Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Fasten-Verordnungen, -Mandate, -Patente heißen die bischöflichen Erlasse, welche vor Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit den Gläubigen der Diöcese durch öffentliches Ablesen von der Kanzel, vielfach durch Anheften in der oder an der Kirche, die durch die allgemeinen, eventuell durch die besonderen Gesetze der Diöcese vorgeschriebenen Fast- und Abstinenztage in Erinnerung bringen und die Milderungen verkünden, welche durch Gewohnheitsrecht eingeführt sind oder von dem Bischof auf Grund päpstlicher Bevollmächtigung, sei es durch die Quinquennalfacultäten, sei es durch besondere Indulte, mit Rücksicht auf die zeitlichen und örtlichen Verhältnisse verfügt werden. Es ist charakteristisch für den Geist engherziger Bevormundung der Kirche durch die Staatsgewalt, daß bis in die neuere Zeit in Deutschland für diese bischöflichen Erlasse, welche doch wesentlich nur Milderungen des kirchlichen Fastengebotes verkünden, eine vorherige staatliche Genehmigung verlangt wurde, welche z. B. in Bayern den Exemplaren, welche in den Kirchen angeheftet wurden, ausdrücklich aufgedruckt war. In den letzten Jahrzehnten ist dieser Eingriff in das innere Gebiet der Kirche und des Gewissens allseitig aufgegeben worden: nur in Bayern, wo schon 1806 durch das Allerhöchste Rescript vom 11. Juli die frühere staatliche Verordnung, wodurch den Wirthen und Kostgebern die Bewirthung mit Fleischspeisen an den Fasttagen verboten war, aufgehoben wurde, hat man bis jetzt im Princip die Nothwendigkeit der Staatsgenehmigung aufrecht erhalten und sich begnügt, durch königliche Entschließung vom 30. März 1852, mitgetheilt durch Ministerialerlaß vom 8. April 1852, dieses Placet für die Fastenmandate bis auf Weiteres im Voraus zu ertheilen. In der Regel wird die Fastenverordnung von einem Hirtenbriefe (s. d. Art.) begleitet.

[Heuser.]


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