Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Linz, Bisthum in Oberösterreich, ist eine Schöpfung Kaiser Josephs II. Der heutige Sprengel Linz war ehemals ein Bestandtheil des großen, von den Ufern der Isar bis an die Grenzen von Ungarn hinabreichenden, etwa 640 Quadratmeilen großen Kirchensprengels Passau, dann auch ein Theil des Bisthums Lorch bei Enns; nur ein kleiner Theil gehörte zur Erzdiöcese Salzburg. Als Joseph II. zur Regierung kam, standen Ober- und Unterösterreich bis nach Wien hin in kirchlicher Beziehung unter dem Fürstbischof von Passau (s. d. Art.). Oberösterreich regierte der Bischof unmittelbar, Unterösterreich ließ er aber durch einen in Wien residirenden bischöflichen Official verwalten. Nachdem der Cardinal Leopold Ernst, Graf von Firmian, Fürstbischof von Passau, am 13. März 1783 gestorben war, ließ der Kaiser unverzüglich erklären, daß Österreich ob und unter der Enns von der Passauer Diöcese nunmehr getrennt sei und eigene Bischöfe erhalten werde. Zugleich erklärte der Landeshauptmann von Oberösterreich, Graf Thürheim, auf kaiserlichen Befehl am 16. März die bischöflich passauische Gerichtsbarkeit in ganz Oberösterreich für beendigt und nahm sämmtliche Besitzungen des passauischen Bisthums und Domcapitels in den kaiserlichen Landen in Beschlag. Auf die gerechten Gegenvorstellungen des Domcapitels von Passau erfolge die Antwort: Der Kaiser könne und werde vermöge seiner Regentenpflichten und im Hinblick auf das Beste seiner Unterthanen nicht anders handeln. Um diesen kaiserlichen Gewaltact schlimmster Art rückgängig zu machen, wandte sich das Capitel um Unterstützung an einzelne kurfürstliche Höfe und wählte im Mai 1783 den bisherigen Bischof von Gurk, Joseph Franz Anton Grafen von Auersperg, zum Bischof von Passau, in der Hoffnung, demselben werde es besser gelingen, mit dem Kaiser einen annehmbaren Vergleich abzuschließen. Letzterer hatte aber schon unter dem 16. März 1783 ohne jegliche Auctorisation, ja ohne irgend welches Vorwissen Roms, den Bischof und seitherigen passauischen Official, Ernst Johann Grafen von Herberstein, zum »Bischof von Linz«, das dem Erzbisthum Wien als Suffraganat unterstehen sollte, ernannt, diesem Bischof ganz Oberösterreich als Sprengel und die ehemalige Jesuitenkirche zu Linz als Cathedrale angewiesen. Erst als das Capitel, der bittern Noth weichend, sich mit der Errichtung des neuen kaiserlichen Bisthums einverstanden erklärte, kam am 4. Juli 1784 ein für das Bisthum Passau äußerst nachtheiliger Vertrag mit dem Kaiser zu Stande, und Bischof von Auersperg entsagte in demselben für sich und alle seine Nachfolger jeder bischöflichen Gerichtsbarkeit in ganz Österreich und verpflichtete sich sogar, »in dankbarster Anerkennung der allerhöchsten Gerechtigkeitsliebe und Gnade des Kaisers«, gegen Zurückgabe der beschlagnahmten passauischen Güter zur Ausstattung des neuen Bisthums die Propstei Ardagger abzutreten und eine Summe von 400 000 Gulden sammt 4 % Zinsen, vom Todestage Firmians an gerechnet, zu bezahlen. Doch ließ Kaiser Leopold II. nachher die Hälfte dieser Summe nach. Pius VI. befand sich diesem rechtswidrigen Vorgehen des Kaisers gegenüber in nicht geringer Verlegenheit, und erst am 28. Januar 1785 erschien die Erectionsbulle Romanus Pontifex. Die Ernennung des Grafen v. Herberstein als ersten Bischofs wurde gutgeheißen und die Zahl der Domherren auf sieben festgesetzt, mit dem