Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Limburg, Bisthum in Preußen. I. Die Kreisstadt Limburg an der Lahn im Regierungsbezirke Wiesbaden, mit (1889) 6485 Einwohnern, sieht auf eine bereits mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Schon Erzbischof Hetti von Trier (814–847) weihte zu Limburg eine St. Georgskirche, und König Ludwig das Kind genehmigte im J. 910 die Gründung einer Basilica, welche der Graf des Niederlahngaues, Konrad Kurzbold (gest. 30. Juni 948), aufführte und mit einem Collegiatstifte verband. Noch jetzt wird jährlich am Todestage im Dome für ihn, als den Begründer dieser Kirche, ein heiliges Seelenamt abgehalten. Die jetzige Domkirche zum hl. Georg wurde im Anfang des 13. Jahrhunderts von Heinrich I. aus dem Geschlechte der Isenburger, welche damals Herren von Limburg waren, erbaut und im J. 1235 von Erzbischof Theodorich von Trier eingeweiht. Unter den Isenburgern gelangte die Stadt zu größerer Bedeutung; nach dem Aussterben dieses Geschlechtes kam sie um 1420 unmittelbar unter den erzbischöflichen Stuhl von Trier. Dieser verpfändete sie an die Landgrafen von Hessen, löste sie aber 1624 wieder ein und besaß sie bis zur Säcularisation 1802. Bald darauf fiel sie an das neu gebildete Herzogthum Nassau, 1866 an Preußen. – Noch bei Lebzeiten des hl. Franciscus kamen Mitglieder seines Ordens nach Limburg; ihre dortige Niederlassung bestand bis in den Anfang dieses Jahrhunderts; daß sie aber die erste in Deutschland gewesen, wie behauptet worden, wird sich kaum beweisen lassen. Auch der Orden der Wilhelmiten hatte in Limburg ein Kloster, und von Eberbach im Rheingau aus machten sich vom Jahre 1246 an Cistercienser daselbst ansässig. Beghinen befanden sich ebenfalls in Limburg. Das alte Hospital zum heiligen Geiste, von dem jetzt noch eine Pfründneranstalt für Männer übrig ist, wird als die großartigste Wohlthätigkeitsanstalt des Lahngaues bezeichnet. – Daß Limburg von den Stürmen des Reformationszeitalters wenig berührt wurde, verdankt es der klugen Haltung der Erzbischöfe. Richard von Greifenklau hörte 1523 die Beschwerden der Bürgerschaft gütig an und beseitigte manches, was Anstoß erregt hatte, so blieb die Stadt katholisch und bewahrte ihren Glauben auch unter vielen Gefahren der folgenden Zeiten bis dahin, wo sie in Nassau aufging. (Zur Geschichte der Stadt vgl. die ungedruckte Historia chronol.-diplom. civilis et ecclesiastica oppidi, collegiatae et satrapiae Limburgensis ad Lahnam vom Stiftsdechant J. L. Corden [gest. 1808]; Codex diplomaticus Nassovicus, herausgeg. von Menzel und Sauer, Wiesbaden 1885 ff.)

II. Das Bisthum. Das 1806 neu gebildete Herzogthum Nassau, welchem zu den nassauischen Erblanden noch die Gebiete von 27 geistlichen und weltlichen Fürsten zugefallen waren, zählte in ziemlich gleicher Zahl Lutheraner, Reformirte und Katholiken zu seinen Unterthanen. Für die Katholiken, welche früher zum Erzbisthum Trier gehört hatten, übte der trierische Generalvicar Joseph Ludwig Beck, ein Febronianer vom Kopf bis zum Fuße, die Jurisdiction von Limburg aus bis zum Tode seines Erzbischofes Clemens Wenceslaus (1812); die Katholiken aus den früheren Gebieten der Mainzer Diöcese unterstanden dem Vicariate, welches Primas Dalberg in Aschaffenburg für Mainz eingerichtet hatte. Im J. 1812 schuf nun Dalberg ein eigenes Vicariat für Nassau, dem außer den Katholiken aus den Gebieten von Mainz und Trier der Herzog als »Beweis besonderer Fürsorge« auch die Katholiken aus den ehemals oranischen und weilburgischen Landestheilen zuwies. Die staatliche Leitung der Kirchensachen lag seit 1815 in den Händen des aus Aschaffenburg berufenen Oberkirchen- und Schulrathes Koch, eines ehemals katholischen Priesters, der 1821 formell zum Protestantismus übertrat. Die Regierung selbst bemühte sich, eine Union der Lutheraner und Reformirten zu erzielen; als dieses gelungen war, gab sie sich der Zuversicht hin, in nicht zu ferner Zeit auch die Katholiken dem Bunde beizugesellen. »Das Herzogthum sei ja seit seiner Gründung ein interconfessioneller Staat; in keinem andern der damals neu gebildeten Staaten habe es eine nur annähernd gleiche Durcheinandermischung der Confessionen gegeben!