Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




[Bd. 6, Sp. 1725]Johannes von Nepomuk, der hl., ist der erste Martyrer für die Bewahrung des Beichtsiegels. Daß überhaupt ein Priester dieses Namens auf Geheiß des böhmischen Königs Wenzel IV. zu Prag, und zwar wegen Bewahrung des Beichtsiegels, in der Moldau ertränkt worden ist, kann trotz des Verlustes vieler Documente aus jener Zeit (Can. Nečetic, De rebus profanis et ecclesiasticis sui temporis [Dobner, Vindic. 11; Berghauer I, 308. 309]) mit Grund nicht bezweifelt werden. Als ältestes Zeugniß nennt man das Kaiserbuch (Liber Augustalis) des berühmten Wiener Chronisten Thomas Ebendorfer von Haselbach (verfaßt vor 1451), worin derselbe von Wenzel berichtet: »Auch den Beichtvater seiner Gemahlin, Johannes, Magister der Theologie, ließ er in der Moldau ertränken, sowohl weil er gesagt, nur derjenige sei des königlichen Namens würdig, der gut regiert, als auch, weil er das Beichtsiegel zu verletzen sich geweigert haben soll.« Ebendorfer, dreimal Rector der Wiener Universität, war als Gesandter des Concils von Basel im J. 1433 in Prag und kam mit Böhmen überhaupt öfter in unmittelbare Berührung, ist also als verläßlicher Bürge dafür anzusehen, daß man bereits zu seiner Zeit von einem Martyrer des Beichtsiegels sprach. – Kaum jünger, ja vielleicht schon aus der Zeit stammend, da ein Theil des geflüchteten Prager Metropolitan-Capitels in Zittau weilte (1420–1436), ist eine Nachricht der leider nicht mehr aufzufindenden Zittauer Chronik zum Jahre 1383 über einen »frommen und gottesfürchtigen Priester, Namens Johannes von Neponiz«, der als Kaplan und Beichtvater der Königin auf Befehl ihres Gemahls, des böhmischen Königs, im Moldauflusse ertränkt wurde, weil er, »öfters aufgefordert, die Beichten der Königin zu verrathen, sich dessen beständig geweigert habe«. Seine Ertränkung geschah so sehr im Geheimen, daß »niemand eine Kenntniß hatte, wohin er gekommen wäre«. Die Chronik fügt dann hinzu, wie er, von Fischern im Wasser aufgefunden, nächst dem Hochaltare der St. Veits-Cathedrale, im Umgange, seine Ruhestätte erhalten habe, wie er »durch göttliche Kraft große Wunder wirkte«, und wie das Grab, um ein Darauftreten zu verhindern, »mit einem eisernen Gitter sei umgeben worden« (Berghauer II, 18; Innsbr. Ztschr. f. Theol. 1883, 95 ff.). Dasselbe bezeugt in Betreff der Ursache und der Art des Todes Paul Židek in seiner »Unterweisung für den König« Georg Podiebrad, vollendet 1471 am Neujahrstage (Bergh. II, 6 etc.; Innsbr. Ztschr. 90 ff.). Der hierher gehörige Text lautet: »Da er« [König Wenzel] »einen bösen Verdacht gegen seine Gemahlin hegte, und diese dem Magister Johannes, Dechant von Allerheiligen, gebeichtet hatte, kam unerwartet der König zu ihm, auf daß er ihm sage, wem sie beiwohne: und als der Dechant nichts sagen wollte, befahl er, ihn [Bd. 6, Sp. 1726] zu ertränken. Hernach trocknete der Fluß aus: und weil die Menschen wegen der Mühlen kein Brod hatten, so fingen sie an, gegen den König zu murren. Dieß war der Anfang des Übels.« Ein solches Zeugniß über eine bis dahin so unerhörte That ist um so gewichtiger, weil es am Hofe Podiebrads von einem Manne abgelegt wurde, der, ausgezeichnet durch Wissenschaft wie durch Leiden für die Kirche, Doctor an fünf Universitäten, seit 30 Jahren Mitglied des Prager Metropolitan-Capitels und Zeitgenosse von Männern war, welche den hl. Johannes persönlich gekannt hatten. Ein solcher Mann ist sicher nur der Dolmetsch dessen, was damals allgemeine Überzeugung war. – Etwa ein Decennium jünger ist die kurze, dem Domdecan Johannes von Krumau (Gest. nach 1487) zugeschriebene Notiz in einem alten handschriftlichen »Diarium« des Prager Metropolitan-Archivs (Bergh. II, 9. 10): »– 1383. Johanko von Pomuk von der Brücke aus ertränkt«. Ihr folgt eine gedrängte Geschichte der Prager Domdechanten bis 1483, d. i. bis 100 Jahre nach der oberhalb des Ganzen als Ausgangspunkt stehenden Jahreszahl. Der Name »Pomuk« findet sich an einer radirten Stelle und nochmals unter derselben von gleicher Hand eingeschrieben, – ein Beweis, wie der Verfasser gerade hier jedem Verdachte einer Irrung hat vorbeugen wollen (Controversia 99. 100; Innsbr. Ztschr. 88 ff.). Jedenfalls bestätigt die Notiz, daß gegen Ende des 14. Jahrhunderts, also unter König Wenzel, ein Johannes von Pomuk einen gewaltsamen Tod in der Moldau erlitten habe. Das Motiv gibt eine andere lateinische Schrift vom Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts an, welche vor wenigen Jahren im Metropolitan-Archiv aufgefunden ward (Innsbrucker Ztschr. 95). Sie besagt: »Johannes von Nepomuk, Canonicus von Prag, ein heiliger und frommer Mann, königlicher Beichtvater und Almosenier, wurde von König Waclav gefoltert, damit er die Beichte der Königin verrathe; aber er wollte und konnte nicht. Darum ließ er ihn von der Brücke in die Moldau stürzen 1383, 16. Mai. Er glänzt durch Wunder.« – Das Nämliche drückt der von C. Hofler (Geschichtschreib. I, S. XLVII) entdeckte Liber viaticus Sanctae Pragensis ecclesiae, welches Buch Aufzeichungen von 1378 bis 1483 enthält, in folgender Weise aus: »Johannes von Pomuk, durch König Wenzel von der Brücke in die Moldau gestürzt, weil er die Beichte der Gemahlin desselben nicht verrathen wollte. 1383, 16. Mai.« Allerdings ist diese Aufzeichnung von einer spätern Hand des 16. oder 17. Jahrhunderts, verdient aber jedenfalls eine Beachtung, insofern sie höchst wahrscheinlich nach älteren Quellen gemacht worden ist.

