Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Messe (Missa) ist die vorwaltende Bezeichnung des eucharistischen Opfers und seiner liturgischen Feier, sowie des Formulars, nach welchem diese Feier an den einzelnen Tagen verläuft. 1. Missa in der Bedeutung von christlicher Opferfeier kommt vereinzelt bereits im 2. Jahrhundert vor; sicher bezeugt ist der Name bei dem hl. Ambrosius (Ep. 20 und Sermo 25) und in der Peregrinatio Silviae gegen Ausgang des 4. Jahrhunderts. Seit Gregor von Tours und dem hl. Gregor dem Großen ist Missa die stehende und allgemein gebräuchliche Bezeichnung für die Feier des heiligen Opfers geworden. Das Wort ist nicht von מִשָא, noch auch von μύησις oder gar von dem deutschen mëss, sondern von mittere abzuleiten und als Substantivform statt missio, nicht als Participium, wozu ecclesia, concio, hostia ergänzt werden müßte, zu fassen. Seine nächste Bedeutung ist Entlassung einer Versammlung, die auf Grund einer amtlichen Berufung zusammengetreten ist und darum, wie die rechtlichen Formen im staatlichen und bürgerlichen Leben des römischen Volkes es forderten, auch amtlich, mit einer gewissen Feierlichkeit geschlossen und aufgehoben werden muß. So wurden von Alters her die Versammlungen des Senats und der Comitien mit einer eigenen Entlassungsformel beendigt. Ein ähnliches Verfahren mußte sich bei den gottesdienstlichen Versammlungen der römischen Kirche um so mehr geltend machen, da, solange die Katechumenatspraxis in Übung war, die Katechumenen jenen nur bis zur Lesung der heiligen Bücher und bis zu dem daran sich anschließenden Lehrvortrag beiwohnen durften; es war daher notwendig, dieselben vor Beginn der eigentlichen Opferhandlung durch Zuruf des amtierenden Diacons zu entlassen. Durch eine zweite Entlassung mußte gleicherweise am Schlusse der heiligen Handlung den Gläubigen die Erlaubniß, sich zu entfernen, ertheilt werden. Die Bezeichnung Entlassung ging dann als Name auf den Theil des Gottesdienstes, dessen Abschluß mit jenem Missa est angekündigt wurde, und von dem Theil weiterhin auf die gesammte heilige Handlung über; so gewann das Abstractum Missa, ähnlich den liturgischen Namen Collecta, Processio, Statio, einen der Anschauung des Volkes entsprechenden concreten Gehalt und verlor in der Folge seine Grundbedeutung bis dahin, daß es, zumal in der Form der Mehrzahl (Missae), Bezeichnung für den öffentlichen Gottesdienst überhaupt, für das feierliche Stundengebet und für einzelne Theile desselben wurde. Neben den Missae matutinae und Missae vespertinae, der Matutin und Vesper, werden bei Cassian und in der Regel des hl. Benedict selbst die Lesungen des canonischen Officiums Messen genannt. Da das heilige Opfer das Hauptmoment der Festfeier überhaupt bildet, so lag es nahe, daß, wie es vom frühen Mittelalter an geschah, auch der Fest- und Feiertag selbst mit Missa bezeichnet wurde; da weiterhin zu den Hauptfesten, zumal zu Kirchweih- und Patrociniumsfesten, das Volk von allen Seiten zusammenströmte und infolge dessen an solchen Tagen frühzeitig Jahrmärkte angesetzt wurden, so ging der Name Messe auf die Abhaltung des Jahrmarktes selbst über; bezeugt ist Messe in dieser mercantilen Bedeutung seit dem 14. Jahrhundert. – Die Erklärung von Missa im Sinne von Zusendung, Darbringung, Hingebung (transmissio), so daß es sowohl die Emporsendung der Gebete der Gläubigen zu Gott, als auch die Darbringung des durch die Consecration auf dem Altare gegenwärtig gewordenen, auf denselben herabgesandten verklärten Gottmenschen vor der göttlichen Majestät bezeichne, sowie im Sinne von dimissio (= remissio peccatorum, Nachlaß der Sünden und Sündenstrafen), ist etymologisch und historisch nicht wohl begründet. Dasselbe muß von der Erklärung gelten, welche das Senden auf die Beiträge zu den Agapen oder auf die Vertheilung der Eulogien bezieht, wie auch von derjenigen, welche das Stammwort mittere im Sinne von Verrichten auffaßt, wonach Missa, entsprechend dem λειτουργία , einfachhin die Amtsverrichtung, Amt (althochdeutsch ambaht) bezeichnen soll. Neuerdings wurde Missa mit Schilo und Siloe (= missus) in Verbindung gebracht und dahin erklärt, daß damit die Opferfeier als die Handlung bezeichnet würde, in welcher die Opfersendung Christi sich erneuert, den mitopfernden Gläubigen die Entlassung von Sünden und Sündenstrafen gewährt und dieser Nachlaß am Schluß der Feier durch Ite missa est feierlich angekündigt wird.

2. Die Einsetzung und erste Feier der heiligen Messe wurde von Christus bei dem letzten Passahmahl vollzogen, zu dessen Ritus damals sicherlich das große Hallel (Ps. 112–117) gehörte. Die Andeutungen der heiligen Schrift geben keine sichere Auskunft, ob der Herr Brod und Wein unmittelbar nach einander, oder schon im Verlauf des Mahles das Brod und dann am Schlusse des Hallel den Kelch consecrirt habe, nachdem er vorher den Jüngern die Weisung gegeben, daß alle von dem einen consecrirten Brode essen und aus dem einen consecrirten Kelche trinken sollten. Jedenfalls ging der zweifachen Consecration der erste Theil des Hallel voraus, so daß die Feier der heiligen Eucharistie im Cönaculum durch Lob- und Dankgebet eingeleitet wurde; an die Consecration schloß sich sodann das Brodbrechen und die Austheilung beider consecrirten Substanzen an die Jünger (die Communion) an. Die Apostel begingen die eucharistische Feier gemäß dem Auftrage des Herrn und im Anschluß an die von ihm vorgezeichnete Ordnung. Als Bestandtheile derselben sind im Neuen Testamente erwähnt: die Schriftlesung und der Lehrvortrag der Apostel (Apg. 2, 42; 20, 7. 1 Thess. 5, 27. Col. 4, 16. 1 Tim. 4, 13), der Psalmengesang (Apg. 2, 46 f. Eph. 5, 19 ff.), Bitt- und Dankgebet (Apg. 2, 42. 1 Tim. 2, 1 ff.), die Darbringung von Brod und Wein (Offertorium), sowie anderer Gaben für das gemeinsame Liebesmahl und zur Unterstützung der Armen (Apg. 2, 46. 1 Cor. 10, 16; 11, 20 ff.; 16, 2), die Consecration unter Danksagung (εὐχαριστία) und Segnung als Gedächtnißfeier des Todes des Herrn, das Brechen des Brodes und die Communion (Apg. 2, 42. 46; 20, 7. 1 Cor. 10, 16 ff.; 11, 20 ff.). Es sind dieß die Hauptbestandtheile der Meßfeier, welche schon in Jerusalem vor der Zerstreuung der Apostel in alle Welt in Gebrauch standen und von allen Aposteln nach ihrer Zerstreuung festgehalten wurden, die darum auch in den verschiedenen Liturgien, welche sich in der Folge ausbildeten, als das aus der Urliturgie überkommene, gemeinschaftliche Erbgut gleichmäßig bewahrt sind. Wie die Entwicklung der Meßfeier von der apostolischen Zeit an bis zu der Ausgestaltung der mannigfaltigen Liturgien im 4. und 5. Jahrhundert sich im Einzelnen vollzog, wird kaum klarzustellen sein. Sicherlich haben schon die Apostel selber in den von ihnen gegründeten und geleiteten Kirchen dieser Feier eine den örtlichen Verhältnissen und dem Charakter des Volkes entsprechende Gestalt gegeben, so daß eine Verschiedenheit schon in der apostolischen Zeit obwalten mußte. Die Weiterbildung, Bereicherung und Ausgestaltung der Meßfeier auf der apostolischen Grundlage ging dann durch die Bischöfe allmälig vor sich. Die Übung derjenigen Kirchen, welche von Anfang an in größerem Ansehen standen oder frühzeitig zu größerer Bedeutung gelangten, war für die von ihnen ausgegangenen und ihnen unterstellten Kirchen maßgebend; so bildete sich in den Patriarchalsprengeln und durch ganze Kirchenprovinzen ein einheitlicher Gebrauch aus, und es entstanden die verschiedenen Liturgien, welche als althergebrachte und berechtigte in Geltung waren, als der Kirche öffentliche Anerkennung und volle Freiheit gewährt wurde. Diese mannigfaltigen Meßliturgien vereinigen sich ihrem Haupttypus nach zu zwei Stämmen, dem der orientalischen und dem der abendländischen Kirche. Die älteste, im achten Buch der apostolischen Constitutionen vollständig erhaltene morgenländische Liturgie ist die schon sehr ausgedehnte clementinische, welche mit dem Berichte Justins über die Feier der Eucharistie im Einklange steht. Ob dieselbe die ursprünglich apostolische Liturgie wiedergibt und während der drei ersten Jahrhunderte in der Kirche allgemein befolgt wurde, so daß sich erst im 4. Jahrhundert aus ihr die Liturgien der einzelnen Kirchenprovinzen entwickelten, muß dahingestellt bleiben. Unter letzteren sind die wichtigeren die des hl. Apostels Jacobus, welche dem Sprengel von Jerusalem eigen war, die von Alexandrien, deren erste Fassung dem hl. Marcus zugeschrieben wird, die der Kirche von Constantinopel, welche durch den hl. Basilius und den hl. Johannes Chrysostomus reformiert wurde und in der griechischen Kirche die weiteste Verbreitung fand, die armenische des hl. Gregor Illuminator, die syro-chaldäische der hll. Addäus (Thaddäus) und Maris. (Vgl. d. Art. Liturgien oben S. 17 ff.) – Im Abendlande behauptete von Alters her die römische Liturgie den Vorrang; neben ihr waren die sog. mozarabische, die gallicanische und die ambrosianische auf engere Gebiete beschränkt. Welche Entwicklung die vom hl. Petrus in Rom gegründete Liturgie durch die ersten Jahrhunderte hin erfahren hat, oder ob auch hier die clementinische Liturgie befolgt und von Papst Damasus durch vollständige Umbildung erst zu der fortan geltenden römischen Liturgie umgestaltet wurde, wird eine wohl nicht zu lösende Frage bleiben. Sicher ist, daß die zur Zeit des Papstes Damasus I. bestehende Meßordnung durch die Päpste Leo I., Gelasius und Vigilius Reformen erfuhr. Sodann hat Papst Gregor der Große, wie sein Biograph, der Diacon Johannes (2, 17), berichtet, »den gelasianischen Meßcodex in Ein Buch zusammengedrängt, wobei er Vieles ausgelassen, Weniges geändert, Einiges für die Erläuterung der evangelischen Lesestücke hinzugethan«. Die Präfationen und die auf das Kirchenjahr bezüglichen Zusätze im Canon wurden auf eine geringe Zahl beschränkt; im Canon wurden die Worte diesque nostros etc. und nach demselben das Gebet des Herrn mit dem Embolismus eingefügt. Die römische Liturgie kam in der Gestalt, welche ihr zur Zeit Gregors I. gegeben worden war, allmälig im ganzen Abendlande in Ausnahme; nur in der mailändischen Kirche blieb der ambrosianische und in der Corporis-Christi-Kapelle zu Toledo der mozarabische Ritus bestehen. Die Liturgien der älteren Orden sind trotz kleiner Verschiedenheiten einfach gregorianisch. Nach Gregor dem Großen hat die römische Meßordnung eine beträchtliche Änderung nicht mehr erfahren; nur das Staffelgebet, das Glaubensbekenntniß, die Stillgebete zur Opferung mit Ausnahme der Secrete, einige die Communion einleitenden und begleitenden Gebete, das Schlußgebet Placeat mit der Ertheilung des Segens und endlich der Prolog des Johannes-Evangeliums sind erst im Verlaufe des Mittelalters in den Ordo aufgenommen worden. Die von dem heiligen Papst Pius V. durchgeführte Reform des Missale (1568) hatte nicht den Zweck, den gregorianischen Ritus abzuändern, sondern ihn unter Berücksichtigung und Erhaltung der jüngeren Zusätze, welche durch allgemeine Ausnahme rechtlich befestigt erschienen, wiederherzustellen. Der Zuwachs an Messen, welche neue Feste mit sich brachten, hat nur die Formulare gemehrt, in der Meßordnung selbst aber keinerlei Änderung veranlaßt.