« In der That kam es in Nassau so weit, daß abwechselnd Katholiken zur Predigt des protestantischen Pfarrers und Protestanten zu der des katholischen Pfarrers hingingen, daß ein protestantischer und ein katholischer Pfarrer in ein und derselben Kirchen hinter einander predigten und sich den Friedenskuß gaben; daß gegenseitige Aushilfe der katholischen und prostestantischen Pfarrer nichts Seltenes war; ja daß, wie erzählt wurde, ein protestantischer Pfarrer »beim Frohnleichnamsfeste mit einer brennenden Kerze im Zuge mitgegangen sei, zum Dank dafür, daß der katholische Amtsbruder die Leichenpredigt für seine Frau gehalten hatte«. Das Vicariat sah solchem Treiben ruhig zu und stand ohne alle Reibungen im besten Einvernehmen mit dem Landesherrn. Der Clerus hatte nur vom Herzoge Beförderung zu erwarten und fügte sich allen staatlichen Einmischungen. Erklärlich ist es deßhalb, warum Nassau seit 1818 mit anderen Regierungen die Verhandlungen mit Rom so lange verzögerte, welche endlich zur Regelung der kirchlichen Angelegenheiten durch Errichtung der oberrheinischen Kirchenprovinz führten. Durch die Bullen Provida solersque vom 16. August 1821 und Ad Dominici gregis custodiam vom 11. April 1827 wurde die Diöcese Limburg als Suffraganbisthum von Freiburg errichtet und ihm die Katholiken in Nassau und in der freien Stadt Frankfurt unterstellt. Die neue Diöcese umfaßte 134 Pfarreien; 58 derselben, größtentheils im Rheingau und im Maingau gelegen, darunter auch Frankfurt, hatten bisher nach Regensburg, früher nach Mainz gehört; weitere 51, darunter Limburg, rührten von Trier her; die übrigen 25, darunter Hadamar, Weilburg, Wiesbaden, hatten seit dem westfälischen Frieden keiner Diöcese zugehört und waren zum Theil, wie Idstein, Weilburg, Wiesbaden, nachdem sie infolge der Reformationsstürme untergegangen waren, erst seit kurzer Zeit wieder in’s Leben gerufen worden. Dem Bischof sollte ein Domcapitel zur Seite stehen, welches aus einem Domdechanten, 5 Domherren und 2 Domvicaren bestände, von welchen jedoch ein Domherr zugleich Pfarrer von Limburg, ein anderer Pfarrer von Dietkirchen, ein anderer Pfarrer von Eltville im Rheingau und ein anderer Stadtpfarrer am Dom in Frankfurt sein sollte. Wenn aber auch durch diese Einrichtung wenigstens den dringendsten Bedürfnissen der Katholiken in Nassau und in Frankfurt einigermaßen abgeholfen wurde, so verblieben diese doch noch immer in höchst bedenklicher Lage. Der antikirchliche Geist, welcher bei den Verhandlungen bezüglich der oberrheinischen Kirchenprovinz die betreffenden Regierungen geleitet und so weit getrieben hatte, daß sie dem apostolischen Stuhle ihre Absichten verheimlichten, ihn die Bischofsstühle besetzen ließen und dann alsbald eine landesherrliche Verordnung vom 30. Januar 1830 mit 39 Artikeln traurigen Andenkens bekannt machten, durch welche die Kirche in so ausgedehntem Maße unter den Staat gestellt werden sollte, – dieser Geist machte sich auch weiterhin in Nassau vornehmlich unter dem damals so mächtigen Regierungspräsidenten Möller geltend. Während der directe Verkehr mit dem apostolischen Stuhle strengstens verboten war, verfuhr die Regierung so, als sei sie die höchste Behörde auch in den Kirchensachen. Nachdem auf Grund des Reichsdeputationshauptschlusses vom 25. Februar 1803 alle Klöster und Stifte, deren sich in Nassau und Frankfurt 32 vorgefunden hatten, aufgehoben und ihr Vermögen eingezogen worden war, hielt die Regierung auch alles übrige Kirchenvermögen durchaus unter ihrer Verwaltung. Die Entfaltung des religiösen Lebens war so unterbunden, daß nicht nur keine