Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Glaubensbekenntniß oder Glaubenssymbol nennt man jedes auctoritativ festgestellte Formular für das Bekenntniß des kirchlichen Glaubens. Es sind solcher Formularien schon aus alter Zeit viele auf uns gekommen, wie sich aus Denzingers Enchiridion symbolorum und aus der Schrift von A. Hahn: Bibliothek der Symbole und Glaubensregeln der alten Kirche, Breslau, 2. A. 1877, ersehen läßt. Hier soll nur von den allerwichtigsten die Rede sein.

I. Das apostolische Glaubensbekenntniß. Weil bei allen Erwachsenen der Glaube an die Grundwahrheiten des Christenthums wesentliche Voraussetzung für den Empfang der Taufe ist (Marc. 16, 16. Apg. 8, 37), und weil jederzeit der Taufende sich über das Vorhandensein dieses Glaubens vergewissern mußte, so ergab sich schon in der ersten Zeit des Christenthums wie von selbst das Bedürfniß nach einem Breviarium fidei, einem feststehenden kurzen Formulare, dessen sich die Täuflinge zum Bekenntniß ihres Glaubens vor der Taufe bedienen konnten. Dieses mußte selbstverständlich ihnen vorher auctoritativ übergeben und erklärt werden . Rufin (Symbol. apost. c. 2) berichtet im Hinweis auf eine alte Tradition, daß die Apostel gleich nach der Geistessendung vor ihrer Zerstreuung in alle Welt gemeinsam ein kurzes Glaubensbekenntniß aufgestellt (»zusammengetragen«) haben, das fortan als Erkennungszeichen der ächten apostolischen Predigt dienen und den Gläubigen (vor der Taufe) als Norm ihres Glaubens übergeben werden sollte (hanc credentibus dandam esse regulam). Schon vor Rufin hat der hl. Ambrosius (Explan. symbol. bei Mai, Collectio vett. script. VII, 156) erklärt, das in der Kirche zu Mailand gebräuchliche Taufsymbol rühre von den zwölf Aposteln her. Es ist gewiß belangreich, daß all’ die zahlreichen Taufsymbole des Orients und Occidents, obschon sie im Einzelnen nicht gleichlautend sind, doch im Großen und Ganzen einen und denselben Typus haben, dieß erklärt sich genügend nur, wenn wirklich schon die Apostel ein kurzes Glaubensbekenntniß aufsetzten, dessen Grundlage die Taufformel (in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti) bildete, und das, als von den Aposteln herrührend, überall angenommen, in den einzelnen Kirchen aber mit Rücksicht auf die singularen Verhältnisse und Bedürfnisse im Laufe der Zeit erweitert wurde. Das für die Taufe bestimmte Glaubensbekenntniß nennt schon Cyprian (Ep. 69, n. 7, ed. Hartel) Symbolum, d. i. Erkennungzeichen (σύμβολον = ἐξ οὗ συμβάλλεταί τι). Diese Benennung ward seit dem 4. Jahrhundert im Abendlande zunächst für das bei der Taufe gebräuchliche Glaubensbekenntniß allgemein; an der Bekanntschaft jemandes mit diesem unter die Arcandisciplin fallenden Glaubensbekenntniß erkannte man ja ganz sicher, daß er ein Streiter Christi sei, als dessen Parole eben dieses Glaubensbekenntniß erschien. Der nämlichen Anschauung zufolge wurde dasselbe auch tessera, im Mittelalter krîe (Kriegsgeschrei) genannt. Da die Glaubensbekenntnisse, welche nicht für die Taufe bestimmt waren, gleichwohl die Taufformel (Vater, Sohn, heiligen Geist und Wirken des heiligen Geistes in der Kirche) zur Grundlage haben, wurde der Name Symbolum nachmals auch auf sie übertragen. Auch im Sinne von συμβολή = collatio wurde die