Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Liga, (Bündniß) ist die gemeinsame Bezeichnung für mehrere Bündnisse geistlicher und weltlicher Fürsten im 16. und 17. Jahrhundert. Einige derselben trugen einen vorwiegend politischen Charakter, wie die Liga von Cambrai vom Jahre 1508 zwischen Papst Julius II., Deutschland, Frankreich und Spanien gegen Venedig; die heilige Liga vom Jahre 1511 zwischen demselben Papst, Spanien, England, Venedig und der Schweiz gegen Frankreich; die Liga von Cognac 1526 zwischen Papst Clemens VII., Frankreich, Venedig, Florenz und Mailand gegen den Kaiser (vgl. ob. III, 480 f.). Drei Ligen dagegen entsprangen aus der religiösen Bewegung ihrer Zeit und setzten sich die Vertheidigung des alten Glaubens gegenüber dem neuen zum Ziel. Von diesen ist hier die Rede.

1. Die Liga von Nürnberg 1538. Die deutschen Protestanten stellten auf dem Reichstag von Augsburg 1530 das Verlangen, daß sie »aller fiscalischen und der Kammergerichtsprozesse von wegen des Glaubens und der Religion bis zum Concil entladen« sein sollten. Da der Kaiser dieses Ansinnen als rechtswidrig abwies, traten Kurfürst Johann von Sachsen, Landgraf Philipp von Hessen, Herzog Ernst von Braunschweig, Fürst Wolfgang von Anhalt, die Grafen von Manseld und 15 Reichsstädte noch gegen Ende des Jahres in Schmalkalden zu einem Bunde zusammen, um ihre Forderungen allenfalls mit Gewalt durchzusetzen; bei der Gefahr, welche damals von den Türken drohte, wurde ihnen im Frieden von Nürnberg 1532 willfahrt. Gleichwohl ward der Bund gegen Ende des Jahres 1535 auf zehn weitere Jahre erneuert und im nächsten Frühjahre druch Aufnahme neuer Mitglieder, der Herzoge Ulrich von Würtemberg, Barnim und Philipp von Pommern, der Fürsten Johann Georg und Joachim von Anhalt und der Städte Augsburg, Frankfurt, Kempten, Hamburg und Hannover erweitert. Der Nürnberger Friede galt nur den alten Mitgliedern des Bundes. Auf dem Tag zu Schmalkalden 1537 wurde aber der Stillstand des Kammergerichtes auch für die neuen Mitglieder gefordert. Der Bund erfuhr in der nächsten Zeit zudem noch weitern Zuwachs, und da seine Ausdehnung gleichbedeutend war mit der Unterdrückung des alten Glaubens, konnten die katholischen Reichsstände der Entwicklung nicht gleichgültig zusehen, und es war die Gründung eines katholischen Gegenbündnisses geboten. Der kaiserliche Vicekanzler Held, der damals mit den Protestanten verhandelte, hob diese Nothwendigkeit schon im Anfang des Jahres 1537 hervor. Die nähere Berathung fand um Pfingsten 1538 in Nürnberg statt. Am 10. Juni wurde hier zwischen dem Kaiser, dem König Ferdinand, dem Erzbischof und Kurfürsten von Mainz, dem Erzbischof von Salzburg und den Herzogen Wilhelm und Ludwig von Bayern, Georg von Sachsen, Erich dem Ältern und Heinrich dem Jüngern von Braunschweig-Wolfenbüttel ein Bund auf elf Jahre abgeschlossen. Derselbe hatte einen wesentlich defensiven Charakter. Es sollten der katholische Glaube und die geistlichen Güter und Stiftungen innerhalb der Gebiete der Bundesverwandten geschützt und etwaige Gewalt von denselben mit Gewalt abgewehrt werden. Weitere Reichsstände sollten zum Beitritt eingeladen werden, auch protestirende nicht ausgeschlossen sein, wenn sie nur bis zum Concil keine weiteren Neuerungen vornehmen und dessen Entscheidung sich unterwerfen wollten. Zum Bundesobersten wurde für die oberländische Provinz der Herzog Ludwig von Bayern, für die sächsische Heinrich von Braunschweig ernannt. Die Liga war aber noch nicht völlig gebildet, als bereits der Grund zu ihrer Auflösung gelegt wurde. Während jener Berathungen und noch vor dem Abschluß des Bündnisses bemühte sich König Ferdinand, der von einem Einfall der Türken in Ungarn und Österreich bedroht war, durch den Kurfürsten Joachim von Brandenburg mit dem andern Theil zu einem friedlichen Ausgleich zu kommen. Die Schmalkaldener beriethen darüber unter sich im August zu Eisenach und forderten einen vollen Frieden für Alle, auch für diejenigen, welche erst nach dem Nürnberger Friedstand ihrem Bunde beigetreten seien oder in Zukunft beitreten würden, sowie Einstellung aller Prozesse am Kammergericht. Als es im Februar 1539 zu Frankfurt zu gemeinsamen Verhandlungen kam, steigerten sie noch ihre Forderungen. Im Anfang hatten sie sich sogar zum Kriege gegen die Katholiken entschlossen, und wenn sie auch diesen Plan