neuen Klöster gegründet, sondern nicht einmal gemeinschaftliche Wallfahrten abgehalten werden durften. Insbesondere hat sich Nassau im Gegensatz gegen das, was die Kirche vorzugsweise und mit aller Kraft erstreben muß, um ihren Angehörigen von Kindheit her den rechten Geist beizubringen, als das classische Land des Simultanschulwesens hervorgethan. Die ausführlichsten und genauesten Belege, welche dafür das zweibändige Werk »Die nassauische Simultan-Volksschule« (Wiesbaden 1881–1883) bietet, sind um so werthvoller, weil sie von einem allbekannten Gegner der katholischen Kirche, Geh. Regierungsrath Firnhaber zu Wiesbaden, dem langjährigen protestantischen Schulreferenten in Nassau, herrühren und sich nicht bloß, wie man nach dem Titel des Buches meinen könnte, auf die Volksschulen beschränken. Danach waren in Nassau Confessionsschulen ausgeschlossen und nur Simultanschulen für sämmtliche Confessionen eingerichtet; ihr Simultancharakter war dabei so stark betont, daß man sogar einen sogen. allgemeinen Religionsunterricht für die Schulen nicht nur plante, sondern auch wirklich durchzuführen suchte. Wie für alle, die in Nassau den höheren Studien sich widmen wollten, so gab es auch für die künftigen Geistlichen nur eine einzige Anstalt mit den oberen Gymnasialklassen in dem nahezu ganz protestantischen Weilburg. Wer dann von den Katholiken dem Studium der Theologie obliegen wollte, mußte, wenn er der Stipendien bedurfte, dieß an einer so wenig geeigneten Stelle thun, wie es die katholisch-theologische Facultät in dem protestantischen Gießen war. Hatte aber der Theologe seine akademischen Studien beendigt, so mußte er in dem Regierungsgebäude zu Wiesbaden sein schriftliches Examen machen. Auch alle Anstellungen der Geistlichen, die der Kapläne ausgenommen, gingen von der Regierung aus. Daß aber auch die katholischen Aspiranten des Lehrerstandes nur mit den Protestanten zusammen an dem einzigen Lehrerseminar des Landes, in dem protestantischen Idstein, ihre Ausbildung zu suchen hatten, kann nach dem Gesagten kaum nich auffallen, und ebenso wenig, daß bis zum Jahre 1850 nie ein Katholik als Schulreferent an der Regierung thätig gewesen ist. Bei solcher traurigen Lage der Kirche war es natürlich vorzugsweise zu beklagen, daß Anfangs von der bischöflichen Stelle aus fast nichts geschah, um den Übeln abzuhelfen, ja daß dem Inhaber derselben nahezu alles abging, was ihn dazu hätte befähigen können. Zählte ja der erste Bischof von Limburg, Jacob Brand (21. October 1827 bis 26. October 1833), ein unläugbar begabter und gelehrter Mann, früher Professor am Gymnasium zu Aschaffenburg, von 1808 an aber in dem nassauischen Orte Weißkirchen Pfarrer, Schulinspector und Landdechant, hauptsächlich zu jenen Männern, welche mit den Bestrebungen der Regierung bei Errichtung der oberrheinischen Kirchenprovinz sympathisirten. Als ihn die Regierung als Bischofscandidaten aufgestellt hatte, wurde er zuerst von Rom abgelehnt, nachträglich jedoch, um schlimmerem Übel vorzubeugen, acceptirt. Mochte darum auch der Bischof in der Deputirtenkammer im J. 1831 Klage darüber erheben, daß kein confessioneller Religionsunterricht am Gymnasium ertheilt werde, und damit immerhin etwas Gutes stiften, indem dadurch die Beseitigung des allgemeinen Religionsunterrichtes eingeleitet wurde: zu einem weitern kräftigen Auftreten gegen die Vergewaltigung der Kirche durch den Staat erschwang er sich nicht, auch nachdem Pius VIII. durch das Breve Pervenerat vom 30. Juni 1830 seine Mahnung hatte ergehen lassen. Die unter Bischof Brand zu Limburg eingerichtete theologische Facultät ging alsbald wieder ein. Unter dem zweiten Limburger Bischof, Johann Wilhelm Bausch (25. Januar 1835 bis 9. April 1840), trat eine wesentliche Änderung der Lage der Kirche nicht ein, und was man ihr für eine Stellung zuwies, geht so recht aus der Art und Weise hervor, in welcher der vor