Bezeichnung des Tauf-Glaubensbekenntnisses als Symbolum schon frühe genommen; so von Ambrosius und von Rufin im Hinweis darauf, daß es eine von den Aposteln gemachte Zusammentragung (daher im Mittelalter »Gewerf«) oder Zusammenstellung sei. Wie Kaufleute zu einem gemeinsamen Zweck Geld zusammenschießen, eine συμβολή, so haben nach Ambrosius auch die Apostel das Glaubensbekenntniß festgestellt, indem jeder von ihnen seinen Beitrag dazu lieferte (ecce secundum duodecim apostolos et duodecim sententiae comprehensae sunt), Worte, denen schon die Anschauung zu Grunde liegen dürfte, daß jeder Apostel einen Artikel des nach ihnen benannten apostolischen Glaubensbekenntnisses verfaßt habe. Wie Ambrosius und Rufin uns versichern, wäre das Symbolum genau in der Gestalt, welche es als Taufsymbol noch im 4. Jahrhundert in der römischen Kirche hatte, aus den Händen der Apostel hervorgegangen; im Laufe des 5. Jahrhunderts sodann erhielt das römische Taufsymbol nachweislich noch einige Zusätze und kleinere Modificationen und wurde endgültig in die Form gebracht, welche unser »apostolisches Glaubensbekenntniß« noch gegenwärtig hat (vgl. Hahn a. a. O. 13–60; Delitzsch, System der christl.-kirchl. Katechetik, 1. A. II, 87 ff.; besonders Caspari in seinem vierbändigen Werke: Quellen zur Geschichte des Taufsymbols und der Glaubensregel, Christiania 1866–1879). Die ursprüngliche Form des römischen Symbolums wird durch Rufin (l. c. 3), Marcellus von Ancyra (Epiph. Haer. 72, 3) und das Psalterium des Königs Aethelstan (Heurtley, Harmonia symbolica, Oxf. 1858, 79 sq.) überliefert. In den beiden letzten Documenten steht es griechisch, und ohne Zweifel wurde es in der römischen Kirche während der ersten Jahrhunderte im griechischen Wortlaute gebraucht. Es lautete nach Rufin: Credo in Deum Patrem omnipotentem. Et in Christum Jesum, unicum Filium ejus, dominum nostrum. Qui natus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine, crucifixus sub Pontio Pilato et sepultus, tertia die resurrexit a mortuis, ascendit in coelos, sedet ad dexteram Patris: inde venturus est judicare vivos et mortuos. Et in Spiritum Sanctum, sanctam ecclesiam, remissionem peccatorum, carnis resurrectionem. Die Formulirung des gegenwärtig gebrauchten Textes und die namentliche Vertheilung der zwölf Artikel desselben (die Scholastik zerfällte es aus doctrinärem Interesse in vierzehn, s. oben Sp. 675) an die einzelnen Apostel begegnet uns zuerst in einem fälschlich dem heiligen Augustin beigelegten Sermo, der nicht über das 6. Jahrhundert hinaufreicht; in ihm heißt es: Petrus dixit: Credo in Deum Patrem omnipotentem, creatorem coeli et terrae. Andreas dixit: Et in Jesum Christum, Filium ejus unicum, dominum nostrum. Jacobus dixit: Qui conceptus est de Spiritu Sancto, natus ex Maria virgine. Johannes dixit: Passus sub Pontio Pilato, crucifixus, mortuus et sepultus. Thomas dixit: Descendit ad inferna (inferos), tertia die resurrexit a mortuis. Jacobus (minor) dixit: Ascendit in coelos, sedet ad dexteram Dei Patris omnipotentis. Philippus dixit: Inde venturus est judicare vivos et mortuos. Bartholomaeus dixit: Credo in Spiritum Sanctum. Matthaeus dixit: Sanctam ecclesiam catholicam, sanctorum communionem. Simon dixit: Remissionem peccatorum. Thaddaeus dixit: Carnis resurrectionem. Matthias dixit: Vitam aeternam. Bei mittelalterlichen Schriftstellern (Durand, Ration. 