wieder aufgaben, so drohten die Feindseligkeiten doch noch auszubrechen. Jene Forderungen wurden von König Ferdinand und dem kaiserlichen Orator Johann von Weeze, vertriebenen Erzbischof von Lund, dem die Führung dieser Verhandlungen statt des Vicekanzlers Held übertragen worden, als unerfüllbar abgelehnt. Auf beiden Seiten, vor Allem auf der protestantischen, rüstete man nach Kräften, als plötzlich eine Wendung eintrat. Der Landgraf Philipp von Hessen, der bisher hauptsächlich zum Bruch gedrängt hatte, erkrankte an der Luftseuche und redete, weil er zur Arbeit des Krieges unfähig war, dem Stillstand das Wort. Der Rath wurde unter solchen Umständen, da man des Landgrafen für den Krieg nicht leicht entbehren konnte, auch von dem Kurfürsten von Sachsen angenommen, und so kam am 19. April 1539 ein Friede zu Stande. Derselbe sollte 15 Monate dauern und allen dermaligen Bekennern der Augsburger Confession gelten. Während desselben sollten alle Prozesse wider die Protestirenden ruhen. Diese versprachen ihrerseits, niemanden der Religion wegen zu bekriegen, den Geistlichen die noch in ihrem Besitze befindlichen Güter zu belassen und inzwischen keine neuen Mitglieder in ihren Bund aufzunehmen. Letzteres sollte der Kaiser auch bei dem katholischen Bunde bewirken. Um einen Ausgleich in der Religion herbeizuführen, sollte ein Colloquium veranstaltet werden. Infolge dieses Vertrages und der Wendung, welche derselbe einleitete, verlor die heilige Liga ihre Bedeutung. Ein gewichtiges Glied ging ihr zudem bereits 1539 an die Gegenpartei verloren, als Herzog Georg von Sachsen starb, und sein Land seinem Bruder Heinrich zufiel, welcher mit seinem Sohne Moriz dem schmalkaldischen Bunde schon 1537 beigetreten war. Noch einmal wurde die Liga auf dem Reichstage von Regensburg 1541 erneuert und der Papst in sie aufgenommen (28. Juli). Aber sie erlangte keine größere Bedeutung mehr. Sie konnte nicht einmal mehr die von Herzog Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel auf dem Reichstag von Speier 1544 verlangte Restitution durchsetzen. (Vgl. L. Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation IV; J. Janssen, Gesch. des deutschen Volkes seit dem Ausgang des Mittelalters III.)

2. Die heilige Liga der Katholiken Frankreichs gegen die Hugenotten, gewöhnlich Ligue genannt. Bei der Schwäche der Regierung Karls IX. und der unentschiedenen Politik der Königin-Mutter Katharina de’Medici waren die Katholiken Frankreichs wiederholt auf den Gedanken gekommen, einen Bund zur Vertheidigung ihrer durch die Hugenotten bedrohten Religion zu stiften. Der Plan tauchte in Toulouse bereits 1563 auf, und bald hernach wurde er an verschiedenen Orten ausgeführt, in Angers 1565, Dijon 1567, Bourges 1568 u. s. w. Einen neuen Aufschwung nahmen die Bestrebungen nach dem Frieden von Beaulieu 1576. Da derselbe den Protestanten größere Rechte verliehen, als sie bisher je erlangt hatten, bildeten sich allenthalben Bündnisse, um gegen ihn Einsprache zu erheben. In der Picardie vereinigten sich die eifrigen Katholiken zu dem Zwecke, »das Gesetz Gottes völlig wiederherzustellen, König Heinrich III. zu erhalten, den Provinzen des Königreiches die alten Rechte und Freiheiten wieder zu geben, wie sie zur Zeit des Königs Chlodwig bestanden, und noch bessere und nützlichere, wenn sie sich finden lassen«. Diese Ligue wurde die bedeutendste; sie wurde in mehreren weiteren Provinzen angenommen. Der König genehmigte sie, da sie ja auch seiner Sache diente; er empfahl den Beitritt, und der Aufruf hatte solchen Erfolg, daß 36 000 Mann zu Fuß und 6000 Reiter ihm zu Gebote standen. Die Einigungen waren nicht ohne Einfluß auf die Wahl der Deputirten zu dem Generalstaaten von Blois im November 1576. Was sie verlangten, wurde hier beschlossen: fortan sollte nur die katholische Religion in Frankreich geduldet weden. Mit diesem Beschluß war aber ihre Bedeutung zunächst im Wesentlichen erschöpft. Im Frieden von Bergerac vom Herbst 1577 wurde den Hugenotten die Ausübung ihrer Religion, wenn auch in etwas beschränkterem Maße als zu Beaulieu, wieder zugestanden; zugleich wurden alle ihm entgegenstehenden Verbindungen für aufgelöst erklärt. Die Ligue verschwand infolge dessen vom Schauplatz, trat aber nach sieben Jahren als kriegführende Macht wieder auf und gelangte nunmehr zu ihrer eigentlichen historischen Bedeutung.

