Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Kerze (cereus, cera, candela, κηρός) oder Wachslicht, ein in der kirchlichen Liturgie von jeher häufig verwendetes Natursymbol. Licht und Feuer sind vor Allem Sinnbilder der Gottheit. Gott ist nach der heiligen Schrift Licht (Weish. 7, 26. Luc. 2, 32. 1 Joh. 1, 5 u. ö.) und Feuer (Ex. 3, 2. Deut. 9, 3. Hebr. 12, 29). Im zweiten und dritten Buche Moses werden an zahlreichen Stellen, abgesehen vom Brand- und Rauchopfer, brennende Lichter, Öllampen oder Wachslichter, als beständige Opfer anbefohlen (z. B. Lev. 6, 9–13 und 24, 2). Dieses Lichtopfer, wodurch vegetabilische Naturproducte sich zum Preise Gottes in geheiligter Feuerflamme verzehren, kommt als selbständiges Opfer ausschließlich im Innern der Stiftshütte vor. Symbolisiert wird hierbei vorzüglich die ideale Form des geistigen Opfers; es ist das zu Licht werdende Öl oder Wachs als Sinnbild der Verklärung der Seele durch die im Feuer versinnbildlichte Gnade des heiligen Geistes zu denken, worin die Seele mit der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes verähnlicht und in ein zu Ehren des Allerhöchsten leuchtendes Bild Gottes umgewandelt wird (vgl. Scheeben, Dogmatik III, 416). Sodann ist noch die läuternde Kraft des Feuers im Sinne der Sühne und Reinigung mit in Betracht zu ziehen, wenngleich im Alten Bunde die Verbrennung der animalischen Opfer, welche vorzüglich die Buße, Läuterung und Genugthuung des opfernden Menschen repräsentirte, nicht im Innern der Stiftshütte, sondern im Vorhofe geschah. – Im Neuen Testament ist das Licht, als Grundbedingung für das Gedeihen alles physischen Lebens und als Inbegriff alles Schönen, vornehmlich das Symbol Christi, der nicht nur als Gott in unzugänglichem Lichte wohnt, Licht ausstrahlt und mit einem Lichtgewande umhüllt ist (1 Tim. 6, 16. Offenb. 4, 3ff.), sondern als der menschgewordene Sohn Gottes sich selbst das Licht der Welt nennt (Joh. 8, 12) und jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt (Joh. 1, 4. 9). Er hat uns das Licht des Glaubens und der Gnade gebracht, uns das übernatürliche Leben gespendet durch seinen Opfer- oder Kreuzestod und uns eben damit ein Anrecht auf's ewige Licht und die unverlöschliche Klarheit der Glorie erworben, um welches die Kirche für ihre verstorbenen Kinder bittet: Lux perpetua luceat eis. Daher finden sich auf alten Darstellungen des Crucifixes im Orient wie im Occident auf der einen Seite die Buchstaben Α und Ω, auf der anderen die Worte

Φ
ΖΩΗ
Γ

oder lux mundi (Kraus, Real-Encykl. II, 301).

