Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Investitur, eigentlich Einkleidung in eine Amtstracht, bedeutet im gewöhnlichen Sprachgebrauch die formelle Einweisung in den Genuß von Rechten. Im Mittelalter ward das Wort zuerst in ganz allgemeinem Sinn gebraucht, so daß auch eine Schenkung, ein Verkauf, ein Tausch u. s. w. erst durch eine förmliche investitura (vestitura) perfect wurde. Dem Geiste des Mittelalters entsprechend geschah die Investitur immer symbolisch durch Übergabe irgend eines sinnfälligen Gegenstandes, welcher zu dem Object der fraglichen Rechte in irgend einer Beziehung stand. So galt die Übergabe einer Scholle oder eines Rasenstückes als Einsetzung in den Besitz eines Grundstückes, die Einhändigung des Kirchenschlüssels als Übertragung des Pfarramtes, die Überreichung einer Fahne als Einsetzung in das Markgrafenamt. Wie erfinderisch das Mittelalter hierbei war, und wie mannigfach die gewählten Symbole waren, s. bei Ducange, Glossarium ad scriptt. med. et inf. latin. s. v. Investitura. Einen specifischen Sinn aber, den es bis heute beibehalten hat, erhielt das Wort im canonischen Recht. In diesem bedeutet es die Einweisung in den Besitz des Beneficiums (institutio corporalis oder realis, installatio, inthronisatio). Dieselbe wird durch symbolische Förmlichkeiten vollzogen; der Pfarrer erhält die Schlüssel zur Kirche und zum Pfarrhaus und wird an den Taufstein, in den Beichtstuhl und auf die Kanzel geführt; der Canonicus wird in sein stallum geleitet und intonirt das Chorgebet. Die Investitur geschieht, sofern nicht einem Andern dieses Recht eingeräumt ist (wie dieß in früheren Zeiten zu Gunsten von Äbten, Archidiaconen, sogar Abtissinnen nicht selten der Fall war), durch den collator beneficii oder dessen Bevollmächtigten, nämlich beim Pfarrer oder Beneficiaten in der Regel durch den Bischof oder Generalvicar, während durch den Dechanten eine, freilich auch nur im Auftrag des Bischofs gestattete, jedoch rechtlich bedeutungslose Einführung vorgenommen wird, beim Canonicus meist durch ein anderes Mitglied des Capitels im Auftrage des jeweiligen Collators; auch ein procurator specialis kann mit der Entgegennahme der Investitur betraut werden. Wenn der Obere sogleich bei der Verleihung oder der institutio canonica die betreffenden Symbole überreicht oder angewandt hat oder von einer formellen Investitur überhaupt absieht, so gilt der Instituirte ohne Weiteres als investirt und kann von seinem Beneficium sogleich Besitz ergreifen, während sonst auf eigenmächtige Besitzergreifung arbiträre Strafen, auf gewaltsame Besitzergreifung sogar Aberkennung des Beneficiums gesetzt ist. Durch die Investitur wird der possessorische Schutz, insbesondere auch nach ein- bezw. dreijährigem Besitz die Vergünstigung der Reg. Canc. de annali bezw. de triennali herbeigeführt. (Vering, Lehrb. des Kirchenr., Freiburg 1881, 471; Lämmer, Institutionen des kath. Kirchenr., ebend. 1886, 97.)

[Kaulen.]


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