3. Die Gebete und Cerimonien, welche bei jeder Meßfeier wiederkehren und kaum einen Wechsel erfahren, hat das Missale in dem Ordo Missae und Canon Missae als ein stehendes Formular zusammengestellt. In dasselbe werden an den einzelnen Tagen und Anlässen die diesen eigenen Gebete und Lesungen eingeschaltet, wie dieß in den verschiedenen Theilen des Missale vorgesehen ist. Dadurch entsteht ein Wechsel in den Meßformularen und in der Meßfeier selbst. Dem Tagesofficium entsprechen die Missae de Tempore, welche sich nach dem Verlaufe des Kirchenjahres richten, und die Missae de Sanctis, bezw. de Festis, welche den einfallenden Festen eigen sind. Diejenigen Messen, deren Formular einem besondern Anliegen (votum) einschließlich der Fürbitte für die Verstorbenen Rechnung trägt, nennt die Liturgik Missae votivae, und zwar Missae votivae privatae, wenn es sich um ein privates, und Missae votivae solemnes, wenn es sich um ein öffentliches Anliegen handelt. Sofern das heilige Opfer in Gegenwart der pflichtmäßig zum Gottesdienste versammelten Gemeinde (daher der Name σύναξις, collecta) und mit deren Theilnahme (durch Gesang der dem Chor zufallenden Theile, vor Alters auch durch Oblation und Communion) gefeiert wird, heißt die Feier Missa publica., bei kirchlichen Corporationen Missa conventualis im Gegensatz zu der Missa privata (auch Missa quotidiana), welche der Priester ohne Gesang und äußere Solemnität, gewissermaßen als private Übung, liest. Im Alterthum nahmen die einer Kirche angehörigen Priester insgesammt durch Concelebration mit dem eigentlichen Celebranten an der Feier einer und derselben Messe thätigen Antheil, wie auch die übrigen Cleriker je nach ihrer Weihestufe mitbetheiligt waren. Die Concelebration mehrerer Priester wurde im Verlaufe des Mittelalters immer seltener (vgl. S. Thom. Aq. Summa theol. 3, 82, 2); nach der geltenden Disciplin ist dieselbe einzig noch bei der Ertheilung der Priester- und der Bischofsweihe zulässig und vorgeschrieben. Von jener Betheiligung des gesammten Clerus an der Feier des heiligen Opfers hat sich die Forderung erhalten, daß zur Missa solemnis wenigstens Diacon und Subdiacon concurriren müssen und eine größere äußere Solemnität (Gesang, Incensation, größere Zahl von Altarkerzen) eintritt. Die Messe, welche mit Gesang des Priesters und des Chores, aber ohne Betheiligung von Diacon und Subdiacon gefeiert wird, die Missa cantata, ist als Ersatz der Missa solemnis zu betrachten und nimmt an einzelnen Vorrechten derselben theil. Die Celebration der heiligen Messe ohne jegliche Assistenz, die Missa solitaria, untersagte bereits das Concil von Mainz vom Jahre 813; das Verbot wurde auf verschiedenen Synoden erneuert und auf einen weitern Umkreis ausgedehnt. Ein viel gerügter Mißbrauch im Mittelalter waren die Missae bifaciatae, trifaciatae etc., welche in der Weise gehalten wurden, daß derselbe Celebrant, um mehrere Intentionen zu persolviren, zwei oder mehrere Meßformulare unmittelbar nach einander vom Introitus bis zum Canon vollständig las, den Canon aber mit der Consecration nur einmal anschloß. Die Recitation der ganzen Messe ohne Oblation, Consecration und Communion, die sog. Missa sicca, scheint im Mittelalter eine beliebte Andachtsübung gewesen zu sein, welche dann als Ersatz für die wirkliche Meßfeier galt, wenn diese nicht zu ermöglichen war, wie bei Beerdigungen und Copulationen am Nachmittag (s. Durandus, Rat. 4, 1, 33), bei Seefahrten, wo das Schwanken des Schiffes die Celebration nicht zuließ (Missa nautica), dann auch bei öffentlichen Jagden (Missa venatoria). In einzelnen Klöstern war es den Geistlichen als Pflicht auferlegt, nach der Conventualmesse die Missa sicca als private Andachtsübung in den Zellen zu halten. – In der abendländischen Kirche wird am Charfreitage und in der morgenländischen an allen Tagen der Fastenzeit außer Samstags und Sonntags die Messe nicht gefeiert, sondern nur die von der vorhergehenden Messe her aufbewahrte Eucharistie von dem Celebranten nach einem feierlichen Ritus genossen; da dieser aus einzelnen Theilen der Meßliturgie zusammengesetzt und derselben ähnlich gestaltet ist, so wird diese Feier Missa praesanctificatorum, λειτουργία τῶν προηγιασμένων, genannt; die trullanische Synode (692) kennt dieselbe und ihren Namen als altherkömmlich.

4. Die Eintheilung der Meßfeier in Missa catechumenorum und Missa fidelium ist durch die altchristliche Arcandisciplin veranlaßt und damit historisch berechtigt. Angedeutet ist dieselbe in der Bemerkung des hl. Augustinus (Sermo 49, 8): Ecce post sermonem fit missa [= dimissio] catechumenis: manebunt fideles. Diese Unterscheidung findet sich auch bei den mittelalterlichen Theologen Alexander von Hales, Albert dem Großen und Durandus; letzterer hebt hervor: Missae officium in duas principaliter dividitur partes, videlicet in Missam catechumenorum et Missam fidelium. Missa catechumenorum ab Introitu usque post Offertorium, … Missa vero fidelium est ab Offertiorio usque ad Postcommunionem (Rat. 4, l, 45 sqq.). Dieselben sehen gleichwohl im Allgemeinen von dieser Theilung wie von der historischen Auffassung der Liturgie überhaupt ab und gliedern im Interesse der mystischen Deutung die heilige Handlung in vier oder sieben Hauptabschnitte und diese wieder in zahlreiche Unterabtheilungen ab. Durandus (l. c. 50) führt auch die an 1 Tim. 2, 1 sich anschließen den vier Theile der Reihe nach auf: a. Obsecratio (welche vom Eingang bis zur Secret reicht), b. Oratio (bis zum Pater noster), c. Postu1atio (bis zur Communion) und d. Gratiarum actio (die Nachübungen bis zum Schluß enthaltend). Obwohl jene Zweitheilung eine rechtliche oder disciplinäre Bedeutung nicht mehr hat, so erscheint sie doch auch liturgisch und rituell durchaus gerechtfertigt. In allen Liturgien hat nämlich die Meßfeier in ihrem ersten Theile durch die Lectionen, welche neben der gemeinsamen Gebetsübung besonders hervortreten, einen vorwaltend didactischen Charakter. Infolge dessen bildet derselbe die Vorfeier der Gläubigenmesse und kann darum auch füglich »Vormesse« genannt werden. Zur eigentlichen Opferfeier steht sie in demselben Verhältnis, wie im Leben unseres Herrn die Lehrthätigkeit zur Aufopferung am Kreuze. Die liturgische Anerkennung dieser Theilung ist noch jetzt in der feierlichern Pontificalmesse ausgesprochen, indem nämlich der Bischof, abgesehen von dem Staffelgebet und der Incensation des Altares, die Meßliturgie bis zum Offertorium auf seinem Throne (seiner Cathedra), jedoch die eigentliche Opferhandlung selbst bis zum Schlußsegen, wie jeder Priester, am Altare vornimmt. – Die Gläubigenmesse (Missa fidelium) setzt sich, ihrem Wesen entsprechend, aus zwei Haupttheilen, dem Opferact (Consecration) und dem Opfermahl (Communion), zusammen; dem ersten dieser Theile geht naturgemäß die Zurüstung der Opfergaben, das Offertorium mit den Opferungsgebeten voran. Fassen wir dieses als einen selbständigen, wenn auch untergeordneten Theil auf, so ergibt sich folgende Gliederung der Missa fidelium: a. die Opferung, b. die Consecration und c. die Communion, woran sich als Schlußtheil d. die Gebete und Übungen anschließen, welche die Messe zu Ende führen.

