Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Fluchformular, ungarisches oder auch böhmisches, der Titel einer handgreiflich erdichteten Professio fidei catholicae, deren Ablegung anfänglich in Ungarn den convertirenden Protestanten auferlegt worden sein soll. Seinen Namen hat das in Husarenlatein verfaßte Machwerk namentlich von dem letzten Artikel, worin der Convertit seine protestantischen Eltern verfluchen soll. Nach Art. 17 »verdient die heilige Jungfrau Maria größere Verehrung als Christus selbst, der Sohn Gottes«; und nach Art. 9 soll wiederum jeder Priester größer sein, als die Mutter Gottes. Nach Art. 4 müssen »alle Gebote des Papstes höher geachtet werden, als die des lebendigen Gottes«, und nach Art. 5 ist »der allerheiligste Papst von Allen honore divino und mit größerer Kniebeugung zu ehren, als sie Christus selbst gebührt«. Zuerst in die Welt geschleudert und wahrscheinlich auch erdichtet wurde das Formular durch den calvinischen Prediger Georg Lani aus Ungarn, nachdem derselbe, wegen hochverrätherischer Umtriebe zur Galeere verurtheilt, der Gefangenschaft entronnen war, in seiner 1676 edirten Schrift Narratio historica de captivitate papistica et miraculosa liberatione sua. Seitdem ist die Fälschung von protestantischen Polemikern unzählige Male gedruckt und mit großem Geschrei bald als officielle und öffentliche, bald als vertrauliche und geheime, wenigstens zeitweise und local, namentlich bei den Jesuiten, angewandte Abschwörungsformel an den Pranger gestellt worden. Im J. 1821 entblödete sich selbst die Königsberger Universität nicht, im Osterprogramm den lateinischen Text des »gräßlichen Bekenntnisses« nebst deutscher Übersetzung drucken zu lassen. Der bei dieser Gelegenheit erlassene Protest von Seiten der ungarischen Nationalsynode (1822), dem eine halbofficielle Motivirung durch Abt Jordanszky in der Schrift De haeresi abjuranda quid statuat ecclesia catholica. Adversus paschale programma Regiomontanum auf dem Fuße folgte, hat der hartnäckigen Weiterverbreitung der ebenso dummen wie boshaften Verleumdung keinen Einhalt thun können. Noch Dutzende von Auflagen sind seitdem erschienen, und nicht nur fanatische Pastoren, sondern auch Gelehrte, wie Köllner und Illgen, schämen sich nicht, mehr oder weniger die Ächtheit des Schriftstücks zu behaupten und zu verwerthen. Eine eingehende Kritik und Geschichte des Formulars bietet E. Giefers, Das ungarische Fluchformular, Paderborn 1866.

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