Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Firmung (confirmatio, sacramentum chrismatis, σφραγίς), ein Sacrament der christlichen Kirche. Die Sacramente bilden ein organisches Ganze, und ihre Bestimmung besteht darin, das gesammte Leben der Menschen zu weihen und zu heiligen, den alten Adam im Geschlechte zu ertödten und den neuen nach Gott geschaffenen Menschen immer mehr herauszubilden, überhaupt das Erlösungs- und Heiligungsbedürfniß des gefallenen Geschlechts nach allen Seiten hin, für alle Lagen, Verhältnisse und Zustände zu befriedigen. Die Reihe dieser Sacramente eröffnet die Taufe als Vorbedingung aller übrigen; sie befreit und reinigt den Menschen von allen Sünden und versetzt ihn gleich einer Pflanze aus dem Boden der Welt in das Reich der Gnade, pflanzt in ihm den Keim des neuen himmlischen Lebens und sichert ihm alle jene Gnaden zu, welche ihm zur selbstthätigen Entfaltung desselben im Fortgange des Lebens nothwendig sind. Mit der Taufe steht in nächster Verbindung die Firmung, welche in der Reihe der Sacramente das zweite ist. In ihr wird nämlich zur Vollendung gebracht, was in der Taufe angefangen worden. Denn die Firmung ist das Sacrament, in welchem dem Getauften der heilige Geist mitgetheilt wird, welcher ihn in dem in der Taufe angenommenen christlichen Glauben befestigt und ihm den Muth verleiht, denselben vor der Welt freudig zu bekennen, gegen alle Gefahren standhaft zu vertheidigen und für ihn Alles zu dulden. In Bezug auf diese besondere Gnade wird sie daher confirmatio, d. i. Befestigung, auch consummatio und perfectio, d. i. Vollendung, genannt, wodurch eben sowohl ihre nahe Beziehung zur Taufe als auch ihre wesentliche Verschiedenheit von derselben angedeutet wird. Obgleich sie daher jedem, der getauft ist, ertheilt werden kann, so ist es ihrem speciellen Zweck doch angemessen, zum Empfang einen Zeitpunkt im Leben des Menschen, welcher die Bekanntschaft mit den Wahrheiten der christlichen Religion voraussetzt, oder doch den Gebrauch der Vernunft abzuwarten, weil eigentlich erst von dieser Zeit an von einem Kampfe gegen die Gefahren des Glaubens die Rede sein kann. Deßhalb besteht auch in der abendländischen Kirche die Gewohnheit, bei Kindern damit bis nach dem Empfange der heiligen Communion (s. d. Art. Erstcommunion) zu warten, jedenfalls sie nicht leicht vor dem siebenten Lebensjahre zu ertheilen (Catech. Rom. p. 2, c. 3, § 17). Die Firmung ist zwar zur Seligkeit nicht unumgänglich nothwendig, und auch darin unterscheidet sie sich von der Taufe, aber sie ist für jeden, der sich ihrer theilhaftig machen kann, von unschätzbarem Nutzen, weil sie ihm die Kraft verleiht, den seligmachenden Glauben zu bewahren und das christliche Leben zu bethätigen. Denn wenn auch das Bekenntniß desselben jetzt nicht mehr so vielfach mit grausamen Qualen und Lebensgefahren bedroht ist, wie in den ersten Zeiten des Christenthums, so haben dieselben doch noch keineswegs überall aufgehört. Überdieß bleiben die inneren Versuchungen und die Reizungen der Welt bestehen, und der Feind des christlichen Namens bedient sich jetzt meistens anderer äußerer Mittel, die in ihren Wirkungen für Viele ebenso gefahrvoll sind, als die früheren Androhungen von Martern und Todesstrafen, nämlich der Reden und Schrften irreligiöser und unsittlicher Menschen, welche die christlichen Wahrheiten angreifen, lächerlich und verächtlich zu machen und so den Herzen besonders der jungen Christen zu entreißen suchen. Es ist daher eine höhere Kräftigung, wie sie das heilige Sacrament der Firmung verleiht, für sie höchst nöthig, wenn sie solchen Gefahren siegreichen Widerstand leisten sollen. Demnach kann niemand, ohne sich schwer zu versündigen, in sorgloser Weise verabsäumen, sich der ihm von Gott in diesem Sacrament dargebotenen Gnade höheren Beistandes, sobald es ihm möglich ist, theilhaftig zu machen. Deßhalb hat auch die katholische Kirche von Anfang an fest an diesem Sacrament gehalten; es erscheint ihr als die Weihe des »auserwählten Geschlechtes, der königlichen Priesterschaft, des heiligen Volkes, in welchem Alle die Vollkommenheiten Dessen verkündigen, der sie aus der Finsterniß berufen hat, zu seinem wundervollen Lichte« (1 Petr. 2, 9 f.), als Salbung des Gläubigen zum Kämpfer Christi, als höhere Kräftigung zum mannhaften Bekenntnisse des Glaubens.