Als nach dem Tode des Herzogs Franz von Anjou, des letzten Sprößlings aus dem Stamme Valois (10. Juni 1584), bei der kinderlosen Ehe Heinrichs III., der Thron an den Hugenotten Heinrich von Navarra zu kommen drohte, fühlten sich die Katholiken sofort allenthalben in hohem Grade beunruhigt. Bald bildeten sich in verschiedenen Städten wieder Bündnisse. Am 16. Januar 1585 wurde auf dem Schloß Joinville der große Bund geschlossen, welcher fortan allein in Betracht kommt, die heilige Ligue. Dieselbe beschränkte sich nicht mehr auf Frankreich; auch Philipp II. von Spanien, schon seit Jahresfrist für den Plan thätig, betheiligte sich an ihr, und seine Hilfe mußte um so erwünschter sein, als die Königin von England, der König von Schottland, deutsche Fürsten und die Protestanten der Schweiz im Vertrag von Magdeburg vom 15. December 1584 den Hugenotten Unterstützung zugesagt hatten. Ihr Ziel war: Wiederherstellung der katholischen Religion in Frankreich, Ausrottung der Häresie in diesem Lande und in den benachbarten Niederlanden, Sicherung der katholischen Thronfolge, bezw. Erhebung des Cardinals von Bourbon gegenüber dem Hugenotten Heinrich, dem Haupte dieses Hauses. Zum Haupte des Bundes ward der Herzog Heinrich von Guise ernannt. Der König von Spanien versprach Geldunterstützung, während die Ligue sich verpflichtete, seine Besitzungen nicht zu stören und ihm Cambrai zu belassen. Sofort begann die Agitation. Mit ihr erhob sich aber auch der Argwohn Heinrichs III. Die Bewegung gefährdete nicht bloß die Auctorität des Königs, sondern drohte auch den Bürgerkrieg zu erneuern, während er den Frieden zu erhalten wünschte; außerdem lag ein Grund zur Besorgniß darin, daß der Herzog von Guise bei seinem Vorgehen nicht frei von selbstsüchtigen Bestrebungen war und zuletzt die Krone selbst zu gewinnen hoffte. Der König ertheilte ihm daher alsbald den Befehl, mit der Sammlung von Bewaffneten aufzuhören. Guise gab indessen einen abschlägigen Bescheid, indem er Heinrich III. zwar seiner Treue versicherte, aber auch von Verdacht und Mißtrauen sprach, wodurch er genöthigt werde, diese Stellung einzunehmen. Am 31. März erschien das Manifest der Verbündeten, worin die Schilderhebung auf den 6. April angesetzt war. In Rom lobte man den religiösen Eifer des Bundes; Sixtus V. empfahl aber zugleich, kein anderes Ziel zu verfolgen, als daß der Religion ihr Rang bewart werde. Die Weisung befriedigte bei den weitergehenden Bestrebungen wenig. Aber die Bewegung wurde dadurch nicht aufgehalten; die Ligue schlug nur einen andern Weg ein. Sie entschloß sich jetzt, den König in ihr Interesse zu ziehen, um, indem sie ihn an ihre Spitze stellte, durch ihn zu herrschen, und es gelang ihr dieß um so leichter, da Heinrich III. selbst ihr entgegenkam und sich in Unterhandlungen mit ihr einließ. Die Königin-Mutter hatte zu diesem Behufe mit Guise eine Zusammenkunft in Epernay. Die Verhandlungen waren sehr schwierig und dauerten mehrere Monate. Der König wollte, um die Hugenotten nicht zum Krieg zu treiben, das Edict nicht zurücknehmen, das ihnen die Religionsübung gestattete. Der Herzog von Guise bestand aber unerbittlich auf dieser Forderung, und bei der Macht, über welche derselbe verfügte, sowie in Anbetracht des größern Unglückes, das andern Falles seinem Volke zu drohen schien, gab Heinrich III. endlich nach. Der Vertrag wurde am 20. Juni geschlossen und am 7. Juli 1585 zu Nemours unterzeichnet. Hiernach wurde jeder andere Cult als der katholische verboten; die Hugenotten sollten binnen sechs Monaten entweder zum alten Glauben zurückkehren oder das Königreich verlassen; die Häupter der Ligue sollten ihre Truppen entlassen, und der König, an der Spitze der