Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Lippomano, Luigi, Theologe, wurde 1500 aus einer Familie geboren, welche schon seit 1381 dem venetianischen Adel angehörte. Lippomano galt als wohlbewandert in den classischen Sprachen, als tüchtiger Theologe und Historiker und war gleicherweise durch zarte Frömmigkeit ausgezeichnet. Nachdem er zuerst als Titularbischof von Modon (Methone auf dem Peloponnes) von Papst Paul III. mit einer Gesandtschaft an König Johann III. von Portugal betraut worden war, gehörte er nach seiner Rückkehr 1547 zu den Mitgliedern des Concils von Trient und wurde von der Synode beauftragt, die Verlegung des Concils nach Bologna vor Paul III. zu rechtfertigen. Im folgenden Jahre erhielt er das Bisthum Verona und den Auftrag, in Deutschland als päpstlicher Nuntius zu wirken. Als unter Julius III. 1551 die Concilssitzungen zu Trient wieder aufgenommen worden waren, gehörte Lippomano zu den Präsidenten des Concils bis zu dessen Suspension (April 1552). Unter Paul IV. kam er 1556 nach Polen, dessen Bischöfe gegen die Ausbreitung der Häresie Hilfe beim Papste gesucht hatten. Durch sein energisches Vorgehen machte Lippomano sich in Polen so verhaßt, daß die Häretiker mehrmals, wiewohl vergeblich, Angriffe auf sein Leben unternahmen. Nach seiner Rückkehr wurde er im Juli 1558 auf das Bisthum Bergamo versetzt, weilte aber fast immer an der Seite des Papstes. Sein Tod erfolgte schon am 15. August 1559 zu Rom. Von seinen Schriften sind besonders zu nennen die Catenen zur Genesis (Paris 1546), zum Exodus (ebd. 1550; beide zusammen auch Lyon 1557) und zu den Psalmen (Rom 1585). Sein Aufenthalt in Deutschland veranlaßte das apologetische Werk Confirmazione e stabilimento di tutti li dogmi cattolici con la subversione di tutti i fondamenti, motivi e ragioni degli moderni Eretici, Venez. 1553. Für seine Diöcesanen schrieb er Esposizione sopra il Simbolo apostolico, il Padre nostro e sopra i due precetti della carità, Venez. 1554. Als Hauptwerk seines Lebens galt ihm eine Sammlung ächter Heiligenleben, für welche er viele Gelehrte als Mitarbeiter heranzog und selbst auf seinen Reisen die Bibliotheken und Archive durchforschte. Es erschienen 8 Bände Historiae de vitis Sanctorum cum scholiis, Venet. et Romae 1551 ad 1560 (der letzte Band besorgt durch seinen Neffen Hieronymus Lippomano). Das Werk bildet die Grundlage der Legende des Karthäusers Surius, welcher die Heiligenleben nach Monatstagen ordnete, Manches kürzte und neue Lebensbeschreibungen beifügte (De probatis vitis Sanctorum tomi VI, Colon. 1570–1575). (Vgl. M. Foscarini, Della Letteratura Veneziana, Venez. 1854, 362. 370. 379. 487.)

[Streber.]


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