5. Die Heiligkeit der Handlung verlangt, daß der Celebrant von schwerer Sünde, Censuren und Irregularitäten frei sei; durch positive kirchliche Vorschrift ist aus Ehrerbietung gegen das heilige Sacrament das jejunium naturale gefordert, und mit Rücksicht auf die für die Opferfeier vorgesehene Tageszeit ist verlangt, daß der Priester das der Nachtzeit angehörende Officium (Matutin und Laudes) vor der Celebration persolvirt habe. Der nähern Vorbereitung dient das betrachtende Gebet, sowie die Bestimmung des Willens, das heilige Opfer zu vollziehen und dessen Früchte in einer bestimmten Absicht (Intention im engern Sinne) aufzuopfern. Als mündliche Vorbereitungsgebete gibt das Missale fünf unter einer Antiphon zusammengefaßte Psalmen mit sieben Orationen an die Hand, von welchen sechs um den Gnadenbeistand des heiligen Geistes flehen. Um Irrungen und Störungen bei der heiligen Handlung vorzubeugen, hat der Celebrant weiterhin das betreffende Meßformular durchzusehen. Die Handwaschung soll neben der natürlichen Decenz auch als symbolische Handlung die innere Verfassung, nämlich das Verlangen fördern, das Opfergebet und den Opferact rein und makellos zu voll ziehen. Nachdem sodann der Kelch zugerüstet ist, legt der Celebrant die heiligen Gewänder an. Ist für die liturgischen Handlungen überhaupt eine eigene Cultkleidung gefordert, die den Priester als den Diener Christi und Verwalter der Heilsgeheimnisse darstellt, so muß für die im strengsten Sinne priesterliche Handlung, für die Meßfeier, um so mehr eine eigene Gewandung erwartet werden. Die symbolisch-ascetische Bedeutung dieser Gewandstücke ist in den einzelnen Orationen ausgedrückt, welche der Priester und mit unerheblichen Änderungen auch der Bischof zu sprechen hat, während er dieselben anlegt. Da die symbolische Auffassung mehrfachen Erklärungen Raum gibt, so kann es nicht befremden, daß das Pontificale den einzelnen Gewändern mit specieller Beziehung auf die ihnen entsprechenden Weihestufen eine Deutung gibt, welche von der Auffassung der Missalorationen mehrfach abweicht. Zu der Meßkleidung gehören zunächst die linnenen Paramente: 1. das Humerale (amictus, s. d. Art. Amict I, 789), welches als »Helm des Heiles« zunächst auf das Haupt gelegt und dann auf den Nacken herabgelassen wird; 2. das bis auf die Füße reichende Oberkleid mit anschließenden Ärmeln, nach der Farbe Albe genannt, welches an die Reinigung im Blute Christi und an das himmlische Feierkleid mahnt (s. d. Art. Albe I, 404); 3. der Gürtel (cingulum), zunächst veranlaßt durch das praktische Bedürfnis, die Albe aufzuschürzen, wird unter der Bitte angelegt, daß der Celebrant geistig mit Lauterkeit und Enthaltsamkeit gegürtet werde (s. d. Art. III, 366). Die Farbe der nach den vorgenannten Stücken anzulegenden Paramente, für welche der bevorzugte Stoff Seide ist, soll dem Officium oder Anliegen entsprechen, welchem das Meßformular eigen ist (s. d. Art. Farben, liturgische IV, 1229); es sind dieß 4. der Manipel, eine am linken Arm zu tragende Binde, ehemals ein Schweißtuch, das die Arbeiten und Mühen symbolisirt und auf deren Lohn hinweist (s. d. Art. VIII, 614); 5. die Stola (s. d. Art.), die Anfangs ein bloßes Ornament war, dann das Amtskleid des Diacons und Priesters wurde, an das im Paradiese verlorene Kleid der Unsterblichkeit erinnert und auf die Freude der Ewigkeit hinweist; endlich 6. die Casel, welche in den Rubriken nach ihrer bis zum Ausgang des Mittelalters gebräuchlichen Form casula, planeta, vom Volk aber schlechthin Meßgewand genannt wird, weil dieses Parament nur bei der Meßfeier gebraucht wird und vor allen anderen Stücken am meisten in die Augen fällt; dieselbe gilt als Symbol des Joches des Herrn, welches der Priester laut der Oration so tragen will, daß er des Herrn Gnade gewinne (s. d. Art. Casula II, 2044). – Auf dem Gange zum Altare wie auch nach der Feier auf dem Rückwege hat der Celebrant das Haupt bedeckt (der Bischof bei der feierlichen Pontificalhandlung mit der Mitra, der Priester mit dem Biret; die Mitglieder der alten Orden mit dem Amict bezw. der durch das Amict verhüllten Kapuze) und trägt, wenn ihm nicht Ministranten zur Seite stehen, den Kelch selber. Nachdem er denselben auf dem Altare bereitgestellt und das Missale aufgeschlagen hat, beginnt er vor den Stufen des Altars stehend die heilige Feier.

6. I. Die Missa catechumenorum, Vormesse. – Die einleitenden Gebete, welche in der Volkssprache Stufen- oder Staffelgebet genannt werden, weil der Celebrant sie vor den Altarstufen spricht, tragen in den Rubriken den Namen Confessio, entsprechend ihrem ältesten und hauptsächlichen Bestandtheil, dem Schuldbekenntniß. In der ältern Zeit verrichtete der Celebrant, während der Chor den Introitus sang, vor den Altarstufen außer dem Sündenbekenntniß stille Gebete. Seit dem 11. Jahrhundert betet er abwechselnd mit dem Ministranten den 42. Psalm (Judica). Das Verlangen des flüchtigen David nach dem Heiligthum und seine Zuversicht, daß er erhört werde, wird hier durch die dem Psalm entnommene Antiphon Introibo ad altare Dei zu dem christlichen Heiligthum, der Opferstätte und der Feier des heiligen Opfers in Beziehung gebracht. In den Temporalmessen der Passionszeit und in den Requiemsmessen fällt der Psalm aus, und es wird die Antiphon allein gesprochen. Vordem wurde dieser Psalm bald in der Sakristei, bald auf dem Wege zum Altare recitirt; die Meßordnung der Dominicaner, Karthäuser, Carmeliten und des ambrosianischen Ritus zeichnet noch jetzt nur einige Psalmverse vor. Ein Schuldbekenntniß bei dem Beginn der Meßfeier kennen alle Liturgien. Es soll dasselbe in Verbindung mit der gegenseitigen Fürbitte als Sacramentale die bei der heiligen Feier betheiligten Personen reinigen und heiligen; es wird daher zunächst vom Celebranten und dann auch von den Ministranten gesprochen und nach der wechselseitigen Fürsprache mit dem Gebet um Sündennachlaß (absolutio) geschlossen, das der Celebrant allein spricht und mit dem Kreuzzeichen bekräftigt. Die tiefe Verbeugung (im Orient die Prostration) während der Recitation, sowie das Schlagen an die Brust bei dem dreimaligen Bekenntnisse der eigenen Verschuldung sind der natürliche Ausdruck der Reue und Bußgesinnung (s. d. Art. Confiteor III, 882). Dem zuversichtlichen Vertrauen, Erhörung zu finden, geben die Versikel und die beiden Stillgebete Ausdruck, welche durch jene eingeleitet werden, und welche der Celebrant beim Aufsteigen zum Altare und bei der Ankunft an demselben spricht, um für sich vollkommene Reinigung von aller Sündenmakel zu erflehen. Das Staffelgebet mit diesen Orationen ist die letzte Vorbereitung des Priesters und hat als solche einen mehr privaten Charakter, der sich auch in der Recitationsweise, sowie darin kundgibt, daß der Chor während dessen bereits den Introitus singt. Der Altarkuß, welcher an die zweite Oration sich anschließt, ist zunächst durch die Hinweisung auf die im Altare ruhenden Reliquien veranlaßt, stellt sich aber gleichfalls als selbständiger Act der Verehrung des Altares und Christi dar, den der Altar repräsentirt (s. d. Art. Kuß). Seit dem 12. Jahrhundert ist es Gebrauch geworden, in der feierlichen Messe unmittelbar nach dem Staffelgebet den Altar zu incensiren. Dieser Ritus erscheint als eine gedrängte Wiederholung oder Erneuerung der Incensation, welche bei der Einweihung des Altars so bedeutungsvoll als Weihehandlung hervortritt. Wie jene wird dieselbe auch hier über der ganzen Fläche der Altarmensa, zuerst über die Rückseite, dann über die vordere Kante, zu beiden Seiten und dem Unterbau (stipes) entlang vorgenommen als eine Lustration, eine neue Segnung des Altars und weiterhin auch des Celebranten. Da die Incensation nur in der feierlichen Messe eintritt so hat sie vorwiegend den Zweck, die Feierlichkeit zu erhöhen; die weitere Bedeutung eines symbolischen Actes der Verehrung und Anbetung ist nicht ausgeschlossen.

7. Den speciellen Eingang bildet die Psalmodie mit der Tagesoration, zwischen welche der Responsoriengesang des Kyrie eleison und die große Doxologie eingeschoben sind. Die Psalmodie wird durch einen meist den Psalmen angehörigen Text eingeleitet, welcher auch in der Weise des Vortrages durch den Chor als Antiphon sieh darstellt. Die Bezeichnung Introitus, welche diese Antiphon im Missale trägt (in der ambrosianischen Liturgie heißt sie Ingressa), deutet darauf hin, daß der Gesang derselben sowie des dazu gehörigen Psalmes vor Alters den feierlichen Zug des Celebranten aus der Sacristei zum Altar begleitete und daß damit die Feier der Messe begann; daher bezeichnen sieh auch jetzt noch der Celebrant und die Ministranten bei der Recitation dieser Antiphon mit dem Kreuzzeichen. Nach dem Eingangsworte des Introitus werden auch die einzelnen Meßformulare und weiterhin ausgezeichnete liturgische Tage des Kirchenjahres benannt. Von dem im Alterthum sich daran anschließenden ausgedehnten Psalmengesang ist durch Kürzung des Meßordo nur noch ein Vers mit der Doxologie und der wiederholten Antiphon geblieben. Die Einführung dieses Einganges in die Meßliturgie wird dem Papst Cölestin (gest. 432) zugeschrieben. Bis zu seiner Zeit scheinen die biblischen Lesungen die Meßfeier eröffnet zu haben (s. d. Art. Introitus VI, 837). Die Messe des Charsamstags und der Pfingstvigil wird durch die feierliche Wasserweihe eingeleitet; ein Introitus hat infolgedessen in diesen beiden Messen keine Stelle; die der Pfingstvigil hat einen eigenen Introitus nur dann, wenn sie privatim und von der Weihehandlung getrennt celebrirt wird.

Mit dem Rufe Kyrie eleison respondirte gemäß der Liturgie der apostolischen Constitutionen das Volk zu den Gebeten über die Katechumenen; der Bittruf blieb in Übung, als infolge der geänderten Disciplin jene Fürbitten wegfielen. Zur Zeit Gregors des Großen scheint abwechselnd Kyrie eleison, Christo eleison gesungen und die neunmalige Anrufung stehend geworden zu sein. In der Folge ist der dreimalige Bittruf an jede der drei göttlichen Personen gerichtet. Die mittelalterlichen Liturgiker gaben zu dieser Neunzahl mehrfache mystische Deutungen. Die Recitation des Kyrie fällt wie die anderen Gesangstücke zunächst dem Chore zu und hat verschiedene, nach dem Festcharakter wechselnde Sangesweisen; der Celebrant hat jedoch auch für sich still diese Stücke zu sprechen; nur in der feierlichen Messe, welche an die Litanei des Charsamstags und der Pfingstvigil sich anschließt, recitirt der Celebrant das Kyrie nicht. Näheres s. in d. Art. Kyrie eleison VII, 1269.

Die nach ihrem Eingang Gloria und englischer Lobgesang (hymnus angelicus) genannte große Doxologie (s. d. Art.) in den festlichen Messen zu recitiren, war seit Gregor dem Großen ein Vorrecht der Bischöfe; nur am Osterfeste war dieß auch den Priestern erlaubt; seit dem Ausgang des 11. Jahrhunderts aber wird ohne Rücksicht auf den Rang des Celebranten das Gloria regelmäßig an allen festlichen Tagen gesprochen, in deren Matutin das Te Deum recitirt wird. Alte Rubricisten haben die hierfür geltende Regel in den Vers gefaßt:

Non est Glo. sine Te: sine Te non dicitur Ite.

Bis zur Revision des Missale durch Pius V. wurden vielfach, wie in den Introitus und das Kyrie, so auch in das Gloria Tropen eingeschaltet; in letzterem scheinen solche an den Marienfesten allgemein üblich gewesen zu sein. Die Particularmissalien vor Pius V. führen die mit Lobsprüchen auf die seligste Jungfrau erweiterte Doxologie unter der Bezeichnung Gloria de Domina in den marianischen Messen auf. Bei der Recension des Missale durch Pius V. wurden von den früher üblichen acht Intonationen zum Gloria nur vier beibehalten.

