Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Liquoristischer Streit in der lutherischen Kirche Schwedens; er drehte sich um die Frage, ob außer dem Weine auch andere Flüssigkeiten (liquores) zum Abendmahle gebraucht werden dürften, und hat somit Verwandtschaft mit den hydroparastatischen Streitigkeiten in der alten Kirche (s. d. Artt. Aquarii und Enkratiten). Kaum war Schweden von der katholischen Kirche abgefallen, so gab ein in diesem Reiche um’s Jahr 1560 entstandener Weinmangel die Veranlassung, daß mehrere der Neuerer auch an der Materie des Abendmahls neuern und ihre subjectiven Ansichten der kirchlichen Objectivität auch in diesem Punkte überordnen wollten. An der Spitze dieser Partei, welche das Abendmahl auch in Bier, Wasser, Meth und Milch abhalten wollte, standen der lutherische Theologe Dionys Beurius und der lutherische Bischof Johann Nicolaus Ofreg oder Ofeg von Westeräs. Die Bischöfe von Upsala und Strengnäs aber, Lorenz Petri und Helsing, traten ihnen entgegen und wollten, daß man das Abendmahl für einige Zeit lieber gar nicht halte, als daß man von der Stiftungsform abweiche. Der Steit wurde hitzig, und viele Schriften wurden gewechselt; die schwedische Synode vom Jahre 1563 aber entschied gegen die Liquoristen und erließ darüber ein symbolisches Buch unter dem Titel De fundamentis fidei de sanguinis dominici participatione in vino et non in alio potu, abgedruckt bei Joan. Baazus, Inventarium Sueo-Gothorum, Lincopiae 1642, l. 3, c. 3. ( Vgl. Schinmeier, Lebensbeschreibung der drei schwedischen Reformatoren, Lübeck 1783, 141 ff.; S. J. Baumgartens Geschichte der Religionspartheyen, herausgegeben von J. S. Semler, Halle 1766, 1199 f.)

[v. Hefele.]


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