Das beste Zeugniß für die Existenz eines Johannes von Pomuk bietet das Grab des Heiligen selbst. Aus der Zittauer Chronik und ebenso aus der Chronik von Goldenkron (15. Jahrhundert) [Bd. 6, Sp. 1727] geht hervor, daß schon damals das Grab durch ein eisernes Gitter ausgezeichnet war, – ein Zeichen der besondern Verehrung, welche man dem dort ruhenden Joannes de Pomuk, wie ihn die sicher aus dem 14. Jahrhundert stammende Aufschrift auf dem ursprünglichen Grabstein nennt (Proc. II, Summ. n. 14, §§ 9. 10), von jeher gezollt hatte. Als man bei der canonischen Visitation des Grabes am 15. April 1719 den heiligen Leib aufgefunden, an den augenscheinlich bis dahin nie war gerührt worden, da fand man zugelich die Zunge vollständig unversehrt und am Skelett selbst Spuren von erlittenen Gewaltthätigkeiten. – Das erste Gitter wurde im J. 1530 (Frind 75) auf Veranstaltung des Prager Domdecans Wenzel von Wolfenburg mit einem zweiten, höhern eingefaßt und amtlich mit einer lateinischen und böhmischen Gedenktafel versehen, die den »ehrwürdigen … Mag. Johannes von Nep.« als einen »bis zum Tode getreuen Bewahrer des Siegels der hochh. Beichte« verkündet, und schließt: »… Durch Wunder berühmt, liegt er hier begraben, im J. 1383.« Erneuert wurde die Gedenktafel 1679. – Auch Gemälde aus dem 15. und 16. Jahrhundert verbürgen uns die damalige Überzeugung von der Existenz eines solchen Martyrers. Um das nach der beigefügten uralten Pergament-Inschrift von dem heiligen Leichnam selbst (am 20. Mai. 1383) abgenommene und von Pubitschka (Geschichte, Anm. zu S. 131; Unusne 46 sq.) genau beschriebene Bildniß zu übergehen, so fand sich im Prager Altstädter Rathhause eine 1632 nach einem alten Gemälde vom Jahre 1481 restaurirte Abbildung mit der lateinischen Inschrift: »Der hl. Johannes Nepomuk ertränkt 1383.« (Proc. II, Summ. n. 40, §§ 11–14.) Ebenso war in der Domsacristei noch zu Balbins Zeit ein Wandbild vom Jahre 1490 vorhanden, worauf unter den übrigen Patronen Böhmens auch »der hl. Johannes von Nepomuk« mit der Martyrerpalme erschien (Proc. II, Inform. 212). In der Neustadt in der ehemaligen Corporis-Christi-Kirche, die lange Zeit der Universität der Utraquisten dienen mußte, fand sich ein Gemälde, welches den Heiligen als Beichtvater der Königin zeigte; links sah man das Grab mit dem niedern Gitter, im Hintergrunde Prag mit der Brücke, von der er hinabgestürzt ward; oben rechts war die Aufschrift: S. Joannes Nepomuczky. 1552. (Bergh. II, 120. 121.) – Endlich ist noch ein Wandbild über dem St. Sigismund-Thore der Prager Cathedrale vorhanden, welches Kaiser Ferdinand I. 1552 malen und Ferdinand II. 1630 erneuern ließ. In der Höhe erblickt man Christus am Kreuze und die Schutzheiligen Böhmens, unter ihnen auch mit der Martyrerpalme den »hl. Johannes von Nepomuk«; zu den Füßen des Gekreuzigten beten auf den Knieen mehrere Glieder des Erzhauses mit Kronen (Berg. II, 122).

An diese älteren Documente und Denkmäler für die Existenzt des Martyrers des Beichtsiegels [Bd. 6, Sp. 1728] schließt sich eine Reihe von Historikern, welche, ohne Unterschied des Bekenntnisses oder der Nationalität, bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts hin, einstimmig dasselbe bezeugen. Die Acten der drei canonischen Prozesse erwähnen gegen 30 verschiedene Auctoren; ungefähr von 13 werden die einschlägigen Stellen wörtlich angeführt. Berghauer (II, 10–95) hat die Namen und Stellen, die etwa bis zum Jahre 1700 reichen, gesammelt und wiedergegeben, ohne Vollständigkeit zu beanspruchen. Allerdings ist Hajek, der die Reihe eröffnet, durch neuere Forschungen als ein vielfach unkritsicher Geschichtschreiber erfunden worden. Allein daraus folgt nicht, daß er in Allem und Jedem unkritisch verfahren ist. Standen ihm ja außer anderen Archiven noch die königliche Landtafel und Hodějowa’s reiche vaterländische Büchersammlung zu Gebote, die der Brand vom 2. und 3. Juni 1541 völlig vernichtet hat; absichtliche Fälschung oder Erdichtung aber darf man, besonders gegenüber seinen in der Widmung seines Werkes an Ferdinand I. gegebenen Versicherungen (Proc. Apost. Summ. n. 4, § 34), ohne Beweise nicht voraussetzen. Und gerade bei der Frage, ob es wirklich einen Johannes von Pomuk oder Nepomuk gab, den Wenzel IV. um des Beichtgeheimnisses willen ertränken ließ, konnte er bezüglich des Hauptpunktes in seiner unter der Controle dreier kaiserlicher Revisoren, ja des ganzen Landes und insbesondere seiner husitischen Gegner stehenden »Geschichte Böhmens« (im Druck vollendet 1541) unmöglich etwas als Thatsache erzählen, das nicht allgemeiner Glaube war. Überdieß bestätigen, wie gesagt, sämmtliche nachfolgenden Geschichtschreiber, ohne auch nur den geringsten Widerspruch zu erfahren, durch mehr als zwei Jahrhunderte dieses Martyrium und dessen Ursache. Haben sie alle Hajek einfach copirt? Aber schon der fast gleichzeitige Dubravius, Bischof von Olmütz, berichtet um 1552 von einem wunderbaren Austrocknen der Moldau nach dem Tode des Martyrers, so daß der heilige Leib bloßgelegt worden sei. Er hat also noch andere Quellen vor sich gehabt, als den Chronisten Hajek, der hiervon nichts erwähnt. Der gelehrte Prager Dompropst Pontanus nennt in seiner Bohemia pia (vom Jahre 1608, s. Zimmermann 88) den Heiligen Eleemosynarius (kgl. Almosenier), als welchen ihn, wie schon oben angegeben, auch eine handschriftliche, an 100 Jahre ältere Notiz des Domarchivs bezeichnete. Ebenso thut der Domdecan und spätere Bischof von Samandria, Pessina von Čechorod (Gest. 1680), eines Lichtwunders bei der Geburt unseres Heiligen Erwähnung, während hierüber bei Hajek nichts zu finden ist. Der Domscholasticus und nachherige Propst Wenzel Nebeský von Blumenberg, Verfasser der handschriftlich hinterlassenen »Reihenfolge der Prager Bischöfe, Erzbischöfe und Canonici« (1665, bei Bergh. II, 43), hat noch andere Quellen benutzt, da er als Tag des Martyriums ausdrücklich den 16. Mai bezeichnet. Dlouhoveský, Domprobst und zuletzt Bischof von [Bd. 6, Sp. 1729] Mileve und Prager Suffragan, der erste, welcher (1668) eine ausführliche Lebensbeschreibung unseres Martyrers geliefert hat, versichert »auf Priesterwort«, was er über unsern sel. Johannes von Nepomuk habe auffinden können, »aus verschiedenen, durchaus glaubwürdigen und sicheren Handschriften gesammelt« zu haben (Bergh. II, 44 sq.). In der deutschen Bearbeitung (1680) weist er auf einen früher in der Prager Domsacristei aufbewahrten und viele Wunder des Heiligen enthaltenden alten Codex hin, von welchem Canonicus Wolfgang Chanowský (gest. 1586) gesprochen habe, und welcher, lange vermißt, glücklich wieder zum Vorschein gekommen sei (Bergh. II, 71, coll. 3). (Leider ist der Codex seitdem abermals in Verlust gerathen.) Dlauhoveský bot dem P. Balbin zum Leben des hl. Johannes von Nepomuk (vollendet schon 1671) den Hauptstoff, welchen dann derselbe, wie er erklärt, aus »vielen Handschriften und gedruckten Büchern« ergänzt und vervollständigt hat (Bergh. II, 52 sq.). Auch er ist also kein bloßer Copist Hajeks, nicht einmal dessen blinder Nachbeter; denn er corrigirt ihn nicht nur gerade in dieser Biographie in Betreff des Todesjahres der Königin Johanna (bei Bergh. II, 59), sondern er tadelt auch diejenigen, die ihm eine Art Unfehlbarkeit zusprechen (Bergh. I, 178), und bekennt (Miscell. dec. I, l. 4, part. 1, § 73) mit Krüger, daß der sonst hervorragende Annalist in manchen Partien nachlässig vorgegangen sei. (Vgl. über Balbin noch Controv. 105 sq.; über den Werth der von Höfler, Geschichtschr. III, 152. 153 veröffentlichten Bemerkungen des P. Freiberger zu Balbins Schrift die Innsbr. Z. 78, Anm. 2.) Noch sind mit Überzeugung des Prager Erzbischofs Ferdinand von Bilenberg (Berg. II, 67. 68) zwei Auctoren zu nennen, welche ebenfalls nicht ohne Prüfung nachgeschrieben, was Hajek oder Andere vor ihnen über die Streitfrage vorbrachten. Der eine ist Macarius von Merfelic, Canonicus Scholasticus von Prag, der sein Buch über das Leben und den Tod des hl. Johannes von Nepomuk (vom J. 1684) einen Auszug nennt »aus theils gedruckten, theils handschriftlichen Werken bewährter und glaubwürdiger Schriftsteller« (Bergh. II, 73 sq.); der andere ist Hammerschmidt (gest. 1735), im apostolischen Prozesse einer der Sachverständigen bei Prüfung der alten Manuscripte, ein fleißiger Sammler und Verfasser vieler geschichtlichen Arbeiten über die Wyssehrader Kirche, über Prag und andere Orte Böhmens, dessen ununterbrochene literarische Thätigkeit Berghauer (II, 89) rühmend hervorhebt. Alle diese Historiker, denen selbst Akatholiken aus jener Zeit, wie Christoph Manlius (um 1561, bei Bergh. II, 16. 17), Martin Boregk (vom Jahre 1587, ibid. 17), der Plagiarius Johann Cluver (vom Jahre 1662, ibid. 40), Heinrich Roch (vom Jahre 1687, bei Zimmermann 101. 102) u. s. w., nicht zu widersprechen wagen, können denn doch nicht leichthin bei Seite geschoben werden; ihre Übereinstimmung vielmehr sowohl unter sich, als mit den vorhandenen, [Bd. 6, Sp. 1730] oben aufgezählten alten Aufzeichnungen und Denkmälern ist ein vollgültiges Zeugniß für die Existenz eines Johannes von Pomuk als Martyrers für das Bußsakrament.

