Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Nicolaus de Tudeschis, O. S. B., Erzbischof von Palermo, bedeutender Canonist, citirt als Abbas modernus, Siculus, Panormitanus, war geboren zu Catanea 1386. Um 1400 trat er in den Benedictinerorden, promovirte zu Padua, lehrte 1421 in Siena, dann in Parma, endlich in Bologna. Im J. 1425 erhielt er eine Abtei in der Diöcese Messina, bekleidete in Rom mehrere Ämter und wurde endlich 1434 Erzbischof von Palermo. Als Gesandter seines Landesherrn, des Königs Alfons V. von Aragon, auf dem Concil zu Basel, trat er nachgerade zur Partei des Gegenpapstes Felix V. über und erhielt von diesem die Cardinalswürde. Er starb wahrscheinlich 1445, nach Anderen 1453. Die kurze Zeit seiner Lehrthätigkeit reichte hin, um sein juristisches Talent zu voller Entfaltung und allgemeiner Anerkennung gelangen zu lassen. Seine zahlreichen Schriften befassen sich mit der Erklärung der drei officiellen Decretalensammlungen; dazu schrieb er praktisch angelegte (225) Consilia, Quaestiones, Flores utriusque juris und Ähnliches. In einem Tractatus de concilio Basileensi (ed. Ven. Nic. Jenson 1479) vertheidigt er zwar die Superiorität des Concils über den Papst, erklärt sich aber gegen die exorbitanten Bestrebungen derjenigen, welche Eugen geradezu als Ketzer absetzen oder auch Nichtbischöfen Stimmrecht zuerkennen wollten. Seine spätere Stellung zum Papstthum vermochte den Ruhm seiner früheren juristischen Werke, welche die Grenzmarke für die Entwicklung der scholastischen MEthode bilden, nicht zu schmälern. Seine Zeitgenossen nannten ihn lucerna juris. Alle seine Werke sind, oft wiederholt, gedruckt (Opp., Ven. 1617, 9 fol.). (Vgl. v. Schulte, Gesch. der Quellen und der Lit. des canonischen Rechtes II, Stuttgart 1877, 312 f.; Mira, Bibliografia Siciliana, Palermo 1881, 397 sg.)

[v. Scherer.]


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