Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Litanei heißt ein alternirendes Bittgebet, das an die heilige Dreifaltigkeit und an die Heiligen gerichtet wird. Das Charakteristische an dieser Gebetsweise ist, daß ein Vorbeter die drei göttlichen Personen und die Heiligen anruft, auch den Inhalt der Bitten und den Beweggrund der Gebetserhörung kurz ausspricht, während die Übrigen (der Chor) jedesmal mit einem kurzen Bittrufe (z. B. Erbarme dich unser! Bitte für uns!) antworten. Das Wort stammt vom griechischen λιτανεία oder λιτή, welche schon bei den Classikern das Flehgebet oder den Bittruf der Schuldbeladenen und Unglücklichen bezeichneten. Diese allgemeine Bedeutung hatten λιτανεία und λιτή anfänglich auch noch bei den Christen, bis ersteres Wort allmälig technischer Ausdruck für das kirchliche Bittflehen und endlich für eine bestimmte Gebetsweise wurde. Die Griechen, welche λιτή und λιτανεία anfänglich unterschiedslos gebrauchten, bezeichneten später mit λιταί fast ausschließlich die zur Abwendung von Unglücksfällen etc. veranstalteten Bußprocessionen (Goar, Eucholog. 766).

1. Geschichtlich betrachtet hat die Litanei ihr alttestamentliches Vorbild in Ps. 135 und ihre Wurzeln in der Meßliturgie. Sie entwickelte sich nämlich aus dem wiederholten Rufe Kyrie eleison (s. d. Art.) beim allgemeinen Gebete der ältesten Liturgien. Das älteste Formular für das allgemeine Gebet in altchristlicher Zeit ist enthalten in der Liturgie der apostolischen Constitutionen (8, 6. 8. 10; Bickell, Messe und Pascha 125). Wie in dieser (der sog. Clementinischen Liturgie), so kommt auch in allen übrigen Liturgien der Griechen, deßgleichen in deren Stundengebet sehr häufig das Kyrie eleison vor. Dieser kurze Bittruf wurde wohl schon frühzeitig aus dem Oriente in die Meßliturgie und das Stundengebet der römischen Kirche herübergenommen und, weil leicht verständlich, in griechischer Sprache beibehalten. Jedenfalls stand er zu Anfang des 6. Jahrhunderts, wie im Orient, so auch zu Rom und in Italien, in Gebrauch, wie aus can. 3 der zweiten Synode von Vaison (529) erhellt. In der römischen Kirche nun führt das Kyrie eleison den speciellen Namen litania, letania. Unter dieser Bezeichnung begegnet es uns in der Regel des hl. Benedict (c. 17), im ersten römischen Ordo (Mabillon, Mus. ital. II, 9, n. 9), bei Walafrid Strabo (Lib. de exordiis c. 23, ed. Knöpfler, p. 56). Während die Griechen das Christe eleison gar nicht haben und das Kyrie eleison alle zusammen recitiren, betete man zu Rom bereits zur Zeit Gregors I. (ed. Maurin. II, 939) und wohl schon früher bei der heiligen Messe ebenso oft Christe eleison wie Kyrie eleison, und es wurde ferner beim Kyrie von Clerikern vorgesungen und vom Volke geantwortet. Eine bestimmte Anzahl der Rufe um Erbarmen war zu Gregors I. Zeit noch nicht fixirt, und es wurden daher, wenigstens beim päpstlichen Gottesdienste, nach dem Introitus beliebig viele Kyrie eleison gesungen, bis der Celebrans (Papst) ein Zeichen gab, worauf man dann Christe eleison statt Kyrie sang. Dieß hieß man mutare numerum letaniae (Ordo Rom. I, n. 9; II, n. 5; III, n. 9, Opp. Thomasii, ed. Vezzosi V, p. XVI; vgl. über das Kyrie eleison in der heiligen Messe Thalhofer, Liturgik I, § 35). Des als litania bezeichneten Bittrufes Kyrie eleison bediente man sich besonders gerne und oft bei den öffentlichen Processionen und Bittgängen (s. d. Art.); infolge davon erhielten dann diese religiösen Umgänge selber den Namen litaniae. Noch zur Zeit Kaiser Otto’s III. rief gelegentlich einer Procession, welche zu Rom in der Nacht vor Mariä Himmelfahrt gehalten wurde, das ganze Volk vor einem Bilde Christi hundertmal Kyrie eleison, dann hundertmal Christe eleison und endlich wieder ebenso oft Kyrie eleison (Mabillon, Mus. ital. II, p. XXXIV, § 5: De collectis et stationibus, deque litaniis Romanis). Bei jenen heiligen Messen, welche unmittelbar auf eine Litanei oder Bittprocession folgten, pflegte man in Rom das Kyrie nach dem Introitus wegzulassen. Dieß geschah noch im 12. Jahrhunderte: Kyrie non dicitur propter letaniam processionis, ubi dictum est Kyrie (Ordo Roman. XI, n. 63; vgl. Ordo Rom. I, n. 25. 