Ein solches Martyrium ließ sich ohnehin, schon wegen einer so unerhörten Ursache, wie die Bewahrung des Beichtsiegels ist, schwer erfinden und, wäre es nicht thatsächlich eingetreten, noch schwerer, ohne Erregung von Zweifeln und Widerstand, in die verschiedensten und weitesten Kreise hin verbreiten. Nun aber weisen die Acten der Canonisationsprozesse hierüber eine Tradition nach, deren Anfänge nicht entdeckt werden können, die sich ununterbrochen von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzt hat, die nirgends auf Widerspruch gestoßen, die sich sogar in Nebenumständen treu geblieben ist und nicht eine bloße kalte Erinnerung darstellt, sondern trotz der Zeitstürme mit einer stets zunehmenden Verehrung des Heiligen verbunden geblieben ist. Mann kann auch nicht sagen, daß sie nur ein Wiederhall der damaligen Geschichtswerke sei. Denn allerdings steht sie mit denselben im Einklang, auch in Beziehung auf weniger bedeutende Einzelheiten, wie z. B. auf die durch Lichterscheinungen verherrlichte Geburt und die erste unter Obhut der Cistercienser von Pomuk fromm verlebte Jugend des Heiligen, auf seine Ämter als Prediger an der Theinkirche und später als Canonicus und Domprediger bei St. Veit, auf seine Stellung am Hofe Wenzels als Almosenier und Beichtvater der Königin Johanna, auf die öfter, aber vergebens an ihn gestellten Zumuthungen des Königs, das Beichtsiegel zu verletzen, und die dabei angewendeten Lockungen, Drohungen und Folterqualen, auf seine Abschiedspredigt und seine Wallfahrt nach Altbunzlau, endlich in Beziehung auf die nach seinem standhaft erlittenen Tode und später bei dem Grabe erfolgten Wunder, wie auf den ihm von seiner Bestattung an erwiesenen kirchlichen Cult (Proc. Apost. Summ. n. 5 sq.). Schon bei den Aussagen der verhörten Zeugen (Proc. Apost. Respons. ad Animadv. §§ 46. 47) wurde dasjenige, was sie in den Auctoren gelesen, ausdrücklich von dem geschieden, was sie von Mund zu Mund durch ihre Vorfahren empfangen hatten: und alles, was sie nach eigenen Reminiscenzen aus ihrem Knabenalter angeben, weist meistentheils auf Zeiten hin, welche über Balbin und die anderen ausführlicheren Historiker weit hinausreichen. (Vgl. die aus Proc. I vom Jahre 1715 compulsirte Aussage schon des allerersten, 70jährigen Zeugen im Proc. Apost. Summ. n. 5, §§ 14. 15. 16.) Sie alle nennen, was sie gerichtlich deponiren, wiederholt eine immerwährende, beständige, ununterbrochene Überlieferung und öffentliche Meinung. Bürgen und Hüter derselben waren die ältesten Familien Prags, Nepomuks, ja des ganzen Landes, unter ihnen auch solche, welche, im Laufe der Zeiten von der katholischen Kirche abgefallen, dem Martyreer des Beichtsiegels ihre Verehrung verweigerten, aber seine Existenz zu läugnen nicht wagten. Bürgen und Hüter waren [Bd. 6, Sp. 1731] ferner die Cistercienser, minderen Brüder, Kreuzherren, Benedictiner, Prämonstratenser und andere Orden, die von Alters her in Böhmen blühten und ihre Traditionen treu bewahrten. Vor Allen aber war Bürge und Hüter das Prager Metropolitan-Capitel, die Grabeswache des einstigen Collegen, eine Körperschaft, die, um mit Frind (Denkschr. 71) zu reden, »den großen Vorzug hatte, niemals altern zu können und niemals zu sterben«. Man hat, nachdem man in den Archiven und Bibliotheken mehr als 20 Jahre lang das Material gesammelt (Contr. 41. 42), etwa fünf Jahre lang (1715–1719 und 1719 bis 1720) im Namen des Ordinarius von Prag den Ruf der Heiligkeit, des Martyriums und der Wunder des Dieners Gottes Johannes von Nepomuk, wie dessen öffentlichen Cult seit unvordenklicher Zeit untersucht, und die Folge war, daß Innocenz XIII. (am 25. Juni 1721) seine kirchliche Verehrung als eines »Seligen« bestätigte. Neuerdings wurden dann im Namen des apostolischen Stuhles zwei Jahre (1723–1725) nur auf die Prüfung der Wirklichkeit seines Martyriums verwendet, und alles dieses geschah unter dem scharfsinnigen Promotor fidei Prosper Lambertini, dem nachmaligen Papste Benedict XIV. Endlich ward nach Constatirung von vier Wundern Johannes von Nepomuk als erster Martyrer des Sacramentes der Buße von Benedict XIII. feierlich canonisirt (Bulle Christus Dominus vom 19. März 1729). Wer die gedruckten Acten der drei Prozesse und namentlich die Einwendungen Lambertini’s und die darauf gegebenen Antworten gelesen hat, wird zugeben müssen, daß nicht alle historisch geglaubten Thatsachen eine so ernste und gründliche Probe bestanden haben, wie die im 14. Jahrhundert unter Wenzel IV. um des treu bewahrten Beichtsiegels willen erfolgte Ertränkung eines Johannes von Pomuk oder Nepomuk.

