Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Lindisfarne (später Holy-Island, Insula sancta genannt), eine an der Ostküste Englands, dem Dorfe Biel gegenüber liegende kleine Insel, war, ähnlich wie Jona (Hy) für Schottland, so im 7. und 8. Jahrhundert für Nordhumbrien der Mittelpunkt des religiösen Lebens. Auf Einladung des hl. Oswald, Königs von Nordhumbrien, kam der hl. Aidan aus Jona nach England, wurde zum Bischofe geweiht und nahm seinen Sitz in Lindisfarne (635–651), wo er ein Kloster gründete. Der König selbst pflegte den Abt-Bischof, welcher der Sprache der Eingebornen nicht mächtig war, als Dolmetscher zu begleiten. Trotz der Kriege und der Verfolgung durch die Heiden machte das Christenthum schon unter diesem frommen Bischofe große Fortschritte in Nordhumbrien. Unter seinem Nachfolger Finan (652–661) wurden Mercia und Ostsachsen durch Missionare, welche in Lindisfarne herangezogen worden waren, für den Glauben gewonnen. Unter ihnen ragten hervor Diuma, der später Bischof von Mercia (Lichfield) wurde. Cedda und seine drei Brüder. Nachdem sie das fast ganz heidnische Gebiet bekehrt hatten, wurde Cedda von König Sigebert nach Ostsachsen berufen, wo römische Missionare das Christenthum zuerst eingeführt hatten. Cedda wurde Bischof der Ostsachsen, nahm aber seinen Sitz nicht in der alten Bischofsstadt London, sondern in Manchester. Der dritte Abt und Bischof Coleman von Lindisfarne verließ 676 infolge der von der Synode zu Whithy (s. d. Art. England IV, 544) gegebenen Entscheidung über Annahme der römischen Riten mit vielen seiner Gesinnungsgenossen sein Bisthum und kehrte nach Jona, später nach Irland zurück. Ihm folgte als Abt der hl. Eata, der später (678) zum Bischof von Hexham und Lindisfarne ernannt wurde. Unter ihm wirkte als Prior des Klosters der hl. Cuthbert. später Bischof von Lindisfarne (685–687). Die Raubzüge der Dänen, welche überall Klöster und Kirchen zerstörten, wurden auch der Entwicklung Lindisfarne’s verderblich; in den Jahren 793, 794 und 875 wurden Kirche und Kloster von den Barbaren eingeäschert. Statt zur Insel zurückzukehren, bauten die Mönche, denen der König das Land, das zwischen den Flüssen Wear und Tyne liegt, geschenkt hatte (883), ein Kloster in Chester-le-Street, das bis zum Jahre 990 auch der Bischofssitz Nordhumbriens war. Noch einmal aus ihrem Kloster vertrieben, ließen sich die Mönche in Durham nieder, das von 999 bis 1559, dem Todesjahre des letzten katholischen Bischofs Tunstall, ein mit großen Vorrechten ausgestatteter Bischofssitz blieb. (Vgl. Beda, Historia Ecclesiastica l. 3; Smith, Dictionary of Christian Biography.)

[A. Zimmermann S. J.]


Zurück zur Startseite.