45). Die religiösen Umzüge trugen sicherlich viel dazu bei, daß sich die ursprüngliche litania, namentlich durch die beigefügte Anrufung der Heiligen, immer mehr erweiterte und schließlich zu einer selbständigen Gebetsweise ausbildete. Die Zeit dieser Entwicklung möchte in das 5. oder 6. Jahrhundert fallen. Denn im Gelasianum bildet das Agnus Dei bereits den abschließenden Bestandtheil der Processionslitanei (Muratori, Liturgia Rom. vet. I, 564; vgl. Ordo Rom. I, n. 45, Append. n. 9), und zur Zeit Walafrids Strabo (l. c. c. 29, p. 97) nannte man die bei Bittgängen übliche Anrufung der Heiligen wie auch noch heutzutage Litanei. Die älteste Litania Romana in Gregors Sacramentar trägt schon ganz den Typus unserer Allerheiligen-Litanei. Sie enthält 102 Heiligennamen, und darunter befinden sich, weil sie in den Gebrauch der Kirche von Paris überging, die Namen von ungefähr 20 gallischen, in Rom damals nicht speciell verehrten Heiligen. In der Form, in welcher diese Litanei erhalten ist, stammt sie aus der Mitte des 9. Jahrhunderts (Opp. Thom. l. c. V, 7; Muratori l. c. I, 74). Auch die anderen, von Thomasius und Martène (De antiqua ecclesiae disciplina, c. 27) veröffentlichten älteren Litaneiformulare stammen meist aus Handschriften, welche dem 8.–12. Jahrhundert angehören. Dieselben weichen je nach Ort, Zeit und liturgischer Bestimmung bezüglich der Zahl der angerufenen Heiligen und der Beschaffenheit der Bitten mehr oder minder von einander ab. Eigenthümlich ist eine von Duchesne (Lib. pont. II, 37, not. 33) mitgetheilte, speciell zum Wohle Karls des Großen, seiner Familie und seines Reiches abgefaßte Litanei (litanie des laudes). – Bemerkenswerth ist noch die Bezeichnung von litania septena sive septiformis, litania quina vel quinqueformis, litania trina sive triformis, litania simplex, je nachdem die einzelnen Invocationen und Bitten siebenmal, fünfmal, dreimal oder einmal vorgesungen und ebenso oft wiederholt oder beantwortet wurden. So nämlich werden diese Litaneien in den ihnen beigefügten Rubriken selber definirt, z. B. Litania septena, cujus scilcet Sanctorum invocationes, obsecrationes et rogationes septies repetuntur; oder: Haec litania septies pronuncietur, septiesque respondeatur (Opp. Thom. II, 463; V, 89–94). Nach dem Sacramentarium Gelasianum wurden an der Ostervigilie drei Litaneien gebetet, die erste vor der Weihe der Osterkerze, die zweite vor den Cerimonien am Taufbrunnen und die dritte vor der Meßfeier. Nach dem Antiphonar Gregors I. bei Thomasius (V, p. [XV] et 89 etc.) ist die erste dieser Litaneien eine septena, die zweite eine quina und die dritte ein trina. Nach dem ersten römischen Ordo (n. 41. 45) singt die Schola am Taufbrunnen eine litania terna, am Altare vor der Meßfeier zuerst eine litania septena, nach einer Pause eine litania quina und nach einer abermaligen Pause eine litania terna. Noch im 12. Jahrhundert wurden zu Rom bei der Marcusprocession an vier näher bezeichneten Stellen der Reihe nach solche Litaneien gebetet. Die erste derselben wird (Ordo Roman. XI, n. 57) also beschrieben: Subdiaconus regionarius incipit septiformen letaniam. Basilicarii vero respondent illud idem usque ad septimum. – Unter den genannten Litaneien war offenbar die litania septena, da über die Siebenzahl nicht hinausgegangen wurde, die litania major. Die litania septiformis aber, oder jene außergewöhnliche, in sieben verschiedene Züge abgetheilte Bittprocession, welche Gregor d. Gr. im J. 590 zur Abwendung der Pest veranstaltete, wird daher nur als eine speciell für den genannten Zweck vorgenommene Organisation der bereits üblichen litania major (septena) zu betrachten sein. Über das Verhältniß der litania major und septiformis zu einander sind übrigens zu vergleichen Vezzosi (Opp. Thomasii IV, 105 in nota), Nilles (Calendarium manuale II, 136) und Grisar (Zeitschrift für kath. Theologie IX, 1885, 585 ff.); über das Geschichtliche der Litanei überhaupt Krieg in der Realencyklopädie von Kraus II, 303 ff.