I. Ältester Gebrauch. Es soll nicht geläugnet werden, daß bei der bis in die Apostelzeit hinaufreichenden Gewohnheit der Urkirche, zur Nachtzeit gottesdienstliche Versammlungen zu halten, die Anwendung von Öllampen und Wachslichtern ein natürliches Bedürfnis war (lampades copiosae, Apg. 20, 8); gleichwohl geschah diese Verwendung zugleich aus mystischen Gründen. Darauf weist erstlich das Lied hin, welches im 2. und 3. Jahrhundert beim Abendgottesdienst erklang: φῶς ἱλαρὸν ἁγίας δοξης, lumen hilare (Probst, Lehre und Gebet in den drei ersten Jahrh., Tübingen 1871, 290–292); sodann der Umstand, daß man in den Katakomben und ihren Bildwerken, sowie in Berichten über die ältesten liturgischen Feierlichkeiten vielfach Lampen und Wachslichtern begegnet, die nicht zur bloßen Beleuchtung eines dunklen Raumes bestimmt sein konnten. Wenn die Synode zu Elvira vom Jahre 305 im 34. Canon (Hefele, Conc.-Gesch., 2. Aufl., I, 169) verordnet: Cereos per diem placuit in coemeterio non incendi, nämlich um nicht die Aufmerksamkeit der Heiden auf die christlichen Begräbnisplätze zu lenken, so setzt das schon den Gebrauch, vielleicht gar Mißbrauch der Wachslichter oder Kerzen während des 3. Jahrhunderts voraus, sei es zu rein symbolischen Zwecken, sei es zu kirchlich liturgischer Verwendung. Als Vigilantius es getadelt hatte, daß die Christen in ihren Kirchen sole adhuc fulgente moles cereorum accendi faciunt, erwiederte ihm der hl. Hieronymus, das geschehe nach Herkommen überall, in der Kirchen des Orients sowohl als in denen des Occidents, nämlich: quando legendum est evangelium, accenduntur luminaria, jam sole rutilante, non utique ad fugandas tenebras, sed ad signum laetitiae demonstrandum (Migne, PP. lat. XXIII, 345). Nach der »Lehre der Apostel« sind Erstlinge von Brod, Wein und Öl zu opfern; Wachs ist nicht erwähnt (c. 13, ed. Funk, p. 40 sq.) Ebenso ist in den Canones der Apostel nur von Öl und Weihrauch, nicht von Wachs als Opfergabe die Rede (ἔλαιον καὶ ϑυμίαμα, Hard. I, 9. 33). Im Abendlande, wo der Gebrauch des Öls und der Lampen nicht ursprünglich und lange nicht so allgemein war wie im Orient, bediente man sich theils ausschließlich, theils neben den Öllampen hauptsächlich der Wachs- oder Talgfackeln, die man auf einen Leuchter (candelabrum, funale) mit aufragendem Stift aufzustecken pflegte (so nach heidnischen Schriftstellern und altchristlichen Bildwerken bei Garrucci, tav. 101–104, und de Rossi, Roma sott. III, 610; lychnuchi Lampenhalter lychnuchi pensiles Kronleuchter, bei Prudent., Cath. 5, 141 sq., Migne, PP. lat. LIX, 829). Nach Prudentius standen in der Mitte des 3. Jahrhunderts, zur Zeit des hl. Laurentius, in Rom bei gottesdienstlichen Versammlungen die Kerzen auf goldenen Leuchtern (auroque nocturnis sacris adstare fixos cereos, Peristeph. 2, 71, Migne LX, 300; vgl. Paulin. Nol., Natal. S. Felic. 3, 99 sq.; 9, 390 sq., Migne LXI, 467. 657). Für die reichliche Verwendung von Wachskerzen beim Gottesdienste zeugen Venantius Fortunatus (Carm. 5, 5, Migne LXXXVIII, 187) und die um 386 geschriebene Peregrinatio Silviae (ed. Gamurini, Rom. 1887, 84–109). Der hl. Isidor von Sevilla gibt den Grund hierfür mit den Worten: Sub typo luminis illa lux ostendatur, de qua in Evangelio legitur: Erat lux vera, quae illuminat omnem hominem venientem in hunc mundum (Etymol. 7, 12; 20, 10 et 11, Migne LXXXII, 293. 720 sq.). Das Concil von Carthago im J. 398 verordnet in can. 6, daß bei der Weihe des Akoluthen der Diacon demselben ceroferarium cum cereo überreichen soll; Dieß läßt auf den Gebrauch zu Rom schließen, denn in Carthago herrschte die römische Disciplin. Wenn Lactantius denjenigen tadelt, qui auctori et datori luminis candelas ac cerarum lumen offert pro munere (Div. inst. 6, 2, Migne VI, 637–639), so mißbilligt er damit nicht die christliche Sitte seiner Zeit, sondern richtet sich nur gegen die abergläubischen Heiden, welche ihren vermeintlich in Finsterniß lebenden und des Lichtes bedürftigen Göttern Kerzen anzündeten (vgl. Hieron. Adv. Vigilant. l. c. Epist. 108 ad Eustoch., Migne XXII, 878 sq.). Hat doch auch der hl. Augustin, oder wer der Verfasser der betreffenden Rede ist, zu dergleichen Opfern für kirchliche Zwecke aufgefordert: Qui possunt, aut cereolos aut oleum quod in cicindelibus mittatur, exhibeant (Serm. 215 de temp., bei Ducange s. v. cicindele). Schließlich sei noch bemerkt, daß es in den Acten des hl. Cyprian (gest. 258) heißt, er sei praelucentibus cereis begraben worden (Ruinart, Act. Mart., ed. Veronens. 1731, 190).