Seinen Abschluß findet der Introitus in der Oration, welche dem Tagesofficium oder der betreffenden Messe eigen ist; ihr Name Collecte (collecta = collectio), welcher in frühester Zeit auch der gesammten Meßfeier beigelegt wurde und später auf die kurz gefaßten Orationen überhaupt überging, ist geschichtlich darin begründet, daß in der Kirche des Alterthums die Versammlung der Gläubigen zum Gottesdienst, sei es vor dem Auszuge (processio) aus dem Versammlungsort zu der für die Feier bestimmten Kirche (statio), sei es nach der Ankunft in dieser, mit der Oration eröffnet, das Gebet über die versammelten Gläubigen (oratio ad collectam, i.e. super populum collectum) gesprochen wurde (s. d. Art. Collecten III, 603). Der Name wird auch durch die kurze Fassung des Gebetes, sowie daraus erklärt, daß die Anliegen der Gläubigen vereinigt in der Collecte Gott vorgetragen werden. An sich hat die Messe nur eine Collecte; ein einfallendes Fest und der Charakter der kirchlichen Zeit veranlassen jedoch, daß, wie im canonischen Officium, weitere Orationen (Commemorationen) eingelegt werden, die dann in Unterordnung unter die Tagescollecte zu einer Gruppe und durch eine gemeinschaftliche Schlußformel gewissermaßen zu einem einzigen Gebete vereint werden. Durch ihre prägnante Kürze, ihren symmetrischen, durchweg in einer zweigliedrigen Periode (Motiv der Bitte und Bitte selbst) durchgeführten Bau und den charakteristischen Inhalt sind dieselben Meisterwerk liturgischer Aktion. Die Ansprache ist an den Vater, selten an den Sohn, nie an den heiligen Geist oder die allerheiligste Dreifaltigkeit, noch auch an die Heiligen gerichtet. Der Schluß, welcher durch den Context modificirt wird, gestaltet sich doxologisch zu einem Lobpreis der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Die begleitende Handlung ist der Kuß des Altares zur Vereinigung des Priesters mit Christus, welche durch den mit ausgebreiteten Händen gesprochenen Segenswunsch Dominus vobiscum (s. d. Art.; in der bischöflichen Messe Pax vobis) der Gemeinde mitgetheilt wird, und die mit lautem Oremus an diese gerichtete Aufforderung, in das Gebet des Priesters einzustimmen, sowie das als Gebetshaltung des höchsten Alterthums in den Oranten der Katakombenbilder bezeugte Emporheben der Hände und zum Schluß das Zusammenlegen derselben wie zur Bekräftigung des vertrauensvollen Gebetes. An Bußtagen wird der Aufforderung Oremus der Zuruf Flectamus genua vorangeschickt als Mahnung, durch körperliche Verdemüthigung das Gebet wirksamer zu machen.

8. Die Lesungen aus der heiligen Schrift folgen unmittelbar aus das gemeinschaftliche Gebet; sie bilden den Haupttheil der Missa catechumenorum und geben in Verbindung mit dem an dieselben sich anschließenden Lehrvortrag dieser einen wesentlich didactischen Charakter. Die für die Gläubigen wie für die Neulinge im Glauben, die Katechumenen, zur Stärkung im Glauben und zur Förderung des christlichen Lebens nothwendige Belehrung geht naturgemäß der eigentlichen Opferhandlung voran. In dem regelmäßigen Verlauf der Meßfeier wird zunächst in einem der heiligen Schrift mit Ausschluß der Evangelien entnommenen Abschnitt die Heilsbotschaft verlesen, welche durch die Vorläufer und Diener des Herrn ergangen ist. Dieselbe wird unter Angabe des biblischen Buches, dem sie angehört, als Lectio angekündigt und, da sie meist aus den Sendschreiben der Apostel gezogen ist, Epistel genannt; das Alterthum nannte sie Apostolus, weil durchweg in der Liturgie der Sonntage, wie noch jetzt, die Briefe des hl. Paulus zum Vortrag kamen. An einzelnen Tagen hat das Missale zwei, an den Quatembersamstagen, den für die Ordination bestimmten Tagen, sechs Lectionen, zwischen denen die einzelnen Weihegrade ertheilt werden. Die Lectionen werden ohne besondere Feierlichkeit im einfachen Recitationston vorgetragen. Weitere Ausführungen bieten die Artt. Lectionen (VII, 1595) und Apostolus (I, 1152). Auf den Vortrag des Lectors respondirte der Chor bis zum 5. Jahrhundert mit einem Psalmus responsorius, Cantus responsorius und einfach Responsorium genannt, der mit dem Festgegenstande oder der Bedeutung der Festzeit im Einklang stand und auf die Verkündigung des Evangeliums überleitete. Dieser Gesangtheil wurde dann, als sich eine Kürzung der Liturgie als nothwendig erwies, auf zwei Verse beschränkt und behielt fortan den Namen Graduale (s. d. Art.), weil der Vorsänger (Cantor) den ihm zufallenden Text auf oder vor den Stufen des Ambo vortrug, oder auch weil die Recitation den Gang des Lectors von dem Ambo zum Celebranten und den Gang des Diacons vom Altare zum Ambo begleitete. In der Septuagesimal- und Fastenzeit wird an den liturgisch ausgezeichneten Tagen, nämlich am Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag, und an den Festen, sowie stets in den Requiemsmessen das Graduale durch eine größere Zahl von Psalmversen, den Tractus, erweitert. Dieser stellt sich als Buß- und Trauergesang dar; seinen Namen gab ihm die Weise des Vortrags, der, ohne durch antiphonirenden Chorgesang unterbrochen zu werden, in einem Zuge (uno tractu) vor sich geht. An den Sonntagen und Festen der freien Zeit des Kirchenjahres (per annum) wird an das Graduale ein Psalmvers angeschlossen, der mit doppeltem Alleluja anhebt und in einem Alleluja ausklingt (versus allelujaticus) und der Feststimmung auch in seiner Sangesweise Ausdruck gibt. In der Osterzeit (tempus paschale) fällt das Graduale fort, und es tritt zu dem festlichen Alleluja-Verse ein zweiter, in Alleluja ausklingender Vers hinzu; diese zwei, von vierfachem Alleluja umschlossenen Verse heißen das österliche oder größere Alleluja. (Vgl. d. Artt. Alleluja-Gesang I, 551, und Graduale V, 981.) Im Mittelalter erfuhr das Graduale der Feste eine Ausdehnung dadurch, daß dem textlosen Neuma, der Jubilatio, in welcher der Chor die Schlußsilbe des Alleluja jubilirend weiterführte, ein rhythmischer Text (Sequentia) untergelegt wurde. Von diesen Sequenzen, welche in den einzelnen Kirchen bis zu einer kaum zu übersehenden Zahl sich mehrten, sind durch Pius V. in das römische Missale nur fünf (an Ostern, Pfingsten, Frohnleichnam, am Freitag der Schmerzen Mariä und im Requiem) ausgenommen worden. Der Name Graduale ging dann auch als Titel auf das Buch über, das die Gesangstücke mit ihren Singweisen enthält, welche bei der Meßfeier von dem Chor vorzutragen sind. Die Recitation der den Evangelien entnommenen und einfach Evangelium genannten Pericope ist sowohl durch den Auftrag und Segen, welcher dem Lector ertheilt wird, durch die Recitationsweise, den Weihegrad des Lectors (Diacon), durch seine und der Gläubigen Haltung, durch die Verehrung, welche dem heiligen Texte mit der Incensation, dem Kreuzzeichen und dem Kusse erwiesen wird, sowie durch den Gebrauch brennender Kerzen ausgezeichnet. (S. die speciellen Angaben in d. Artt. Lectionen VII, 1594, und Evangelium IV, 1048.) – Die durch den Pfarrgottesdienst an Sonn- und Feiertagen nach der Recitation des Evangeliums geforderten Übungen, wie Verkündigungen, Predigt und Fürbitten, werden in Ritualien und Synodalbestimmungen Pronaus genannt, wohl aus dem Grunde, weil sie nicht vom Altare aus, sondern im Schiffe der Kirche, dem den Gläubigen zugewiesenen Raum, gehalten werden.

9. Das nicäno-constantinopolitanische Symbolum (Credo) wurde im Orient spätestens im Anfang des 6. Jahrhunderts, in Spanien zufolge einer Bestimmung des dritten Concils von Toledo (589), in den beiden folgenden Jahrhunderten in Gallien und dann in Deutschland in die Liturgie der Messe aufgenommen, in Rom durch Papst Benedict VIII. (1014) eingeführt oder doch wieder eingeführt. Als Bekenntnis des Glaubens erwächst es gewissermaßen aus dem Evangelium und schließt den didactischen Theil der heiligen Messe ab. In der ambrosianischen Liturgie hat es seine Stellung vor der Präfation, in der mozarabischen nach dem Pater noster•. Der römischen Meßordnung zufolge wird dasselbe an den Sonntagen sowie an denjenigen Festen gesprochen, deren Geheimnis im Credo erwähnt ist, oder die in nähere Beziehung zur Verkündigung des Glaubens stehen, sodann bei einzelnen Festlichkeiten bloß wegen des festlichen Charakters. (S. d. Artt. Credo III, 1182, und Glaubensbekenntniß V, 679.)

