Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Laborans, Canonist des 12. Jahrhunderts. Von seinen Lebensverhältnissen ist nur bekannt, daß er in der Nähe von Florenz im Schloß Pantormo geboren wurde, in Paris und anderswo studirte, 1173 Cardinal wurde und bis 1189 lebte. Er war im canonischen wie im römischen Recht wohl erfahren und versuchte das damals als Lehrbuch des Kirchenrechts nicht bloß zu Bologna in großem Ansehen stehende Decret Gratians (s. d. Art.) zu verbessern. Zu diesem Zwecke vermehrte er nicht nur den Stoff desselben durch Citate aus dem Corpus juris civilis, sowie durch einige Decretalen der Päpste Innocenz II., Eugen III., Alexander III., sondern brachte denselben in eine völlig neue, mehr systematische Ordnung. Der 1182 vollendete Codex compilationis zerfällt in sechs Bücher. Hiervon handelt das erste, nach einer der Erklärung des Rechts und dessen Quellen gewidmeten Einleitung, vom Clerus und der Ordination, das zweite und dritte Buch von der Deposition und Restitution der Cleriker; das vierte Buch bietet einen Abriß des kirchlichen Strafrechts, das fünfte stellt den Proceß dar; das sechste Buch ist eine Recapitulation des Ganzen. Trotz der nicht zu läugnenden bessern Ordnung drang das Werk, die Frucht 20jähriger Arbeit, dem von der Schule bereits recipirten Decret gegenüber nicht durch; es bleibt vergessen und wurde nicht gedruckt (Zaccaria, Diss. de inedita canonum collectione quam card. Laborans composuit, bei Gallandi, Sylloge II, Mog. 1790, 765–800; Aug. Theiner, Disquisitiones criticae, Rom. 1836, 399–447). – Ob neben diesem Cardinal Laborans noch ein anderer Laborans als Glossator der 1210 erschienenen Compilatio tertia für die Rechtsgeschichte existirt, steht dahin. Wahrscheinlich ist laborans in der von Sarti (De claris archigymnasii Bononiensis professoribus, I, Bonon. 1769, 314) mitgetheilten Stelle adjectivisch zur fassen (vgl. Schulte, Geschichte der Quellen u. Lit. des can. Rechts, I, 1875, 187).

[R. v. Scherer.]


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