II. Gegenwärtige Verwendung. Wie aus dem Sacramentar Gregors d. Gr. und den römischen Ordines (Migne, PP. lat. LXXVIII, 88. 317. 339. 505. 939) hervorgeht, brannten die Kerzen während der ganzen Feier der heiligen Messe (vgl. Microl. c. 11, Migne CLI, 984; Amalar., Eclogae, Migne CV, 1317); doch standen die Leuchter nicht auf dem Altare, sondern dort, wo die Akoluthen, nachdem sie mit den Kerzen den Priester zum Altare geführt, ihren Platz hatten (Acolythi ponunt cereostata in pavimento ecclesiae, Ordo Rom. vulgatus, ed. G. Ferrar., Romae 1591). Erst seit dem 12. Jahrhundert finden sich Leuchter neben dem Kreuz auf dem Altare selbst (Innoc. III., De mysterio altar. 2, 21, Migne CCXVII, 811). Wie dann aus der oben angeführten Mittheilung des hl. Hieronymus hervorgeht, wurden für die Vorlesung des Evangeliums eigene Lichter herbeigebracht, und die Vorschrift: post lectum evangelium candelae exstinguuntur (Migne CV, 1323), bezieht sich auf diese zur Lesung herbeigebrachten Kerzen (duo, quae antea fuerant illuminata). In der feierlichen Requienmesse, wo die Akoluthen keine Kerzen zum Evangelium tragen, war es seit jeher Brauch, daß der concelebrirende Clerus oder Mönchschor und das Volk brennende Kerzen hielten, und zwar nicht nur zum Evangelium, sondern auch von der Wandlung bis zur Communion und bei der Absolutio ad tumbam. Zu der betreffenden Rubrik des romischen Missale bemerkt Gavanti (in Rubr. Missae P. 2, tit. 13, n. 3): Rite accenduntur candelae a circumstantibus (ad evangelium), quo geniti sunt defuncti; item ad elevationem Sacramenti quo enutriti fuerunt; et ad absolutionem qua in coelos evehi eosdem desideramus. Auf dem Hauptaltare jeder Kirche sollen sechs Leuchter mit Kerzen stehen, auf jeder Seite des Crucifixes drei, auf den Seitenaltären sechs, vier oder wenigstens zwei. In der Privatmesse des Bischofs brennen in festis solemnioribus vier Lichter, in festis non solemnioribus et feriis duo candelabra sufficiunt (Caerim. Episc. l. 1, c. 29, n. 4). Im feierlichen Pontificalamte der Bischöfe sind sieben Leuchter auf den Altar zu stellen. In den übrigen feierlichen Hochämtern (missa solemnis i. e. cum ministris – Diacono et Subdiacono) brennen sechs Kerzen auf dem Altar, in der einfachen missa cantata vier, in der Privatmesse zwei: doch darf bei feierlichen Gelegenheiten die Zahl vermehrt werden (S. R. C. 12. Jul. 1777). In der feierlichen Vesper sollen sechs, bezw. vier lichter auf dem Altare brennen, an Ferialtagen nur zwei; ebenso je nach der Feierlichkeit beim Officium der Laudes. Während der kleineren Horen sind höchstens zwei Altarkerzen anzuzünden, um dadurch den Vorrang erstgenannter Officien, Laudes und Vesper, vor