2. Im Laufe des Mittelalters wurde die Litanei eine der beliebtesten Gebetsweisen. Dieser Umstand förderte aber auch das Bestreben, immer wieder neue Litaneiformulare zu verfassen und zu verbreiten. Der apostolische Stuhl sah sich darum schließlich veranlaßt, gegen die fortwährende Vermehrung der Litaneiformulare einzuschreiten und mit Ausnahme der Litanei von allen Heiligen und der sogen. lauretanischen alle anderen Litaneien für den öffentlichen Gebrauch zu untersagen. Dieß geschah unter Clemens VIII. durch das Decret der Inquisition vom 6. September 1601, welches bestimmt: »Weil heutzutage Viele, sogar Privatleute, unter dem Vorwande der Förderung der Andacht täglich neue Litaneien veröffentlichen, so daß schon fast zahllose Litaneiformulare in Umlauf sind und in einigen unpassende, in anderen gefährliche und des Irrthums verdächtige Sätze sich finden, … so verordnet und befiehlt Papst Clemens VIII., daß die uralten und allgemein gebräuchlichen Litaneien, welche in den Brevieren, Missalien, Pontificalien und Ritualien stehen, wie auch die Litanei von der seligsten Jungfrau, welche im heiligen Hause zu Loreto gesungen zu werden pflegt, beibehalten werden sollen. Wer immer andere Litaneien herausgeben oder der schon herausgegebenen in Kirchen, Oratorien oder bei Processionen sich bedienen will, soll gehalten sein, dieselben der Congregation der Riten zur Einsicht und, wenn nöthig, zur Correctur vorzulegen, und soll sich nicht unterfangen, ohne Erlaubniß und Approbation genannter Congregation Litaneien zu veröffentlichen oder öffentlich zu beten, unter strenger, nach dem Ermessen des Ordinarius oder Inquisitors zu verhängender Strafe.« Während sich Clemens VIII. mit dem Verbote und der Strafandrohung begnügte, ging Benedict XIII. noch weiter in dem Decrete der Indexcongregation vom 2. September 1727, in welchem er das Decret vom 6. September 1601 erneuerte und außerdem noch beifügte, es dürften keine Litaneien gedruckt werden, die nicht von der Congregation der Riten approbirt seien, bei den in dem Decrete von 1601 und im Index angedrohten Strafen. Benedict XIV. aber setzte geradezu und unbedingt alle Litaneien außer den beiden genannten auf den Index (Monitum generale). Endlich wies die Rituscongregation durch ein Decretum generale d. 31. Mart. 1821 unter Genehmigung Pius’ VII. die Bischöfe an, alle gedruckten und geschriebenen, nicht approbirten Litaneien einzuziehen und zu verbieten. In neuerer Zeit ist zwar insofern eine Milderung eingetreten, als nach Decret der Congregatio Indicis d. 23. April. 1860 bloß mehr die Prüfung und Gutheißung des Ordinarius erforderlich ist, um (außer den beiden anerkannten) andere Litaneien im Drucke herauszugeben und privatim zu gebrauchen; für den öffentlichen und liturgischen Gebrauch aber bleibt stets das alte Gesetz aufrecht, daß keine Litanei gebetet oder gesungen werden darf, welche nicht von der Rituscongregation approbirt ist. Am 16. Juni 1880 übersandte die Rituscongregation neuerdings den Bischöfen ein Monitum des Inhalts: da vielfach und besonders auch in Gebetbüchern, die mit oberhirtlicher Erlaubniß erschienen seien, andere als die approbirten Litaneien gedruckt worden, so würden die Bischöfe ermahnt, keine andern als die approbirten Litaneien (seit 1862 auch die vom heiligen Namen Jesu) öffentlich recitiren zu lassen, und keinen Büchern die Druckerlaubniß zu ertheilen, in quibus litaniae inveniuntur apostolica sanctione carentes. Der