Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Petrus von Sampsone, Lehrer des canonischen Rechtes zu Bologna, ist hauptsächlich bekannt als der Lehrer des als Abbas antiquus citirten Canonisten, der ihn in seinen Werken öfter als Gewährsmann nennt. Von Petrus’ Person ist nur Weniges und auch dieses zum Theil nur vermuthungsweise zu sagen. Er stammte vielleicht von dem Schlosse Sampson bei Joyeuse in Vivarais, studirte zu Bologna unter Jacob von Albenga (s. d. Art.) und wurde ebendaselbst Professor. Später (wohl nicht lange vor 1472) kehrte er nach Frankreich zurück, er erscheint wenigstens um diese Zeit als Canonicus zu Narbonne. Sein Todesjahr ist unbekannt. Von seinen Werken ist ein Liber synodalis der Diöcese Nîmes gedruckt. Außerdem citirt sein Schüler von ihm eine Glossa und Distinctiones, womit wohl der handschriftlich mehrfach erhaltene Commentar zu den fünf Decretalenbüchern gemeint ist. Dieser schon oben erwähnte Schüler wird Abbas antiquus genannt im Gegensatz zu dem Abbas modernus, d. h. Nicolaus von Tudeschis (s. d. Art.). Der wirkliche Name desselben ist unbekannt, ebenso wo er Abt gewesen; vielleicht war er dieß im Benedictinerkloster Mont-majour-lez-Arles (s. Hist. lit. de la France XXI [1847], 238). Aus seinen Schriften hat man auch vermuthet, daß er längere Zeit zu Avignon lebte. Um 1270 war er Lehrer des canonischen Rechtes zu Bologna. Der Abbas antiquus verfaßte einen Apparatus zu den Decretalen Gregors IX., eine Lectura zu den neuen Constitutionen Innocenz’ IV. und Distinctionen zu einzelnen Decretalen. Er war in der damaligen canonistischen Literatur wohl bewandert, verband aber mit seiner Belesenheit auch Selbständigkeit der Ansicht. (Bgl. Hist. lit. de la France l. c. 231 ss.; v. Schulte, in den Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. der Wissensch., phil.-hist. Klasse LXVIII [1871], 90 ff.; Ders., Gesch. der Quellen und der Literatur des can. Rechtes II, Stuttgart 1877, 108 ff.)

[A. Esser.]

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