der Wahl seines Nachfolgers nach Limburg gekommene Präsident Möller sieben von den auf der Candidatenliste befindlichen Personen zurückwies und dem Domcapitel als höhere Entschließung eröffnete, es möge von den zwei Candidaten, welche auf der Liste noch übrig waren, denjenigen wählen, »welchen es für den würdigsten zur Stelle eines Bischofs halte«. Die Wahl, welche darauf stattfand, wurde von Rom verworfen und zog dem Domcapitel eine ernste Rüge zu; nachdem ihm aber aus »ganz besonderer Gnade« des Papstes die Vornahme einer neuen Wahl gestattet worden war, ging aus ihr am 26. Januar 1842 zum allgemeinen Jubel der Katholiken als dritter Bischof Peter Joseph Blum (1842–1884) hervor. Derselbe war am 18. August 1808 zu Geisenheim im Rheingau als Sohn christlich gesinnter Bürgersleute geboren, wurde für die höheren Studien von einem fein gebildeten und überaus edel gesinnten Priester so vorbereitet, daß er kein Gymnasium zu besuchen brauchte, studirte Theologie zu Bonn und Würzburg, ohne an dem ersteren Orte von dem Hermesianismus irre geführt worden zu sein, und empfing am 17. Mai 1832 die Priesterweihe. Er war ausgerüstet mir scharfem Verstand, hochherziger Gesinnung, glühendem Eifer für die heilige Sache und einer feurigen, hinreißenden Beredsamkeit. Über das, was er erstrebte, ließ er die Regierung nicht im Zweifel, als er sich anschickte, den Limburger Hirtenstab in die Hand zu nehmen. Um das kirchliche Leben zu heben, war sein 42jähriges Wirken vor Allem darauf gerichtet, die hindernden Fesseln der staatlichen Einmischungen zu sprengen. Er säumte nicht, die günstigere Lage, welche der deutschen Kirche infolge der Bewegung des Jahres 1848 auf kurze Zeit vergönnt war, im Interesse derselben auszunutzen. Nachdem ihm schon 1844 gelungen war, die Aufhebung des sogen. allgemeinen Religionsunterrichtes in allen Schulen zu erzielen, wirkte er dafür, daß auch das Simultan-Schullehrerseminar zu Idstein aufgelöst und an dessen Stelle ein protestantisches Seminar zu Usingen und ein katholisches zu Montabaur eingerichtet wurde. Als dann neben dem einzigen Gymnasium zu Weilburg drei neue, darunter eines im katholischen Hadamar, entstanden, schuf er neben ihnen 1852 zu Hadamar, 1866 zu Montabaur katholische Knabenconvicte, um den Priestermangel zu beseitigen. Mächtig hob sich das religiöse Leben, nachdem es ihm gelungen war, wieder Priesterexercitien und Volksmissionen durch Ordensleute einzuführen und den Redemtoristen die alte Wallfahrtsstätte Bornhofen am Rhein zu übergeben. Unter seinem Beistande trat ferner die Genossenschaft der armen Dienstmägde Christi für Krankendienst und Unterricht zu Dernbach in’s Leben, welche seitdem so erstarkte, daß sie schon Töchteranstalten in Amerika gründen konnte; ebenso bildete sich eine Genossenschaft von Brüdern für Krankenpflege, welche gleichfalls auch außerhalb der Diöcese Niederlassungen erlangte. Die Gebäude des alten Klosters Marienstatt bei Hachenburg wurden zu einer Anstalt für verwahrloste Knaben eingerichtet; die zerfallene Klosterkirche Marienthal im Rheingau stellte er wieder her und führte an beiden Orten klösterliche Genossenschaften ein. Um alles dieses zu ermöglichen und überhaupt der Kirche eine freie Existenz und ungehinderte Thätigkeit zu erringen, hatte der Bischof freilich schwere Kämpfe mit den staatlichen Gewalten zu bestehen, besonders da sich zu seiner Zeit der Conflict zwischen Kirche und Staat auf die ganze oberrheinische Kirchenprovinz ausdehnte und dabei der Limburger Bischof besonders eifrig dem ehrwürdigen erzbischöflichen Kämpfer Hermann von Vicari zur Seite stand. In Nassau kam es so weit, daß auch hier schon Befehl gegeben war, den Bischof gefangen zu nehmen, und diese Weisung nur desßhalb zurückgenommen wurde, weil man wahrnahm, wie entschieden sich das Volk um den Bischof schaarte. Im J. 1861 kam es zwischen dem Landesherrn und dem Bischof unter