10. II. Die Missa fidelium, die Opferfeier. Die Feier des heiligen Opfers welches in der Consecration vollzogen wird und in dem Opfermahl, der Communion, seinen Abschluß findet, fordert eine Darbringung und Zurüstung der Opfergaben, Brod und Wein, wodurch diese zu Opferelementen bestimmt werden; diese Oblation (Opferung) bildet den ersten Theil der Missa fidelium; der zweite umfaßt die Consecrationsfeier (Canon, Stillmesse), der dritte das Opfermahl (Communion); einige Nachübungen bilden den Schluß. Die Oblation wird, ähnlich dem Eingang der Katechumenenmesse, umschlossen von der Psalmodie und einem der Collecte entsprechenden Gebete, der Secret; neben und zwischen diesen Gebetsgliedern vollzieht sich die Darbringung der Elemente durch die Handlungen und stillen Gebetsübungen des Celebranten. Die Psalmodie ist seit dem 13. Jahrhundert auf einen Vers beschränkt, welchen der Celebrant sofort, nachdem er als Einleitung zur Secret Dominus vobiscum und Oremus gesprochen hat, selber recitirt und der Chor während der Oblation singt; daher der Name Offertorium. Der Wortlaut und die Singweise stellen dasselbe als eine Antiphon dar, welche, ähnlich dem Introitus, sich der Idee des Festes oder der Zeit des Kirchenjahres anschließt. Dieser Vers ist durchweg der heiligen Schrift und in den älteren Meßformularen den Psalmen entnommen. Ein mehrgliedriges, responsorienartiges Offertorium ist der Requiemsmesse eigen geblieben. Die Gebete, welche zur Oblation des Brodes und Weines gesprochen werden, waren dem römischen Ritus noch zur Zeit Innocenz’ III. (gest. 1216) fremd; zur Zeit Clemens’ VI. (gest. 1352) aber sind sie zu Rom im Gebrauch. Einzelne, wie das Veni sanctificator und das Suscipe sancta Trinitas, finden sich im 11. Jahrhundert in mehreren Kirchen vor. Ebenso war auch der Ritus der Oblation nach Kirchen verschieden. Die Recension des Missale durch Pius V. gab diesem Theile der Meßfeier eine feste, stehende Form, um derentwillen derselbe auch im Gegensatz zum eigentlichen Canon der Messe der »kleine Canon« genannt wird. In dem den Dominicanern eigenen Ritus findet, wie es früher vielerorts gebräuchlich war, die Zurüstung der Opfermaterie gleich nach dem Staffelgebet statt, und es wird nach dem Offertorium Brod und Wein in einer einzigen Oblation mit dem Gebete Suscipe sancta Trinitas offerirt. Seitdem die Darbringung von Brod und Wein seitens der Gläubigen außer Übung gekommen ist, wird das für die Meßfeier zu verwendende Weizenbrod in Gestalt kleiner dünner Scheiben (Hostien) eigens bereitet. Schon im 12. Jahrhundert scheinen diese im Abendlande die Gestalt großer oder kleiner Münzen gehabt zu haben und mit einem religiösen Zeichen, dem Bilde oder Namen Christi, ausgestattet gewesen zu, wie es noch jetzt durch einen rechtskräftigen Gebrauch gefordert ist Das Opferbrod wird auf einer flachen, den Kelch deckenden Schale (Patene), welche einzig zur Behandlung der Hostie bestimmt ist, zum Altare gebracht, sodann nach der Recitation des Offertoriums durch ein die Opferintention des Priesters ausdrückendes Gebet offerirt und unter Zeichnung eines Kreuzes auf das Corporale niedergelegt. Die Patene selbst wird dann bis zur Brechung der consecrirten Hostie beseitigt. Wein und Wasser werden in kleinen Behältern (urceoli, ampu1lae) dargereicht; das erforderliche Quantum Wein gießt ohne begleitende Oration der Celebrant, in der feierlichen Messe aber der Diacon in den Kelch; das Gebet bei der Beimischung des Wassers, welche in der feierlichen Messe der Subdiacon vornimmt, erfleht für die durch das Wasser symbolisch bezeichnete Menschennatur, d. i. für den Celebranten und die Communicanten, das consortium divinae naturae (2 Petr. l, 4). Das Oblationsgebet, welches in der feierlichen Messe zugleich mit dem Celebranten auch der Diacon spricht, fleht Gott an, daß er die im Kelch enthaltene Oblation wohlgefällig aufnehme und den zur Opferfeier Versammelten sowie der ganzen Welt zum Segen gereichen lasse. Zu den materiellen Opferelementen muß jedoch als geistige Opfergabe noch die Selbstopferung des Priesters und der Gläubigen hinzutreten. Diese wird in der Oration In spiritu humilitatis förmlich ausgesprochen, und sogleich wird die nächste Zurüstung der zu consecrirenden Materien dadurch beendigt, daß über beide Elemente durch das Gebetswort und das Kreuzzeichen der Segen Gottes erfleht wird. In der feierlichen Messe tritt sodann die Incensation ein als Gebetsopfer, als Segnung der Opfergaben, als Lustration des Altars und aller an dem heiligen Opfer Betheiligten. Die Handwaschung (s. d. Art.), zunächst veranlaßt durch die persönliche Entgegennahme der Opfergaben seitens des Celebranten im Alterthum, und der dieselbe begleitende Psalm ist Ausdruck, Mahnung und zugleich Gebet, daß der Celebrant makellos das heilige Opfer feiere. Die an die allerheiligste Dreifaltigkeit gerichtete Oration Suscipe sancta Trinitas, die im Wortlaute wie auch durch die Haltung des Celebranten als ebenso dringliches wie vertrauensvolles Gebet sich darstellt, faßt die vorhergehenden Bitten um gnädige Aufnahme zusammen und spricht die Intention des eucharistischen Opfers speciell aus: dasselbe wird gefeiert als mystische Erneuerung des Leidens, der Auferstehung und Himmelfahrt unseres Herrn, zu Ehren der Heiligen und endlich zu unserem eigenen Heile. Schließlich wird die beim Beginne der Oblation an die Gläubigen durch Oremus gerichtete Mahnung zu gemeinsamem Gebete in der Aufforderung Orate fratres erneuert; die Gläubigen entsprechen durch die Ministranten derselben mit dem Gebete Suscipiat. Sofort schließt der Celebrant die dem Meßformular eigene, sowie die durch einfallende Commemorationen veranlaßten Secreten an, welche eine der Tagesfeier entsprechende Gnade als Opferfrucht zum Gegenstande haben; ihrer Zahl und Reihenfolge nach stehen sie im Einklang mit den Collecten. Die Secret, so genannt von der Weise der Recitation, war bis in’s Mittelalter hinein das einzige rituell vorgesehene Oblationsgebet; im Sacramentar Gregors des Großen heißt sie Oratio super oblata.

11. Die Präfation. Wie die Gebete zur Oblation durch den Gebetsgruß Dominus vobiscum und die Aufforderung Oremus mit erhobener Stimme oder im Gesangston eingeleitet werden, so klingen sie auch in einer laut gesprochenen oder gesungenen Schlußformel aus, zu welcher die Gemeinde mit Amen zustimmend antwortet. Diese Worte bilden die Überleitung auf die Acclamationen Sursum corda, Gratias agamus und die entsprechenden Antworten der Gläubigen, womit das Dankgebet anhebt, das wahrscheinlich von Papst Damasus I. oder um seine Zeit zu dem Feste und der Festzeit in Beziehung gebracht und zu einem vom Canon getrennten Gebetsgliede, zur Präfation (Vorwort und Eingang des Canon), ausgestaltet wurde. Während die griechische und die orientalischen Liturgien nur eine Präfation haben, erhielt im Abendlande allmälig jede Festmesse eine eigene, so daß im sog. Sacramentarium Leonianum die Zahl sich auf 267 beläuft. In der ambrosianischen und mozarabischen Liturgie behielt jede Messe eine eigene Präfation; auch in verschiedenen Kirchen des römischen Ritus finden sich bis in’s 12. Jahrhundert noch zahlreiche Präfationen, obgleich in Rom selbst seit Gregor dem Großen nur 9 oder 10 im liturgischen Gebrauche geblieben waren. Diesen aus dem Alterthum überlieferten Präfationen wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts, wahrscheinlich auf der Synode von Piacenza (1095) zur Erflehung der Fürsprache der seligsten Jungfrau für den ersten Kreuzzug, die marianische beigefügt, so daß das Missale seitdem 11 Präfationen besitzt: 1. In Nativitate Domini; 2 In Epiphania Domini; 3. In Quadragesima; 4. De Passione et de s. Cruce; 5. In Paschate; 6. In Ascensione Domini; 7. In Pentecoste; 8. In Festo SS. Trinitatis; 9. In Festis et Missis votivis B. Mariae V.; 10. In Festis Apostolorum und 11. In Festis et Feriis per annum, welche auch Praefatio communis genannt wird. Die rubricale Bezeichnung Praefatio solemnis und Praefatio ferialis bezieht sich auf die Sangesweise; den an Gesangsfiguren reichern festlichen Cantus, welcher neben diesen beiden Weisen bestand, hat die pianische Recension des Missale fallen lassen, einzelne Kirchen und Diöcesen aber haben sich denselben erhalten. Dem allgemeinen, oben unter 11 erwähnten Formular, nach welchem das Dankgebet ohne Hervorhebung eines besondern in der Festfeier gebotenen Momentes dem Vater durch Christus (per Christum Dominum nostrum) dargebracht wird, geben die Rubriken die entsprechende Bezeichnung Praefatio communis; ihr älterer Titel Praefatio quotidiana weist in Übereinstimmung mit der Aufschrift In Festis et Feriis per annum und der dieser beigegebenen rubricalen Bestimmung darauf hin, daß sie in allen Messen zu sprechen ist, für welche weder durch die Festzeit noch durch ein einfallendes Fest eine eigene Präfation gefordert wird; an den Sonntagen, welche nicht in einer besondern Festzeit stehen, ist statt der Praefatio communis erst seit 1759 jene von der allerheiligsten Dreifaltigkeit vorgeschrieben. Dadurch, daß die Danksagung, welche der Bedeutung des Festes oder der Festzeit entspricht, in prägnanter Fassung in dieses allgemeine Formular eingeschaltet und zum Theil unter Verdrängung seines Satzbaues weiter entwickelt wurde, sind die den Festen und Festzeiten eigenen Präfationen ausgestaltet worden. Die Präfation wird, da sie auch Gebet der Gläubigen ist, im Gesangton und in der Lesemesse mit lauter Stimme vorgetragen; der Aufforderung Sursum corda und der Äußerung des Dankes entspricht das Erheben der Hände, wie das vorübergehende Falten derselben zum Schlusse des Zurufs Gratias agamus die Anbetung auch nach Außen kundgibt. – Das Schlußglied der Präfation vereinigt den Celebranten und die versammelten Gläubigen mit den himmlischen Heerschaaren, welche Gottes Majestät unaufhörlich preisen (Is. 6, 2 ff.), und leitet das Trisagium (hymnus seraphicus, in der Präfation selbst hymnus g1oriae Domini genannt) ein, welches der Celebrant halblaut spricht, während sofort der Chor es in feierlichem Gesange recitirt. Das dreimalige Sanctus mit dem ersten Hosanna, das der Celebrant in gebeugter Haltung und mit gefalteten Händen spricht, gilt dem dreieinigen Gott; das Benedictus mit dem zweiten Hosanna, das der Celebrant aufrecht stehend betet und der Chor erst nach der Wandlung anstimmen soll (Caerem. Episc. 1, 8, 70 sq.), ist an den Gottmenschen gerichtet, der im Himmel thront und in der bald folgenden Consecration als Opferlamm gegenwärtig wird. Daß der Celebrant bei den Schlußworten über sich das Zeichen des Kreuzes macht, ist durch den Schluß des Oblationsactes oder durch den unmittelbar folgenden Eingang in den Consecrations-Canon motivirt.

12. Der Theil der Liturgie, welcher von dem Sanctus und dem Gebete des Herrn begrenzt wird, trägt den Namen Canon (Regel, Norm; s. d. Art.); er umschließt die eigentliche Opferfeier; die in demselben enthaltenen Gebete und Handlungen sind das ganze Jahr hindurch stehend, jedem Wechsel und mit Ausnahme weniger Worte dem Einfluß der kirchlichen Zeit und der einzelnen Feste entzogen. Er ist die unveränderliche Form der Opferhandlung in jeder Messe, möge diese still oder mit größtmöglicher äußerer Feier begangen werden, und weiterhin der älteste Bestandtheil der Meßliturgie, der seit Gregor I. keinerlei Umgestaltung erfahren hat. Derselbe besteht, der Erklärung des Tridentinums gemäß, cum ex ipsis Domini verbis tum ex Apostolorum traditionibus ac sanctorum quoque Pontificum piis institutionibus (Sess. XXII, De Sacrif. Missae cap. 4). Wie und durch wen er allmälig seine feste Gestalt gewonnen hat, wird kaum nachzuweisen sein. Denselben hat der Celebrant allein und zwar als Stillgebet (daher die deutsche Bezeichnung Stillmesse) zu sprechen. Obgleich die Gebete die ganze Gemeinde berücksichtigen, wird derselbe weder durch den die gemeinsamen Gebete sonst einleitenden Zuruf Oremus eröffnet, noch auch durch irgend einen Verkehr mit den anwesenden Gläubigen unterbrochen; dem Volke ist einzig am Schlusse ein zustimmendes Amen zugewiesen. Diese Momente deuten alle darauf hin, daß der Vollzug des Canons dem Priester allein zukommt und ausschließlich priesterliche, im strengsten Sinne liturgische Handlung ist; diese Bedeutung legt ihm auch der Name Actio bei. Die stille Recitation steht weiterhin mit dem tiefen, unbegreiflichen, unaussprechlichen Geheimniß, das sich hier vollzieht, im Einklang und ist zugleich für die Gläubigen Mahnung, in Ehrfurcht und Sammlung an der heiligen Feier theilzunehmen. In den einzelnen Gebeten ist da, wo auf die Opfergaben speciell hingewiesen wird, über diese das Kreuzzeichen zu machen, und zwar seit Innocenz III. im Ganzen 25mal. Vor der Consecration sollen diese Zeichen die Opfergaben weihen und heiligen; nach der Consecration haben sie, wenn auch nicht ausschließlich, doch zunächst die significative Bedeutung, daß das Opfer der Messe die Erneuerung des Opfers am Kreuze sei (s. d. Art. Transsubstantiatio). – Der Canon hat vor wie nach der Consecration je drei Orationen, welche eigens geschlossen werden und so als selbständige Theile sich darstellen; im Missale selbst tritt diese Gliederung allerdings infolge der eingefügten Rubriken und der dadurch modificirten Interpunction für das Auge weniger klar hervor. – Die erste dreigliederige Oration, welche durch den Eingang Te igitur sich enge an die Anrede in der Präfation anschließt, geht dahin, daß Gott das Opfer wohlgefällig annehmen und segnen wolle. Im ersten Gliede werden als diejenigen, denen das heilige Opfer zunächst zum Heile gereichen solle, bezeichnet: die Kirche im Allgemeinen und ihre Repräsentanten, der Papst und der Diöcesanbischof, welche eigens genannt werden, sowie im weitern Umkreis alle rechtgläubigen Bischöfe und Verkündiger des Glaubens, d. i. die übrigen Oberhirten. Das zweite Glied, das sich als Parenthese in den Satzbau der Oration einfügt, das sog. Memento für die Lebenden, ist Fürbitte für solche Personen, deren der Priester namentlich zu gedenken veranlaßt ist, sowie für diejenigen, welche durch ihre Anwesenheit und Mitfeier, sei es als Concelebranten oder infolge der Darbringung von Opfergaben, an der heiligen Feier näher betheiligt sind. Die namentliche Bezeichnung der einzelnen Gläubigen, welche in dem Texte vorgesehen ist, erinnert an die Sitte des Alterthums, an dieser Stelle aus den Diptychen die Namen derjenigen zu verlesen, deren bei dem heiligen Opfer besonders gedacht werden sollte. Die Participien Communicantes et venerantes im Eingang des dritten Gebetsgliedes verbinden dieses nach der einen Ansicht mit dem vorhergehenden Supplices rogamus und offerimus und begründen die eben ausgesprochenen allumfassenden Gebete durch den Hinweis auf die Gemeinschaft der Heiligen. Nach der andern Ansicht aber, welche sich auf den Sprachgebrauch der Vulgata beruft, stehen die Participialformen als Prädikat statt des verbum infinitum (vgl. Röm. 12, 6 ff.). Es werden neben der seligsten Jungfrau die heiligen Apostel, mit Ausnahme des hl. Matthias, der erst nach der Consecration genannt wird, und zwölf Martyrer namentlich aufgeführt, welche in Rom infolge ihrer Würde und nahen Beziehung zu der heiligen Stadt der höchsten Verehrung sich erfreuten. Die Überschrift Infra actionem (= infra Canonem) ist bloßes Merkzeichen, das; an einzelnen Tagen hier wenige, der Festfeier entsprechende Worte einzuschalten sind. Bis zur Recognition des Missale durch Pius V. stand dieser Vermerk nicht im Texte des Canons, sondern nur in dem Formular der betreffenden Tage und nach der Präfation über dem einzulegenden Texte.

