Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Generalbeichte heißt eine Beichte, welche mit Wiederholung und etwaiger Vervollständigung früherer Beichten sich über das ganze Leben oder einen beträchtlichen Theil desselben erstreckt. Eine solche Beichte verhilft dem Beichtkinde zu einer gründlichen Selbsterkenntnis und verschafft dem Beichtvater einen tiefern Einblick in den Seelenzustand desselben, als es die Einzelbeichten vermochten; der Überblick über die ungeachtet der göttlichen Barmherzigkeit und Langmuth während langer Zeit wiederholten und fortgesetzten Beleidigungen Gottes führt zu lebhafterem Reueschmerz und entschiedenerem Vorsatz der Besserung; ferner werden durch eine mit entsprechender Disposition abgelegte Generalbeichte die Mängel, welche etwa den früheren Beichten anhaften mögen, gut gemacht, und es wird, zufolge der nochmaligen Unterwerfung der Sünden unter die kirchliche Schlüsselgewalt, eine umfassendere Reinigung und festere Beruhigung des Gewissens bewirkt. Demgemäß ist im Allgemeinen die Generalbeichte sehr nützlich und mit Recht von allen Geisteslehrern, besonders vom hl. Karl Borromäus und vom hl. Franz von Sales, wie auch von mehreren Päpsten, deren Aussprüche hierüber Benedict XIV. (Encyclica Apostolica vom 26. Juni 1749; Bull. XII, 88) zustimmend anführt, empfohlen; namentlich ist sie durch den hl. Ignatius und den hl. Vinzenz von Paul bei den Exercitien und Missionen in Übung gekommen. Nothwendig ist eine Generalbeichte, wenn die früheren Beichten ungültig waren. Es ist unbedingte Pflicht, die ungültigen Beichten zu wiederholen, beziehentlich bei Ungültigkeit derselben wegen mangelnder Integrität zu vervollständigen. Von einer speciellen Anklage kann abgesehen werden bezüglich der bereits richtig gebeichteten Sünden, wenn der Beichtvater sich ihrer, wenigstens im Allgemeinen, noch erinnert, jedoch nicht, wenn die Beichte bei einem andern als dem frühern Beichtvater stattfindet. Waren die Beichten gültig, aber unvollständig, so brauchen nur die ausgelassenen Sünden in der nächsten Beichte, sobald man den Mangel erkannt, nachgeholt zu werden. Waren eine oder mehrer Beichten ungültig und befand sich der Pönitent bei den folgenden hinsichtlich des Mangels und der Wiederholungspflicht in bona fide, so brauchen die letzteren, wenn ihnen nicht selbst ein wesentliches Erforderniß abgeht, nicht, sondern es müssen nur die ungültigen wiederholt werden. Beim Zweifel über die Gültigkeit früherer Beichten gilt der Satz: Standum est pro valore actus; doch ist in diesem Fall eine Generalbeichte selbstverständlich sehr anzurathen. Vorzüglich empfehlenswert ist dieselbe überdieß nach Beendigung eines Lebensabschnittes, beim Antritt eines neuen Standes, bei lebensgefährlicher Krankheit, vor einer gefährlichen Reise und in ähnlichen Fällen. Außer in dem Falle unbedingter Nothwendigkeit ist die Generalbeichte denen zu widerrathen, welchen sie statt Beruhigung bei ihrer ängstlichen Gemüthsart voraussichtlich nur Anlaß zu Scrupeln bieten würde, besonders wenn sie schon ein- oder mehrmals eine Generalbeichte abgelegt haben und dennoch immer wieder auf die gebeichteten Sünden zurückkommen; ebenso ist die specielle Anklage schon gebeichteter Sünden denen zu verbieten, welchen die Wiederholung neue und heftige Versuchungen bereiten würde. Ein seeleneifriger Beichtvater wird es sich angelegen sein lassen, die Generalbeichten im Allgemeinen zu fördern, seine Pönitenten dazu anzuleiten und ihnen die Ablegung derselben durch seine Hilfe zu erleichtern; im Einzelnen jedoch muss bezüglich Anrathung und Zulassung derselben mit Umsicht und Klugheit verfahren werden. Anleitungen zu Generalbeichte s. unter d. Art. Beichtspiegel; dazu noch (für Priester) Roder, Considerationes pro reformatione vitae in usum sacerdotum, Friburgi Brisgoviae 1884.

[Wildt.]


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