Vermittlung des katholischen Stadtpfarrers Petmecky zu Wiesbaden zu einer provisorischen Ordnung der kirchlichen Verhältnisse. Als 1866 bei der Einverleibung des Landes in Preußen der Bischof, bei aller Theilnahme für den unterlegenen Herzog, sich freute, nunmehr auch für seine Diöcese an jener freieren und glücklicheren Stellung, welche die Kirche in Preußen unter dem Könige Friedrich Wilhelm IV. gewonnen hatte, theilnehmen zu können, ahnte er wohl kaum, was gerade jetzt ihm bevorstand. Auch ihn mit seinem Bisthum traf ja der Culturkampf in seiner ganzen Schwere. Peter Joseph mußte sehen, wie das, was er mit so großer und langer Anstrengung aufgebaut, zu einem nicht geringen Theil wieder in Trümmer ging. Er sah sich genöthigt, im J. 1876 die Diöcese zu verlassen und mußte, nachdem auch seine staatliche »Absetzung« erfolgt war, viele Jahre getrennt von seiner Heerde in der Verbannung weilen. Als es ihm endlich durch Erlaß vom 3. December 1883 wieder möglich geworden war, zu seinem Bischofssitz zurückzukehren, war seine körperliche Kraft gebrochen; der greise bischöfliche Bekenner starb schon am 30. December 1884. Was er aber geschaffen, ist keineswegs mit ihm in’s Grab gesunken. So viel Einbuße es auch durch den Culturkampf erfahren mußte, vernichten konnte dieser es nicht. Was dabei der Diöcese sehr zu Statten kam, war, daß sie gar nicht lang verwaist blieb, sondern rasch hinter einander zwei weitere Oberhirten erhielt, welche, voll Hochachtung und Pietät gegen den Bischof Peter Joseph, sich eng an ihn anschlossen. Als vierter Bischof folgte nämlich Johann Christian Roos (27. März 1885 bis 19. September 1886) und, als dieser schon im folgenden Jahre auf den erzbischöflichen Stuhl von Freiburg berufen wurde, als fünfter Bischof Karl Klein (seit 15. October 1886), welcher dem Bischof Peter Joseph fast vom Beginne seiner oberhirtlichen Thätigkeit an vorzugsweise als Rather und Helfer zur Seite gestanden war. Den religiösen Aufschwung, den das Bisthum genommen, documentiren am besten die großen Opfer, die seit 50 Jahren gebracht wurden, um neue Kirchen zu bauen, die vorhandenen würdig herzustellen und die mannigfaltigsten kirchlichen Zwecke zu fördern. Auch die Limburger Cathedrale wurde auf Staatskosten einer völligen Erneuerung unterzogen und in ihrer alten Schönheit wieder hergestellt. Infolge der territorialen Veränderungen von 1866 sind auf Grund päpstlicher Verfügung einige Pfarreien der Mainzer Diöcese an die Linburger und einige der letzteren an die erstere übergegangen. In die Klöster, deren Bewohner der Culturkampf vertrieben hatte, sind infolge der Bemühungen des jetzigen Oberhirten wieder Ordensleute eingezogen, in die zu Marienthal und Bornhofen Franciscaner, in die ehedem Jahrhunderte hindurch von Cisterciensern bewohnte Abtei Marienstatt aber auch jetzt wieder Glieder dieses Ordens. Nach dem neuesten Schematismus von 1887 umfaßt die Diöcese in 15 Decanaten und einem Commissariat (Frankfurt) 167 Pfarreien; in ihr sind thätig 234 Priester; die Seelenzahl beträgt 294 740. Die größte Gemeinde der Diöcese ist Frankfurt, das 38 750 Katholiken hat; die größte innerhalb des frühern Herzogthums Nassau Wiesbaden, zu dem 16 483 Katholiken gehören; die Pfarrei Limburg zählt deren 4615 Seelen. Das Domcapitel zählt sechs, jetzt in Limburg residirende Mitglieder; Ehrendomherr ist der Stadtpfarrer von Frankfurt. (Vgl. Bahl, Beiträge zur Geschichte Limburgs, Limburger Programm 1889 und 1890; Lotz und Schneider, Die Baudenkmäler im Regierungsbezirk Wiesbaden, Berlin 1880; Schunk, Beiträge zur Mainzer Geschichte, Mainz u. Frankfurt 1789; Bär, Diplomatische Nachrichten von der natürlichen Beschaffenheit und Cultur des Rheingaues in den mittleren Zeiten, Mainz 1790; Brück, Gesch. der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert, Mainz 1887–1889.)

[Schmelzeis.]


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