, sondern denen man auch symbolische Bedeutung beilegte (vgl. des Nähern Bähr, Symbolik des mos. Cultus, 2. Aufl., I, 337 ff.). Was insbesondere den Cultus der Juden betrifft, so begegnen uns an den Gewändern der einfachen Priester und des Hohenpriesters im Ganzen vier gesetzlich feststehende Farben, nämlich weiß (glänzend weißer Byssus), purpurroth (glänzendes Dunkelroth), carmoisinroth (Farbe des Blutes und Feuers) und dunkelblau (Farbe des Himmels in den Südländern). Durch diese Farben wurden der Hohepriester und die Priester charakterisirt als die irdischen Repräsentanten des heiligen (weiß), majestätischen (purpurn), die Sünde rächenden und sühnenden (carmoisin – Opferblut und Opferfeuer) Gottes, der als Bundesgott (blau) sich vom Himmel herniederließ, um im Bundeszelt, dessen oberste Decke blaufärbig war, unter seinem Volke zu wohnen (Schechina).

Unter den Christen waren die Gewänder des Liturgen in ältester Zeit regelmäßig weiß und höchstens mit einem andersfarbigen clavus (Zierstreifen) ausgestattet. Dieß läßt sich schon aus den einschlägigen Äußerungen des Clemens von Alexandrien (Paedag. 2, 10) erschließen, welcher den Christen ausnahmslos einschärft: »Die sardisch gefärbten Stoffe und die olivengrünen, die blaßgrünen, die rosafarbenen und die scharlachrothen und die tausend anderen künstlich gefärbten Stoffe sind Erfindungen verderblicher Üppigkeit und eine Augenweide«; »für Menschen, die weiß (unschuldig) und nicht verdorben sind in ihrem Innern, ziemt sich auch am besten das Tragen weißer und einfacher Kleidung, und wenn man eine andere Farbe haben will, so genügt die natürliche Farbe des Stoffes«. Ausdrücklich vorgeschrieben ist die weiße Farbe für das Gewand des Opferpriesters in den apostolischen Constitutionen (8, 12) und im 37. Canon des hl. Hippolyt. Im ersten und im dritten römischen Ordo(8.-9. Jahrh.)•werden zwar die einzelnen Gewänder des celebrirenden Bischofes aufgezählt, ihrer Farben aber keine Erwähnung gethan, wie deren auch die liturgischen Schriftsteller des frühesten Mittelalters nicht erwähnen. Pseudo-Alcuin (De divin. off. c. 7. 18) sagt, in Rom bediene man sich bei der Lichtmeßprocession schwarzer, am Charfreitag dunkler (fuscae) Paramente, und im fünften römischen Ordo (nicht über 10l4 hinausreichend) heißt es, daß der Papst an Weihnachten, Ostern, Peter und Paul und am Tage seiner Ordination ein Meßgewand von anderer (als weißer) Farbe (alius coloris) gebrauche, womit wahrscheinlich rothe Farbe gemeint ist. Daß schon frühe im Mittelalter außer weißen, rothen und schwarzen Paramenten auch andersfarbige, z. B. grüne, violette und braune, in Gebrauch waren, läßt sich aus alten Mosaiken, aus colorirten Abbildungen von Bischöfen in alten liturgischen Büchern, z. B. im Pontificale des Eichstätter Bischofs Gundecar (gest. 1075), und aus einzelnen Notizen mittelalterlicher Schriftsteller (bei Georgi, De liturgia roman. Pontif. I, 389 bis 427) mit voller Sicherheit erschließen; weil bindende Vorschriften bezüglich der liturgischen Farben nicht bestanden, hatte eben der Usus nach Verschiedenheit der Kirchen und Kirchenprovinzen ziemlich freien Spielraum. Erst durch das Missale Pius’ V. (Rubr. general. c. 18) wurden jene fünf liturgischen Farben, deren man sich in Rom nachweislich schon zur Zeit Innocenz’ III. bedient hatte, ausdrücklich und stricte für alle Kirchen vorgeschrieben, welche römischen Ritus haben. Bis zur Einführung des letztern herrschte große Verschiedenheit, und man hatte z. B. im Bisthum Eichstätt am Charfreitag, am