4, 25, n. 7) finden wir die einzelnen Artikel auch noch in anderer Weise an die einzelnen Apostel vertheilt. Hieraus schließt man mit Recht, daß heirüber keine verlässige Tradition vorhanden war, zumal da die einer solchen Vertheilung zu Grund gelegte Form späteren Ursprungs ist. – Seine dermalige Verwendung in der römischen Liturgie betreffend, ist das apostolische Symbolum wie schon in ältester Zeit so auch noch jetzt Taufsymbol; nur fallen jetzt die traditio und redditio desselben, welche in alter Zeit an verschiedenen Tagen stattfanden, zusammen, der Taufende als tradens und die Pathen (Bei der Taufe von Erwachsenen die Täuflinge selber) als reddentes sprechen es conjunctim. – Während die Bischöfe als die eigentlichen Träger des orthodoxen Glaubens bei ihrer Consecration ein ganz eigenartiges, sehr ausführliches Glaubensbekenntniß ablegen, sprechen die Priester bei ihrer Weihe nach Empfang der Communion stehend vor dem Bischof das apostolische Symbolum, das hier offenbar als regula fidei für die Predigt erscheint (stantes profitentur fidem, quam praedicaturi sunt). Weil das Taufsymbol als Fahneneid und als Parole der Streiter Christi dem Satan schrecklich und ein magnum tutamentum (Ambros.) gegen dessen Angriffe ist, so empfehlen schon die Väter (Ambrosius, Athanasius, Augustin) den Gläubigen, es öfter während des Tages zu sprechen (zu beten), wie es noch jetzt in der Prim und im Completorium des kirchlichen Stundengebetes geschieht. Da im apostolischen Symbolum die Grundwahrheiten des Christenthums enthalten sind, schärften die Synoden des Mittelalters den Pathen dringend ein, dafür zu sorgen, daß ihre Pathenkinder es auswendig lernen, und so bildete es allezeit ein Hauptstück des Katechismus (vgl. Göbel, Geschichte der Katechese im Abendland während des Mittelalters, Kempten 1880, 124 ff.); von den Geistlichen forderten die Synoden auch Kenntniß und Verständniß von zwei anderen Symbolen, dem nicäno-constantinopolitanischen und dem athanasianischen.

II. Während das Taufsymbol der römischen Kirche, die niemals von Häresie befleckt wurde, im Laufe der Jahrhunderte von antihäretischen und polemischen Zusätzen frei blieb, haben die verschiedenen Taufsymbole des Morgenlandes (bei Hahn a. a. O. 61–78), wo schon frühe allerlei Häresien auftauchten, mannigfache dogmatische und polemische Erweiterungen erhalten. In jetziger Zeit und schon seit dem Concil von Chalcedon (451) ist im Orient durchweg das Nicäno-Constantinopolitanische Glaubensbekenntniß Taufsymbol, das noch im frühen Mittelalter vereinzelt auch im Abendlande, wohl mit Rücksicht auf dort wohnende Griechen, neben dem apostolischen bei der Taufe im Gebrauch war (Sacrament. Gelasianum, ed. Muratori I, 539–541). Dieses Symbolum verdankt, wie schon der Name andeutet, seine Aufstellung den beiden ersten allgemeinen Concilien, dem von Nicäa (325) und dem von Constantinopel (381). Das Symbolum Nicaenum, welches Resultat langer synodaler Berathungen und schwerer Geisteskämpfe gegen die Arianer war, und in welchem daher besonders der Artikel über den Sohn erweitert und dogmatisch präcisirt ist, schließt mit καὶ εἰς τὸ ἅγιον πνεῦμα, worauf ein längeres