Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Lightfoot, Johann, anglikanischer Pfarrer und Vicekanzler der Universität Cambridge, bedeutender Orientalist, wurde 1602 zu Stock in der Grafschaft Stafford geboren, studirte zu Cambridge, legte den ersten Grund zu seiner rabbinischen Erudition als Kaplan des Ritters Cotton, setzte mit unermüdetem Eifer, während er zugleich als Prediger und Pfarrer wirkte, das Studium der orientalischen Sprachen, des Talmuds und der Rabbinen fort und öffnete so, einer der Ersten, für die Exegese eine noch wenig benutzte reichliche Quelle. Zu den berühmtesten Gelehrten seiner Zeit stand Lightfoot in freundschaftlichen Verhältnissen. Als er 1642 zum Prediger an der Bartholomäuskirche zu London ernannt worden war, wurde er in die Versammlung der Theologen zu Westminster berufen; allein dem wilden Enthusiasmus seines sturmbewegten Vaterlandes war er abhold, und das große Ansehen, welches er als Gelehrter genoß, vermochte Viele, seinem Beispiele zu folgen und von den Neuerungen um Kirchenregiment abzustehen. Gegen Ende des Jahres 1643 ward Lightfoot Pfarrer zu Mundon in Herfortshire, 1655 zugleich Vicekanzler der Universität Cambridge, 1671 auch noch Canonicus zu Ely. Sein Leben blieb zwischen seelsorglicher Thätigkeit und wissenschaftlichen Bemühungen getheilt, bis er am 6. December 1675 zu Ely starb. Von seinen Schriften, welche größtentheils den biblischen Studien gewidmet sind, erschienen mehrere Sammelausgaben, von denen die zweite, durch Joh. Leusden 1699 zu Franecker herausgegebene die beste ist (neuere Ausgabe in 13 Bänden, London 1822–1825). Johann Strype hat zu London 1700 einen Supplementband geliefert. Unter diesen Schriften haben einen besondern Werth die Horae Hebraicae et Talmudicae (neue Ausgabe in 4 Bänden, Oxford 1859), worin die Schriften des Neuen Testamentes aus dem Talmud und den Schriften der Rabbinen erläutert werden. Auch in den anderen zahlreichen Schriften Lightfoots werden aus den rabbinischen Schriften und dem Talmud die jüdischen Gebräuche, Sitten, Redensarten u. dgl. zum Behufe des Verständnisses der Bibel beleuchtet, so daß sie noch heute als exegetische Fundgruben dienen können. (Vgl. die Brevis Descriptio Vitae Reverendi et Doctissimi Viri Joannis Lightfootii S. T. D. vor dem ersten Bande der gesammelten Werke.)

[Schrödl.]


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