Ostersonntag und an Allerheiligen rothe, am Charsamstag, deßgleichen an den Festen der Bekenner (vgl. Ps. 91, 13) grüne Paramente. Den nachmals zum Gesetz erhobenen mittelalterlichen Usus der römischen Kirche beschreibt Innocenz III. sehr genau in seiner Schrift De sacro altaris mysterio 1, 65, aus welcher ersichtlich wird, daß man damals in Rom sich der weißen, rothen und grünen Farbe schon an denselben Tagen und bei denselben Anlässen bediente, wie noch jetzt; die violette Farbe dagegen war in Rom nur am Feste der unschuldigen Kinder und an Lätare in Gebrauch, kam aber daselbst noch vor Ablauf des 13. Jahrhunderts auch für den Advent, für die Quadragesima, sowie für andere Bußtage, für Buß- und Bittprocessionen statt der bis dahin gebrauchten schwarzen Farbe in Aufnahme (vgl. Durand., Rational. 3, c. 18, n. 9; Ordo Roman. XIV, 49-53). Nach ambrosianischem Ritus können noch jetzt im Advent und in der Quadragesima schwarze Paramente statt violetter gebraucht werden, und in der Charwoche, am Frohnleichnamsfest, an den Sonntagen und Ferien nach Pfingsten bedient man sich rother, an den Festen der Bekenner (non Pontif.) grüner Paramente, während die Griechen in der Regel nur weiße und rothe Paramente, letztere in der Fastenzeit und bei Trauergottesdiensten gebrauchen (Goar, Eucholog. ed. Venet. 97). Für die römische Liturgie ist durch die Rituscongregation ausdrücklich erklärt, daß jedes Parament eine bestimmte vorherrschende Farbe haben müsse und ausschließlich nur für diese gebraucht werden dürfe; Paramente aus Goldstoff (nicht aber solche aus gelbem Seidenstoff, die ganz verboten sind) können jedoch für mehrere Farben, nämlich für weiß, roth und grün gebraucht werden. Wenn an einem Parament außer der Grundfarbe und in Unterordnung unter sie auch noch andere Farben zur Verwendung kommen, dann hat man im Interesse der Schönheit darauf zu sehen, daß dieselben zur Grundfarbe complementär seien.

Die Symbolik unserer liturgischen Farben ist sehr einfach und naheliegend. Weiß als Farbe des ungebrochenen Lichtes (Matth. 17, 2; λευκὰ ὡς τὸ φῶς) ist wie das physische Licht selber ein Sinnbild Gottes (Ps. 103, 2. Jac. 1, 17) und des fleischgewordenen Gottessohnes (Joh. 1, 4. Hebr. 1, 3), welcher sich selbst als das Licht der Welt bezeichnet hat (Joh. 8, 12); passend kommt daher am Feste der Trinität und an allen Festen des Herrn, welche nicht auf sein Leiden (Blutvergießen) sich beziehen, die weiße Farbe in Anwendung. Gott, das absolute Licht, ist in Christo zum Lebenslicht der Menschen geworden (Joh. 1, 4), das mittels der Taufe (φωτισμός) in sie eingeht, die Finsterniß der Sünde und des Todes aus ihnen verscheucht, sie erleuchtet und erwärmt so daß sie hienieden ein makelloses, reines Leben, ein Lichtleben in Christo (Eph. 5, 8 ff.) zu führen und das Verklärungsleben im Himmel zu erlangen im Stande sind. Den Himmel schildert die heilige Schrift als Stätte des strahlenden Gotteslichtes (Offenb. 21, 11. 23. 24), an welcher zum Zeichen makelloser Reinheit (3, 4 f.) und vollkommener Heiligkeit (Offenb. 