Bischof von Straßburg machte Vorstellungen über die Schwierigkeit, dieses in deutschen Diöcesen durchzuführen, und die Congregation gab eine authentische Erklärung des Inhalts: das Monitum beziehe sich nur auf die Recitation der Litaneien bei liturgischen Functionen; die Bischöfe aber seinen nicht nur befugt, sondern verpflichtet, andere bezw. neue Litaneien zu prüfen, eventuell zu approbiren, aber nur für den privaten und außerliturgischen Gebrauch. – In den kirchlich erlaubten Litaneien darf ohne besondere Erlaubniß des heiligen Stuhles nichts hinzugefügt und nichts hinweggelassen werden. Dieß liegt in der Natur der Sache und ist von der Rituscongregation in dem erwähnten Generaldecrete vom 31. März 1821 ad d. 8 und in einer Menge von Specialdecreten, welche auf Anfragen bezüglich einzelner Zusätze erlassen wurden, klar und deutlich ausgesprochen worden (Gardellini sub v. Litaniae; Maier, Cultus des Allerheiligsten 316 bis 321; Reusch, Index II, 75–78).

3. Unter den vom apostolischen Stuhle approbirten Litaneien nimmt den ersten Rang ein die in den liturgischen Büchern enthaltene a. Allerheiligen-Litanei. Sie ist uralt und findet sich in ihren Grundzügen schon in den Litaneiformularen, welche Thomasius, Martène etc. veröffentlicht haben. Wann und von wem sie ihre gegenwärtige Einrichtung erhalten hat, ist nicht näher bekannt. Allerheiligen-Litanei heißt sie, weil in ihrem ersten Theile nach der herkömmlichen Einleitung mit Kyrie eleison die Heiligen aller Klassen, einige mit Namen, die übrigen im Allgemeinen, um ihre Fürbitte angerufen werden. Bei diesen Invocationen wird eine gewisse Rangordnung eingehalten: zuerst wird die seligste Jungfrau Maria angerufen, dann folgen der Reihe nach die heiligen Engel, die Patriarchen und Propheten, die heiligen Apostel und Evangelisten, die heiligen Martyrer, die heiligen Bischöfe, Bekenner und Kirchenlehrer, die heiligen Priester und Leviten, die heiligen Mönche und Einsiedler und endlich die heiligen Jungfrauen und Wittwen. Weiterhin folgt die Aufzählung der Übel, deren Abwendung besonders wichtig ist; z. B.: Von allem Übel – V.: Erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde – V.: Erlöse uns, o Herr! Hierauf die Aufzählung der Beweggründe, um derentwillen wir Erhörung hoffen; z. B.: Durch das Geheimnis deiner heiligen Menschwerdung – Erlöse uns, o Herr! Durch dein Kreuz und Leiden – Erlöse uns u. s. w. Endlich die Reihenfolge der Güter, um welche der Christ besonders bemüht sein muß, z. B.: Daß du uns zur wahren Buße führen wollest – V.: Wir bitten dich, erhöre uns. Der Inhalt dieser Litanei erinnert vielfach an das allgemeine Gebet in den ältesten Liturgien, welches bei Abfassung derselben unverkennbar vorgeschwebt hat (Grisar in der Innsbr. Ztschr. IX, 1885, 567 f.). Nach Vorschrift der liturgischen Bücher kommt die Allerheiligen-Litanei häufig zur Anwendung, z. B. bei Ertheilung der höheren Weihen, bei Spendung der letzten Ölung, bei der Weihe und Reconciliation von Kirchen und Friedhöfen, bei den Processionen am Marcustage und an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt, sowie bei allen Bittgängen in öffentlichen Drangsalen und Nöthen. Die Litanei, welche dem Missale gemäß am Charsamstag und am Vorabende vor Pfingsten gesungen wird, ist verkürzt. Auch die Litanei pro agonizantibus ist eine verkürzte und veränderte Art der Allerheiligen-Litanei. Beide dürfen nur für den eigens bestimmten Zweck gebraucht werden.