Geläugnet hat diese Ursache des Maryriums zuerst der Prager Augustiner-Eremit P. Athanasius vom hl. Joseph in seiner zweiten, 1777 gedruckten Dissertatio historico-chronologico-critica de Joanne de Pomuk. Weiter ging Ritter von Steinsberg, ebenfalls zu Prag, der 1782 und 1783 Alles aufbot, um zu beweisen, daß Wenzel IV. des Beichtsiegels wegen niemanden, den Generalvicar Johannes von Pomuk aber nur wegen seines Ungehorsams gegen den König mit dem Tode bestraft habe, und daß höchstens ein Martyrium für die geistliche Immunität zuzugeben sei (Dobrowský, Liter. Magaz., 3. Stück). Der neuern und neuesten Zeit indessen war die Entdeckung vorbehalten, daß die Verehrung unseres Heiligen von den Jesuiten aufgebracht worden sei, um den Cult des Magisters Hus aus Böhmen zu verdrängen. So z. B. Dr. Otto Abel (Legende vom hl. Johannes von Nepomuk, Berlin 1855; vgl. Frind 119); so ein Prager Correspondent der République française (14 Juillet 1875), der zugleich die Gesinnung und die Kampfesweise fast aller Johannes-Gegner der [Bd. 6, Sp. 1732] Neuzeit getreulich wiedergibt. Diese genannten Auctoren hatten übrigens, was zu beachten ist, nicht den Johannes, wie die in den Canonisationsacten vorliegende Tradition ihn darstellte – dessen Existenz verwarfen sie schlechthin –, sondern einen Johannes Wölflin von Pomuk im Auge, der, im Jahre 1372 noch als Prager Cleriker kaiserlicher öffentlicher Notar, 1374 erster Notar der erzbischöflichen Kanzlei, um 1375 Altarbeneficiat der hll. Erhard und Ottilia im Prager Dome, 1380 erzbischöflicher Secretär, wie auch Pfarrer von St. Gallus, nach Erlangung eines Canonicates bei St. Ägid und des Doctorgrades in decretis, 1389 Canonicus von Wyssehrad und Generalvicar des Erzbischofs Johannes von Jenzenstein, endlich mit Vertauschung der St. Gallus-Pfarrei 1390 Archidiacon von Saaz und als solcher dem Domcapitel aggregirt Canonicus ad extra (Frind 21–33), am 20. März 1393 auf Befehl Wenzels IV., aus Anlaß der dem König unliebsamen Excommunication des königlichen Günstlings Huler und der Bestätigung eines Abtes in Kladrau, in der Moldau war ertränkt worden.

P. Athanasius war schon 1747, vielleicht durch das häufige Vorkommen des Namens in den amtlichen Capitelbüchern bewogen, auf den Gedanken gekommen, ob nicht dieser Generalvicar unser heiliger Martyrer sei, und hatte hierüber eine Dissertatio historico-critica geschrieben, die aber nicht im Druck erschien (Dobrowský a. a. O.). Die im J. 1752 zu Prag bekannt gewordene Beschwerdeschrift Jenzensteins an den Papst Bonifatius IX. wider König Wenzel, worin die Ertränkung Johannes’ von Pomuk ausführlich berichtet wird (Querela p. XI–XIII; Materia abbr. p. XXIII. XXIV bei Pubitschka, Chronol. Gesch. VII), bestärkte den Gelehrten in seiner Ansicht, und er verfaßte die obengenannte zweite Dissertation. Weil er jedoch in dem Documente keine Spur von einem Beichtsiegel entdeckte, so erklärte er jetzt die Geschichte von dessen Bewahrung als erfunden; die Unrichtigkieten in dem Canonisationsprozesse und dem Breviere beträfen, meinte er, nur Nebensachen und dürften nach Benedict XIV. verbessert werden; Žideks Zeugniß ferner stütze sich auf bloßes Hörensagen, und rein historische Traditionen seien erfahrungsmäßig nicht (wie die kirchlichen) vor Irrungen sicher. Er übersah, daß wenigstens die causa martyrii, hier das Beichtsiegel, der Angelpunkt der Canonisationsverhandlung, nicht bloße Nebensache ist; daß Židek unter Umständen berichtet hat, welche, was die Hauptfrage angeht, jeden vernünftigen Zweifel ausschließen, daß ferner nicht jede historische Tradition nothwendig Irrthümer enthält, und daß in vorliegendem Fall die Tradition anhaltend und ernst geprüft worden ist. Der von Ritter von Steinsberg wider den Generalvicar erhobene Vorwurf des Ungehorsams gegen den König ist nicht allein vom Rechtsstandpunkte in sich selbst nichtig, sondern ermangelt auch der historischen Begründung. Die Beschwerdeschrift Jenzensteins läßt Wenzel [Bd. 6, Sp. 1733] zum Erzbischof, nicht einmal zum Generalvicar reden: »Du excommunicirst meine Beamten ohne mein Vorwissen, du hast den Abt von Kladrau bestätigt« (Querel. p. XII), und Lupacius (bei Zimmermann 83) erzählt, 1393 sei nach den böhmischen Chronologen Dr. Johannecius ertränkt worden, weil er die Bestätigung, ohne des Königs Entscheid und Genehmigung abzuwarten (citra arbitrium atque consensionem regis), vorgenommen habe. Wo ist da eine Berechtigung, auf Kosten des Generalvicars Wenzels Handlungsweise zu beschönigen? Über den an dritter Stelle genannten Dr. Abel bemerkt C. Höfler (Geschichtschr. I, S. XLIX): »Jedenfalls ist es ein sehr ungeeignetes Verfahren, wenn man über eine historische Controverse schreibt, von den nichtswürdigsten Anschuldigungen des infamsten Betrugs auszugehen, ohne sich auch nur die Mühe gegeben zu haben, die Acten selbst zu befragen.« Was insbesondere die Erfindung unseres Johannes-Cultus durch die Jesuiten betrifft, so hat Dr. Abel entweder nicht gewußt oder doch vergessen, daß der Erste, welcher auf Ferdinands I. Wunsch aus der am 27. September 1540 von Paul III. bestätigten Gesellschaft Jesu nach Böhmen kam, der sel. Petrus Canisius, 1555 in Prag eintraf, also zu einer Zeit, da die Verehrung des Grabes und der Person des Martyrers Gottes und des Heiligen, wie ihn nach Hajeks Zeugniß (bei Bergh. II, 12) Viele nannten, schon längst eine weit verbreitete war. Wenn ferner der nämliche Doctor als besten Beleg für seine Hypothese, daß der Hus-Cultus verdrängt werden sollte, auf den 16. Mai hinweist, auf den auch das Fest des Johannes Hus gefallen sei, so widerspricht diese Behauptung wenigstens für Böhmen (und auf dieses hätte doch die Unterschiebung eines katholischen Heiligen zunächst berechnet sein müssen) den vielen, noch vorhandenen husitischen Original-Missalien und Cantionalen aus jener Zeit, nach denen das Fest des Magisters Hus stets am 6. Juli, d. i. an seinem Sterbetage, gefeiert wurde (Frind a. a. O.). Als die österreichische Regierung verbot, das 460. Jahresgedächtniß des Todes des Magisters Hus öffentlich zu begehen, berief man sich czechischerseits auf den damals gerade veröffentlichten dritten Band der Geschichte Prags (Prag 1875) von Wenzel Tomek; dieser habe »den Rest des Schleiers zerrissen, der den unwürdigen Betrug nothdürftig verhüllen half«. Tomek aber fügt nur seinem Berichte über König Wenzels IV. Verhalten gegen Erzbischof Jenzenstein und dessen Generalvicar Johannes von Pomuk (369–372) eine Note bei, worin er – und das ist alles, was er über unsere Frage hat – wörtlich sagt: »Aus dem, was ich soeben erzählt habe, geht hervor, daß ich mit jenen älteren und neueren Schriftstellern, welche den Generalvicar Johannes von Pomuk für den hl. Johannes von Nepomuk halten, nicht übereinstimme. Ich kann aus dem Grunde nicht beistimmen, weil in der Heiligsprechung des Johannes von Nepomuk durch den päpstlichen Stuhl seine« (des Generalvicars) [Bd. 6, Sp. 1734] »Person nicht gemeint war, und weil die fromme Meinung des Volkes« (d. i. die Landestradition) »Anfangs des 18. Jahrhunderts, auf welche bei jener Heiligsprechung das Augenmerk gerichtet war, sich nicht auf diesen Johannes von Pomuk, sondern auf eine andere Person bezog« (372).