den übrigen Tagzeiten zu betonen. Nur an den Pfingstfeiertagen sollen schon zur Terz sechs oder sieben Kerzen auf dem Altare brennen, weil zu dieser Stunde der heilige Geist in Gestalt von Feuerflammen über den Aposteln schwebte. Die Leuchter sollen dem Fuße und Schaft des metallenen Crucifixes ähnlich und so eingerichtet sein, daß mit der Höhe der Füße des Heilandes das untere Ende der Wachskerze auf gleicher Linie steht. Wie beim feierlichen Einzuge zum Hochamt die Akoluthen zwei Leuchter mit brennenden Kerzen vorantragen und beim Gesang des Evangeliums zu beiden Seiten des Diacons stehen, so auch bei der feierlichen Vesper, in welcher die Akoluthen während des Capitulums, bei der Intonation des Hymnus und wiederum während der Orationen zu beiden Seiten neben, bezw. vor den Celebrans hintreten (Cerimoniale Episc. l. 1, cap. 12; l. 2, cap. 2–4). Der Bischof bedient sich außerdem bei fast allen seinen liturgischen Verrichtungen noch einer kleinern Wachskerze, der sogen. bugia, die ihm beim Beten von einem Akoluthen dargehalten wird – ein Sinnbild der Würde, zur Erinnerung, daß der Prälat eine lux super candelabrum posita ist. Bei den byzantinischen Kaisern zu Constantinopel war es Sitte, daß an hohen Festen dem Monarchen bei seinem Gange zur Kirche zwei Akoluthen mit Lichterkronen voranschritten. Auch dem Patriarchen von Constantinopel wurde eine solche Krone vorgetragen, ebenso den Erzbischöfen von Cyprus, Bulgarien und den übrigen Metropoliten, aber nur im Bereiche ihrer Jurisdiction, ein Ehrenrecht, welches sich später alle Bischöfe des Kaiserreichs zueigneten. In verschiedenen Gegenden ist es Brauch, den Erstcommunicanten zur Erinnerung an die Taufkerze, den Brautleuten bei der kirchlichen Einsegnung der Ehe am Altare und der Leiche auf dem Wege zur letzten Ruhestätte eine Kerze vorantragen zu lassen, die der Kirche geopfert wird, wie auch die Cleriker, Priester oder Bischöfe bei ihrer Ordination laut dem Pontificale Romanum eine Kerze opfern, ein Hinweis auf die Pflicht und den Vorsatz des Ordinirten, lucerna lucens et ardens zu sein. Beim Einzug des Pontifex zur feierlichen Papstmesse wurden laut Ordo Rom. II von jeher ihm sieben Leuchter vorgetragen, die dann vor dem Altare (quatuor a dextris, tres a sinistris) auf den Boden gestellt und je nach der heiligen Handlung und den Bewegungen der Officianten in verschiedenen Linien und Figuren geordnet wurden, während die sieben auf dem Altare befindlichen Wachslichter unbeweglich stehen blieben. Man erkennt darin die Beziehung auf die sieben Candelaber der Apocalypse und auf die sieben Flammengeister vor dem Herrn (Mabillon, Museum ital. II, 42, Migne, Patrol. lat. LXXVIII, 970 sq.).