Die Einsetzung dieses Sacramentes durch Christus geht sowohl aus der heiligen Schrift als aus der Tradition hervor. Christus verspricht, denen, welche an ihn glauben würden, den heiligen Geist zu senden (Joh. 7, 37–39); und in den Unterredungen, welche er kurz vor seinem Leiden mit seinen Aposteln pflog, ertheilte er ihnen wiederholt die tröstliche Verheißung, daß er den heiligen Geist ihnen senden werde, um sie zu stärken und zu kräftigen in den bevorstehenden Kämpfen, um ihnen das tiefere Verständniß seiner Heilswahrheit zu eröffnen und ihnen den Muth zu verleihen, daß sie seinen Namen überall freudig bekennen (Joh. 15, 26; 16, 13). Diese Verheißung des Erlösers erfüllte sich beim Pfingstfeste an den Aposteln und zugleich, wie schon der Prophet Joel (2, 28) vorher verkündigt hatte, an den sämmtlichen Gläubigen. Bloß die Weise der Erfüllung war eine verschiedene. Während nämlich die Apostel die Kraft und Gnade des heiligen Geistes auf eine außerordentliche wunderbare Weise unter der Gestalt feuriger Zungen überkamen, wurde sie den übrigen Gläubigen durch die Händeauflegung der Apostel zugeeignet. Dieser Händeauflegung als eines bedeutsamen Zeichens hatte sich schon der Erlöser bedient, als er die Kinder segnete, und die Apostel behielten diesen Ritus nicht bloß bei, sondern sie machten von ihm auch als einer wahrhaft heiligen, sacramentalen Handlung Anwendung; sie legten überall den Gläubigen und schon Getauften die Hände auf, damit sie den heiligen Geist empfingen zur Stärkung ihres geistlichen Lebens, zur Befestigung ihres Glaubens und ihrer Hoffnung. Dieser apostolischen Gewohnheit, den Getauften durch Gebet und Händeauflegung den heiligen Geist mitzutheilen, geschieht in der Apostelgeschichte ausdrückliche Erwähnung, indem sie (8, 14–17) berichtet, daß die Apostel Petrus und Johannes nach Samaria gesandt wurden, um den durch den Diacon Philippus Getauften den heiligen Geist zu ihrer geistigen Vollendung mitzutheilen, und ebenso zeugt dafür das Benehmen des Apostels Paulus, welches die Apostelgeschichte (19, 1–6) erzählt. Der Apostel fragt an dieser Stelle die Jünger, welche er zu Ephesus traf, ob sie auch, da sie gläubig geworden, den heiligen Geist empfangen hätten, und als er vernimmt, daß sie bloß die Johannestaufe erhalten hätten, läßt er sie zuvor im Namen Jesu taufen und legt ihnen alsdann selbst die Hände auf, worauf sie, wie es dort heißt, den heiligen Geist empfingen. Auf dieselbe apostolische Praxis bezieht sich auch die Stelle im Hebräerbrief 6, 1–4, wo der Apostel zu den Anfangsgründen und Grundelementen der christlichen Lehre auch den Unterricht von der Mittheilung des heiligen Geistes durch apostolische Händeauflegung rechnet. Gleicher Weise sind endlich auch jene neutestamentlichen Stellen von dem Sacramente der Firmung zu deuten, worin von einer Befestigung und Salbung in Christo, von einer Besiegelung mit dem heiligen Geiste, von einer Erneuerung durch denselben Geist die Rede ist (2 Cor. 1, 21. 