Damit jedoch diese Erklärung des Verfassers der »Geschichte Prags« besser verstanden werde, muß an Folgendes erinnert werden. Seit Dobner, dessen Vindiciae 1784 erschienen, ist unter den katholischen Gelehrten und Verfechtern des hl. Johannes als ersten Martyrers für das Bußsacrament eine sehr beträchtliche Anzahl, in neuester Zeit insbesondere Ginzel, C. Höfler, A. Frind, Aug. Amrhein u. A., der Ansicht beigetreten, daß diese Ehre dem 1393 von König Wenzel ertränkten Generalvicar Johannes von Pomuk zuerkannt werden müsse; ein anderer gleichnamiger Canonicus von Prag sei nicht nachweisbar, und die Jahreszahl 1383 in den Canonisationsacten sei ein, freilich sehr entschuldbarer Irrthum. Palacký (Geschichte von Böhmen, III, 1, 62, Anm. 70) hat diese Ansicht, zu welcher auch er sich hinneigt, die vermittelnde genannt. In der That steht sie in der Mitte zwischen der ältern und der jüngern Anschauung: mit jener hält sie (gegen P. Athanasius, Steinsberg u. A.) an der eigentlichen causa martyrii, der Bewahrung des Beichtsiegels, fest; mit dieser (der jüngern) nimmt sie nur Einen Johann von Pomuk, den Generalvicar, an, der aber mit dem besprochenen Martyrer identisch sei. Von streng dogmatischer Seite läßt sich gegen diese vermittelnde Ansicht nichts einwenden; denn wenngleich die Bulle Benedicts XIII. den Tod des Heiligen sicher noch in die Lebenstage der Königin Johanna, mithin vor 1393 versetzt (Bergh. II, 437 Joannis caedem etc.), so wird doch der eigentliche Kernpunkt der Canonisation, das Martyrium und die Ursache des Martyriums, behauptet und vertheidigt. In historischer Beziehung aber bringt sie wohl eine wahre Unzahl von uralten, meistens gleichzeitigen Documenten theils für die Existenz, theils für die Ertränkung des spätern Generalvicars. Für die erstere allein zeugen die 13 Libri erectionum (Verzeichnisse von Stiftungen), deren mehrere Johannes selbst noch als Notar zusammengeschrieben hat (Bergh. I, 403); ebenso die 7 Libri confirmationum (Bestätigungen durch einen erzbischöflichen Official), welche an 352 Urkunden desselben enthalten (Höfler, Geschichtschr. I, S. XLIX) u. s. w. Bei einer vereinzelt aufgefundenen Schenkungsurkunde von 1374 hat ein Ungenannter in einem Capitelregister von 1510 beigefügt: »Beatus Joannes de Nepomuk me fecit« (Tomek bei Frind 59. 60). Er hält also, folgert man, denselben Johannes, der auch in anderen Urkunden aus jenem Jahre als Kanzleinotar des erzbischöflichen Vicariats erscheint (z. B. Bergh. I, 402), d. i. den spätern Generalvicar, für unsern heiligen Martyrer. – Der Ertänkung erwähnen, außer der Beschwerdeschrift des Erzbischofs Jenzenstein, dessen von einem vertrauten Freunde [Bd. 6, Sp. 1735] um 1402 verfaßtes Leben (Vita Joannis de Jenczenstein, Pragae 1793, 43 sq.), worin Johannes von Pomuk ein »durch glänzende Wunder bewährter« (clarescentibus miraculis … ostensus) Martyrer heißt, – und wenigstens 13 oder 14 chronikalische Aufzeichnungen (18 nach Frind 38–43), unter denen überdieß eine, von dem anonymen Fortsetzer Pulkawa’s (nach Frind um 1470), von dem vielgeehrten Grabe spricht, die andere, Chronik von Goldenkron (aus dem 15. Jahrhundert, nach Dobner 40), auch von Wundern und dem Grabgitter berichtet. Dort an diesem Grabgitter wurde nach Frind (17, Anm. 5), der sich auf den Ordo Commendarum (Ordnung für die Gedächtnißfeierlichkeiten), ursprünglich vom Jahre 1416, beruft, alljährlich in der Vigil des hl. Benedict das Andenken an Johanko Pomuk begangen. – Das sind die Hauptquellen, aus denen die vermittelnde Ansicht ihre Berechtigung ableitet.