b. Die lauretanische Litanei. Diese Litanei zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria heißt die lauretanische, weil sie seit langer Zeit in der heiligen Kapelle Unserer lieben Frau zu Loreto bei Ancona alle Samstage feierlich gesungen wird. Ob dieselbe erst zu Loreto entstanden ist oder schon vor der Übertragung des heiligen Hauses im J. 1294 existirt hat, ist bis jetzt boch in Dunkel gehüllt. Wenn schon vor der Übertragung des heiligen Hauses, wie es sehr wahrscheinlich ist, irgend ein Litaneiformular zu Ehren der seligsten Jungfrau im Gebrauche war, so wurde dasselbe zweifelsohne zu Loreto durch entsprechende Zusätze erweitert. Ihrem Inhalte nach ist diese Litanei eine feierliche Anrufung und Lobpreisung Mariä. An dem Formular dieser Litanei darf ohne Gutheißung des apostolischen Stuhles keine Änderung vorgenommen und kein Zusatz gemacht werden. Selbst für die Beifügung »Du Königin, ohne Makel der Erbsünde empfangen«, statt welcher in der Kölner Erzdiöcese als Privileg zu Anfang die Anrufung »Heilige Maria, ohne Erbsünde empfangen«, seit 1856 in Gebrauch war, gab es bisher kein allgemein geltendes Indult oder Gebot, wohl aber hatte sich bereits fast überall diese fromme Gewohnheit gebildet. Jetzt ist durch Breve Papst Leo’s XIII. vom 24. December 1883 der Zusatz »Du Königin des hochheiligen Rosenkranzes« allgemein vorgeschrieben, und zwar soll derselbe eingeschaltet werden nach der Anrufung »Du Königin, ohne Makel der Erbsünde empfangen«; mithin ist auch dieser letztgenannte Zusatz jetzt als allgemein üblich anerkannt und bewilligt, ja (wenigstens einschlußweise) vorgeschrieben (Fr. Beringer, Die Ablässe, 9. Aufl., 187). Die lauretanische Litanei ist zwar von der Kirche approbirt und mit Ablässen versehen, aber nicht wie die Allerheiligen-Litanei von den liturgischen Büchern vorgeschrieben. (Vgl. Tapfer, Wörtlicher Sinn der lauretanischen Litanei nach dem lateinischen Texte, Freiburg und Lindau 1836; Ginal, Die lauretanische Litanei nach Schrift und Überlieferung erklärt, München 1846; Neuere: Knoll, Künzer etc.) Eine altirische Marienlitanei, welche Eugen O’Curry, Professor der celtischen Sprache an der katholischen Universität zu Dublin, Anfangs der sechziger Jahre der Vergessenheit entrissen, hat Pius IX. am 5. September 1862 durch einen Ablaß von 100 Tagen allen Gläubigen anempfohlen. Als ein altehrwürdiges, aus der Mitte des 8. Jahrhunderts stammendes Document der Marienverehrung wurde diese Litanei in den Laacher Stimmen, Jahrg. 1880 (XVIII, 2, 128) veröffentlicht.

