Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Hilduin, einer vornehmen fränkischen Familie angehörig, wurde 814 Abt von St. Denys; später erhielt er dazu noch die Abteien St. Médard (in Soissons) und St. Germain-des-Prés. Ludwig d. Fr. rief den geistig hochbedeutenden, Mann 822 als Erzkaplan an den Aachener Hof, wo er eine Stütze der großfränkischen Adelsabtei war, aber auch in deren Sturz verwickelt wurde. Im Bürgerkriege des Jahres 830 stand er auf Seiten Pipins und wurde nach Niederwerfung des Aufstandes durch den Kaiser in die Nähe von Paderborn und darauf nach Neu-Corvey verbannt; doch ward er schon im folgenden Jahre, wahrscheinlich auf dem Reichstage zu Ingelheim (Mai 831), wieder begnadigt. Fortan blieb er politischer Thätigkeit fern und widmete sich der Reform seines Stiftes (832), sowie literarischer Arbeit. Auf Wunsch Ludwigs d. Fr. verfaßte er um das Jahr 835 die Passio S. Dionysii (Migne, PP. lat. CVI, 23–50; der einleitende Briefwechsel zwischen ihm und dem Kaiser ibid. 13 sqq. u. CVI, 1326), welche den Pariser Martyrer Dionysius (s. d. Art.) mit dem sogen. Areopagiten identificirt. Diese Ansicht bestand wahrscheinlich schon seit Mitte des 8. Jahrhunderts, war aber immer noch Zweifeln begegnet, und diese bekämpfte Hilduin nachdrücklich. So hat sein Werk diesen Irrthum für das ganze Mittelalter befestigt, bis Sirmond, Launoy und andere Kritiker des 17. Jahrhunderts ihn zerstörten. Die vorzüglichsten Quellen, aus denen Hilduin schöpfte, sind: die areopagitischen Schriften, welche Kaiser Michael II. 827 nebst anderen Geschenken an den fränkischen Hof gesandt hatte; apocryphe, wohl um die Mitte des 8. Jahrhunderts in Frankreich entstandene Dionysius-Acten; der Brief, den Aristarchus, ein griechischer Chronograph der apostolischen Zeit, von dem aber aus anderen Quellen nichts bekannt ist, über das Leben des Areopagiten an Onesiphorus gerichtet haben soll; das angebliche Glaubensbekenntniß eines gewissen Visbius und alte gallicanische Missalien. Hilduin starb am 22. November 840. (Vgl. Hist. littér. de la France IV, 607–613; Boll. Oct. IV, 696 sqq.; Dümmler, Gesch. d. ostfränk. Reiches, Berlin 1862, I pass.; Simson, Jahrbücher d. fränk. Reiches unter Ludwig d. Fr., Leipzig 1874 bis 1876, 2 Bde. pass.)

[Schrörs]


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