Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Mongolen, Geschichte des Christenthums unter denselben. In der Geschichte Innerasiens, des Mutterlandes unzähliger Volksstämme, treten die Mongolen erst etwa um das Jahr 1000 auf. Sie wohnten ursprünglich am Altaigebirge, breiteten sich aber später über Hochasien bis China und Indien und weit hinein in Sibirien aus. Häufige Kriege und stete Wanderungen brachten die Verschmelzung der großen Horden zu Stande, welche ursprünglich unabhängig von einander nomadisirten. Dieselbe vollzog sich besonders unter Dschingischan (gest. 1227), mit dem die Mongolen eigentlich erst in die Geschichte eintreten. Sein Sohn Oktai (1227–1241) und dessen Feldherr und Bruderssohn Batu (gest. 1255) setzten die Eroberungen fort, bezwangen Rußland und verwüsteten Polen und das östliche Europa (bis 1242). Da in den Heeren Dschingischans der Volksstamm der Tatta die größte Zahl und den tapfersten Theil ausmacht, so wurde es in Europa allmälig gebräuchlich, nach diesem Stamme sämmtliche Völker Hochasiens als Tataren und die weiten Länderstrecken Ostasiens und des flachen Westasiens als Tatarei zu bezeichnen (vgl. K. Ritter, Asien I, 274. II, 387, und dessen Gesch. der Erdkunde, herausgeg. von Daniel 1861, 225). Bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts war die Tatarei den Euopäern größtentheils unbekannt geblieben. Erst die Kreuzzüge und die oben genannten Eroberungen brachten die Mongolen, bei denen die Religion des Buddha ihre eigentliche Heimat gefunden hatte (s. d. Art. Buddhismus II, 1402 ff.), mit Europa in Berührung. Den Nestorianern soll es zwar schon im 7. Jahrhundert gelungen sein, die Mongolen mit dem Christenthum bekannt zu machen, und Abel Rémusat will die vielen Äußerlichkeiten, in welchen die buddhistische mit der katholischen Religionsübung übereinstimm, auf diesen Ursprung zurückführen (Rech. sur les langues Tartares I, p. VI s., Par. 1820). Sicher ist, daß im 11. Jahrhundert wirklich eine Anzahl Mongol und selbst ein Mongolenfürst, bekannt unter dem Namen Johannes Presbyter (s. d. Art. VI, 1754 ff.), sich zum Nestorianismus bekannten, und daß diese Religion bei den Mongolen einiges Ansehen genoß; gewöhnlich befanden sich auch einige nestorianische Priester am Hofe des Groß-Chans. Kaum hatte Papst Alexander III. (1159–1181) von einem Reiche gehört, das angeblich von einem Priesterkönig regiert werde, so sandte er 1177 einen Bischof dahin, um diesen Regenten für die römische Kirche zu gewinnen (Baron. ad ann. 1177, n. 32–35); besondere Erfolge wurden aber damals nicht erzielt. Als jedoch die Mongolen unter Dschingischan und seinen Nachfolgern nicht bloß das Khalifenreich und das Gebiet des genannten Priesterkönigs eroberten, sondern selbst bis nach Polen, Ungarn und Deutschland vordrangen, suchten die Päpste durch Missionare auf diese Welteroberer einzuwirken. Hierzu ließen sie sich ebenso durch die Rücksicht auf die Verbreitung des Glaubens, als auch durch den Hinblick auf die Verwüstungen, welche diese unchristlichen Horden im Osten Europa’s anrichteten, bestimmen. Auch die christlichen Fürsten versprachen sich, wenn das Christenthum unter den Mongolen in Chorasan und selbst in der großen Horde den Sieg über das Heidenthum und den Mohammedanismus erringen würde, von einem Bündniß mit den Mongolen gegen den Islam große Vortheile im Interesse der Kreuzzüge. Da sie von den Byzantinern schlechterdings nichts zu hoffen hatten, glaubten sie, durch ein Bündniß mit den Mongolen die Wiedereroberung des heiligen Landes bewirken zu können. Aus diesen Gründen versuchten namentlich Innocenz IV. (1243–1254) und der heilige König Ludwig IX. von Frankreich vom Jahre 1245 an wiederholt, durch Missionare aus dem Franciscaner- und Dominicaner-Orden Verbindungen mit den Mongolenfürsten anzuknüpfen (vgl. Raynald. ad an. 1245, n. 16 sq.; 1253, n. 49; 1254, n. 1 sq.); dann Joinville, Hist. de St. Louis, in der Collection cpl. des mémoires par Petitot II, Par. 1819, 332 s.; und besonders A. Rémusat, Mémoires sur les relations polit. des princes chrét. avec les empereurs Mongols, in den Mém. de l’acad. des inscript. VI, 396 ss. VII, 335 ss., Paris 1822 et 1824). Da aber diese einfachen