Anathema über die Arianer folgt (s. d. Wortlaut bei Hefele, Concilien-Gesch. I, § 34). In dem S. Nicaeno-Constantinopolitanum fehlt dieses Anathem, und es reihen sich an den Artikel vom heiligen Geist, der gegenüber den Pneumatomachen bedeutend erweitert ist (Dominum et vivificantem etc.), noch die Artikel an von der Kirche, von der Sündenvergebung, Auferstehung und vom ewigen Leben. Auch in dem Artikel vom Vater ist das constantinopolitanische vom nicänischen in etwas verschieden, und der Artikel vom Sohne ist wenigstens doppelt so groß. In neuester Zeit wurde unter den Gelehrten, ohne daß ein sicheres Resultat sich ergeben hätte, viel darüber erörtert, ob die 150 Väter zu Constantinopel selbständig das Symbolum Nicaenum erweitert und ihm so die Gestalt gegeben haben, in der es geschichtlich zuerst in den Acten des Concils von Chalcedon (2. u. 5. Sitzung) auftritt, oder ob sie es nur unter Anbringung kleiner redactioneller Änderungen aus dem Ancoratus des hl. Epiphanius (n. 118) herübergenommen haben; jedenfalls wird man wissenschaftlich daran festhalten müssen, daß unser Symbol schon von den 150 Vätern in seiner jetzigen Form approbirt und nicht erst später dem Concil von Constantinopel unterschoben wurde, wie Vicenzi behauptet hat (vgl. Funk bei Kraus, Realencyklopädie II, 810 ff.). In die Meßliturgie wurde zuerst das Nicaenum aufgenommen und zwar im Orient zu Ende des 5. und im Anfang des 6. Jahrhunderts durch die Häretiker (Monophysiten), welchen das viel specifischere nicäno-constantinopolitanische verhaßt war; aus Opposition gegen diese Häretiker führten dann die orthodoxen Orientalen das von ihnen gleich dem apostolischen in zwölf Artikel gegliederte Nicaeno-Constantinopolitanum in die Meßliturgie (nach dem Friedenskuß, unmittelbar vor der Präfation) ein. Nach Vorschrift des dritten Concils von Toledo (589) wurde es dann bereits mit dem Zusatz filioque auch in die mozarabische Liturgie Spaniens aufgenommen, wo es secundum formam orientalium ecclesiarum gesungen werden sollte priusquam dominica dicatur oratio. In die römische Meßliturgie fand es (nach dem Evangelium) allgemeine und auctoritative Aufnahme erst im J. 1014 (vgl. Kössing, Liturg. Erklärung der heiligen Messe, 3. Aufl., 328 ff., und über die Bedeutung des Symbolums in der römischen Meßliturgie vgl. d. Art. Credo III, 1183). Luther empfahl, beim Hauptgottesdienst statt des nicäno-constantinopolitanischen Symbolums das Lied »Wir glauben all’ an einen Gott« zu singen, während die Protestanten in England und anfänglich vielfach auch die in Deutschland am althergebrachten Glaubensbekenntniß festhielten. Neuestens sind die orthodoxen Protestanten durchweg dafür, daß beim Hauptgottesdienst nach dem Evangelium entweder das apostolische oder das nicäno-constantinopolitanische Glaubensbekenntniß von Pastor und Gemeinde gemeinsam gebetet oder vom Pastor der Gemeinde vor- und von dieser nachgesprochen und mit Amen beantwortet werde (vgl. Bähr, Begründung einer Gottesdienstordnung für die evangelische Kirche, Karlsruhe 1856, 216 ff.; Harnack, Prakt. Theologie II, 460 f.; Agende für die luther.-evang. Kirche in Bayern 1879, 11–12). Die mittelalterlichen Liturgiker bezeichnen dieses Symbolum als Symbolum majus, das apostolische als Symbolum minus.