Ohne Lichter zu celebriren, ist nicht erlaubt. Die Kerzen sollen vor Beginn der Messe brennen und vor Schluß des letzten Evangeliums nicht ausgelöscht werden; droht der Luftzug sie zu löschen, so sind sie in Laternen einzuschließen, wie bei der Begleitung des heiligen Sacraments zu Kranken oder bei Processionen geschieht. Vom Sanctus bis zur Communion soll eine Kerze neben oder vor dem Altare, auf der Epistelseite, brennen (Rubr. gener. Miss. Pars 1, tit. 20). Während derselben Zeit halten im Hochamt Akoluthen zwei oder je nach dem Range der Feste 4, 6, 8 oder mehr Kerzen (Fackeln, funalia, faces, intortitia), welche nach der Wandlung wieder fortgetragen werden, wenn nicht die heilige Communion auszutheilen oder die Messe ein Requiem bezw. Ferialmesse in diebus jejunii, Vigiliae, vel Adventus ist, in welchem Falle die Fackeln erst nach der Communion ausgelöscht werden (Ritus celebr. Miss. tit. 7, n. 8). Wird das heilige Opfer coram exposito dargebracht, so richtet sich Zahl und Art der Kerzen, wie überhaupt bei Aussetzung des hochwürdigen Gutes und bei Segensandachten, nach der von Papst Clemens XI. am 21. (20.) Januar 1705 erlassenen Verordnung (Instructio Clementina, bei Mühlbauer, Decreta authentica S. R. C. I, 709 sq.), die zwar zunächst nur für Rom Gesetzeskraft hat, deren Befolgung aber auch außerhalb der heiligen Stadt gewünscht wird, falls die Bischöfe nicht andere Bestimmungen für ihre Diöcesen treffen (S. R. C. 12. Jul. 1749). Es sind indeß damit dem Eifer für den Glanz der Kirche, sowie der Freigebigkeit der Gläubigen keine Schranken auferlegt (Decl. Congr. 15. Mart. 1698). Über die Frage, in wie weit bei Nothfällen, wie in Grönland, z. B. statt Wachs Öl oder aus anderen Substanzen gefertigte Kerzen auf dem Altar gebraucht werden dürfen, vgl. Thalhofer, Liturgik I, 679 ff., und Mühlbauer, Die Wachslichter 37 ff., wo die betreffenden kirchlichen Entscheidungen mitgetheilt sind.

Wachskerzen werden ferner bei Spendung der meisten Sacramente angezündet. Bei der heiligen Taufe ist die brennende Kerze seit den ersten Jahrhunderten ein um so wesentlicheres Symbol, weil die Taufhandlung oder das Sacrament selbst bei den Alten φωτισμός illuminatio, Sacrament der Erleuchtung heißt (vgl. S. Ambros., De lapsu virg. c. 5; S. Greg. Naz., Or. 40 in s. baptism. c. 46). Die Verwendung der Kerzen bei Consecration der gottgeweihten Jungfrauen, Ausschließung und Reconciliation der Büßer, Excommunication, Heiligsprechung, Aussetzung der Reliquien des heiligen Kreuzes und der Heiligen, bei Segnung von Friedhöfen und anderen kirchlichen Cerimonien regelt das Pontificale und Rituale Romanum, sowie das Cerimoniale Episcoporum. Bei der Consecration einer Kirche sollen nicht nur Kerzen vor den im Altare zu bergenden Reliquien brennen, sondern das römische Pontificale schreibt vor, daß innerhalb der Kiche an den Wänden oder zwölf Mauerpfeilern, wo der Bischof die Salbung mit Chrisam vornimmt, Kerzen angebracht werden sollen, die vom Beginn der heiligen Function an, wie auch am Jahresgedächtnis der Kirchweihe während des Hochamtes und der Vesper brennen (S. R. C. 28. Febr. 1682). Über die im Mittelalter den durch diese Kerzen versinnbildeten Aposteln, »Säulen der Kirche«, gezollte Verehrung vgl. Macri, Hierolex. 