Missionare nicht viel ausrichteten, sandte der Papst im J. 1253 einige zu Bischöfen geweihte Mandatare mit entsprechenden Vollmachten ab; jedoch auch diese erreichten ihren eigentlichen Zweck nicht. An dem Hofe des Groß-Chans wollte man zwar die Freundschaft mit den christlichen Fürsten, ja selbst ein Bündniß mit denselben gegen die Saracenen, von denen die Mongolen besonders in Persien bedrängt wurden; allein die politischen Rücksichten, die Gleichgültigkeit der Herrscher, welche einem religiösen Syncretismus huldigten, dann die Roheit und Stumpfheit des Volkes und die Anhänglichkeit der Götzendiener an ihren Cultus, endlich auch die Unkenntniß der Sprache und Sitte jener Gegenden: alles dieses stand den eifrigen Missionaren bei Ausübung ihres eigentlichen Amtes hindernd im Wege. Doch wurde der Groß-Chan Mangu, zu dem auch der treffliche Franciscaner Wilhelm de Rubruquis (von Ruysbroek) im J. 1253 nach der Haupstadt Karakorum gekommen war, sammt einigen seiner Hofleute zur Annahme des Christenthums und zur Taufe bewogen und zwar durch den armenischen König Hethun oder Haithon (vgl. den Reisebericht des P. de Rubruquis in Hist. générales des voyages, Paris 1749, VII, 263–307). Nach Mangu’s Tod (gest. 1257) regierten seine zwei Brüder das getheilte Mongolenreich, Hulaju oder Halaku (gest. 1265) in Persien und Chublai in China. Der erstere war den Christen und besonders den Nestorianern günstig, namentlich seit der Eroberung Bagdads (1258). Der Widerstand, den diese noch heidnischen Mongolen Persiens im Kriege gegen die ägyptischen Sultane fanden, veranlaßte Hulaju, die Kreuzfahrer zu begünstigen und häufig Gesandtschaften an die Päpste wie an die Könige von Frankreich und England zu senden. Alexander IV. (1254–1261) schrieb an ihn im Interesse der Kirche und ebenso dessen Nachfolger Urban IV. (1261–1264) an Hulaju’s Sohn Abaga oder Abogha (gest. 1282). Letzterer schickte im J. 1274 eine Gesandtschaft von 16 Mongolen zum vierzehnten allgemeinen Concil nach Lyon, allerdings nur, um ein Bündniß gegen die Saracenen zu schließen; von einer Bekehrung (Union) war keine Rede (Hefele-Knöpfler, Conc.-Gesch. VI, 138). Doch nahm der Sprecher der Gesandtschaft, wahrscheinlich der Sohn des Groß-Chans, hier das Christenthum an, ließ sich mit einigen seiner Begleiter taufen und erhielt von Gregor X. kostbare Gewänder zum Geschenke (a. a. O. 144). Auch gab der Papst ihnen ein Schreiben mit, in welchem er den Groß-Chan zum Eintritt in die christliche Kirche ermahnte, mit dem Bemerken, daß er nächstens Gesante an ihn abordnen werde (a. a. O. 154). Der Chan versprach die Annahme der Taufe, kam aber nicht mehr dazu. Ihm folgte Achmet (gest. 1284), der zum Islam übertrat und die Christen mit leidenschaftlichem Hasse verfolgte (über verschiedene Martyrer dieser Zeit vgl. Wadding, Annal. Minor. ad a. 1284). Nach Achmet wurde Argun oder Argo (gest. 1291) Groß-Chan; er knüpfte die alten Verbindungen mit Rom wieder an. Unter ihm war gewissermaßen die Blütezeit der christlichen Mission bei jenen Völkern, obgleich auch er nicht dazu kam, sich taufen zu lassen. Nur acht Monate regierte nach ihm Baidu, ein Enkel Hulaju’s. Da er insgeheim das Christenthum begüngstigte, wurde er von der saracenischen Partei ermordet. Sein Nachfolger Cazan oder Gaizan, der Sohn Argo’s, wurde überredet, sich öffentlich zum Mohammedanismus zu bekennen, wobei er den Beinahmen Majus erhielt. In den ersten zwei Jahren seiner Regierung duldete er eine grausame Christenverfolgung durch einen seiner Statthalter; später gestattete er, daß sein Sohn getauft werde, er selbst starb als Mohammedaner. Von da an machte der Islam bedeutende Fortschritte unter den Mongolen, und die weitere Missionsthätigkeit unter ihnen war nicht von Belang. Dagegen arbeiteten um dieselbe Zeit die Franciscaner an der Bekehrung derjenigen Mongolen, welche sich in Europa bis an die Grenzen Ungarns niedergelassen hatten. Ihre Bemühungen waren auch von einigem Erfolg, so daß Nicolaus III. (1277–1280) sich veranlaßt fand, für die Neubekehrten einen Bischof aufzustellen. Noch weit wichtiger war der Erfolg, den die Missionare am Hofe des Groß-Chans Chublai oder Hupilai in China errangen. Dieser hatte