Katholiken, die Protestanten zur Rückgabe ihrer Sicherheitsplätze zwingen. Der Vertrag kam, wie kaum anders zu erwarten war, nicht zur Ausführung. Heinrich von Navarra blieb nicht bloß unter den Waffen, sondern vergrößerte noch seine Rüstungen, und dieß um so mehr, als bald darauf, am 9. September, die Bulle erging, welche ihm und dem Prinzen von Condé als rückfälligen Häretikern die Fähigkeit zum französischen Throne absprach. Selbst Katholiken traten jetzt auf seine Seite, in erster Linie der Herzog von Montmorency, der auf Heinrichs Erklärung vertraute, daß er seinen Glauben nach der Entscheidung eines Concils richten werde. Jetzt schien es sich nicht so fast mehr um eine religiöse, als um eine politische Frage zu handeln. Katholischerseits bleib auch der Herzog von Guise unter den Waffen. Das Mißtrauen und die Spannung dauerten daher fort. Um den Ausbruch der Feindseligkeiten zu verhindern, entschloß sich Katharina de’Medici zu Verhandlungen mit Navarra. Sie reiste in dieser Absicht am 28. Juli 1586 nach dem Süden ab. Die Angelegenheit nahm sie 7 ½ Monate in Anspruch; aber ihre Bemühungen waren vergeblich. Die Liguisten erklärten sich in ihrem Programm vom 7. October unbedingt gegen einen Frieden mit den Hugenotten und forderten die Aufrechthaltung des letzten Edictes gegen die Häretiker. Navarra suchte seinerseits einer Conferenz zuerst auszuweichen, indem er sein Heil von den Waffen erwartete, und als es endlich zu einer Zusammenkunft kam, zerschlugen sich die Verhandlungen an der religiösen Frage. Der König beharrte bei seinem Edict, die Hugenotten verlangten Religionsübung. Die Dinge trieben so seit dem Frühjahr 1587 immer entschiedener dem Kriege zu. Aber auch das Mißtrauen zwischen Heinrich III. und dem Herzog von Guise wurde stets größer. Der Papst suchte zwar, als er im Mai in dem Bischof Morosini von Brescia einen neuen Nuntius nach Paris sandte, versöhnend zu wirken. Das Zerwürfniß war indessen nicht mehr zu heben; alle Theile waren mit seinen Vorschlägen unzufrieden. Navarra veröffentlichte am 14. Juli eine Erklärung, um seine Schilderhebung zu rechtfertigen. Im October stießen die Heere bereits auf einander. Über den Fortgang des Kampfes und seine tragischen Verwicklungen s. d. Art. Hugenotten VI. 360–364. Nur zwei Bemerkungen sind noch beizufügen. Die Ligue nahm im Wesentlichen ein Ende mit der Lossprechung Heinrichs von Bourbon durch den Papst am 17. September 1595. Das damalige Haupt des Bundes, der Herzog von Mayenne, trat sofort in Beziehung zu Heinrich IV., und die Verhandlungen führten bereits im Januar 1596 zu einem Ergebniß, infolge dessen der Bund sich in der Hauptsache auflöste. Nur der Herzog von Mercoeur behielt noch bis zum 20. März 1598 in der Bretagne eine feindliche Stellung. Der Ligue gebührt das Verdienst, durch ihre Standhaftigkeit die religiöse Ordnung in Frankreich wenigstens insoweit aufrecht erhalten zu haben, daß der katholische Glaube der herrschende blieb, wenn ihr Ziel auch nich vollständig erreicht und der Protestantismus nicht gänzlich überwunden wurde. Bei der Zähigkeit, mit der Heinrich IV. immer noch am Protestantismus festhielt, nachdem er seine Bekehrung bereits versprochen hatte, und bei der Zweideutigkeit, die er in der Angelegenheit an den Tag legte, indem er den für die Bekehrung angesetzten Termin wiederholt hinausschob, spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß er trotz des gegebenen Wortes den Übertritt nicht vollzogen hätte, wäre er vorzeitig in den Besitz des Thrones gekommen, und hätte ihm nicht die Machtstellung der Ligue gezeigt, daß er anders die Herrschaft über Frankreich nicht erlangen könne. (Vgl. H. de l’Épinois, La Ligue et les Papes, Paris 1886.)