Zunächst folgt aus ihnen allerdings, daß in Prag ein Generalvicar Namens Johannes von Pomuk existirt hat, und daß dieser Generalvicar im J. 1393 durch König Wenzel in der Moldau ertränkt worden ist. Dagegen kann niemand eine Einwendung machen. Allein ob der so Ertränkte um des Beichtsiegels willen den Martertod erlitten habe, das ist die Frage, um welche es sich eigentlich handelt. Und gerade hierauf läßt sich aus den Urkunden, welche nur die Existenz oder die Ertränkung bestätigen, keine directe und an sich genügende Antwort gewinnen; ebenso wenig aus den Berichten und chronikalischen Notizen, die entweder gar keine oder eine von dem Beichtgeheimnisse verschiedene Ursache des Todes angeben. Hierher muß auch Jenzensteins Beschwerdeschrift gerechnet werden, trotz des von Dobner (Vindic. 21–26) versuchten Beweises, daß die Bestätigung des Abtes von Kladrau dem König Wenzel nur als Vorwand gedient habe, den Generalvicar ertränken zu lassen. Denn selbst wenn der Versuch weniger Hypothesen und Willkürlichkeiten enthielte, wie z. B. daß Wenzel den Generalvicar allein, und nicht auch (Querel. p. XII und Mater. abbr. p. XXIV) den Official Puchnik mit eigener Hand gemartert habe (vgl. Controv. 83 sq.), so wäre damit immer noch nicht dargethan, daß die eigentliche Ursache das Beichtsiegel, und der »jam Martyr sanctus« genannte Vicar (Querel. p. XI) ein Martyrer des Bußsacramentes gewesen. – Von einer solchen Ursache des Martyriums reden unter den von Frind aufgezählten Chronisten nur zwei ausdrücklich: Ebendorfer (s. Denkschr. 42) und Židek (l. c. 43). Indessen ob jener wirklich den Generalvicar im Auge gehabt, ist keineswegs so evident, wofern man das zu Erweisende nicht schon voraussetzt. Andreas von Regensburg, an welchen er bei Wenzels Charakterschilderung sich anschließt, scheint freilich in seinem 1422 vollendeten Chronicon generale (ed. Pez, Thesaur. 1723, 592) unter dem ertränkten Doctor Johannes den Generalvicar verstanden zu haben, indem er als den »andern« [Bd. 6, Sp. 1736] zum Verbrennen Verurtheilten den Collegen Pomuks und spätern erwählten Erzbischof »Buchniko« (Puchnik) bezeichnet. Allein verläßlich ist an dieser Stelle der Regensburger Chronist durchaus nicht, und Ebendorfer gibt schon durch das Weglassen des Namens u. s. w. klar zu verstehen, daß ihm der »Andere« nicht Puchnik war, wie denn in der That auf diesen weder die beabsichtigte Todesart, noch der Beweggrund seiner Befreiung passen. Nebstdem weist der Titel »Beichtvater« der Gemahlin Wenzels und die zweite neu hinzugefügte Ursache der Ertränkung auf Prager Traditionen hin. Als deren Gewährsmann aber kann Židek gelten, der kaum ein Decennium nach Ebendorfers Anwesenheit zu Prag (im J. 1433) Capitular der dortigen Metropolitankirche wurde und zur Zeit der Abfassung des Kaiserbuches bereits mehrere Jahre diese Stelle innehatte, also die bis dahin gewiß nicht veränderte Tradition genau zu kennen in der Lage war. Dieser nun spricht deutlich genung von einem andern Johannes als dem von 1393; denn sein »Magister Johannes« litt, will man dem Texte nicht Gewalt anthun, bei Lebzeiten der kurz vorher zweimal und allein genannten ersten Gemahlin Wenzels, d. i. der Königin (Domina) Johanna, die bekanntlich am 31. December 1386 starb. Dieser klare Sinn wird durch das, was über eine eingetretene Austrocknung der Moldau folgt, keineswegs aufgehoben, zumal da schon an sich die mit dem unbestimmten »Hernach« eingeleitete Schilderung die furchtbare, einem göttlichen Strafgerichte ähnliche [Bd. 6, Sp. 1737] Flußdörre von 1393 nicht erkennen läßt, sondern vielmehr auf eine solche hinweist, wie sie auch sonst in den Flüssen eintreten, und wie sie in Böhmen (Zimmermann 83; Controv. 98) im 14. Jahrhundert 1307, 1312, 1326, 1352, 1381 vorgekommen sind. – Auch aus Ebendorfer und Židek läßt sich mithin die Identität des Johannes von 1393 mit unserem Martyrer nicht zwingend beweisen. Ergibt sie sich vielleicht aus dem oben angeführten Beisatze eines ungenannten Registrators (vom Jahre 1510): Beatus Joannes de Nepomuk me fecit? oder aus den »glänzenden Wundern«, die Jenzensteins Biograph als Erweis für das Martyrium des Generalvicars andeutet? – Aber jener Beisatz kann einfach auf einer Verwechslung beruhen, wie denn, durch die Gleichnamigkeit getäuscht, noch später einige, welche zwei Johannes von Pomuk unterschieden, die Urkunden und Actenstücke Johann Wölflins für Schriften des hl. Johannes von Nepomuk gehalten haben (Bergh. I, 403, II, 48, not. b. u. Innsbr. Zeitschr. 104, Anm. 2). Was ferner die »glänzenden Wunder« in Jenzensteins Lebensbeschreibung anbelangt, so zwingt nichts, an die Lichterscheinung nach der Ertränkung oder an die Wunder bei der Grabstätte unseres heiligen Martyrers zu denken. Bei den geringen Ansprüchen, die der Biograph für Annahme eigentlicher Wunder erhebt (vgl. z. B. Vita c. 18), genügt es, hier die bereits erwähnte Flußdörre von 1393 zu verstehen, die auch alte Chronisten, wie die Chronik des Ungenannten um 1422, die Tetschner Handschrift um 1440 u. A. (Frind 83) als Strafwunder für die Ertränkung des Johannes ansahen. Also die directen für die Identität angezogenen Zeugnisse haben denn doch nicht die erforderliche Beweiskraft.

Haben aber eine solche etwa die indirecten, die, wie der anonyme Fortsetzer Pulkawa’s und die Chronik von Goldenkron, das berühmte Johannisgrab im Prager Dom als Ruhestätte des Generalvicars bezeichnen, oder welche, wie der Ordo Commendarum, die Todtenfeier für denselben an dem Gitter jenes Grabes abhalten lassen? Wir glauben nicht. Denn die beiden chronikalischen Aufzeichnungen sind, insoweit sie vom Grabe des Generalvicars handeln, kritisch zu wenig gesichert. Die hierher gehörige Stelle aus Pulkawa’s Fortsetzer lautet: »… Und er« (der erzbischöfliche Vicar Johannes) »wurde in der Prager Burg bei St. Wenzel begraben, da wo sein Name auf dem Steine ausgehauen, und ein Kreuz auf dem Steine ist: auf dieses Kreuz mag bis heute niemand treten.« Zimmermann (73) erklärt die Stelle für einen spätern Zusatz. Palacký (Scriptor. rerum bohem. III, Prag. 1829, 4. 5) beanstandet ebenfalls ihre Authenticität, und schon das angeblich auf dem Grabsteine »eingehauene Kreuz, auf welches niemand zu treten wage«, erregt Verdacht, da auf dem ganzen Steine nach Berghauers Autopsie (II, 14, coll. 6) kein Kreuz befindlich war. – Die zweite Notiz aus der nunmehr verloren gegangenen Chronik von Goldenkron, welche den im J. 1393 am Tage des hl. Benedict ertränkten Doctor Jochancho, Prager Decan, Donnerstags am Feste der Reliquienausstellung aufgefunden sein läßt, ist einzig von Dobner und zwar nur flüchtig eingesehen worden (Vindic. 40, not. gg). Das genannte Fest fiel nie auf einen Donnerstag, sondern stets auf den Freitag nach dem weißen Sonntag, im J. 1393 auf den 18. April; es müßte demnach der Leib des ertränkten Martyrers erst 28 Tage nach der Ertränkung aufgefunden worden sein (!). Der unbekannte und ungenaue Auctor verräth sich durch die völlig unböhmische Schreibweise »Jochancho« und den dem Generalvicar beigelegten Titel »Prager Decan« als einen nach Goldenkrons Zerstörung durch die Husiten vom Auslande eingewanderten, mit der böhmischen Sprache und den kirchlichen Verhältnissen Prags nicht sehr bekannten Mönch. (Mehreres über beide Aufzeichnungen s. in Innsbr. Zeitschr. 109–114.) – Der Ordo Commendarum endlich spricht eher gegen die Identität. Die Stelle lautet (Controv. 90) vollständig also: »In der Vigil von St. Benedict wird ein Jahresgedächtniß abgehalten für Johanko Pomuk, welchen König Wenzel ertränken ließ, – kleineres Todten-Officium, Messe für Verstorbene. Die Commende geschieht vor dem Altare des hl. Clemens, wo ein Marmorstein liegt, in welchem eingemeißelt ist: Johannes Pomuk (wo jetzt das Eisengitter ist im Umgange [Bd. 6, Sp. 1738] [in circuitu]).« Daraus geht hervor, daß im J. 1416 die Commende dort gehalten wurde, wo sich damals der Altar des hl. Clemens befand. Dieser aber befand sich damals als selbständiger Altar, nach Urkunden von 1410 und 1415, wie nach dem von Professor Tomek angefertigten Grundriß der Prager Metropolitankirche vom Jahre 1419, in gleicher Front mit dem Hochaltar an dessen Epistelseite, abwärts am ersten der Pfeiler, die den Mittelraum des herrlichen Baues abgrenzten. Dort in der Nähe, also verschieden von dem nachher mit einem Gitter umgebenen, war auch der Grabstein des Generalvicars. Im J. 1420 zertrümmerte der husitische Pöbel die meisten Altäre; die Zerstörung des Gebäudes selbst hinderte nur der Muth der wackeren Bräuerzunft (Frind 74 ff.). Daß unter den vernichteten Altären ebenfalls der des hl. Clemens gewesen sei, ist nicht zu bezweifeln (Innsbr. Zeitschr. 114–120). Wenn aber nach dem Ordo selbst das ursprüngliche Grab dieses Johannes von 1393 mit dem Johannisgrabe gegenüber der Cardinalskapelle nicht als identisch kann angesehen werden, so folgt, daß nach dem nämlichen Documente die Identität des Generalvicars mit dem heiligen Martyrer schon wegen der Verschiedenheit der Grabstätten nicht annehmbar ist.