Ehrenrechte der Inful für den Generalvicar, den Dompropst, den Domdechanten und den Domscholaster. Daß es der Kaiser an Eingriffen in das kirchliche Leben auch dieser neuen Diöcese keineswegs fehlen ließ, braucht nicht gesagt zu werden, zumal da Bischof von Herberstein ein Kind seiner Zeit war. Dieser starb übrigens schon nach kurzer Zeit, am 17. März 1788. Die liturgischen Verordnungen, die Klosteraufhebungen, das Ehepatent, das Toleranzedict und alle anderen josephinischen Neuerungen fanden weder beim Clerus noch beim Volk eine gute Aufnahme; der »Bruder Sacristan« ließ sich aber dadurch nicht irre machen. Als zweiten Bischof ernannte der Kaiser Joseph II. Anton Gall, einen Schwaben (geb. zu Weil der Stadt am 27. März 1748, Onkel des bekannten Phrenologen Gall), am 9. Mai 1788; die päpstliche Bestätigung erfolgte im December. Nachdem die betreffenden Bullen am 3. Februar 1789 das kaiserliche Placet erhalten, wurde Gall am 8. Februar consecrirt und am 1. März feierlich inthronisirt. Er hatte seine Studien zu Augsburg und Heidelberg gemacht, war im Seminar zu Bruchsal gewesen und 1771 ordinirt worden. Im J. 1773 kam er nach Wien, wurde k. k. Hofkaplan, 1779 Pfarrer in Burg-Schleinitz und 1784 wieder als Leiter des Schulwesens in der Residenz und im Land ob der Enns mit dem Titel Normalschulen-Oberaufseher nach Wien berufen. Kaiser Joseph II. ernannte ihn 1787 zum Domscholasticus an der Metropolitankirche zu Wien. Dieser fromme und gutmüthige, namentlich auch sehr wohlthätige Oberhirte hatte freilich nicht die nöthige Energie dem Regierungsabsolutismus gegenüber; trotzdem arbeitete er nach Kräften für das Beste der Kirche. Zur Gründung des neuen Seminars trug er aus eigenen Mitteln bedeutende Summen bei; auch war er als Schriftsteller thätig. Nach seinem am 18. Juni 1807 erfolgten Tode blieb das Bisthum acht Jahre ohne Oberhirten. Der Kaiser hatte zwar schon am 19. Januar 1809 den Gurker Generalvicar Sigismund von Hohenwart zum Nachfolger ernannt; weil aber Pius VII. noch in der Gewalt Napoleons sich befand, konnte die Bestätigung erst am 17. Mai 1814 erfolgen; consecrirt wurde dieser dritte Bischof von Linz am 12. Mai 1815, nachdem er die bischöfliche Verwaltung schon 1811 übernommen hatte. Auf Anrathen des Wiener Statthalters, Grafen von Saurau, legte nämlich der vom Capitel bestellte Capitelsvicar Ferdinand Mayr 1811 sein Amt nieder, worauf ersteres Hohenwart, entgegen den canonischen Vorschriften, zum Capitelsvicar erwählte, was dieser auch annahm. In die geistliche Verwaltung brachten damals die Franzosen viele Verwirrung, ebenso auch die schwärmerischen Secten der Pöschelianer (s. d. Art.) und der Boosianer (s. d. Art. Boos). Es waren trübe Zeiten, und zudem waren wegen Priestermangels viele Pfarreien vacant. Hohenwart starb am 22. April 1825 und erhielt zwei Jahre später (25. Juni 1827) den eifrigen und gelehrten Bischof von Tarnow, Gregor Thomas Ziegler O. S. B., als Nachfolger. Unter seiner Regierung konnten nicht alle Schäden beseitigt werden; doch geschah viel zur Hebung des Bisthums, namentlich durch die segensreiche Thätigkeit der allmälig sich wieder im Lande ansiedelnden religiösen Orden, in erster Linie der durch Erzherzog Maximilian herbeigerufenen Jesuiten. Dieser edle Erzherzog erbaute auf dem Freinberge bei Linz eine schöne Kirche und gestaltete den dortigen Thurm zu einem Jesuitencollegium. Im Jahre 1848 wurden die Jesuiten