3. Die Liga katholischer Reichsstände in Deutschland vom Jahre 1609. Als am Anfang des 17. Jahrhunderts, namentlich infolge der Umtriebe der Kurfürsten von der Pfalz, der confessionelle Gegensatz in Deutschland sich auf’s Neue schärfte, legte sich der Abschluß von Sonderbündnissen wieder nahe. Die geistlichen Kurfürsten empfahlen, unter Hinweis auf das Vorgehen der kurpfälzischen Partei, dem Kaiser schon Ende October 1603, zur Aufrechterhaltung der Reichsverfassung zwischen den katholischen und reichstreuen protestantischen Ständen ein Bündniß zu errichten. Rudolf II. lehnte in seiner Antwort vom 3. Januar 1606 zwar den Antrag ab, da das Beispiel leicht Nachahmung finden könnte, und versprach, bei einem etwaigen Angriff auf die katholischen Stände selbst die Ordnung zu wahren. Da aber bei der Schwäche des Kaisers eine Erfüllung dieser Zusage nicht zu erhoffen war, so wurde die Sache durch den Kurfürsten Ernst von Köln aus dem Hause Bayern weiter verfolgt, und dieß um so mehr, als die Protestanten ihrerseits schon länger sich mit einem gleichen Plane trugen; angeeifert durch Frankreich, sprengten sie den Reichstag von Regensburg und schlossen unter sich am 14. Mai 1608 zu Ahausen die Union. Nun betrieb Herzog Maximilian von Bayern eine Einigung der katholischen Stände. Am 10. Juli 1609 wurde in seiner Residenz München zwischen ihm, den Bischöfen von Augsburg, Passau, Regensburg, und Konstanz, dem Abt von Kempten und dem Propst von Ellwangen ein Vertrag geschlossen, welcher den Grund zu der katholischen Union legte, die später gewöhnlich Liga genannt wurde. Zweck der auf neun Jahre beschlossenen Vereinigung war die Vertheidigung der katholischen Religion und des Friedens im Reiche. Zum Bundesobersten wurde der Herzog von Bayern ernannt, für die Bedürfnisse des Bundes eine Bundeskasse in Aussicht genommen. Der Bund war kaum geschlossen, als er in dem mit dem Tode des Herzogs Johann Wilhelm (25. März 1609) ausgebrochenen Jülich-Cleve’schen Erbfolgestreit bereits um Hilfe angegangen wurde. Der Erzherzog Leopold, Bischof von Straßburg und Passau, dem der Kaiser die Ausführung seines Mandates übertrug, als er den von den erbberechtigten Fürsten von Kurbrandenburg und Pfalz-Neuburg am 10. Juni getroffenen Vergleich aufhob, wurde eine Unterstützung für zehn Monate versprochen, während die protestantische Union ihrerseits für die Sache des Gegentheils eintrat. Auf der andern Seite erfuhr der Bund eben damals einen erheblichen Zuwachs. Am 30. August traten ihm die drei geistlichen Kurfürsten bei. Zugleich wurde der Kurfürst von Mainz zum Mitobersten ernannt, die Leitung des Krieges und der kriegerischen Anstalten jedoch dem Herzog von Bayern allein als Feldoberstem überlassen. Weitere zahlreiche Mitglieder wurden in Bälde durch die Bemühungen der bisherigen gewonnen. Auf dem Tage von Würzburg im Februar 1610 trafen die Abgeordnete fast aller bedeutenderen katholischen Reichsstände ein. Es wurde beschlossen, die Beiträge zum Bunde, zur Defensiv- oder Schirmvereinigung, wie man ihn nannte, von den einzelnen Mitgliedern nach dem Maßstabe der Reichsmatrikel zu erheben, und zwar für das laufende Jahr 42 Römermonate, für die zwei folgenden 10 und 6. Nur zwei größere Staaten fehlten, Österreich und Salzburg. Das Gesammthaus Habsburg wollte der Herzog von Bayern wegen seiner inneren Streitigkeiten, insbesondere wegen des Zerwürfnisses zwischen dem Kaiser und seinem Bruder Matthias und wegen der frühern ablehnenden Haltung Rudolfs überhaupt nicht in dem Bund ziehen; nur einige Glieder desselben sollten noch eingeladen werden. Das Stift Salzburg wollte seinerseits noch nicht eintreten. Das Mißtrauen gegen Österreich war durch dessen Lage gerechtfertigt; nach Außen gereichte aber dasselbe dem Bunde nicht zur Empfehlung. Der Papst und der König von Spanien machten die Gewährung einer Unterstützung, um die sie angegangen wurden, von der Bedingung abhängig, daß dem Hause Österreich eine hervorragende Stellung im Bunde eingeräumt würde. Maximilian erklärte, mit Rüchsicht auf diese Forderung, und um dem Argwohn zu begegnen, als sei er ein geheimer Gegner dieses Hauses, auf der nächsten Versammlung der Bundesabgeordneten um Mai 1610 seine Bereitwilligkeit, sein Amt an Österreich abzutreten. Das Anerbieten wurde indessen von den Bundesmitgliedern nicht angenommen. Doch war die Erklärung nicht ohne Erfolg. Spanien stand