Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Gervasius von Chester, Prämonstratenser, Bischof und Schriftsteller, war um 1160 in England geboren, nach Einigen zu Chester, nach Anderen zu Lincoln, kam frühzeitig nach Paris und erlangte die Würde eines Magisters der Theologie. Nachdem er das Ordenskleid des hl. Norbert genommen, lehrte er mit großem Rufe in der Abtei St. Juste (Bisthum Beauvais) und arbeitete viel als Prediger, sowie als Exeget durch schriftliche Erklärung des Isaias, der kleinen Propehten und der Psalmen. Alle diese Werke scheinen verloren gegangen zu sein. Seit 1195 trat er als Abt von St. Juste in’s öffentliche Leben ein und genoß bald bei Fürsten und Gelehrten, bei Bischöfen und am römischen Hofe hohes Ansehen durch seine Gelehrsamkeit und seinen Eifer für die Sache Gottes. Er wurde Kreuzprediger, römischer Pönitentiar und Rathgeber in schwierigen Fragen. Um 1202 erhielt er die Abtei Thenailles und wurde General seines Ordens. Als solcher wohnte er dem Lateranconcil 1215 an und trug viel zur Verbesserung der kirchlichen Disciplin bei. Am 18. Juli 1220 erhielt er die Weihe als Bischof von Séez (Sagia) und regierte sein Bisthum bis zum Tode (28. Dec. 1228). Gegen 137 seiner interessanten Briefe hat 1732 sein Ordensgenosse, Abt C. L. Hugo von St. Peter zu Estivay, herausgegeben. (Vgl. Gall. christ. III, 970; Joan. le Paige, Bibl. Praem. 305. 904; Georg. Roggenburg, Spir. lit. Norbertin. 237; Fabricius, Bibl. lat. III, 51.) – Bisweilen wird er confundirt mit Gervasius von Chichester, einem englischen Priester, der wohl ein älterer Zeitgenosse und auch Exeget war, über den jedoch nichts sonderlich Sicheres gesagt werden kann. (Vgl. Fabricius l. c.)

[Braunmüller O.S.B.]


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