Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Gamaliel (Γαμαλιήλ, גַמְלִיאֵל‎), 1. zur Zeit Moses’ der Stammfürst der Söhne Manasse’s (Num. 1, 10; 2, 20). – 2. Um die Zeit Christi ein angesehener Gesetzlehrer von der pharisäischen Secte, dessen Schüler auch der Apostel Paulus war (Apg. 22, 3), und der im Synedrium zu Jerusalem in Betreff des Christenthums den bekannten Ausspruch that, wenn es Menschenwerk sei, werde es von selbst untergehen, wenn es aber von Gott komme, so werde der hohe Rath nichts dagegen ausrichten (Apg. 5, 38 ff.). Da dieser Gamaliel als Gesetzlehrer beim ganzen Volk in großer Achtung stand (Apg. 5, 34), und die jüdische Geschichte nur einen berühmten Gesetzlehrer dieses Namens aus damaliger Zeit kennt, nämlich den Sohn Simeons und Enkel Hillels, so ist dieser Gamaliel (der Ältere, הזקן) mit jenem ohne allen Zweifel identisch. Er wird im Talmud öfters mit Lob erwähnt und selbst die Herrlichkeit des Gesetzes (כבוד התורה) genannt und erscheint als ein Mann von keineswegs engherzigen Grundsätzen. Gegen abweichende Meinungen und Irrlehren z. B. wollte er keine Gewalt angewendet wissen; nur ein Gebet mit einem Fluche gegen absichtliche Verräther der Religion ließ er in die Synagogengebete einschalten. Daß er zu Ptolemais ein Bad benutzte, worin eine Aphrodite aufgestellt war, und in seinem Siegel ein Bildniß hatte, dient zum Beweis, daß er jedenfalls kein strenger Pharisäer war. Damit stimmt die talmudische Notiz überein, daß von seinen 1000 Schülern 500 das Gesetz und 500 die griechische Weisheit bei ihm erlernt hätten. Er soll der erste gewesen sein, der den Titel Rabban (unser Meister) erhielt, und sein Ansehen war so groß, daß es nur von seiner Bestimmung abhing, wann ein Neumond zu feiern oder das Jahr durch einen Schaltmonat zu verlängern sei (Wagenseil, Sota 991; Jost, Geschichte der Israeliten III, 169 ff.; Creizenach, Dorsche Haddoroth 201). Nach christlichen Sagen hätte Gamaliel sammt Nicodemus sich zum Christenthum bekehrt und wäre eines seligen Todes gestorben (Wagenseil l. c. 992; Calmet, Diction. bibl. s. v.).

[v. Hefele.]


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