Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Raphael (Ῥαφαήλ, von ‏רָפָא‎ und ‏אֵל‎, d. i. »Gott heilt« oder »Heilung Gottes«), einer der drei Engel, deren Namen uns die heilige Schrift nennt (s. d. Artt. Engel, Erzengel, Gabriel, Michael), und »einer der Sieben, die vor dem Herrn stehen« (Tob. 12, 15). Dieser Engel wurde in der menschlichen Gestalt des Azarias, Sohnes des großen Ananias, von Gott gesandt, um den blinden Tobias zu Ninive zu heilen, dessen bedrängter Verwandten Sara, der Tochter Raguels, zu helfen und den jungen Tobias auf seiner Reise nach Rages (Medien) zu begleiten (s. d. Art. Tobias). Anderswo als im Buch Tobias wird derselbe nicht erwähnt; er ist nach Cornelius a Lapide (Comment. in Tob. 3, 25) nicht der Schutzengel des Tobias (vgl. Tob. 3, 25 und 12, 14. 20), sondern speciell ein Engel des Heilens und ward deßwegen in einem besondern Auftrag von Gott gesandt (Raphael, qui medicinae praeest; Orig. Hom. 14 in Num., n. 2, bei Migne, PP. gr. XII, 680. Ubicunque medicina et curatio necessaria est, Raphael mittitur; Hieron. in Dan. 8, 16. 17, bei Migne, PP. lat XXV, 563). In der Kirche wird Raphael am 24. October als Erzengel verehrt, womit seiner Sendung eine besondere Bedeutung beigelegt ist. Die heilige Schrift nennt ihn nur Engel, ohne über seine Natur etwas anzugeben; sicher ist, dass er zu einer der höchsten Klassen der Engel gezählt werden muß. Weitere Untersuchungen können nicht angestellt werden. In rabbinischen und apocryphen Büchern kommt Raphael als einer der höchsten Engel vor, welcher mit Michael, Gabriel und Uriel am Throne Gottes steht (Buch Henoch 9, 1; 20, 3; 22, 3 ff.; 40, 9). Die Kirche verehrt im hl. Raphael noch speciell den Patron der Reisenden (vgl. das Officium und die Messe seines Festes und das Itinerarium), und die christlich Kunst stellt ihn dar als Pilger, den jungen Tobias begleitend, oder mit Wanderstab und Kürbisflasche ohne Tobias, oder auch mit einem Fische. (Vgl. AA. SS. Boll. Sept. VIII, 10–13, sowie die Commentare zum Buche Tobias [s. d. Art.]; Jameson, Sacred and Legendary Art I, 5. ed., Lond. 1866, 126 ff.)

[L. Helmling O. S. B.]


Zurück zur Startseite.