Die zweite Oration nimmt mit dem zurückweisenden igitur die im Beginne der ersten Oration ausgesprochene Bitte um wohlgefällige Aufnahme des Opfers wieder auf und bezeichnet im Worte und in der begleitenden Handlung (Ausstreckung der Hände über die Oblaten) das Opfer als unser Sühnopfer, um dessentwillen Gott uns hienieden den Frieden verleihen, uns vor der Hölle bewahren und den Auserwählten beigesellen wolle. – Die dritte Oration führt die Bitte um gnädige Annahme des Opfers weiter dahin aus, daß die zu consecrirenden Substanzen in jedem Betracht gesegnet und in das Fleisch und das Blut unseres Herrn verwandelt werden.

Die Consecration. Das letzte Gebet endigt nicht, wie zu erwarten wäre, mit der doxologischen Schlußform; es schließt sich vielmehr der Bericht über die Einsetzung der Eucharistie, mit Qui pridie beginnend, wie ein einfaches historisches Referat auf das Engste an. Der Celebrant vollzieht in demselben dadurch, daß er, als Organ Christi und die Person Christi darstellend, den Einsetzungsact aus der Vergangenheit in die Gegenwart versetzt und die von Christus gesprochenen Worte nicht bloß historice, sondern auch assertive wiederholt, den Act der Consecration; als Organ und Stellvertreter Christi nimmt er darum auch die einzelnen Handlungen genau so vor, wie Christus sie verrichtet hat. Nach jeder der beiden Consecrationen macht er auch sofort einen Akt der Anbetung durch Kniebeugung und erhebt die consecrirte Gestalt, damit die Gläubigen ihre Anbetung darbringen. Die Elevation der heiligen Hostie und das zur Anbetung mahnende Schellenzeichen ist durch die Häresie Berengars veranlaßt und seit jener Zeit allgemeiner Gebrauch im Abendlande; die Elevation des Kelches ist seit dem 14. Jahrhundert hinzugetreten. Die griechische Kirche hat einen Elevationsritus kurz vor der Communion.

Die erste Oration nach der Consecration besteht gleichfalls aus drei Gliedern, beginnend mit Unde et memores, Supra quae und Supplices. Im Anschlusse an die Weisung des Herrn, daß die Opferfeier zu seinem Gedächtnisse gehalten werden solle, hebt das erste Glied hervor, daß dieß reine, heilige und makellose Opfer des Lebensbrodes und des Kelches des Heiles zum Gedächtnisse des Leidens, der Auferstehung und der Himmelfahrt des Herrn Gott dargebracht wird; im zweiten Gliede schließt sich die Bitte an, er wolle dasselbe aus unseren Händen als unser Opfer gnädig annehmen, wie er auch die vorbildlichen Opfer Abels, Abrahams und Melchisedechs aufgenommen habe, und im dritten Gliede folgt die Bitte, daß er diese Oblation »durch seinen heiligen Engel«, worunter der heilige Geist wird verstanden werden müssen, auf dem himmlischen Altare darbringen lasse, auf daß alle, welche an diesem Altare (am Opfermahle) theilnehmen, die Fülle des Segens erlangen (s. d. Art. Epiklesis). – Von der heiligen Feier soll auch jenen Dienern Gottes Gnade zu theil werden, welche bereits aus diesem Leben abgeschieden sind; für sie betet der Celebrant in der zweiten Oration, dem sog. Memento für die Verstorbenen. Bis in’s 12. Jahrhundert wurden an dieser Stelle die Namen der Verstorbenen, für die der Priester eigens beten und opfern sollte, aus einem Verzeichnisse abgelesen; ein namentliches Gedenken Einzelner ist auch jetzt noch in dem Text der Oration angezeigt. – Nachdem der Priester aller gedacht hat, welche in das heilige Opfer empfohlen waren, darf er auch seiner eigenen Bedürfnisse gedenken; für sich und diejenigen, welche bei der Celebration als Mitcelebranten oder Ministranten näher betheiligt sind, fleht er in der dritten Oration im Vertrauen auf Gottes Erbarmung um einen Antheil an der Seligkeit der heiligen Apostel und Märtyrer, indem er sich demüthig als Sünder bekennt, der nicht auf sein eigenes Verdienst vertraut. Von den Heiligen werden neben dem heiligen Täufer Johannes sieben Martyrer mit Einschluß des Apostels Matthias und ebensoviele heilige Frauen genannt, deren Namen alle zu Rom in hoher Verehrung standen. Hier wie vor der Consecration werden nur Martyrer aufgeführt; dieß erklärt sich daher, daß der Canon seine feste Gestalt angenommen hatte, bevor den Bekennern die liturgische Verehrung zuerkannt wurde. Die kurze Segensformel, in welche die Schlußworte der Oration zunächst übergehen, dürfte von dem Gebrauche herrühren, an dieser Stelle die Eulogien und andere Naturerzeugnisse für den Gebrauch der Gläubigen zu segnen, wie noch jetzt am Gründonnerstage an dieser Stelle die Weihe des Krankenöles eingeschaltet wird. Durch Christus strömt den Menschen aller Segen zu; durch ihn wird auch dem Vater und dem heiligen Geiste alle Ehre und Verherrlichung zu theil; dieß sprechen die Schlußworte des Canon aus, bei welchen der Priester die beiden Gestalten in die Höhe hebt (die sogen. kleine Elevation), indem er so durch eine symbolische Handlung ausdrückt, was die Worte des Textes in Form einer Doxologie enthalten. Das Stillgebet wird sodann laut und feierlich mit den letzten Worten des gewöhnlichen Orationsschlusses beendigt, wozu das Volk einhellig mit Amen einstimmt.

13. Der letzte Theil der Meßfeier umfaßt die entferntere und nähere Vorbereitung auf den Genuß des allerheiligsten Sacramentes und den Act der Communion. Die Vorbereitung hebt nach der Aufforderung zum gemeinsamen Gebete (Oremus) mit dem Vaterunser an, welches, dieser Aufforderung entsprechend, vom Priester laut gesprochen wird. Dasselbe steht in allen Liturgien zwischen der Consecration und der Communion, und zwar bald vor, bald nach der Brodbrechung; in der römischen Liturgie hat Gregor I. es unmittelbar an den Schluß des Canon angereiht. Die Einleitungsworte, welche der Anschauung des Alterthums gemäß die Recitation desselben als ein Wagniß bezeichnen, zu dem einzig der Auftrag des Herrn berechtigen kann, sind in der Fassung, wie sie im Missale stehen, bereits zur Zeit des hl. Cyprian bekannt. Die letzte Bitte wird von dem Volke durch den Ministranten oder den Chor gesprochen, welches dadurch auch seinerseits dem Gebete des Celebranten zustimmt, und sodann in dem vom Priester still, nur am Charfreitag laut recitirten Embolismus (Zusatz, Erweiterung; s. d. Art. Embolismus IV, 439), der in die Zeit vor Gregor I. hinaufreicht, weiter entfaltet. Während desselben hält der Celebrant die bis dahin beseitigte Patene bereit, um die heilige Hostie zum Zwecke der Brechung damit aufzunehmen und danach die einzelnen Stücke auf dieselbe niederzulegen. Die Brechung der Hostie wird während des laut gesprochenen Schlusses des Embolismus vorgenommen. Sie ist zunächst eine Nachahmung dessen, was Christus bei dem letzten Abendmahle gethan hat, symbolisirt weiterhin seinen Opfertod und muß vor Allem wie beim letzten Abendmahle als Ankündigung und Zurüstung des Opfermahles aufgefaßt werden. Sie findet sich als hervorragender Ritus, dessen Name zur Bezeichnung der ganzen Meßfeier (Brodbrechung [s. d. Art.], fractio panis, κλάσις τοῦ ἄρτου) diente, in allen Liturgien. Die Theilung der heiligen Hostie in drei Theile hat ihre geschichtliche Begründung darin, daß im Alterthum ein Theil der consecrirten Opfergaben zur Communion des Celebranten und der Ministranten, der andere zur Communion der Gläubigen diente und ein dritter von dem Bischof an die Filialkirchen zum Zeichen der Glaubensgemeinschaft übersandt wurde. Mit der dritten kleinern Partikel werden unter dem Friedenswunsche Pax Domini sit semper vobiscum drei Kreuzzeichen über den Kelch gezeichnet, und es wird die Partikel dann mit dem heiligen Blut vereinigt. Diese Vermischung der heiligen Species, deren Sonderung für das Opfer gefordert ist, erinnert symbolisch daran, daß die Trennung von Fleisch und Blut nur eine mystische ist, das verklärte Fleisch und Blut aber untrennbar vereinigt sind. Der begleitende Gebetsspruch bezeichnet diese Vermischung als commixtio et consecratio; die Worte sind entweder im concreten Sinne gleich commixtum et consecratum zu fassen, oder consecratio bezeichnet einfach den vorübergehenden Act der Vermischung, insofern dadurch die consecrirten Gestalten in ein neues Sein, in ein neues Verhältnis gesetzt werden, und zwar mit Rücksicht auf das accipere, auf den Genuß des heiligen Sacramentes.