vertrieben, durften aber bald wieder zurückkehren. Bischof Ziegler erlebte letzteres nicht mehr, denn er starb am 15. April 1852. Zu seinem Universalerben erklärte er die Domkirche und das Knabenseminar; für das Alumnat hinterließ er den nach ihm benannten »Gregorianischen Fond«, wodurch er neben Bischof Gall der größte Wohlthäter des Seminars geworden. Die Bibliothek vermachte er der bischöflichen Residenz, und seinem Nachfolger hinterließ er, der in einen leeren bischöflichen Palast hatte einziehen müssen, einen fundus instructus. Als fünfter Bischof wurde am 19. December 1852 ernannt, 10. März 1853 präconisirt und 5. Juni darnach consecrirt Franz Joseph Rudigier, geb. am 6. April 1811 zu Parthenen in Vorarlberg, ordinirt zu Brixen am 12. April 1835. Er wurde nach einander Moralprofessor in Brixen, Studiendirector am Frintaneum in Wien, Propst zu Innichen im Pusterthale und Domherr zu Brixen. Als Bischof entfaltete er eine staunenswerthe Thätigkeit. Sein Biograph rühmt von ihm die Pflege des so nothwendigen katholischen Vereinswesens, den Eifer für würdige Gotteshäuser und entsprechenden Gottesdienst, die Hebung der katholischen Presse, Förderung des Regularstandes und vor Allem die unbeugsame Festigkeit in der Vertheidigung der kirchlichen Rechte gegenüber dem Alles knechtenden Liberalismus. Seine Haltung im Concordatssturm, in dem wegen seines Hirtenbriefes vom 7. September 1868 (über Ehe und Schule) eingeleiteten Preßprozesse und in dem Streite um die Realdotation seines Bisthums ist noch lebhaft in Aller Erinnerung. Bei Errichtung des Bisthums Linz waren durch Vereinbarung mit dem heiligen Stuhl dem jeweiligen Oberhirten die Einkünfte der früheren Klostergüter Glück und Gastein zugewiesen worden. Dieselben sollten jährlich 12 000 Gulden C.-M. als reines steuerfreies Einkommen abwerfen. Nach Ableben des Bischofs Ziegler behauptete die A. A. Zeitung, diese Güter könnten bei besserer Verwaltung ungleich mehr eintragen; man solle sie dem Bischof abnehmen und dafür jährlich baare 12 000 Gulden anweisen; ja die Liberalen Österreichs wußten 1869 ganz genau, daß diese Güter wenigstens 40 000 Gulden eintrügen, und brachten es im Abgeordnetenhause dahin, daß sie wirklich dem Bischofe entzogen und unter staatliche Verwaltung gestellt wurden. Im J. 1871 erschien der erste Jahresausweis über das reine Erträgniß dieser Güter; es bezifferte sich auf 526 Gulden ö. W.! Man sollte glauben, daß man nach solcher Erfahrung, um nicht über 11 000 Gulden draufzahlen zu müssen, den Antrag dahin gestellt habe, dem Bischof einfach seine Mensalgüter zurückzugeben; merkwürdigerweise beantragten jedoch die Liberalen nunmehr den Verkauf derselben, was jedoch, dank dem energischen Auftreten des Msgr. Greuter, nicht durchging (Salzb. Kirchenblatt 1871, 196; vgl. dazu 1869, 84). Bischof Rudigier, wahrhaft ein Athanasius in unserer Zeit, ein ganzer Mann, mild und doch wieder schneidig, ein klarer, feingebildeter Denker und die Herzen gewinnender Kirchenfürst (vgl. z. B. seine Hirtenbriefe, aufgezählt im Salzb. Kirchenblatt 1885, 29 f.), dabei, trotz aller Bitterkeit, die er erfahren mußte, ein treuer Patriot, seinem Kaiserhause ergeben bis in den Tod, starb allgemein betrauert am 29. November 1884. Der Stadt Linz gab er einen prachtvollen Dom Mariä Empfängniß, der Diöcese einen ausgezeichneten Clerus. Ihm folgte als sechster Bischof Dr. Ernst Maria Müller, geb. 1822, ordinirt Wien 