nunmehr von seinen füheren Forderungen ab, und am 14. August trat Philipp III. dem Bunde bei, indem er eine monatliche Zahlung von 30 000 Ducaten zusagte. Inzwischen hatte das feindselige Vorgehen der protestantischen Union gegen die geistlichen Stifte auch die eigentlichen Bundesmitglieder zu größerer Energie angetrieben. Herrschte noch vor einigen Monaten eine solche Saumseligkeit in der Einlieferung der Beiträge, daß Maximilian sich mit dem Gedanken trug, sein Oberstenamt niederzulegen, so wurde auf dem Bundestag in München im August 1610 die Aufstellung eines Heeres beschlossen und Freiherr von Tilly zum Feldmarschall ernannt. Das Auftreten machte Eindruck. Als der Union am 7. September ihr Verfahren gegen die geistlichen Staaten vorgehalten und schleuniger Abzug ihrer Truppen und Schadenersatz verlangt wurde, bequemte sich dieselbe zum Frieden. Am 24. October kam ein Vergleich auf gegenseitige Entwaffnung zu Stande.

So trefflich der Ernst und die Kraft der Liga sich hier bewährten, so konnte man doch nicht ohne Bangen in die Zukunft blicken. Der Bestand zweier confessionellen Bündnisse war eine Gefahr für den Frieden. Der Kurfürst von Mainz betrieb daher bald nach jenem Vergleich den Abschluß eines Bündnisses zwischen den katholischen und reichstreuen lutherischen Reichsständen, und der Vorschlag fiel an verschiedenen Orten auf empfänglichen Boden. Als es aber zu ernstlichen Berathungen kommen sollte, zog sich der Kurfürst von Sachsen, dessen Stimme hauptsächlich in’s Gewicht fiel, zurück. Er fand für besser, seine bisherige neutrale Stellung zu bewahren. Die beiden Sonderbündnisse bestanden so fort. Die Union erhielt in der nächsten Zeit sogar eine beträchtliche Verstärkung. Im Frühjahr 1612 schloß der König von England sich ihr an, ein Jahr später die holländischen Generalstaaten. Während aber ihre Machtstellung sich steigerte, begann für die Liga der Zerfall. Auf dem Tage von Frankfurt am 11. März 1613 gab sich zwar noch kräftiges Leben kund. Man beschloß insbesondere, vor dem bevorstehenden Reichstag 25, unter Umständen noch 10 weitere Römermonate bei den Bundesobersten zu erlegen. Die versprochenen Beiträge liefen aber so spärlich ein, daß Maximilian auf’s Neue mit Niederlegung des Oberstenmandates drohte, und während des Reichstages von Regensburg wurde dem Bunde eine neue Verfassung gegeben, welche seine Macht nothwendig schwächen mußte. Es sollten drei Kriegsdirectorien bestehen: ein bayrisches, ein rheinisches unter dem Erzherzog Albert von den Niederlanden, und ein österreichisches unter dem Erzherzog Maximilian von Tirol, und vor jeder Action sollte die Zustimmung des Kaisers eingeholt werden. Damit war nicht bloß dem Hause Österreich ein überwiegender Einfluß eingeräumt, sondern zugleich die Thatkraft des Bundes gelähmt. Der Herzog von Bayern schloß unter diesen Umständen im März 1614 mit den Bischöfen von Bamberg, Würzburg, Eichstätt und Augsburg, sowie dem Propst von Ellwangen einen engern Schutzbund ab. Im Anfang des Jahres 1616 legte er, als er Augsburg an das österreichische Directorium abtreten mußte, sein Bundesoberstenamt geradezu nieder. Die Bedeutung der Liga war mit seinem Rücktritt dahin. Im Frühjahr 1617 drohte ihr sogar eine völlige Auflösung. Der Kaiser ordnete damals die Aufhebung der beiden Bündnisse an, der Union und der Liga, da sie der von ihm angestrebten Composition, der Versöhnung der religiösen Parteien im Reiche, hindernd im Wege zu stehen schienen. Der Befehl wurde indessen nicht befolgt. Die Union, die ihn während einer Versammlung zu Heilbronn erhielt, erneuerte vielmehr ihren Bund sofort auf drei Jahre. Auch katholischerseits war man mit der Verordnung und der sie bedingenden Politik des Kaisers unzufrieden. Der Herzog von Bayern gab daher dem seit Niederlegung seines Oberstenamtes wiederholt an ihn gerichteten Verlangen der Mitglieder des Bundes vom Jahre 1614, sie wie bisher unter seinen besondern Schutz zu nehmen, im Mai 1617 endlich nach und verglich sich mit ihnen gegen etwaige rechtswidrige Angriffe zu einer »vertraulichen nachbarlichen Versicherung«. So bestand wieder ein Bund unter Leitung des Fürsten, dem die Liga eigentlich ihren Ursprung verdankte, und wenn er zunächst sehr klein war, so traten in Bälde Verhältnisse ein, welche ihm einen Umfang und eine Bedeutung verleihen sollten, weit größer, als die Liga früher sie besessen hatte.

