Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Rota Romana heißt dasjenige römische Tribunal, »durch welches der Papst regelmäßig die eigentlich contentiösen kirchlichen Civilsachen aus der ganzen Christenheit, wie die weltlichen derselben Art aus dem Kirchenstaat in den höheren Instanzen entscheiden ließ« (Bangen, Die röm. Curie, Münster 1854, 301). Den Namen Rota soll dieser Gerichtshof nach den Einen von dem in Form eines Rades ausgelegten Fußboden, nach Anderen von seinem Terminkalender, der die Form eines Rades bildet, oder von den im Kreise herumsitzenden Richtern tragen. Man hat die Anfänge der Rota wohl bis in die ältesten Zeiten der Kirche zurückdatiren wollen (Bangen 294 ff.), allein mit Sicherheit lassen sich erst im 13. Jahrhundert auditores palatii domini papae nachweisen, und diese bildeten zunächst noch keinen ständigen Gerichtshof mit bestimmtem Wirkungskreise, sondern wurden für die einzelnen Fälle vom Papst ernannt und delegirt, nicht ad definiendum, sondern ad audiendum et referendum. Verfolgt man die Weiterentwicklung des Auditoriats an der Hand der Regesten und Urkunden (s. Sägmüller, Die Entwicklung der Rota bis zur Bulle Ratio juris a. 1326, in der Tübinger Theol. Quartalschrift 1895, 103 ff.), so findet man unter Innocenz IV. zuerst päpstliche Kapläne als Generalauditoren; sodann unter Nicolaus IV. die Einsetzung eines (wenn auch nur zeitweiligen) selbständigen päpstlichen Appellationsgerichtes für weltliche Civilsachen aus dem Kirchenstaat und unter Clemens V. die Errichtung eines entsprechenden Tribunals für die kirchlichen Civilsachen aus dem Kirchenstaat und unter Clemens V. die Errichtung eines entsprechenden Tribunals für die kirchlichen Civilsachen aus der ganzen Christenheit. Wichtig in der Geschichte der römischen Rota ist sodann die Bulle Ratio juris Johannes’ XXII. vom Jahre 1326, weil sie Statuten und Anordnungen für die in ihrem Bestande vorausgesetzte Rota erlässt. Es ist nämlich durchaus irrig, in dieser Bulle die Errichtungsurkunde der Rota erblicken zu wollen, wenn sich auch nicht genau feststellen läßt, wann den Auditoren das Recht zur definitiven Entscheidung wenigstens einzelner contentiöser Geschäfte übertragen wurde. In der Folgezeit regelten sich die Verhältnisse an der Rota theils durch den Gerichtsgebrauchs, theils wurden sie durch eine Reihe päpstlicher Constitutionen festgesetzt (s. dieselben inhaltlich bei Phillips, Kirchenrecht VI, 476 ff.). Insbesondere wurde 1472 von Sixtus IV. die Zahl der Auditoren der Rota auf 12 fixirt; von verschiedenen Päpsten, namentlich von Clemens VII. und Paul III., erlangten die Auditoren zahlreiche Privilegien, von Alexander VII. das Recht, als päpstliche Subdiaconen zu fungiren; andere Constitutionen ordneten das Geschäftsverfahren und setzten die Competenz der Rota fest. In letzterer Beziehung traf Gregor XVI. durch das Regolamento legislativo e giudiciario vom Jahre 1838, § 321 ff. besondere Bestimmungen (s. dieselben bei Bangen 304 ff. besondere Bestimmungen (s. dieselben bei Bangen 304 ff.), wonach die Rota als zweite und dritte Instanz competent ist für bürgerliche Sachen aus dem Kirchenstaat überhaupt und für geistliche Sachen aus der ganzen Christenheit, sofern sie den Werth von 500 Scudi übersteigen. Daneben können ihr außerordentlicher Weise auch andere Sachen zur Entscheidung zugewiesen werden; jedoch waren Criminalsachen stets von der Behandlung durch die Rota ausgeschlossen. Ihre frühere Bedeutung hat die Rota freilich größtentheils verloren, da infolge der staatlichen Änderungen die weltlichen Streitsachen aus dem Kirchenstaat ihr ganz entzogen sind und infolge der Ausbildung der Congregationen an der Curie auch die geistlichen Sachen meist in anderer Weise zur Erledigung gebracht werdne. Doch besteht sie noch immer factisch und rechtlich, wenn auch die Zwölfzahl der Auditoren nicht voll vorhanden ist (s. Gerarchia cattolico 1896, 692). Betreffs des Prozessverfahrens bei der Rota und sonstiger wissenswerther Einzelheiten über ihre Zusammensetzung u. s. w. sei hier auf die ausführliche Darstellung bei Bangen 292–344 verwiesen. Die älteren Sammlungen der Decisiones S. Rotae zählt v. Schulte, Gesch. der Quellen u. Lit. des can. Rechtes II, 69 auf; spätere s. bei v. Schere, Kirchenrecht I, Graz 1886, 290. (Vgl. noch Hinschius, Kirchenrecht I, 396; v. Scherer I, 492 f.)

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