c. Litanei vom heiligsten Namen Jesus. Der erste Theil, welcher unstreitig der lauretanischen Litanei nachgebildet ist, enthält eine Anzahl Lobsprüche auf Jesus Christus; der zweite und dritte Theil aber, welcher der Allerheiligen-Litanei nachgebildet ist, zählt die Übel auf, von denen wir Befreiung wünschen, und führt die Beweggründe an, aus denen wir die Hoffnung auf Erhörung schöpfen. Wer der Verfasser dieser Litanei ist, darüber läßt sich kaum eine gegründete Vermuthung aufstellen. Binterim neigt zu der Ansicht, daß sie am Anfange des 15. Jahrhunderts von den Predigern des Namens Jesu, Bernhardin von Siena und Johnn Capistran, verfaßt worden sei. Es waren aber verschiedene Formulare dieser Litanei in Umlauf. Papst Sixtus V. hat auf Ansuchen der Carmeliten in der Bulle Reddituri denjenigen, welche diese Litanei beten würden, einen Ablaß von 300 Tagen verliehen. Spätere Gesuche um Approbation diese Litanei wurden von der Rituscongregation mit Berufung auf das Decret Clemens’ VIII. vom Jahre 1601 abgelehnt. Aus dem genannten Grunde wurden z. B. abschlägig beschieden die Gesuche der Congregation des hl. Vincenz von Paul aus den Jahren 1640 und 1642, sowie (in Indiar. d. 23. Decembr. 1662) die dringenden Bitten der Nonnen von der unbefleckten Empfängniß. Milder behandelte die S. Rit. C. ein Gesuch, welches aus Deutschland eingelaufen war. Auf Betreiben des Herzogs Wilhelm von Bayern wurde im Anfange des 17. Jahrhunderts eine ganze Sammlung von Litaneien approbirt, welche 1602 zu München unter folgendem Titel erschien: Fasciculus sacrarum litaniarum ex SS. Scripturis et Patribus ab ipsa sacrae Inquisitionis Congregatione Romana correctus et approbatus, Monachii 1602. In dieser Sammlung befand sich auch eine Litanei vom heiligsten Namen Jesus, welche seit dieser Zeit allgemein sowohl privatim als öffentlich, lateinisch und deutsch im Gebrauche war. Als nun Zweifel über die Erlaubtheit derselben entstanden, wahrscheinlich wegen des Decretes Clemens‘ VIII., wurde von Seiten vieler deutschen Fürsten und Bischöfe in Rom die Approbation der Namen-Jesu-Litanei nachgesucht, und die S. Rit. C. d. 14. April.1646 erklärte: Litanias praedictas esse approbandas, si Sanctissimo placuerit. Der allgemeine Gebrauch dieser Litanei dauerte aber in Deutschland fort, obwohl die Päpste die angeführte Bedingung lange Zeit nicht erfüllt haben. Noch am 7. September 1850 hat nämlich die S. Rit. C. die Frage: Litaniae SS. Nominis Jesu suntne approbatae, indulgentiisque ditatae? (in Rupell. ad 8) verneinend beantwortet. Bei Gelegenheit der Canonisation der japanesischen Martyrer legten mehrere Cardinäle und Bischöfe dem Papste die Bitte vor, er möge aus den verschiedenen Formularen der Litanei vom süßen Namen Jesu eines approbiren und mit Ablässen versehen. Papst Pius IX. willfahrte dieser Bitte, untersagte alle anderen und verlieh den Gläubigen derjenigen Diöcesen, deren Bischöfe beim heiligen Stuhl darum angehalten, wenn sie die erwähnte Litanei andächtig beten, einen Ablaß von 300 Tagen. Das approbirte Formular mit der Ablaßconcession wurde dann verschiedenen deutschen Ordinariaten (z. B. München-Freising, Paderborn, Regensburg u. a.) speciell zugeschickt. Am 16. Januar 1886 aber hat Papst Leo XIII. diese Bewilligung ein für allemal auf alle Gläubigen der ganzen Welt ausgedehnt (W. A. Maier a. a. O. 317, Anm. 1; Beringer, Die Ablässe 141). Außer den drei vom päpstlichen Stuhle approbirten sind bekanntlich noch viele andere, mitunter sehr schöne und erbauliche Litaneien im Umlauf. Von denselben kann, wie bereits erwähnt wurde, ein außerliturgischer und privater Gebrauch gemacht werden, wenn sie die bischöfliche Approbation erhalten haben. (Vgl. über »Litanei« im Allgemeinen: Nicol. Serarius S. J., Litaneutici seu de litaniis libelli duo, Colon. Agrippin. 1609; A. J. Binterim, Die Denkwürdigkeiten der katholischen Kirche, IV. 1, 572 bis 605.)

[Punkes.]


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