105. Bei der Weihe des Altars werden auf den vom Bischof mit Weihwasser und heiligen Ölen gesalbten Stellen je fünf kreuzförmige Kerzchen angezündet. Nach griechischem Ritus wird hierbei eine brennende Lampe in den Altar gestellt. Diese feierliche Cerimonie versinnbildet das flammende Liebesopfer, welches am Altare des Kreuzes blutigerweise dargebracht wurde und auf dem Altare erneuert wird, während das Feuer des heiligen Geistes die gespendeten Gaben zum vollkommenen Brandopfer macht; der Bischof betet dabei, Gott wolle auch die Gebete der Gläubigen, die dem Opfer beiwohnen, als lieblichen Wohlgeruch und Opferduft aufnehmen. Nach Anderen bezeichnen diese Lichter auf den Ecken und in der Mitte des Altars die heiligen fünf Wunden Christi, quia altare Christus est; wieder nach Anderen den Urquell alles Lichtes, das vom Altare Christi nach den vier Weltgegenden ausstrahlt, um die ganze Menschheit zu erleuchten, und um welches sich die Kirche die Träger dieses Lichtes von allen Weltgegenden herkommend schaaren. Wie die Apostel um ihr Haupt, so drängen sich die Gläubigen um den Altar. Daher die Vorschrift des Pontificale Rom. in Ded. Eccl., daß zu dem gleich nach vollbrachter Weihe zu haltenden feierlichen Hochamte in der Kirche möglichst viele Kerzen brennen sollen (accendantur luminaria multa). So geschah es schon im 4. Jahrhundert, seit der Weihe der Kreuzbasilika zu Jerusalem (Sozom. H. E. 2, 26; Sacrament. Gregor. M. Migne LXXVIII, 152 sq. 413; vgl. Euseb., Vita Const. 4, 43; Socr. H. E. 1, 33; Peregr. Silviae, ed. Gamurini, Rom. 1887, 100–109). Über die Kerzenweihe und Lichterprocession am 2. Februar s. Mühlbauer l.c. 147; Binterim, Denkw. V, 1, 326, Migne, PP. lat. CIV 492–494 in den Noten; Suitbert Bäumer im »Katholik« 1890, I, 24 ff.

Eine besondere Bedeutung hat die Verwendung der Kerzen in den Tenebrä oder Rumpelmetten der Charwoche; laut den ältesten Ordines Romani und dem Cerim. Episcop. 2, 22, § 4 brennen dann eine bestimmte Anzahl von Kerzen (jetzt 15) im Chore oder Presbyterium auf einem Triangel, von denen nach jedem Psalm der Mette und Laudes eine ausgelöscht wird; bei den sechs letzten Versen des Canticum »Benedictus« verschwindet das Licht der sechs Altarkerzen und die oberste Kerze des Triangel wird beim Christus factus est und Miserere verborgen, schließlich beim tumultus wieder auf den Altar gebracht. Die rationalistischen Erklärungen dieser Cerimonie, z. B. durch Claude de Bert u. A., die sich übrigens selbst widersprechen, indem nach denselben zuerst die Lichter ausgelöscht werden, weil es Tag wurde, und nachher wieder ein Licht nöthig gewesen wäre, um in der Dunkelheit den Ausgang zu finden, werden von Papst Benedict XIV. als dem Geiste des katholischen Cultus wenig entsprechend und mit den Lehren des Concils von Trient (Sess. XXII, cap. 5) unvereinbar bezeichnet. Die beste und zwar traditionell katholische Erklärung gibt Abt Rupert von Deutz (De div. off. 6, 25–29) und nach ihm Beleth (Rat. c. 101 bei Migne, CCII, 105 sq.). (Durandus, Rat. div. off. 6, 72, n. 25; vgl. Benedict. XIV. De festis D. N. J. Chr. et B. M. V. I, 118 sq.; Catalanus, Comm. in Caerim. Episc. 2, 22, § 11.)

Über die ganz besondere Bedeutung der Kerze in der Liturgie des Charsamstags (Osterkerze) s. d. Art. Ostervigil; über die aus dem Wachse der Osterkerze gefertigten Agnus Dei s. d. Art. Vgl. Martène, De antiq. Eccl. ritib. Index s. v. Cerei; Mühlbauer, Geschichte und Bedeutung der Wachslichter bei den kirchlichen Functionen, Augsb. 1874; Andreas Schmid, Der christl. Altar und sein Schmuck, Regensburg 1871; Thalhofer, Liturgik I u. II, und die rubricistischen Werke von de Herdt, Hartmann, Martinucci.

[Bäumer O. S. B.]


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