Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Lindsey, Theophilus, Stifter einer unitarischen Gemeinde in London. In England wurde die Ausbreitung der Socinianer und Unitarier frühzeitig durch die härtesten Gesetze gehindert, und infolge davon konnten sich die Unitarier noch bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu keiner Gemeinde zusammenthun, obgleich der Unitarismus von Siebenbürgen, Polen und Holland her durch Flüchtlinge und Schriften auch auf die britische Insel eingeschmuggelt worden war, arianische und socinianische Ansichten sich unter dem Einfluß der Freidenkerei und Freimaurerei seit dem Ende des 17. Jahrhunderts sehr verbreiteten und Johann Biddle (s. d. Art.) und Thomas Emlyn (gest. 1741) den Versuch gemacht hatten, eine eigene Gesellschaft auf unitarischer Basis zu gründen. Allmälig kamen indeß die gegen die Arianer und Socinianer erlassenen Gesetze außer Brauch, wiewohl man sie nicht förmlich abschaffte, und es bedurfte nur mehr eines Führers, um endlich eine unitarische Gemeinde zu sammeln. Ein solcher Führer erschien im J. 1773 in der Person des anglicanischen Pfarrers zu Catterick in Yorkshire, Theophilus Lindsey. Er legte sein Amt mit der Erklärung nieder, daß er dazu von seinem Gewissen gedrungen sei, weil sich seine Überzeugung in Betreff der 39 Artikel der anglicanischen Kirche, besonders in Ansehung des athanasianischen Glaubensbekenntnisses, geändert habe, begab sich nach London, wo schon genug vorgearbeitet war, und machte bekannt, daß er einen eigenen Gottesdienst nach der Lehre des unitarischen Systems in seinem Hause einzuführen entschlossen sei. Er eröffnete ihn auch wirklich im April 1774 unter dem Zusammenströmen einer Menge von Zuhörern. Aus diesen bildete sich allmälig eine zahlreiche Gemeinde, welche regelmäßig in Lindsey's Haus zum sonntäglichen Gottesdienst zusammenkam und nach einigen Jahren durch Subscription die Kosten zur Herstellung einer eigenen Kapelle zusammenbrachte, wo Lindsey seit 1778 wohnte und alle Sonntage nach einer eigens von ihm verfaßten Liturgie den Gottesdienst hielt. Lindsey starb im November 1808 im 86. Lebensjahre. Sein Beispiel fand Nachahmung. In England erlaubten sich mehrere Geistliche, die Liturgie im antitrinitarischen und unitarischen Sinne zu verändern, und Joseph Priestley, bekannt durch seine Geschichte der Verfälschungen des Christenthums, bildete die unitarischen Principien noch weiter fort als Socinus selbst; in Schottland stiftete William Christie, ein Kaufmann zu Montrose, im J. 1781 eine unitarische Gemeinde und führte beim Gottesdienst die Liturgie Lindsey's ein. Der erwähnte Priestley, der in England mehrere Dissidentengemeinden gestiftet hatte, flüchtete sich vor Volksunwillen 1794 nach Amerika und bahnte dort dem Unitarismus den Weg. Er starb 1804 in dem amerikanischen Städtchen Nordhumberland. (Vgl. Belsham, Memoirs of Thom. Lindsey, with a brief Analysis of his Works, London 1812.)

[Schrödl.]


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