um 1260 den Buddhismus in China eingeführt, zeigte sich aber als Indifferentist den Christen günstig, erbat sich vom Papste Gelehrte, gab dem Venetianer Marco Polo, dessen Vater schon als Kaufmann im Lande verweilt hatte, eine ansehnliche Stellung am Hofe und nahm 1272 und noch später Franciscaner- und Dominicaner-Missionare auf (vgl. Marci Pauli Veneti De regionibus Orient. libr. III, ed. And. Mullerus, Coloniae Brandenburgicae 1671, deutsch von Bürck, 2. Aufl., Leipzig 1855; dazu Ritter Geschichte der Erdkunde 217 f.). Schon Papst Nicolasu III. sandte fünf Franciscaner dahin, welche trotz vieler Hindernisse segensreich wirkten. Große Erfolge erzielte besonders der Minorit Johannes de Monte Corvino (s. d. Art. VI, 1719 f.), welchen Nicolaus IV. im J. 1288 dahin gesandt. Nachdem er elf Jahre allein gearbeitet und mehrere Kirchen erbaut, erhielt er an seinem Ordensbruder Arnold aus Köln einen Gehilfen. Im J. 1307 erhob ihn Clemens V. zum Erzbischof von Cambalu (Peking) mit ausgedehnten Vollmachten und sandte ihm neue Gehilfen, darunter sieben Bischöfe. Der zu seinem Nachfolger ernannte Nicolaus starb, bevor er nach Cambalu kam; ähnlich erging es den anderen Missionsbischöfen. Die Christen der Tatarei beklagten sich im J. 1338, daß sie schon acht Jahre ohne Hirten seien. Bei der Vertreibung der Mongolen aus China (1368) und der Einsetzung der Ming-Dynastie ging auch die Gemeinde in Cambalu zu Grunde, da die nun herrschenden Chinesen christlichen Priestern keinen Zutritt mehr gestatteten (s. d. Art. China III, 150 f.). Ebenso wurde in Persien das Mongolenreich durch Tamerlan gestürzt und der Islam triumphirte völlig. (Außer den bereits angeführten Werken vgl. noch besonders Mosheim, Historia Tartarorum eccl., Helmst. 1741, und Huc, Le Christianisme en Chine, en Tartarie et au Thibet, Paris 1857 à 1859, 4 tom.; dann Henrion, Histoire générale des Missions cath., Paris 1846 s.; Wittmann, Allgem. Gesch. d. Miss., Augsb. 1846, I, 24 ff.; Huc u. Gabet, Wanderungen durch die Mongolei nach Tibet, Leipz. 1855, in der Hausbibliothek für Länder- u. Völkerkunde, herausgeg. v. Andree, VII; Heinr. Hahn, Gesch. der kathol. Miss., Köln 1857, I, 422 ff.; Wilh. Heyd, Studien über die Colonien der röm. Kirche in den von den Tataren bewohnten Ländern, in Niedners Zeitschrift f. hist. Theol. 1858, 260 ff.; Külb, Gesch. der Missionsreisen nach der Mongolei im 13. und 14. Jahrhundert, Regensb. 1860, 3 Bde.; Kalkar, Gesch. d. röm.-kathol. Mission, deutsch v. Michelsen, Erlangen 1867, 100–117.)

Die heutige Mongolei, unter chinesischer Herrschaft stehend und nur einen kleinen Theil der ehemaligen Tatarei bildend, wurde schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts von dem portugiesischen Jesuiten P. Benedict Goës bereist (Hahn III, 413); es dauerte aber noch volle 100 Jahre, bis das Christenthum hier Eingang fand. Daß es um 1776 schon manche Christengemeinden gegeben hat, beweist die in diesem Jahre durch den Statthalter der Mongolei in Scene gesetzte Christenverfolgung (Hahn III, 329). Da die Mongolei zum Bisthum Peking gehörte, die Christen aber jenseits der großen Mauer weniger Quälereien ausgesetzt waren, flüchteten sich die Christen wie auch die Missionare aus Peking wiederholt dorthin; so namentlich 1826, in welchem Jahre die Lazaristen-Missionare sogar in Si-van-tse, dem Hauptort der mongolischen Christen, eine kleine Erziehungsanstalt gründeten. Im J. 1838 wurden die Mandschurei und die Mongolei vom Bisthum Peking abgezweigt und zu einem selbständigen Vicariat erhoben. Die Mandschurei wurde 1840 davon getrennt, und die Lazaristen besorgten die Mission der Mongolei bis 1864; dann wurde dieselbe der Congregation des Unbefleckten Herzens Mariä in Scheutveld übertragen. Die eifrigen Missionare dieser Congregation hatten solchen Erfolg, daß Leo XIII. die Mongolei schon 1883 in drei Vicariate abtheilen konnte. Im J. 1890 zählte man unter den 15 Millionen Bewohnern bereits gegen 24 000 Katholiken. (Vgl. Moroni, Diz. XCVIII, 137 sg.; Missions cathol. 1891, 258 ss.; Hahn, Gesch. d. kath. Missionen III, Köln 1860, 442 ff.; dann auch H. T. Prinsep, Tibet, Tartary and Mongolia, 2. ed., Lond. 1852.)

[Neher.]


Zurück zur Startseite.