Die Tradition, welche in den Canonisationsacten sich ausspricht, bestätigt dieß. Denn abgesehen von anderen Einzelheiten weiß sie bezüglich des als Heiligen verehrten Johannes nichts von Todtenofficien oder Messen de requiem, die für ihn seien gefeiert worden, während eine solche Gedächtniß für den Generalvicar aus dem Ordo und aus drei anderen Documenten (Bergh. I, 374) feststeht. – Auch von den Historikern bis gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts ist keiner für die Identität. Sie alle, wenn sie von der Ertränkung des Martyrers des Bußsacramentes berichten, setzen entweder, wie schon Dubravius (Bergh. II, 15), die 1386 verstorbene Johanna als damals noch lebend voraus, oder bezeichnen 1383 als Todesjahr, oder unterscheiden ausdrücklich zwischen ihm und einem spätern Johannes von 1393. Mehrere von ihnen, wie Pontanus, Pessina, Nebeský von Blumenberg, Dlauhoweský, Hammerschmidt, Berghauer, sind selbst Canoniker des Wyssehrader Collegiatstiftes gewesen, dem einst (seit 1389) Johannes Wölflin angehört hatte. Es hat also – was bei unserer Frage stark in’s Gewicht fällt – zu ihrer Zeit weder in dem Wyssehrader noch im Metropolitan-Capitel, in welchem die vier ersten als Dignitäre eintraten, der traditionelle oder der historische Glaube bestanden, daß der in dem umgitterten Grabe bei St. Veit verehrte Martyrer mit dem Generalvicar identisch sei. Ja, auch zu Hajeks Zeiten bestand ein solcher Glaube nicht. Denn hätte dieser Auctor gegen eine damals herrschende Annahme der Identität zwei Johannes unterschieden, so würden nothwendig einerseits die Capitularen von St. Veit, andererseits die von Wyssehrad Verwahrung eingelegt [Bd. 6, Sp. 1739] haben; jene wegen der Neuerung überhaupt, diese insbesondere, weil die Ehre des Protomartyriums für das Beichtsiegel einem Mitglieder ihres Gremiums abgesprochen und einem Andern, Unterschobenen zuerkannt worden sei. Hajek hat mithin die Unterscheidung nicht zuerst erfunden, sondern schon vorgefunden, und in seinem Werke, dem ersten Versuche einer vollständigen chronologischen Geschichte Böhmens, nur zusammengestellt, was verschiedene Quellen getrennt ihm dargeboten haben. In der That, neben Documenten, welche die Existenz und die aus Anlaß der Kladrauer Abtwahl im März 1393 öffentlich (Querel. p. XIII) erfolgte Ertränkung eines Generalvicars Johannes von Pomuk bezeugen, finden sich andere, welche über einen zur Zeit der Königin Johanna, genauer im Mai 1383, einzig des Beichtsiegels wegen insgeheim (Zitt. Chron.) in die Moldau gestürzten Beichtvater Johannes von Pomuk oder Nepomuk berichten. Wohl hat man, um dennoch die Identität zu retten, die Jahreszahl 1383 für ein bloßes Versehen erklärt und insbesondere die Angaben der Zittauer Chronik und der Gedenktafel des Grabes vom Jahre 1530 auf Johannes von Kraumau und dessen Diarium zurückgeführt. Allein ein Beweis für diese Behauptung ist bisher nicht erbracht. In dem Zittauer Stadtbuch läßt schon die Namensform Johannes von Neponic eine andere Quelle vermuthen, als den Domdechanten, der ihn Johanko von Pomuk nannte (Innsbr. Ztschr. 97. 98). Was die Gedenktafel betrifft, so wird wohl deren Verfasser, Wenzel von Wolfenburg, ebenfalls Domdechant und als solcher der amtliche Wächter über die Anniversarien (Pubitschka, Gesch. 55), auch um die Stiftung gewußt haben, die ein gewisser Geneczko im J. 1396 zu Handen des Nicolaus Puchnik, des Martergenossen des Generalvicars, gemacht »zur Haltung eines Jahresgedächtnisses für Johannes von Pomuk, Saazer Archidiacon, ertränkt 1393« (Frind 37; Bergh. I, 374). Da ist es schwer zu glauben, daß er durch Johannes von Krumau sich habe verleiten lassen, 1383 statt 1393 auf die Tafel am Grabe zu setzen.

Manche freilich finden es seltsam, daß in demselben Prager Capitel fast zu derselben Zeit zwei verschiedene Persönlichkeiten desselben Namens Johannes von Pomuk sollen gelebt haben; Manchen wieder ist das Schweigen auffallend, das in den Prager Capitelbüchern, den verschiedenen Chroniken und selbst in Jenzensteins Beschwerdeschrift bezüglich eines Johannes von 1383 herrscht. Indessen das Seltsame der Gleichnamigkeit verliert sich, wenn man bedenkt, daß der jüngere Johannes von Pomuk (so nennen ihn die Canonisationsacten selbst) erst 1390, also sieben volle Jahre nach dem Tode des ältern, und zwar nicht als Residenzialdomherr, sondern als Canonicus ad extra dem Capitel einverleibt wurde, und daß de Pomuk in jener Zeit ein nicht gar seltener Zuname scheint gewesen zu sein (Innsbr. Ztschr. 102–104). Für das Schweigen aber läßt sich unschwer eine natürliche Erklärung finden (ebd. [Bd. 6, Sp. 1740] 105–108). So klagt Jenzenstein in seiner Beschwerdeschrift bei Bonifatius IX. wegen der Übergriffe und Schädigungen aller Art, die er, trotz vorausgegangener väterlicher Ermahnung und trotz der spätern (im J. 1384) im Namen des gesammten Clerus gemachten schriftlichen Vorstellungen, ja seitdem sogar in erhöhtem Grade, von Wenzel auf Antrieb der königlichen Räthe zu erleiden gehabt, so daß er seines Hirtenamtes nicht mehr mit Freiheit walten könne, niemand aus Furcht sein Generalvicar sein wolle und er selbst persönlich in Todesgefahr schwebe. Er bittet dann den Papst, insbesondere über die Gewaltthätigkeiten gegen den Generalvicar Johannes und die anderen in der Klage genannten Cleriker amtliche Erkundigungen einzuziehen und wegen dieser öffentlich, notorisch und zweifellos sicheren sacrilegischen Handlungen mit apostolischer Strenge wider den König und seine Mitschuldigen einzuschreiten. Wen also wird es wunder nehmen, wenn in Jenzensteins Schrift, die das Privatleben Wenzels mit keiner Silbe berührt und nur offenkundige Thatsachen, namentlich seit 1384, vorbringen will, einer aus alleineiger Initiative des Königs, aus schwer erweibarem Motiv und insgeheim erfolgter That, wie die Ertränkung unseres Martyrers von 1383 war, keine Erwähnung geschieht? Daß ferner auch die aus vielen Stürmen mit besonderer Sorgfalt geretteten, immerhin noch zwhalrich vorhandenen Capitelbücher des Domarchivs den Namen unseres hl. Johannes von Nepomuk nirgends enthalten, ist deßwegen zu begreifen, weil einige, wie die Acta judiciaria (gerichtlichen Entscheidungen) und die Libri divisionum (Vertheilungsbücher), erstere 1384 (Controv. 99), letztere mit dem 30. September 1393 (Frind 33), also nach dem Tode unseres Heiligen beginnen, während andere, wie die Libri erectionum und confirmationum, von STiftungen und von Bestätigungen in einem Beneficium durch erzbischöfliches Officiale handeln und darum nur solche nennen, von welchen oder für welche Stiftungen gemacht, oder welche in einem Beneficium bestätigt worden sind, wozu jedenfalls unser Martyrer nicht gehört haben muß. Das sogen. Annahmebuch (Liber receptionum) aber bringt aus den Jahren 1378–1389 die Namen von 26 Canonici, die nicht durch Wahl in das Capitel kamen, sondern infolge päpstlicher Ernennung (per litteras gratiosas Pontificum) vom Capitel als Mitglieder angenommen wurden, nebst den eigens berufenen Zeugen, welche die geführten Protokolle zu unterfertigen hatten. Wenn nun unser Johannes von Nepomuk, wie es das Summarium des apostolischen Prozesses (n. 8, §§ 25. 29. 49) ausspricht, durch Wahl, und zwar vor 1389 (Controv. 99, c. α; Bergh. I, 66) Canonicus der Metropolitankirche wurde, so konnte er nicht unter jenen durch einen päpstlichen Gnadenbrief Ernannten erscheinen. Wenn er ferner auch unter den Zeugen, welche man am häufigsten aus den Würdenträgern des Capitels, aus Archidiaconen [Bd. 6, Sp. 1741] und Collegiat-Pröpsten berief, bis zum Jahre 1383 niemals vorkommt, so theilt er dieses Loss mit noch anderen 21 Domcapitularen, deren damalige Mitgliederschaft documentarisch feststeht (vgl. Innsbr. Ztschr. 107. 108). Also das Schweigen der gleichzeitigen Capitelbücher über einen Johannes von 1383 berechtigt ebenfalls nicht, dessen durch das handschriftliche »Diarium« des Metropolitanarchivs und anderweitig beglaubigte Existenz zu läugnen. Was zuletzt die alten böhmischen wie ausländischen Chroniken anbelangt, so gibt es nach dem Gesagten doch einige, welche das Martyrium eines ältern Johannes sogar mit einer gewissen Ausführlichkeit berichten.