III. Einen noch specifischer dogmatischen Charakter als das besprochene hat das Symbolum Athanasianum, nach seinem Anfangswort auch Symbolum Quicunque genannt. Es galt durch’s ganze Mittelalter und bis in die neuere Zeit herein (z. B. noch bei Baronius, Gavantus, Bona) als Werk des hl. Athanasius, der es nach den Einen (so Durand, Ration. 4, 25, n. 8; Gregor. IX., bei Harduin VII, 158) während seines Exils in Trier verfaßt, nach Anderen auf der Synode zu Rom 340 festgestellt und dem Papste Julius vorgelesen haben soll (Baron. ad ann. 340); nach Sicard von Cremona (Mitrale 4, 6) und Anderen hätte Athanasius (gest. 373) es gar auf Bitten des Kaisers Theodosius (erst seit 379 Mitregenten) verfaßt ad eradicandam invalescentem haereticorum perfidiam et divulgandam fidem catholicam. Dermalen gilt es aus verschiedenen Gründen mit Recht als wissenschaftlich ausgemacht, daß nicht Athanasius der Verfasser dieses Symbolums, sondern daß es erst nach den nestorianischen und monophysitischen Streitigkeiten verfaßt ist. Es entstand in lateinischer Sprache (die griechischen Formularien bei Montfaucon und Caspari sind Übersetzung), nicht im Orient, wo es erst später bekannt und nirgends in die Liturgie aufgenommen wurde, sondern im Abendland und wird, wenn die Acta concilii Augustodunensis vom Jahre 670 (Harduin, Concil. III, 1016) ächt sind, gegen Ende des 7. Jahrhunderts als fides S. Athanasii zum ersten Mal erwähnt. Nachweislich seit dem 9. Jahrhundert wurde es im Occident in der Prim gebetet und genoß wegen seines reichen, dogmatisch präcisen Inhaltes (Lehre von der Trinität, von der Person des Gottmenschen, vom Erlösungswerk und dessen Abschluß) überall großes Ansehen. Es galt als auctoritatives Glaubensformular, das schon frühe auch für die Zwecke des Volksunterrichtes gebraucht worden sein muß, da deutsche Übersetzungen desselben aus dem 9. Jahrhundert auf uns gekommen sind (Maßmann, Die deutschen Abschwörungs-, Glaubens-, Beicht- und Betformeln vom 8. bis zum 12. Jahrhundert, Quedlinburg und Leipzig 1839, 88–107; Müllenhoff-Scherer, Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8. bis 12. Jahrhundert, 2. Aufl., Berlin 1871, 159. 516). Die Cleriker wurden unter Strafandrohung verpflichtet, es auswendig zu lernen (Harduin III, 1016), um es zur gründlichen Erlöuterung des Apostolicums beiziehen zu können; in der ganzen abendländischen Kirche betrachtete man es als Grundlage und Regel des kirchlichen Glaubens, und durch den Gebrauch, welchen die Kirche von dieser compendiosa fidei regula (Harduin IX, 440) machte, hat sie ihm eine Auctorität verliehen, welche jede persönliche Auctorität auch des berühmtesten Verfassers wiet überwiegt. Der Urheber war jedenfalls ein Abendländer, ob Hilarius von Arles (gest. 449), ob Vincenz von Lerins (gest. 450), ob Vigilius von Tapsus (gegen Ende des 5. Jahrhunderts), ob Venantius Fortunatus (gest. 603), auf die man gerathen hat, wird sich kaum jemals mit Sicherheit entscheiden lassen (vgl. Merati zu Gavantus, Thesaurus sacr. rit., sect. 5, cap. 19; am gründlichsten Montfaucon, Opp. S. Athanasii II, 719 sqq.; weitere Literatur bei Hahn 94–95). In der kirchlichen Liturgie (in der Sonntags-Prim und im Exorcismus obsessorum) hat es bis zur Stunde die Überschrift: Symbolum S. Athanasii, welche, abgesehen von der alten Überlieferung, auch insofern als motiviert erscheint, als dieses Symbolum sowohl in seinem trinitarischen wie in seinem christologischen Theile getreu die Lehre zum Ausdruck bringt, welche der hl. Athanasius in seinen