Als die Herrschaft des Kaisers Matthias in Böhmen durch den Aufstand vom Jahre 1618 in Frage gestellt wurde, wandte man sich hauptsächlich an Bayern um Hilfe. Die Angelegenheit wurde mit aller Dringlichkeit betrieben. Von einigen Beiträgen des bayrischen Kreises und einigen anderen weniger bedeutenden Dienstleistungen abgesehen, ließ sich Maximilian indessen geraume Zeit zu keiner Unterstützung herbei. Er konnte die Behandlungen nicht so leicht vergessen, die ihm von Österreich widerfahren war. Auch war, so lange man dort auf den alten Ansprüchen hinsichtlich der Leitung des Bundes beharrte, die Zeit zu einem erfolgreichen Eingreifen nicht gekommen. Als aber die Gefahr in Böhmen immer größer wurde, und mit dem Hause Habsburg zahlreiche andere Personen ihre Bitten vereinigten, gab er im Anfang des Jahres 1619 endlich nach, und sofort wurden die umfassendsten Vorkehrungen getroffen. Vor Allem galt es, Spanien und den Papst zu gewinnen und die Liga in ihrer alten Kraft wiederherzustellen. Zu diesem Behufe veranstaltete der Kurfürst von Mainz auf sein Andringen bereits am 26. Januar zu Oberwesel einen Convent. Die Schwierigkeiten, welche Österreich wieder bereitete, indem Erzherzog Leopold als vermeintlicher Rechtsnachfolger des Erzherzogs Maximilian (gest. 2. November 1618) ein drittes Directorium beanspruchte, wurden durch die Nachgiebigkeit des Erzherzogs Ferdinand von Steiermark, der seit einiger Zeit die Kronen von Böhmen (1617) und Ungarn (1618) trug, gehoben, und in Bälde trieben die Dinge selbst weiter. Die Friedensverhandlung, auf die es zunächst abgesehen war, indem die Kurfürsten von Mainz, Sachsen und der Pfalz, sowie der Herzog von Bayern in Böhmen vermitteln sollten, wurde durch den Tod des Kaisers Matthias (20. März 1619) vereitelt. Indem die Böhmen den König Ferdinand zu derselben Zeit, wo er zum Kaiser gewählt wurde (28. August), absetzten (17. August) und die Krone dem Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz verliehen (27. August), brachen sie selbst die Brücke ab. Der Kurfürst ließ sich seinerseits noch ein besonderes Unrecht zu Schulden kommen, indem er mit dem Markgrafen von Ansbach eine für Ferdinand bestimmte Reiterschaar auf dem Gebiete von Eichstätt angriff. Auf dem Convent, welchen der Herzog von Bayern auf die Klage des Bischofs von Eichstätt in dessen Residenz veranstaltete, wurde sofort eine energische Rüstung beschlossen (25. August). Man wollte zunächst nicht eigentlich in die Action eintreten, sondern nur die Union zwingen, ihr Schwert in der Scheide zu halten, falls sie sich etwa für Böhmen erklären würde. Indessen war diese zuwartende Stellung nicht lange zu beobachten. Indem Friedrich V. nach anfänglichem Zögern die ihm angebotene Krone annahm und noch im Herbst 1619 nach Böhmen eilte, mußte Ferdinand zur Wahrung seines Rechtes zum Schwert greifen, und bei der Bedeutung, welche die böhmische Sache für die katholische Kirche im Allgemeinen und für die Religion im benachbarten Bayern im Besondern hatte, sagte ihm Maximilian im Vertrag zu München vom 8. October seinen Beistand zu, nachdem ihm die unbeschränkte Leitung der Liga übertragen und für den Fall der Hartnäckigkeit des Pfälzers ihm auch die Kurwürde versprochen worden war. Die Vorbereitungen wurden jetzt mit gesteigerter Energie betrieben. Zugleich wurde Kursachsen gewonnen, die Union durch den Vertrag von Ulm (23. Juni [3. Juli] 1620) andererseits von der böhmischen Angelegenheit losgetrennt, und so gelang es, als im Juli 1620 endlich