Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Quarta pauperum ist derjenige Theil der kirchlichen Einkünfte, welcher für die Armen zu verwenden war. Der ganze kirchliche Besitzt wurde in der Zeit der Verfolgung und auch vielfach noch später als »Erbtheil der Armen« (patrimonium pauperum) bezeichnet. Da es wohl nur selten Kirchen gab, welche bedeutende Unterhaltungskosten forderten, und der Clerus einseits vielfach von seiner Hände Arbeit sich nährte und andererseits selbst arm war von Haus aus oder aus freier Wahl, so wurden die Einkünfte der Kirche, in Opfergaben und Geld- oder Getreideschenkungen der Reichen bestehend, im Allgemeinen für die Armenpflege verwendet. Eine Änderung trat ein in diesen Verhältnissen mit der Bekehrung des Kaisers Constantin. Großartige Kirchenbauten wurden ausgeführt, der Gottesdienst mit Prunk gefeiert, so daß für die Kirchenfabrik bedeutendere Ausgaben zu machen waren. Bei der schnell zunehmenden Zahl der Gläubigen waren die Geistlichen weniger in der Lage, ihre Zeit für die Erwerbung ihres Unterhaltes zu verwenden, und mussten daher mehr durch die kirchlichen Einkünfte unterstützt werden. So kam man dazu, die Erträge der kirchlichen Besitzungen, der Opfergaben u. s. w. in vier (meist wohl nicht gleiche) Theile zu zerlegen und einen Theil für die Kirchenfabrik, einen für den Bischof, einen für den übrigen Clerus und den vierten für die Armen zu bestimmen. Diese Einrichtung ging von Rom aus. Sie wird zuerst vom Papste Simplicius (468–483), aber als eine schon länger bestehende, erwähnt. Unter den folgenden Päpsten, besonders durch die Wirksamkeit Gregors des Großen (590–604), verbreitete sie sich im Abendlande, in Italien, Spanien und England. In Gallien scheint sie erst unter Karl dem Großen zur vollen Durchführung gekommen zu sein. Nach seinen Gesetzen mussten die gesammten Einkünfte der Cathedralkirchen in dieser Weise vertheilt werden, während an den Landkirchen nur der Zehnte der Viertheilung unterworfen war. Unter den letzten Karolingern und den nächsten Königen ging ein großer Theil des kirchlichen Besitzes, die Zehnten mit einbegriffen, an Laien verloren, so daß er vielfach nicht mehr für den Unterhalt des Clerus und der Kirchenfabrik genügte. Wohl wurden die Kirchen im 11. und 12. Jahrhundert wieder reicher, aber nun traten andere Einrichtungen für die Armenpflege ein, großartige Gründungen von Hospitälern und Orden, welche sich der Armenpflege widmeten. In den Städten kamen die Handwerkergilden auf, welche selbst für ihre Armen sorgten. So wurde die erwähnte Viertheilung der kirchlichen Einkünfte und damit die Quarta pauperum beseitigt. (Vgl. besonders G. Ratzinger, Geschichte der kirchlichen Armenpflege, 2. Aufl., Freiburg 1884.)

[Marx.]


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