Schriften vorträgt und vertheidigt. Im Mittelalter wurde (wie noch jetzt bei den Karthäusern) das Athanasianum in vielen Kirchen täglich in der Prim gebetet (Honor., Gemma animae 2, 59); betrachtete man das Apostolicum in der Prim als die Parole für den beginnenden Tag, so erschien das ausführlichere und entschieden polemische Athanasianum als der undurchdringliche Harnisch wider alle Angriffe des Satans während des Tages. Jetzt wird dasselbe nach römischem Brauch in der Prim und zwar im unmittelbaren Anschluß an die Psalmen (daher im Mittelalter Psalmus Athanasianus genannt) nur noch am Dreifaltigkeitsfest und an allen Sonntagen, an welchen das officium de dominica eintrifft, gebetet. Schon die ältesten Väter bezeichnen al erstes Object der Sonntagsfeier die Auferstehung des Herrn, weßhalb der Sonntag κατ’ ἐξοχήν Tag des Herrn (dominica) heißt; Justin weist (apolog. 67) auch darauf hin, daß am Sonntag Gott der Vater die Welt in’s Dasein rief, und spätere Väter betonen weiter, daß am Sonntag der heilige Geist gesendet wurde, und so gestaltete sich der Tag des Herrn auch zur Feier des Dreieinigen (daher Praefatio de Trinitate). Da erscheint es nun gewiß als passend, daß an diesem Tage das Athanasianum gebetet wird; ist es doch ein feierliches, dankbares Bekenntniß des Glaubens an den Dreieinigen (I. Theil) und an den fleischgewordenen Gottessohn als unsern Erlöser und Herrn (II. Theil), nach welchem der Sonntag seit ältester Zeit (Offenb. 1, 10) κυριακὴ ἥμερα heißt. Seine Stellung im Exorcismus obsessorum ist nach dem oben Gesagten von selbst klar. Auch die alten Protestanten hielten das Athanasianum sehr hoch; Luther wünscht in seinem Liber visitatorum, daß in der (damals noch üblichen) Vesper nach der Lection gesungen werde »das Magnificat oder Te Deum laudamus oder Quicunque vult salvus esse« (Daniel, Codex liturg. II, 76). In der anglicanischen Kirche wird es bis zur Stunde an Weihnachten, Epiphanie, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, sowie an mehreren Heiligentagen beim Morgen- und Abendgottesdienst statt des sonst üblichen Apostolicums recitirt oder gesungen (Alt, Der kirchliche Gottesdienst, 2. Aufl. I, 595).

IV. Das tridentinische Symbolum. Das Auftauchen neuer Häresien ward Veranlassung, daß im Laufe der Zeit außer den oben besprochenen Glaubenssymbolen noch neue oder vielmehr erweiterte Formularien (vgl. dieselben bei Denzinger) für das Bekenntniß des kirchlichen Glaubens aufgestellt wurden. Dieß geschah sowohl durch allgemeine (Lateran. IV) und Provinzial-Concilien (Toletan. IV), als auch durch Päpste, unter denen Pius IV, in der Bulle Injunctum nobis (13. Nov. 1563) das ausführlichste promulgirt hat. In diesem steht an erster Stelle das vollständige Nicaeno-Constantinopolitanum, und dann sind der Reihe nach alle specifischen Glaubenslehren zum Ausdruck gebracht, welche das Concil von Trient gegenüber den Protestanten ausgesprochen und festgestellt hat (kirchliches Traditions- und Schriftauslegungsprincip, Siebenzahl der heiligen Sacramente, Erbsünde und Rechtfertigung, Transsubstantiation und Opfercharakter der Eucharistie, Fegfeuer, Verehrung der Heiligen und der Bilder, Ablässe, Suprematie des Papstes). Pius IV. wollte mit diesem Symbolum denjenigen PErsonen, welche zufolge des Tridentinums (Sess. XXIV, De reform. c. 1 u. 12) beim Antritt ihres Kirchenamtes das Bekenntniß des orthodoxen Glaubens ablegen und der römischen Kirche resp. dem Papst Gehorsam geloben und schwören müssen, hierfür ein auctoritativ feststehendes Formular