1846, Professor der Moral an der Universität Wien (als solcher schrieb er eine sehr geschätzte Moraltheologie), 1864 Director des fürsterzbischöflichen Clericalseminars und seit 1867 auch Mitglied des Metropolitancapitels daselbst, zum Bischof ernannt im Februar 1885, präconisirt am 27. März und consecrirt am 26. April. Dieser durch Frömmigkeit, Bescheidenheit und Gelehrsamkeit ausgezeichnete Prälat war ganz der Mann, in die Fußstapfen seines großen Vorgängers einzutreten und, was dieser begonnen, in pietätvoller Liebe weiter zu fördern. Leider starb er schon am 28. September 1888. Ihm folgte Dr. Franz Maria Doppelbauer, geb. 21. Januar 1845, ernannt 17. December 1888, präconisirt 11. Februar, consecrirt 10. März 1889. Die bischöfliche Mensa ist geschätzt auf 7000 Gulden, Kammertaxe 445 flor. aur. Das Domcapitel besteht aus 3 infulirten Dignitäten, 4 Capitularen, 6 Ehrencanonikern, 2 Dompredigern und 3 Vicaren. Das ganze Bisthum zählt auf 208½ Quadratmeilen 762 000 Katholiken und etwa 18 000 Akatholiken. (Im Jahre 1858 waren es nur 673 404 Katholiken, 3 Griechen, 14 883 Protestanten, 1 Unitarier und 4 Juden.) Eingetheilt ist es in 28 Decanate und hat 314 Pfarreien, 51 Pfarrvicariate, 38 Localien, 13 Exposituren und 44 einfache Beneficien. Der Weltpriester sind 610, der Ordensgeistlichen 401 (im J. 1850 waren es 694 und 323). Ihre Erziehung erhalten die Priester im Clericalseminar und an der theologischen Lehranstalt, beide zu Linz, sowie am Knabenseminar auf dem Freinberge mit Ober- und Untergymnasium, das unter der Leitung von Jesuiten steht. Zu Linz bestand auch ein »norddeutsches Seminar« (Collegium), das Joseph II. aufgehoben hat; es war auf 30 Jünglinge aus Norwegen, Schweden und Dänemark berechnet, die sich hier für die Missionen ihrer Heimat bildeten, und stand unter der Propaganda. Der Ordensclerus besitzt 7 Stifte, 6 Klöster, 5 Hospize, 3 Collegien und 1 Missionshaus. Es gibt Jesuiten auf dem Freinberge und zu Steier; Benedictiner zu Kremsmünster und Lambach; Augustiner-Chorherren zu St. Florian und Reichersberg; Cistercienser zu Schlierbach und Wilhering; Prämonstratenser zu Schlägl; Carmeliten zu Linz; Redemtoristen zu Puchheim; Kapuziner zu Gmunden, Linz und Ried; Franciscaner zu Bruckmühl, Enns, Schmolln, Suben und Pupping; barmherzige Brüder zu Linz. Die weiblichen Genossenschaften zählen in 80 Häusern 883 Frauen, 76 Laienschwestern und 240 Novizen und Candidatinnen. Es finden sich Ursulinen zu Linz; Carmeliterinnen zu Gmunden und Linz; Frauen vom guten Hirten zu Baumgartenberg; Salesianerinnen zu Gleink; Schulschwestern: a. Franciscaner-Tertiarinnen (Mutterhaus Vöcklaburg) an 13 Orten und zu Hallstadt (Mutterhaus Hallein), b. De Notre Dame (Mutterhaus München) zu Freistadt und Traunkirch; barmherzige Schwestern: a. vom heiligen Kreuze (Provinzhaus Linz) an 23 Orten, b. vom hl. Karl Borromäus (Mutterhaus Prag) an 6 Orten, c. vom hl. Vincenz von Paul (Mutterhaus Wien) an 6 Orten, d. von der hl. Elisabeth zu Linz, e. vom allerheiligsten Erlöser oder Redemtoristinnen zu Ried. (Vgl. Klein, Gesch. des Christenthums in Österreich VII; Pritz, Gesch. des Landes o. d. E. II; Moroni XXXVIII, 267 sqq.; G. Petri II, 114; Dr. M. Hiptmair, Gesch. des Bisthums Linz. Zur ersten Säcularfeier herausgegeben, Linz 1885; Personalstand der Geistlichkeit in der Linzer Diöcese, jährlich erscheinend.)

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