22. Eph. 1, 13. Tit. 3, 5 f.). Die Apostel betrachteten und vollzogen demnach die Händeauflegung als eine wahrhaft heilige Handlung, an welche höhere Gnadenwirkungen geknüpft waren; sofern daher nur der Erlöser Gnaden verheißen und spenden und die Spendung an äußere Zeichen anknüpfen kann, insofern kann die Anordnung der Händeauflegung durch Christus und somit der wahrhaft sacramentale Charakter derselben gar nicht in Abrede gestellt werden. Wenn nun auch nicht genau bestimmt werden kann, zu welcher Zeit oder bei welcher Gelegenheit Christus dieses Sacrament förmlich eingesetzt hat: ob etwa, wie Einige meinen, zugleich mit der Einsetzung des heiligen Abendmahls, oder, wie Andere dafür halten, in dem Zwischenraum zwischen seiner Auferstehung und Himmelfahrt, wo er seine Apostel schließlich über die Geheimnisse seines Reiches belehrte (Apg. 1, 2–4), so ist doch gewiß, daß er es eingesetzt hat; denn hierauf führen nicht bloß die oben angeführten Verheißungen Christi, sondern es geht auch thatsächlich daraus hervor, daß die Apostel dieses Sacreament in einer eigenthümlichen Form den Getauften spendeten, was sie, wie schon gesagt, ohne Auftrag Christi nicht gethan haben würden, und aus den Wirkungen der damit verbundenen göttlichen Gnade, welche niemand verheißen und gewähren konnte, als Christus. Damit stimmt auch die Tradition überein. Schon die apostolischen Väter deuten unverkennbar auf dieses Sacrament hin, wenn sie von einer Mittheilung des heiligen Geistes an die Getauften zur Kräftigung ihres geistigen Lebens reden (Clem. Rom. Epist. 1 ad Cor. 42; Herm. Past. Mand. 5); die unmittelbar nachfolgenden Väter aber sprechen sich über den sacramentalen Charakter der Firmung, sowie über ihren Unterschied von der Taufe schon ganz entschieden aus; sie stellen die Taufe, die Händeauflegung und die Eucharistie als besondere Sacramente neben einander (Tertull. De bapt. 7; De resurrect. carnis 8; De praescript. 40), und nennen die Firmung das Sacrament der Salbung, welches dem schon Getauften zu ertheilen sei. Bei den Verhandlungen über die Gültigkeit der Ketzertaufe sind beide Parteien einstimmig darin, daß die Häretiker jeden Falles die Firmung nicht gültig spenden könnten (Cypr. Epp. 70–76; Cornel. Ep. ad Fab. bei Eus. 6, 43). Auch die Particularsynoden von Elvira (305) und von Laodicea (364) sind in Betreff des sacreamentalen Charakters der Firmung ganz entschieden und ertheilen über die Weise ihrer Spendung besondere Vorschriften; die letztere Synode z. B. erhebt die kirchliche Sitte, mit dem Taufacte unmittelbar die Ertheilung der Firmung zu verbinden, zu einer gesetzlichen Vorschrift (can. 48). Bei den späteren Kirchenvätern, Ambrosius, Augustinus u. s. w., findet die Idee der Firmung nach allen ihren einzelnen Momenten hin ihre bestimmte dogmatische Aussprache, und ebenso wird ihre Realität von den verschiedenen häretischen und schismatischen Parteien der orientalischen Kirche anerkannt. Wenn die ältesten Kirchenväter der Firmung als eines besondern Sacramentes seltener Erwähnung thun, so hat dieses seinen Grund einfach darin, daß in der alten Kirche, wo vorzugsweise nur Erwachsene getauft wurden, die Firmung sofort mit der Taufe verbunden wurde; selbstredend kann hieraus ebenso wenig auf eine Identität der Taufe und Firmung geschlossen werden, als die altkirchliche Gewohnheit, den getauften Kindern sofort die heilige Eucharistie zu reichen, zu einem Schlusse auf eine Identität der Taufe und Eucharistie berechtigt.