angeben, zu dessen genauer Einhaltung er auf’s Strengste verpflichtete, und das man passend als Professio fidei Tridentina bezeichnet. Im Auftrag Pius’ IX. hat die Congregatio concilii neuestens (20. Januar 1877) verordnet, daß man fortan in der Pianischen Professio fidei gegen deren Schluß hin, nachdem man auf die tridentinischen Decrete sich verpflichtet hat, noch einen auf das Vaticanum bezüglichen Zusatz mache, so daß der betreffende Passus jetzt lautet: praecipue a sacrosancta synodo Tridentina et ab oecumenico concilio Vaticano tradita, definita et declarata, praesertim de Romani Pontificis primatu et infallibili magisterio, indubitanter recipio atque profiteor. Zur Professio fidei sind durch’s Tridentinum verpflichtet die Bischöfe, welche sie gewöhnlich vor dem Nuntius ablegen und in scriptis an den Papst einsenden; ferner die Dignitare und Canoniker der Cathedralcapitel, welche wenigstens innerhalb zweier Monate vom Tage des erlangten Besitzes ihrer Pfründe das Glaubensbekenntniß sowohl vor ihrem Bischof (oder dessen Official) als vor versammeltem Capitel abzulegen haben (Sess. XXIV, De reform. c. 12); deßgleichen alle mit Curatbeneficien betrauten Cleriker (l. c.), wleche vor dem Bischof oder dessen Generalvicar die Professio fidei ablegen müssen. Gemäß der oben erwähnten Bulle Pius’ IV. sind auch diejenigen, denen Klöster, Convente, Häuser und war immer für andere Stellen bei allen Kloster- und Militärorden unter was immer für Namen oder Titeln verliehen werden, zur Ablegung der Professio fidei verpflichtet. Ferner haben zufolge der Bulle In sacrosancta des genannten Papstes vom Jahre 1564 die Professio fidei auch abzulegen: Doctores, Magistri, Regentes Universitatum vel Gymnasiorum, docentes quascunque scientias, etiam grammaticam et alii cujuscunque artis et facultatis professores, et qui ad aliquem gradum (licenciatum, magisterium, doctoratum) promoveri voluerint, sive clerici aut laici illi sint. Daß die vom Tridentinum und von Pius IV. erlassenen Bestimmungen bezüglich des Glaubensbekenntnisses überall in Rechtskraft und Übung traten, vielfach auch noch weiter (z. B. auf die Cleriker, welche eine höhere Weihe empfangen wollten, auf die Schullehrer, Buchhändler u. s. w.) ausgedehnt wurden, läßt schon ein flüchtiger Blick in die Acten der nach dem Tridentinum gehaltenen Synoden ersehen (vgl. z. B. Hartzheim, Conc. Germ. VII, 98. 237. 461; X, 348. 431), welche gewöhnlich mit Ablegung der Professio fidei Tridentina seitens sämmtlicher Synodalen eröffnet wurden. Auch die Provinzialconcilien der neuesten Zeit (von Wien, Prag, Köln, Utrecht u. s. w.) halten die einschlägigen gemeinrechtlichen Bestimmungen so weit als möglich aufrecht und dehnen sie wie auf sämmtliche Seminarvorstände, so auf die Religionslehrer, Prediger und Katecheten, auf die Ordinanden (ad sacros ordines promovendi) oder auf die Neomysten post obtentam primam curam aus (Collect. Lacens. V, 16. 415. 452. 624. 784. 805). Während früherhin an den Universitäten, so lange sie ausschließlich katholisch waren, alle Professoren und Docenten jedes Jahr (Hartzh. VII, 461) und sämmtliche Bewerber um akademische Grade vor Ertheilung derselben öffentlich das tridentinische Glaubensbekenntniß ablegten, ist leider jetzt ein anderer Geist an den Universitäten herrschend geworden; in München, wo bis zum J. 1877 doch wenigstens noch vor den theologischen Doctorpromotionen die Professio fidei in der Universitäts-Aula (coram imagine Crucifixi inter duos cereos accensos) öffentlich abgelegt wurde, hat