19, 8) nicht bloß die Engel (15, 6) und Ältesten (4, 4), sondern alle Seligen (7, 9), selbst die Martyrer (6, 11) in weißen Gewändern erscheinen, und an der auch sonst die weiße Farbe als die charakteristische erscheint (weiße Pferde 6, 2; 19, 11; weiße Wolken 14, 14; weißer Thron 20, 11; weißer Schmuckstein 2, 17). Als Sinnbild der makellosen Reinheit und himmlischen Verklärung erscheint daher die weiße Farbe an allen Festen der Engel und der unbefleckten Gottesmutter, sodann an den Festen der heiligen Bekenner, Jungfrauen und Wittwen, deßgleichen beim Taufacte (von der Glaubensbefragung an), durch welchen die übernatürliche Heiligkeit, das Lichtleben aus Christo der Seele eingesenkt wird. Wie das physische Licht etwas Majestätisches (Bar. 5, 9), Herzerfreuendes (Eccl. 11, 7) an sich hat, so auch die weiße Farbe als Lichtfarbe, welche daher schon bei Gregor von Nyssa (Migne, PP. gr. XLV, 644) als Farbe hoher Festfreude erscheint, wie sie auch in der römischen Liturgie die Farbe kirchlicher Solemnität ist, in solemnitate Corporis Christi, bei der theophorischen Procession zu Schwerkranken, bei der Kirchweihe und am Kirchweihfeste, bei den meisten feierlichen Benedictionen, bei der Hochzeitmesse als der solemnisatio matrimonii u. s. w. – Roth (Coccus, Farbe des Blutes und Feuers) war im A. T. Symbol der durch Blutvergießen und Opferfeuer zu sühnenden Sünde und Schuld (Num. 19, 1 ff. Is. 1, 18. Nah. 2, 3; vgl. Offenb. 17, 3); seitdem aber der fleischgewordene Gottessohn aus Liebe zu uns behufs Sühnung unserer Sünden sein Blut vergossen und seinen Geist in Gestalt feuriger Zungen gesendet hat, ist die rothe Farbe erstlich passendes Symbol der blutvergießenden Liebe des Sohnes, weßhalb sie an den Kreuzfesten und allen Festen, die auf Jesu Leiden und Blutvergießen sich beziehen, gebraucht wird, und ist sodann auch Sinnbild jener feurigen Gottesliebe, welche der am Pfingstfeste gesendete heilige Geist (Pfingsten und die Votivmesse vom heiligen Geiste haben rothe Farbe) in die Herzen der Gläubigen ausgießt (Röm. 5, 5), und welche die Martyrer gestärkt hat, für Christus ihr Blut zu vergießen und dadurch ihrem Haupte in ganz besonderer Weise ähnlich zu werden, so daß sie allein von allen Heiligen die rothe Farbe als Festfarbe haben. – Das liebliche Grün bezeichnet schon Innocenz III. als color medius inter albedinem et nigredinem et ruborem und eben als solch mittlere Farbe ist das Grün für solche Tage passend, welche weder eigentlichen Festcharacter, noch den Charakter der Trauer oder Buße haben, somit für alle Sonntage und Ferien (si off. fit de ea), welche nicht in eine Festoctave, nicht in eine Bußzeit (Advent, Septuagesima bis Ostern, Vigilien, Quatember) und nicht in die österliche frohe Festzeit fallen. Grün ist auch Symbol der Hoffnung; erweckt ja der Anblick des grünenden Saatfeldes im Landmann die freudige Hoffnung auf reichliche Ernte (Chrysostomus’ Rede von der Auferstehung der Todten n. 5), und ist überhaupt die Hoffnung für das Menschenherz so wohlthuend und erquickend, wie für das Sinnenauge der Anblick grünender Fluten (Eccli. 40, 22; Plin. Hist. nat. 37, 5). Der Christen Hoffnung ruht auf der Auferstehung des Herrn (1 Cor. 15), die zur Lenzeszeit im grünenden Garten erfolgt ist, und auf der mystischen Auferstehung der Gläubigen mit Christo in der Taufe (Röm. 6, 4 f.); dieser doppelten Auferstehung nun gedenkt die Kirche am Sonntag, weßhalb für ihn, sofern er nicht ein anderweitiges specifisches Gepräge erhält (wie in den Bußzeiten, in der österlichen Zeit und in den Festoctaven), die grüne Farbe sehr passend ist. Diese kommt dann füglich auch an den zugehörigen Ferien (feria 2, 3 etc.), die nur Recapitulationen des Sonntages (feria prima) sind, in Anwendung. – Schwarz ist der völlige Mangel des Lichtes, ist die Farbe der Finsterniß. Da in den heiligen Schriften das Unglück sehr oft als Finsterniß bezeichnet wird (z. B. Ps. 111, 4. Is. 60, 2. Job 19, 8), so lag es schon im christlichen Alterthum nahe, daß man im Hinblick auf Zach. 6 2 ff. Offenb. 