Die Protestanten verwerfen das Sacrament der Firmung, indem sie die Einsetzung desselben durch Christus läugnen, und haben dafür eine Cerimonie eingeführt, welche sie Confirmation nennen, und worunter sie eine feierliche Erneuerung des Taufgelübdes im Angesichte der versammelten Gemeinde verstehen, oder einen Act, wodurch die Getauften, nachdem sie vorher von ihrem Glauben Rechenschaft abgelegt haben, als selbständige Glieder der Gemeinde anerkannt und feierlich in dieselbe aufgenommen werden, also eine leere Cerimonie ohne Gnadenwirkung (vgl. d. Art. Confirmation). Allein die Abläugnung der göttlichen Einsetzung dieses Sacramentes steht in entschiedenem Widerspruche mit den oben angeführten Stellen des N. T. und ist einer weitern Widerlegung gar nicht werth, da sich zumal Thatsachen, wie die von den Aposteln selbst geschehene Spendung der Firmung, durch Abläugnen nicht ungeschehen machen lassen. Dagegen ist die von den Protestanten eingeführte Cerimonie, welche die Stelle der Firmung vertreten soll, im N. T. durchaus nicht angeordnet, sondern eine rein menschliche Einrichtung, eine bloße Schulangelegenheit, und in kirchlicher Beziehung überflüssig, da die Confirmanden schon durch die Taufe förmlich und feierlich in die Kirchengemeinschaft aufgenommen worden sind und daher vor der Confirmation nicht weniger Glieder dieser Gemeinschaft sind, als nach derselben. Daher hat auch die Synode von Trient mit Recht die Lehre der Reformatoren von der Firmung verworfen und dagegen die Sacramentseigenschaft derselben festgehalten (vgl. Sess. VII, De confirm. can. 1–3).

Was nun die Wirkungen dieses Sacramentes betrifft, so verleiht dasselbe 1. eine Vermehrung der in der Taufe empfangenen heiligmachenden Gnade; 2. die besondere Gnade, die christliche Lehre fest zu glauben, standhaft zu bekennen und im Leben darzustellen (Joh. 15, 27. Luc. 24, 48. Apg. 1, 4. 8; 2, 2; 5, 41–42); 3. einen unauslöschlichen Charakter, welcher dem Empfänger eingeprägt wird (Hebr. 6, 4. 6; Conc. Trid. Sess. VII, De Sacr. can. 9). Die Firmung besiegelt und befestigt also und bringt zur Vollendung, was in der Taufe grundgelegt ist. Sie macht den Getauften durch Mittheilung des heiligen Geistes allseitig tüchtig zur Lösung seiner sittlichen Aufgabe und verleiht ihm insbesondere die höhere Weisheit, Kraft und Stärke, auf daß er der Welt und ihren Versuchungen gegenüber seine Taufunschuld, seinen Glauben und seine Hoffnung sich schütze, daß er allmälig heranwachse zu einem Manne im Vollalter Christi und den Kampf des Kreuzes gegen die Welt freudig zu dem seinigen mache. Der unauslöschliche Charakter aber ist das Wahrzeichen eines Streiters Christi, wodurch er für immer kennbar wird als ein Solcher, der zur Fahne Christi geschworen und die ihm dargebotene Waffenrüstung Christi angenommen hat. Dieser Beruf ist ein ganz allgemeiner und für immer übernommener; die übernatürliche Einweihung zu demselben, die in der Firmung geschieht, ist daher wesentlich eine permanente, d. h. sie drückt der Seele ein unvertilgbares Zeichen auf und darf deßhalb nicht wiederholt werden. Es verhält sich in dieser Beziehung