Weder positive noch negative Gegengründe zwingen mithin, von dem ältern Glauben, der durch Jahrhunderte in possessione war, und der sämmtlichen Canonisationsprozessen als Grundlage gedient hat, abzugehen, nämlich, daß König Wenzel IV. zwei Johannes von Pomuk, Beide Prager Canonici, den einen im J. 1383, den andern zehn Jahre später in der Moldau hat ertränken lassen, und daß der von 1383 der erste Martyrer des Bußsacramentes gewesen ist. Zwar fehlen zur Beseitigung jedes Schattens von Schwierigkeit im strengsten Sinne des Wortes gleichzeitige Documente; auch solcher, die der Zeit nahe liegen, sind nicht viele. Allein so wie deßungeachtet die Beweise für das Martyrium und dessen Ursache geeignet sind, eine volle Überzeugung zu schaffen, ebenso auch die für die geschichtliche Wirklichkeit eines von dem Generalvicar verschiedenen Johannes von Nepomuk; denn es sind so ziemlich dieselben. Nach allem diesem ist es ein ungerechter Vorwurf für unsere Kirche, daß im J. 1729 »unter einem allerdings historischen Namen eine fingirte Person heilig gesprochen« worden sei. In welchen Anliegen unser Heiliger als besonders mächtiger Fürbitter gilt, spricht die im J. 1883 neu geprägte Medaille der nepomucenischen Bruderschaft an der Kirche zum hl. Laurentius in Lucina zu Rom kurz und schön durch die Aufschrift aus: Ab obtrectatoribus et eluvionibus nos praesta immunes (vor bösen Zungen und Überschwemmungen bewahre uns).

Literatur. Aus der reichhaltigen Literatur sind hervorzuheben: a. Werke, welche zwei Canoniker Johannes voraussetzen und das Martyrium des Heiligen in das Jahr 1383 verlegen: Acta utriusque Processus super fama sanctitatis .. et super casu excepto .., Viennae 1722 (citirt als Proc. I; Proc. II); Acta canonizationis seu declarationis martyrii .., Romae 1717 (citirt als Proc. Apost.); Berghauer, Protomartyr poenitentiae, 2 voll., Graecii et August. Vind. 1736–1761; Fr. Pubitschka, Chronol. Gesch. Böhmens VII, Prag 17898 (enthält auch die Acta in Curia Romana [kurzweg Querela] Archiepiscopi Prag. Joannis a Genzenstein, und die Praecedens materia abbreviata); Idem, Unusne an duo Ecclesiae Metrop. Pragensis Canonici Joannis de Pomuk [Bd. 6, Sp. 1742] nomine .. in Moldavae fluvium proturbati fuere, Prag. 1791 (deutsch als Ehrenrettung des hl. Johannes von Pomuk oder Nepomuk Prag 1791); J. N. Zimmermann, Vorbote einer Lebensgeschichte des hl. Johannes von Nepomuk, Prag 1829; W. F. Neumann, Hundertjährige Jubelfeier der Heiligsprechung, Prag 1829; Histor.-pol. Bl. XVI, 650 ff.; Controversia de S. Joanne Nep., als Mscr. gedruckt (vgl. Katholik 1881, II, 76 ff.); Schmude, Studien über den hl. Johannes von Nepomuk, in der Innsbr. Ztschr. f. kathol. Theologie VII, 1883, 52 ff.; Müllendorf, L’infaillibilité pontif. et la canonisation de S. Jean Nepom., in der Ztschr. La Controverse 1883, Mars; La critica moderna e il martirio de S. Giov. Nep. in der Civiltà cattolica 1883, Maggio e Giugno.

b. Für das Todesjahr 1393 treten ein: G. Dobner, Vindiciae sigillo confessionis divi Joan. Nep., Protomartyris poenitentiae, assertae, Prag. et Viennae 1784, auch unter dem Titel Dissertatio de existentia divi Joan. Nep. in Metropolita Pragensi, und deutsch: Beweis, daß der hl. Johannes von Nepomuk um des Beichtsiegels willen gemartert worden ist (vgl. die verwerfende Kritik Dobrowský’s im Liter. Magazin von Böhmen und Mähren, Prag 1787, 3. St., 101 ff.); Ginzel im Kirchenlex. 1. Aufl., V, 725 ff.; C. Höfler, Ruprecht von der Pfalz, Freib. 1861, 89. 91 ff.; Ders., Geschichtsschreiber der hus. Bewegung in Böhmen, Wien 1856, I, S. XLV. III, 151 ff.; A. Frind, Der geschichtl. hl. Johannes von Nepomuk, Eger 1861, 2. Aufl. Prag 1871; Ders., Der hl. Johannes von Nepomuk, Denkschrift zur Feier des dritten Jubiläums der Heiligsprechung, Prag 1879 (vgl. die Kritiken in den Histor.-pol. Bl. LXXXIII, 393 ff. und in den Stimmen aus M.-Laach XVIII, 129 ff.); Tom. Novák, Život (Leben) S. Jana Nepomuckého, V Praze 1862, und Úvahy (Reflexionen) o S. Janu Nepom. 1871; J. B. Votka, Zázračný jazyk svatého Jana Nepom. (Die wunderbare Zunge des hl. Johannes), V Praze 1884 (vgl. Linzer Quartalschr. 1884, 918 f.); A. Amrhein, Histor.-chronolog. Untersuchungen über das Todesjahr des hl. Johannes von Nepomuk, Würzburg 1884 (vgl. Histor.-pol. Bl. XCIII, 943 ff. und Liter. Rundschau 1885, 14 ff.).

[Schmude S. J.]


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