Die nähere Vorbereitung auf die Communion beginnt der Celebrant damit, daß er im Hinblick aus das in der gebrochenen Hostie dargestellte Opferlamm und auf den bevorstehenden Genuß desselben in der dreimaligen Anrufung Agnus Dei, welche Papst Sergius I. (687-701) als Chorgesang zur Begleitung der Brechung der Hostie in den Meßritus eingefügt haben soll, um Erbarmen und um Frieden, in den Requiemsmessen dagegen um die ewige Ruhe der Verstorbenen fleht. Die Bitte um Frieden, welche bereits im Embolismus, dann in dem Segenswunsch Pax Domini und im Agnus Dei-Gebete ihren Ausdruck fand, entfaltet sich in dem folgenden Stillgebete (der sog. Oratio pro pace) zu einer Oration um den Frieden für die Kirche und wird seitens der am heiligen Opfer Betheiligten durch den Friedenskuß, die Aussprache der Versöhnung und Liebe, bekräftigt. In den Requiemsmessen unterbleibt mit dem Gebete um den Frieden auch der Friedenskuß. In zwei weiteren Orationen, die sich bereits im 11. Jahrhundert vorfinden und bis zur Recognition des römischen Missale als Privatgebete des Celebranten bald vor, bald nach der Communion gesprochen wurden, bittet der Priester für sich um würdigen und gnadenreichen Genuß des heiligen Sacramentes. Nachdem er sodann unter dem Psalmworte Panem coelestem accipiam etc. beide Theile der heiligen Hostie ergriffen hat, wiederholt er, indem er sie über der Patene hält, vom Bewußtsein seiner Unwürdigkeit durchdrungen, aber auch voll Vertrauen, dreimal das Bekenntniß des Hauptmannes (Matth. 8, 8): Domine non sum dignus etc.

Das Opfermahl, die heilige Communion unter beiden Gestalten, bildet einen integrirenden Bestandtheil der Meßfeier; daher hat der Celebrant am Altare sich selber die Communion zu spenden; nur der Papst empfängt, wenn er feierlich celebrirt, die heilige Communion auf seinem Throne. Das römische Missale schreibt zum Genuß jeder Gestalt die Bitte vor, daß durch das heilige Sacrament die Seele zum himmlischen Verklärungsleben bewahrt werde. Manche Missalien vor Pius V. hatten, wie das der Dominicaner und die mozarabische Liturgie noch jetzt, eine einzige, den Genuß beider Gestalten zusammenfassende Formel und lesen statt animam meam kurzweg me; einen Anklang an diese Formel hat das Pontificale bewahrt, indem es den Bischof bei der Spendung der Communion an die Neugeweihten auch te statt animam tuam sprechen läßt. An die Communion des Celebranten schloß sich von Anfang an die der Gläubigen an. Hat das Concil von Trient (Sess. XXII, c. 6 De sacrif. Missae) den Wunsch ausgesprochen, daß in allen Messen die anwesenden Gläubigen communiciren möchten, so gibt das römische Rituale im Einklang mit dem Missale die Weisung, »daß die Communion der Gläubigern in der heiligen Messe sofort nach der des Priesters stattfinden soll, da die Gebete nach der Communion sich nicht bloß auf den Celebranten, sondern auch auf die Communicanten beziehen«. Die in diesem Falle vor der Spendung zu sprechenden Gebete (Confiteor mit der Absolution, Ecce Agnus Dei und Domine, non sum dignus) hat das spätere Mittelalter aus dem Ritus der Krankencommunion in die Meßfeier eingeschaltet. Das sorgfältige Auflesen der etwa von der Hostie abgelösten Fragmente vor dem Genusse des heiligen Blutes, dann die Purification des Kelches, der Finger und des Mundes mahnen den Celebranten und die Communicanten, wie es die begleitenden Gebete als Bitte aussprechen, daß sie das allerheiligste Sacrament mit reiner Seele aufnehmen, damit es dauerndes Heilsmittel für die selige Ewigkeit sei und fortan keine Sündenmakel an der Seele hafte.

14. Die Communionfeier wird ähnlich, wie der specielle Eingang der Messe und die Opferung, durch Psalmodie und Gebet umschlossen. Während der Communion der Gläubigen wurde in der Kirche des Alterthums ein Psalm mit seiner Antiphon je nach der Dauer der Spendung ganz oder zum Theil vom Chore gesungen. Da im Verlauf des Mittelalters die Communion der Gläubigen während der Meßfeier immer seltener wurde, so trat auch in diesem Gesang eine Kürzung ein; der Psalm kam in Wegfall, und es blieb nur die Antiphon übrig, die ihren früher üblichen Namen Antiphona ad communionem verlor und einfachhin Communio genannt wurde; dieselbe war fortan nicht mehr bloß vom Chor und zwar nicht erst nach der Communion des Priesters zu singen, sondern auch vom Celebranten nach vollendeter Purification und Ablution zu recitiren. An dieselbe schließt sich, eingeleitet durch den Altarkuß und den Gruß Dominus vobiscum, ein der Collecte ähnliches Gebet an, welches bald mit bald ohne Bezugnahme auf den Empfang des heiligen Sacramentes Gottes Gnadenbeistand erfleht. Bereits im Gelasianum trägt dasselbe den einer rituellen Stellung entsprechenden Namen Postcommunio, welcher im Missale beibehalten ist. In Handschriften und Particularmissalen wird dasselbe Complenda, d. i. das letzte, die Opferfeier schließende Gebet genannt. Die Postcommunion entspricht der Collecte und Secret; es ist darum auch die Zahl und Reihenfolge der Collecten und Secreten maßgebend für die Orationen, welche der dem Meßformular eigenen Postcommunion beizufügen sind. In den Ferialmessen der 40tägigen Fastenzeit ist nach diesen Orationen ein als Oratio super populum bezeichnetes Gebet zu sprechen, das für sich allein mit Oremus und Humiliate capita vestra Deo eingeleitet und selbständig geschlossen wird. In dem Gelasianum ist auch an Sonn- und Festtagen mit Ausnahme der Heiligenfeste eine Oratio super populum vorgezeichnet; seit Gregor dem Großen ist dieses Gebet auf die erwähnten Ferien beschränkt. In demselben hat man einmal ein Gebet für diejenigen erkennen wollen, welche nicht communicirten, da die Postcommunion nur für die Communicanten gelte, dann auch einen Ersatz für die Segnung der Eulogien oder die eigentliche Schlußbenediction, endlich ein Gebet um besondern Beistand in dem intensivern Ringen gegen den bösen Feind, in welches die Gläubigen durch die Fastenzeit gestellt sind (vgl. Thalhofer, Liturgik II, 297). Da diese Oration auch der Vesper jener Ferien (mit Ausnahme der Samstage) angehört, so wird ihre Recitation in der Messe wohl darin begründet sein, daß an diesen Tagen der Vesperdienst an die heilige Messe sich anschloß und die Gläubigen nicht sogleich am Schluß der Messe entlassen wurden, sondern noch an diesem Officium theilnahmen. Sonach wäre diese Oration ein Ersatz des Vesperdienstes. In der Fastenzeit ist jene alte Übung noch darin angedeutet, daß an den Ferien die Vesper vor Mittag gebetet und im Chordienst sofort an die Conventualmesse angeschlossen wird, und daß in der Messe des Charsamstags an die Stelle der Communion und Postcommunion die Vesper selbst eintritt. Mit dem Dominus vobiscum schließen die Gebete nach der Communion ab.

15. Der Schluß der Opferfeier wurde von jeher den Gläubigen durch feierlichen Zuruf angekündigt. In der römischen Kirche lautete dieser wahrscheinlich schon in ältester Zeit wie noch jetzt Ite missa (= dimissio) est. Ihrer Bedeutung gemäß wird die Entlassungsformel gegen das Volk hin gesprochen, welches mit Deo gratias antwortet, indem es seinen Dank für den Segen kundgibt, den die Opferfeier gebracht hat. Bis in’s 11. Jahrhundert war dieß die einzige Schlußformel; im Missale ist sie für festliche Tage mit sechs nach dem Festcharakter wechselnden Sangesweisen vorgezeichnet. Im Mittelalter kam für die Tage, welche keinen festlichen Charakter haben, statt der Entlassungsformel der Zuruf Benedicamus Domino, der zum Altare hin gesprochen wird, in Gebrauch, wohl als Einladung, auch an dem sich anschließenden Gebetsofficium theilzunehmen. Das Missale zeichnet fünf dem liturgischen Rang der Meßfeier und der kirchlichen Zeit entsprechende Sangesweisen vor. Die Requiemsmessen schließen mit der Fürbitte für alle Verstorbenen: Requiescant in pace.

In dem Schlußgebet Placeat wiederholt der Celebrant die bereits bei der Opferung und nach der Consecration ausgesprochene Bitte, daß der allerheiligsten Dreifaltigkeit sein Thun bei dem heiligen Opfer gefallen und das Opfer selbst ihm und den Gläubigen Versöhnung gewähren möge. Das Gebet findet sich seit dem 11. Jahrhundert in verschiedenen Meßbüchern als Privatgebet des Priesters bei dem Weggange vom Altare; in den römischen Ritus wurde dasselbe durch Pius V. endgültig, und zwar vor dem Segen, eingefügt. Der Altarkuß ist durch den Schluß der Oration veranlaßt, weßhalb er auch in der Requiemsmesse nicht unterbleibt, und steht zugleich in Beziehung zu der nachfolgenden Segenspendung. Der Gebrauch, daß der Priester am Schluß der Messe den Segenswunsch Benedicat vos über die Gläubigen spricht und mit dem Zeichen des Kreuzes bekräftigt, erscheint zur Zeit des Micrologus allgemein üblich, während bis dahin in Gallien, Spanien und vielfach auch in Deutschland nur die Bischöfe, und zwar nach dem Embolismus, den Segen spendeten.

Der Gebrauch, nach der Entlassung und Segnung nochmals eine Pericope aus den Evangelien, speciell den Eingang des Johannes-Evangeliums zu lesen, kam erst seit dem 13. Jahrhundert allmälig in Aufnahme. Noch Durandus (Rat. 4, 24, 5) stellt diese Recitation dem Belieben des Celebranten anheim. Die besondere Verehrung, welche schon zur Zeit des hl. Augustinus und zumal im Mittelalter dem Prolog des hl. Johannes erwiesen wurde, machte die Recitation desselben auch an dieser Stelle zur allgemeinen Gewohnheit, welche durch Pius V. sanctionirt und in den Meßritus förmlich eingeführt wurde. Im Pontificalamte recitirt der Bischof, nachdem er die Einleitungsformel auf der Evangelienseite gesprochen hat, das Evangelium während des Ganges vom Altar zum Throne. An den Festen, welche auf einen Sonntag oder auf eine größere Ferie fallen, wird statt jenes Prologs das Tagesevangelium entsprechend der letzten Lection in der Matutin gelesen. Als Schlußwort wird nach diesem Evangelium respondirt: Deo gratias.