mit der Firmung ganz so wie mit der Taufe und Priesterweihe; sowie der Mensch nur Einmal wiedergeboren und ein Kind Gottes werden kann, und wie er nur Einmal den Charakter eines geistigen Vaters empfangen kann, so wird er auch nur einmal zu einem christlichen Manne, zu einem Streiter Christi eingeweiht. – Wenn in Betreff der Wirkungen des Sacraments der Firmung bezw. der Händeauflegung der Apostel, die Protestanten behaupten, dieselben hätten bloß in gewissen wundervollen Gaben (Charismen, s. d. Art.) bestanden, wie in der Gabe, Wunder zu wirken, zu weissagen, in fremden Sprachen zu reden etc., und dieselben wären bei der Entstehung des Christenthums nothwendig gewesen, um dasselbe bei den Juden und Heiden als göttliche Institution zu bewähren, hätten nach der Apostelzeit aufgehört, und daher habe mit dem Aufhören dieser Charismen auch die Händeauflegung alle Bedeutung verloren, so liegt darin ein großer Irrthum. Jene Charismen waren außerordentliche Wirkungen, welche den Getauften durch den heiligen Geist bei der Händeauflegung der Apostel neben oder zugleich mit den ordentlichen Wirkungen des Sacramentes verliehen wurden. Denn jene wurden nach der evangelischen Geschichte nicht allen, denen die Hände aufgelegt wurden, ertheilt, sondern verhältnißmäßig nur Wenigen, diese aber Allen; jene hatten nur einen äußern Zweck, nämlich Andere von der Göttlichkeit des Christenthums zu überzeugen, diese aber einen innern, nämlich den Empfänger selbst in seinem bereits angenommenen christlichen Glauben zu befestigen; jene waren vorübergehend, d. h. nur in einzelnen Fällen oder Zeitmomenten sich zeigend, diese aber bleibend. Beide sind also wesentlich von einander verschieden, wie es auch der Apostel Paulus (1 Cor. 12 u. 13. 2 Cor. 1, 22) ausspricht. Sie können mit einander verbunden werden, wenn es Gott gefällt, durch jene außerordentlichen Gaben an einzelne Individuen, jene äußeren Zwecke zu erreichen, und haben deßhalb auch, wenngleich sie bei der Entstehung des Christenthums häufiger waren, in der Kirche keineswegs ganz aufgehört; aber nothwendig mit einander verbunden sind sie nicht, während die ordentlichen Gaben des heiligen Geistes, welche mit der Firmung wesentlich verbunden sind, stets vorhanden und bei jedem Individuum wirksam sind, wenn anders es selbst deren Wirksamkeit kein Hinderniß in den Weg legt (Conc. Trid. Sess. VII, De sacr. can. 6; Catech. Rom. p. 2, c. 3, § 18).

Die Art und Weise der Spendung dieses Sacramentes ist folgende. Der Bischof breitet über sämmtliche Firmlinge die Hände aus und fleht auf sie die Gnade des heiligen Geistes herab; alsdann salbt er jeden Einzelnen unter specieller Handauflegung mit dem Chrisam, und zwar an der Stirn, dem Sitze der Scham, und unter Hinzufügung eines leisen Backenstreiches, dadurch andeutend, daß der Firmling sich des christlichen Bekenntnisses nicht schämen und allen Mißhandlungen um Christi willen sich freudig unterziehen solle. – Über die Materie der Firmung sind nicht alle Theologen gleicher Meinung. Einige, z. B. Morinus, betrachten als solche ausschließlich die Handauflegung des Bischofs, und zwar