6, 5 die schwarze Farbe als Symbol des Unglücks betrachtete und daher (wie z. B. der Patriarch Acacius von Constantinopel im J. 475) in drangvoller Zeit schwarze Paramente trug, Altar und bischöflichen Stuhl schwarz verhüllte, und noch bis tief in’s Mittelalter herein bediente man sich bei Bußprocessionen zur Abwendung von Unglücksfällen und zur Sündensühne schwarzer Paramente. Unzähligemal bezeichnen sodann die heiligen Schriften des A. und N. T. auch den moralischen Tod als Finsterniß, als Nacht, reden von Werken der Finsterniß und bezeichnen die unsittlichste aller Creaturen als Fürsten der Finsterniß, welchen wir uns nicht anders als schwarz denken können. Als Symbol des sittlichen Todes oder der Sündenfinsterniß gebrauchte man ehedem in den Bußzeiten, an Bußtagen und wo immer es sich darum handelte, durch Buße und Entsagung vom sittlichen Tode wieder zum Leben durchzudringen, schwarze Paramente. Da übrigens auch die schwersten Sünden den Menschen hienieden nicht absolut lichtlos (finster), für das göttliche Gnadenlicht nicht schlechthin unempfänglich machen, und da ferner nicht bloß die Sünder, in welchen das Licht der heiligmachenden Gnade erloschen ist (Todsünder), sondern auch die, in welchen es durch läßliche Sünden nur geschwächt und getrübt wurde, Buße thun müssen, so erscheint es als wohl motivirt, daß man im Laufe des Mittelalters als Farbe der Buße an Stelle der schwarzen die violette (nicht hellblaue) einführte, welche zwar dunkel, aber nicht völlig lichtlos ist. Ihrer bedient sich dermalen die römische Kirche in allen Bußzeiten (Advent, Septuagesima bis zum Hochamte des Charsamstages, Vigilien, Quatember, Rogationstage), bei allen Processionen, welche Buß- oder Bittprocessionen sind, bei allen Votivmessen, deren Anlaß Buße oder flehentliche Bitte ist, in der Taufliturgie (bis zur Ölsalbung inclusive), soweit sie dem alten Katechumenate als büßender Vorbereitung auf die Taufe entspricht, bei Spendung des Bußsacramentes, beim feierlichen Exorcismus und bei solchen Segnungen welche in erster Reihe auf Brechung dämonischer Einflüsse abzielen (bened. aquae lustralis). Auch am Feste der unschuldigen Kinder braucht die Kirche die blaue Farbe zum Zeichen, daß dieselben noch der Öconomie der Sünde und des Todes angehört haben und daher nicht schon bei ihrem Tode die Glorie der Martyrer erlangen konnten; da diese ihnen aber nachmals in Folge der Auferstehung des Herrn zu Theil wurde, so wird, wenn das Fest auf den Sonntag (Auferstehungstag) fällt, und immer am Octavtage die rothe Farbe gebraucht. Da Züchtigung, strenges Fasten u. s. w. den Körper bläulich machen, hat man auch daraus unter Hinweis auf 1 Petr. 2, 24 (livore ejus – Bläue des zermarterten Leibes Christi) die blaue Farbe als Bußfarbe zu erklären gesucht. Schwarz gebraucht die Kirche nur noch am Charfreitag und beim liturgischen Todtendienst (Begräbniß, Todtenofficium, Todtenmesse), wo es Sinnbild ist vom Eingehen in die Finsterniß und Nacht des leiblichen Todes, vom Erlöschen des physischen Lebenslichtes.

Zur Literatur vgl. außer Georgi’s schon erwähntem Werke Hefele, Beiträge zur K.-G., Arch. u. Liturgik II, 156 ff. 249 ff.; Gihr, Das heilige Meßopfer § 30; Legg., Notes on the history of liturgical colours, Lond. 1882; Mothes, Archäol. Wörterbuch s. v. Farben, wo ersichtlich wird, daß im Mittelalter auch die kirchliche Malerei sich möglichst an die liturgischen Farben hielt.

[Thalhofer.]


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