16. Der Celebrant, der gewürdigt wurde, das heilige Opfer zu feiern, und an seinem Gnadenschatz den nächsten und reichsten Antheil hat, wird nach Vollendung des heiligen Dienstes auch in privater Andachtsübung hierfür Gott loben und preisen. Zu diesem Zweck ist die Recitation des sogen. Recesses (Gratiarum actio post missam) auf dem Wege vom Altare zum Orte, wo er die Paramente ablegt, vorgesehen. Derselbe besteht aus dem Gesange der drei Jünglinge im Feuerofen (Dan. 3) und dem 150. Psalm. In diesen, den Laudes des Sonntags entnommenen Lobgesängen fordert der Celebrant, in der Erkenntniß, daß er für sich allein Gott nicht gebührend danken könne, alle Geschöpfe, die unfreie Creatur, die Menschenwelt und die himmlischen Geister, zum Preise Gottes auf. Wie die Darstellung der Jünglinge im Feuerofen in den Katakombenbildern Roms und ihr Canticum in dem sonntäglichen Morgenlob sowie in der Messe der Quatembersamstage an den Schutz Gottes in der Verfolgung mahnte, so soll hier ihr Lobgesang und der in den Orationen erwähnte Beistand, den Gott ihnen und dem hl. Laurentius in den Feuerqualen erwiesen, den Celebranten vergewissern, daß die Feier des heiligen Opfers Schutz gegen die Versuchungen des begonnenen Tages und Gnade und Segen zum Tagewerk bietet So geleitet die Danksagung den Celebranten aus der heiligen Sammlung in die Heiligung seiner Tagesarbeit.

17. Da in der Meßfeier nicht bloß der Opfertod des Herrn, sondern das ganze Erlösungswerk, das opus redemtionis nostrae (Secret Dom. 9 p. Pentec.), geheimnißvoll erneuert wird, so hat sich vom frühen Mittelalter an eine mystische Erklärung der Meßfeier ausgebildet, welche in ihren einzelnen Theilen, mit dem Introitus beginnend, eine Darstellung der Hauptmomente des Lebens, Leidens und der Verherrlichung des Herrn erkennt. Durandus, welcher, wie andere Liturgiker des Mittelalters, diese Erklärung im Einzelnen durchführt, gibt dieser Auffassung in Kürze Ausdruck: Missae officium tam provida reperitur ordinatione dispositum, ut, quae per Christum et in Christum, ex quo de coelo descendit usquedum in coelum ascendit, gesta sunt, magna ex parte contineat, et ea tam verbis quam signis admirabili quadam sepcie repraesentet (Ration. 4, 1, 11). Diese Erklärungsweise, welche für die Andacht des Celebranten und für die Erbauung des Volkes sehr gute Dienste leisten kann, hat seit Einführung des Buchdruckes in Gebetbüchern vielfach Verwerthung gefunden. Nach dieser Deutung stellen der Gang des Priesters zum Altare die Ankunft Christi in der Menschwerdung, das Gloria die Geburt Christi, die Collecten sein verborgenes Leben, die Schriftlesungen sein öffentliches Wirken dar; das Offertorium entspricht dem Einzug des Herrn in Jerusalem, der Canon seinem Leiden, die Vermischung der allerheiligsten Gestalten seiner Auferstehung, die Communion der Himmelfahrt und der Schlußsegen der Sendung des heiligen Geistes. Ein Anklang an diese Erklärungsweise kann in dem mozarabischen Meßritus darin gefunden werden, daß die heilige Hostie in neun Theile gebrochen wird, welche einzeln nach einem der Geheimnisse aus dem Leben des Herrn von der Menschwerdung (corporatio) bis zu einer ewigen Herrschaft (regnum) benannt werden. – Eine jüngere Auffassung schließt in der mystischen Deutung das verborgene und öffentliche Leben Jesu aus und bezieht die ganze Meßfeier ausschließlich auf das Leiden, den Tod und die Verherrlichung des Herrn, so daß der Hingang des Priesters an den Altar dem Gange des Herrn an den Ölberg und das Schlußevangelium der Sendung des heiligen Geistes am Pfingstfeste entspricht. Dieser Auffassung entsprechend, werden auch die einzelnen Paramente auf die Leidenswerkzeuge bezogen.

18. In der apostolischen Zeit mußte das heilige Opfer in den Häusern der Christen gefeiert werden, welche für größere Versammlungen ausreichen konnten. Bald aber wurden eigene Räumlichkeiten in den Häusern, sowie auch besondere Bauten hergestellt, welche einzig für die Feier der Liturgie bestimmt waren. Zur Zeit der Verfolgung beschränkte sich die Opferfeier auf solche Orte, welche einigermaßen Sicherheit boten. Sobald dem Christenthum freie Übung gewährt war, erhoben sich öffentliche Kirchen, wie das Bedürfniß es erforderte. Der Gottesdienst nahm mehr und mehr einen öffentlichen Charakter an, und es wurde allgemeine Regel, daß die heilige Messe ordnungsmäßig nur in solchen Räumen gefeiert werden dürfe, welche ausschließlich für den Gottesdienst bestimmt und zu diesem Zwecke eigens benedicirt oder geweiht sind. Bereits das Concil von Laodicea (can. 58) verbot die Feier der Messe in Privathäusern. Die Synoden des Mittelalters behielten den Bischöfen das Recht vor, zur Errichtung von Hausoratorien, Hauskapellen, in welchen die Messe gefeiert werden könne, die Erlaubniß zu ertheilen. Durch das Tridentinum (Sess. XXII, De observ. in celebr. miss.) wurde das geltende Recht eingeführt, wonach das heilige Opfer nur in Kirchen und öffentlichen Oratorien (oratoria publica), welche für immer und ausschließlich zum gottesdienstlichen Gebrauche bestimmt und weiterhin consecrirt oder mindestens benedicirt sein müssen, in Privatoratorien jedoch nur auf Grund eines speciellen päpstlichen Indultes gefeiert werden darf. An diesem Orte ist dann die Stätte, an welcher die Opferfeier stattzufinden hat, der consecrirte und mit den nöthigen Erfordernissen ausgestattete Altar, sei dieser ein Altare fixum im strengen Sinne oder ein Altargerüst, das erst durch die Einfügung des sog. Altare portatile, eines consecrirten Altarsteines, zu einem Meßaltar wird (s. d. Art. Altar I, 584). Die Ausstattung des Altares für die Meßfeier ist in den allgemeinen Rubriken des Missale (Rubr. gen. tit. XX) im Einzelnen aufgeführt.

19. Bis in das Mittelalter hinein war es im Abendlande gestattet und viel geübt, daß ein und derselbe Priester mehrmals an einem Tage das heilige Opfer feierte, sei es aus persönlicher Andacht, oder weil seelsorgliche Verhältnisse dazu Veranlassung gaben. Seit dem 12. Jahrhundert aber wurde es Gesetz, daß jeder Priester täglich nur einmal zu celebriren, und einzig, wenn ein wichtiger Grund, eine causa necessitatis, vorliege, eine zweite Messe zu feiern berechtigt sei. Vom Ende des 13. Jahrhunderts an sprechen die Synoden nur noch von der zweimaligen Celebration an demselben Tage (Bination). Allmälig wurde auch diese causa necessitatis näher und enger bestimmt, so daß nach dem geltenden Rechte die Bination nur an solchen Tagen statthaft ist, an denen die Gläubigen verpflichtet sind, der heiligen Messe beizuwohnen, und dann auch nur unter der Bedingung, daß anders es einer beträchtlichen Zahl von Gläubigen unmöglich ist, ihrer Pflicht nachzukommen (s. d. Art. Bination II, 841). Das Weihnachtsfest hat von Alters her das Vorrecht bewahrt, daß jeder Priester dreimal celebriren darf. Für Spanien und Portugal hat Benedict XIV. im J. 1746 das dort bestehende Herkommen bestätigt, daß am Allerseelentage jeder Priester drei Messen für die Verstorbenen zu lesen befugt ist. Den Kirchen des Orientes ist die wiederholte Celebration an Einem Tage durch denselben Priester fremd.

Als Tageszeit für die Meßfeier ist schon in den ersten Jahrhunderten die Morgenfrühe so bevorzugt, daß die Celebration zur Nachtzeit als Ausnahme erscheint. Seit dem 5. Jahrhundert ist für die feierliche Messe an Sonn- und Festtagen die dritte Stunde als canonisch stehend bezeugt. An den Fasttagen durfte die Mahlzeit erst nach der Non, wenn der Gottesdienst mit der Meßfeier und dem sich daran anschließenden Vesperofficium beschlossen war, genommen werden, eine Praxis, welche bis in’s Mittelalter hinein bestehen blieb. Bald wurde es aber in den geistlichen Genossenschaften Brauch, an diesen Tagen die Non mit der Messe und Vesper auf den Vormittag zu verlegen, um das Fasten zu erleichtern. Die Namen der kleinen Horen verloren die Bedeutung bestimmter Tageszeiten und wurden einfachhin Bezeichnungen der einzelnen »Gezeiten«. Die Zeit für die Conventmesse wurde fortan nicht nach der Stunde des Tages, sondern nach der Hore des canonischen Officiums bestimmt, so daß die Weisung, die Messe etwa nach der Non zu celebriren, nur besagt, dieselbe solle auf die Recitation dieser Hore folgen, nicht aber, sie solle erst in der Zeit zwischen Mittag und Abend stattfinden. Die alte Tradition ist für die Corporationen, denen das Chorgebet obliegt, in den allgemeinen Rubriken des Missale (tit. XV) als gesetzliche Norm fixirt, derzufolge die Conventmesse an den Fasttagen nach der Non, an den gewöhnlichen Ferien und den festa simplicia nach der Sext, an den Sonn- und Festtagen aber nach der Terz gefeiert werden soll. Die Votivmessen treten, weil sie nicht mit dem Tagesofficium im Zusammenhang stehen. nach Beendigung der vormittägigen Horen, d. i. nach der Non, ein. Am Weihnachtsfeste schließt sich die erste Messe in nocte, um Mitternacht, an die Matutin, die zweite, in aurora, an die Prim an, während die Hauptmesse, in die, der allgemeinen Regel entsprechend, auf die Terz folgt. Für die Meßfeier überhaupt ist durch allgemeine Vorschrift die Zeit vom Tagesanbruch bis zum Mittage (ab aurora usque ad meridiem) festgesetzt und im Zusammenhang damit gefordert, daß der Celebrant vorher Matutin und Laudes gebetet habe. Die Zeitdauer, welche die einzelne Meßfeier beansprucht, ergibt sich daraus, daß jede Cerimonie genau und würdig ausgeführt und jeder Text vollständig und in dem entsprechenden Tone (clara voce, submissa voce, secreto) gesprochen bezw. gesungen werden muß. Die Moralisten sehen darnach für die Privatmesse je nach dem Formular 20 Minuten bis eine halbe Stunde an (Conf. S. Alph. de Lig., Theol. mor. VI, 400).

20. Die Mängel und Versehen, welche bei der Meßfeier sich einstellen können, behandelt das Missale im Einzelnen in einem Abschnitte der allgemeinen Rubriken (De defectibus in Missarum celebratione occurentibus). »Es können Mängel vorhanden sein bezüglich der Materie oder der Form oder des Celebranten; bezüglich des letztern hinsichtlich der Intention, der Disposition der Seele oder des Leibes. Fehlt die rechte Materie oder Form, sowie die Intention oder der priesterliche Charakter, so wird das Sacrament nicht conficirt; andere Fehler können vorkommen in der Darbringung selbst; einige hindern zwar die Conficirung des Sacramentes (die Gültigkeit der Opferfeier) nicht, können aber Sünde oder Ärgerniß zur Folge haben«; es können Mängel obwalten, bei deren Vorhandensein die Celebration nicht erlaubt ist. Das Missale gibt das Verfahren an, welches in den einzelnen Fällen beobachtet werden muß, damit die gültige und würdige Feier des heiligen Opfers gesichert werde.

[K. Schrod.]


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