bald die der Salbung mit dem Chrisam vorhergehende allgemeine, bald die in der Salbung der Stirn einschließlich mitgegebene specielle Handauflegung. Andere sind der Ansicht, daß die Materie dieses Sacraments in dem Chrisam, in dem mit Balsam vermischten, vom Bischofe geweihten Öle, näher in der Salbung der Stirn des Firmlings mit dem Chrisam bestehe. Die Meisten aber verbinden beides mit einander und erklären demnach die Salbung und die darin einschließlich mitvollzogene Handauflegung als die Materie der Firmung. Diese letzter Ansicht möchte wohl auch die meisten Gründe für sich haben. In den heiligen Schriften geschieht der Handauflegung ausdrückliche Erwähnung, und sie ist daher wohl als ein ganz wesentliches Moment des Firmungsritus anzusehen. Aber auch der Salbung mit Chrisam (s. d. Art. Öle, heilige) für diesen Fall geschieht in den heiligen Schriften Erwähnung (1 Joh. 2, 27. 2 Cor. 1, 21. 22), und ihre Anwendung dabei ist in der Kirche uralt; mehrere Väter behaupten mit Rücksicht auf die genannten Stellen entschieden ihren apostolischen Ursprung. Die Väter legen überhaupt auf diese Salbung das größte Gewicht und sprechen die Überzeugung aus, daß das Chrisam vermöge der Wirksamkeit des heiligen Geistes zum Träger und Vermittler höherer Kräfte werde (Cyrill. Hieros. Cat. myst. 3, 3; Cyrill. Alex. In Is. l. 3, tom. 1, 353; Aug. In I ep. Joan. tract. 3, n. 5). Auch die Synode von Trient gibt zu verstehen, daß die Salbung mit Chrisam wesentlich zu diesem Sacrament gehöre (Sess. VII, De confirm. c. 2). In dem Decretum Eugenii IV. pro Arm. wird einfach das Chrisam als Materie der Firmung erklärt, wohl, weil die Handauflegung als damit verbunden und daher als mit inbegriffen sich von selbst verstehe. Die Salbung mit Chrisam gehört also jedenfalls zur Materie der Firmung. – Die Form dieses Sacramentes anlangend, so besteht dieselbe im Allgemeinen in den Gebeten, welche theils der Händeauflegung und Salbung vorhergehen, theils dieselbe begleiten, denn in der Apostelgeschichte (8, 15) heißt es von den Aposteln Petrus und Johannes: »Als sie gekommen waren, beteten sie für sie (die Getauften), daß sie den heiligen Geist empfingen; dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den heiligen Geist.« Insbesondere aber sind es die Worte Signo te signo crucis, et confirmo te chrismate salutis, in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti, welche bei der Salbung unter der speciellen Handauflegung gesprochen werden. Das Gebet selbst, welches die Apostel hierbei verrichteten, ist zwar im N. T. nicht angegeben, aber es muß angenommen werden, daß es dem Gegenstand angemessen war; es kommt daher der Kirche zu, ein Gebet von gleicher Beschaffenheit dafür aufzustellen und zu verrichten. Das Gebet der katholischen Kirche ist aber dem Wesen und der Bedeutung der Firmung vollkommen angemessen und daher die passende Form dafür; sein Gebrauch ist sehr alt, da sich schon im 8. Jahrhundert Beweise dafür vorfinden. In der griechischen Kirche lautet die Form: Σφραγὶς δωρεᾶς Πνεύματος Ἁγίου (Constantinop. I, can. 7), und in anderen orientalischen Kirchen wieder anders.