der akademische Senat, nachdem die Einschaltung der Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes in die Professio fidei angeordnet worden war, den Theologen die Ablegung der Professio fidei innerhalb des Universitätsgebäudes verboten, und dieselbe mußte mit Zustimmung der Congregatio S. Officii in die naheliegende Ludwigskirche verlegt werden. – Wer einen Begriff aht vom Wesen der katholischen Kirche, der wird es sehr natürlich finden, daß sie von allen denjenigen, die sie mit der Verkündigung ihrer untrüglichen und unveränderlichen Lehre betraut oder denen sie eine auf die Leitung der Gläubigen anderweitig einflußreiche Stellung verleiht, vorerst eine sichere Garantie dafür verlangt, daß sie orthodox gläubig und dem OBerhaupt der Kirche in aufrichtigem Gehorsam ergeben seien. Diese Garantie wird durch Ablegung der Professio fidei in feierlicher, officieller Weise, und zwar in forma juramenti, durch eidliches Gelöbniß auf das Evangelienbuch geleistet. Gegenstand des Schwures ist zunächst der Gehorsam gegen das OBerhaupt der Kirche (obedientiam juro ac spondeo), dann aber auch das Festhalten an dem Glauben, den man soeben frei und öffentlich (wenigstens vor zwei Zeugen) bekannt hat, sowie das Thätigsein für dessen Verbreitung und Reinerhaltung. Der wahre Glaube ist keine bloße credulitas, ist nicht ein bloßes Meinen, das freilich nicht Gegenstand eines eigentlichen Eides sein könnte; der wahre Glaube ist ein übernatürliches Überzeugt- und Gewißsein, für das man mit dem Leben einzutreten bereit ist, und auf das man daher gewiß auch einen Eid schwören kann (Glaubenseid). Auch die Protestanten konnten bei Übertragung eines Kirchenamtes (durch sog. Ordination) des specifischen Glaubensbekenntnisses in Verbindung mit eidesartiger Formel (»Dazu helfe mir Gott durch Jesum Christum in Kraft des heiligen Geistes«) nicht entrathen, wie noch aus der neuesten Agende der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern zu ersehen ist (II. Theil, S. 4). Diese Agende schreibt (S. 52 ff.) auch für die »Aufnahme eines Convertiten« ein sehr detaillirtes, specifisch antitridentinisches Glaubensbekenntniß vor, das »vor Gottes Angesicht« und in Gegenwart von Zeugen abgelegt wird. Daß auch die katholische Kirche von denen, welche aus der Häresie zu ihr zurückkehren, ein specifisches Glaubensbekenntniß fordern müsse, wleches die bisherigen Irrthümer des Convertiten zurückweist, erscheint als selbstverständlich. Ältere Synoden und Ritualien schreiben für diesen Zweck gewöhnlich die Professio fidei Tridentina vor; neuestens (20. Juli 1859) hat die Congregatio S. Officii für genannten Zweck ein eigenes Formular approbirt, welches kürzer gehalten ist, aber gleichwohl die wichtigeren tridentinischen Lehrpunkte des Einzelnen zum Ausdruck bringt. Erscheint die Ablegung der Professio fidei auch nicht als ein streng liturgischer Act, so ist sie doch ein officieller actus religiosus, und daher schreiben manche Synoden für dieselbe ein religiöses Cerimoniell vor; so verordnet z. B. eine Paderborner Synode (Hartzheim X, 127), daß die Professio fidei Tridentina in der Kirche, im Capitelsaal oder an einem andern schicklichen Orte, vor dem Altar oder vor einem Tisch mit Crucifix und zwei Lichtern in Gegenwart einiger Zeugen geschehe, und daß derjenige, welcher sie (sitzend) abnimmt, mit Chorrock und Stola bekleidet sei.

V. Über die speciellen Glaubensbekenntnisse der verschiedenen protestantischen Secten s. d. Art. Confessio.


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