der Feldzug eröffnet wurde, die Herrschaft Ferdinands in Österreich wie in Böhmen in wenigen Monaten wiederherzustellen. Am 8. November fand die entscheidende Schlacht am weißen Berge bei Prag statt. Am andern Tage verließ der Pfälzer als Flüchtling die böhmische Hauptstadt; die neue Krone war für ihn für immer verloren. Aber auch seinen alten Staaten drohte Gefahr. Die meisten Mitglieder der Liga glaubten zwar mit der Eroberung Böhmens den Zweck ihres Bundes erreicht und wollten, die geistlichen Kurfürsten voran, weitere Beiträge verweigern. Der Herzog von Bayern war aber für die Erhaltung des Bundes, und es gelang ihm, auf dem Tage zu Augsburg im Februar 1621 seine Ansicht durchzusetzen. Die Gefahr war nach seinem Urtheil noch nicht vorüber, da die Union noch aufrecht stand. Auch galt es, dem Pfälzer noch weiter entgegenzutreten, da sonst einerseits dessen Rache zu fürchten und andererseits die versprochene Kurwürde nicht wohl zu gewinnen war. Die Unternehmungen nahmen auch jetzt einen glücklichen Fortgang. Die Union kam im April auf dem Tage von Heilbronn mit dem General Spinola, der die Unter- oder Rheinpfalz besetzt hatte, überein, nie mehr gegen ihn und die von ihm besetzten Orte die Waffen zu führen, während er seinerseits ihren Mitgliedern Frieden zusicherte, und löste sich dann auf. Die Oberpfalz, in die sich der Feldmarschall Friedrichs V., der Graf von Mansfeld, aus Böhmen zurückgezogen hatte, wurde, sobald Maximilian die versprochene Kurwürde erhalten hatte (22. September), rasch erobert. Dann ging es in die Rheinpfalz, wohin Mansfeld entwichen war, und dann zur weitern Bekämpfung dieser und anderer Gegner nach dem Norden Deutschlands. (Die Thaten und Siege Tilly’s s. im Art. Dreißigjähriger Krieg III, 2053–2055.) Nur die weiteren Bundesversammlungen der Liga mögen hier noch angeführt werden. Dieselben fanden statt im Frühjahr 1623 in Regensburg, im Frühjahr 1624 zu Augsburg, im Februar 1627 zu Würzburg, im Februar 1629 zu Heidelberg, im December 1629 bis Januar 1630 zu Mergentheim, im Juni 1631 zu Dinkelsbühl, im December 1631 zu Ingolstadt. Letzterer Tag war nur mehr schwach besucht. Die Liga war durch die nach dem Siege von Breitenfeld (7. [17.] September) rasch weiter vorrückenden Schweden bereits zum Theil gesprengt, einige ihrer Mitglieder aus ihren Ländern verjagt. In seiner bedrohten Lage suchte selbst das Haupt des Bundes, der Kurfürst von Bayern, mit Gustav Adolf einen Neutralitätsvertrag abzuschließen. Die Verhandlungen zerschlugen sich zwar. Aber die Liga löste sich gleichwohl in kürzester Zeit gänzlich auf, indem der Bischof von Würzburg sich an Österreich ergab, der Kurfürst von Trier an Frankreich, Bayern im Laufe des Jahres 1632 von den Schweden besetzt wurde und der Bundesfeldmarschall Tilly bei der erfolglosen Vertheidigung des Landes den Tod fand (30. April 1632). Das Ende der Liga ist nicht rühmlich. Aber ihre früheren Thaten stehen glänzend in der Geschichte da. Sie hat das Verdienst, von dem Hause Habsburg und der Kirche im Kaiserreiche eine große Gefahr abgewandt zu haben. (Vgl. [A. S. Stumpf,] Diplom. Geschichte der teutschen Liga, Erfurt 1800; P. Ph. Wolf, Geschichte Maximilians I., 4 Bde., München 1807–1811; Cornelius, Zur Gesch. d. Gründung der deutschen Liga, im Münchener Histor. Jahrbuch 1865, 131–185; M. Ritter, Gesch. der deutschen Union von den Vorbereitungen des Bundes bis zum Tode Kaiser Rudolfs II., 2 Bde., Schaffh. 1867–1872.)

[Funk.]


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