Schließlich ist noch Einiges über den Ausspender und Empfänger dieses Sacramentes zu bemerken. Nach dem Zeugnisse der Apostelgeschichte (Kap. 8) verrichteten die Apostel ausschließlich die Firmung, und sie übertrugen dieselbe nicht, wie die Taufe, den Diaconen. Von den Aposteln ging dieses Recht auf ihre Nachfolger, die Bischöfe, hinüber und der Bischof ist demnach der ordentliche Ausspender der Firmung. Hierfür zeugen Papst Cornelius (bei Euseb. H. E. 6, 43), Cyprian (Ep. 73), das Concil von Elvira (can. 38. 77), Innocenz I. (Ep. ad Decent. c. 3), Hieronymus (Adv. Lucif. n. 8), Augustin (Trinit. 15, 26, 46) u. A. Das Concil von Trient hat darum die Behauptung, daß jeder einfache Priester die Firmung spenden könne, mit Recht verworfen (Sess. VII, De confirm. can. 3). Diese ausschließliche Spendung der Firmung von Seite des Bischofs entspricht auch vollkommen der Idee der Firmung; sowie die letzte Vollendung eines Gebäudes dem Baumeister selbst vorbehalten zu werden pflegt, so ziemt auch die Vollendung der Taufe, die Besiegelung und Befestigung des Christen denjenigen, welche unter den Dienern Christi beim Bau seines Hauses den höhern und höchsten Rang einnehmen. Wie der Feldherr selbst für den Kriegsdienst aufnimmt und einweiht, so steht auch die Einweihung für das christliche Leben und seine mannigfaltigen Kämpfe ordentlicher Weise nur den Führern im Heere Christi, also nur den Bischöfen zu (Catech. Rom. p. 2, c. 3, § 10. 13). Nach dem klaren Zeugnisse des hl. Hieronymus (Adv. Lucif. n. 8. 9; Ep. ad Evangel. 146, 1) erkannte aber schon die alte Kirche in diesem Vorrechte des Bischofes nicht einen Ausfluß seiner Weihegewalt, sondern seiner höhern Jurisdiction. Wenn daher außerordentlicher Weise ein einfacher Priester das Sacrament der Firmung spenden soll, so kann er es nicht aus eigener, sondern aus delegirter Macht, und zwar muß ihm dieselbe gegenwärtig vom apostolischen Stuhle selbst ertheilt werden, und das Chrisma, dessen er sich bedient, muß von einem Bischof geweiht sein. Diese Vollmacht wird aber nur in wichtigen und sehr dringenden Fällen ertheilt, z. B. wenn Missionarpriester dahin gehen, wo noch keine Bischöfe sind (Decretum Eugenii IV. pro Arm.; Pallavicini, Hist. Conc. Trid. 9, 7; Benedict. de Synod. dioec. 7, 7). In der griechischen Kirche wird zwar allgemein von den einfachen Priestern die Firmung ertheilt, und zwar unmittelbar nach dem Taufact; aber dieses muß dort gleichfalls als Folge einer allgemeinen und ständigen Delegation angesehen werden, da es in den darüber auf dem Concil von Florenz mit den Griechen gepflogenen Unterhandlungen heißt, dieselben hätten sich hierüber dem canonischen Rechte und Gesetze gemäß (canonice et legitime) ausgesprochen. Über die ältere Lehre und Praxis der griechischen Kirche kann kein Zweifel bestehen. Der hl. Chrysostomus nennt (Hom. in Actus 18, 3) die Vornahme der Geistesmittheilung ein ganz besonderes Vorrecht der Apostel (δῶρον ἐξαίρετον); darum hätten auch nur die Vorsteher der Kirche (κορυφαῖοι) und sonst niemand die nämliche Gewalt. Ein Abweichen von der alten Praxis trat wahrscheinlich erst ein, als durch die Einfälle der Barbaren die Bischofssitze verödeten. – Rücksichtlich des Empfängers der Firmung endlich ist zu bemerken, daß, da die Firmung nach ihrer Idee nicht die Wiedergeburt des Menschen, sondern die Stärkung und Belebung des geistigen Lebens im Wiedergeborenen bewirkt, nur der Getaufte zu ihrem Empfange qualificirt und berechtigt ist, wie es auch ausdrücklich in der Apostelgeschichte (8, 14–16; 19, 5. 6) angegeben und von jeher in der katholischen Kirche gelehrt und gehalten worden ist; ferner daß, da die Firmung ein Sacrament der Lebendigen ist, und daher ihr Empfang den Stand der Gnade voraussetzt, der Empfänger, wenn er die Taufunschuld durch eine schwere Sünde verloren hat, sich vorerst durch das Sacrament der Buße zu ihrem würdigen und wirkungskräftigen Empfang vorbereiten muß. (Vgl. Tournely, Tract. de sacramento confirmationis; Bellarmin, De sacr. confirmationis; Welz, Das hl. Sacrament der Firmung, Breslau 1847; Nepefny, Die Firmung, Passau 1869.)

[Berlage.]


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