Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Sacrilegium heißt diejenige Sünde gegen die Tugend der Gottesverehrung (s. d. Art.), welche durch Verunehrung (violatio) gottgeweihter Personen, Orte oder Sachen begangen wird. In dieser Erklärung ist schon die übliche Unterscheidung des Sacrilegs als sacrilegium personale, locale, reale gegeben, welche drei Arten nach der allgemeinen Lehre der Moralisten unter sich specifisch verschieden sind. Unter den Begriff des sacrilegium personale fallen alle Handlungen an Clerikern oder Ordenspersonen, welche ihrer Natur oder dem positiven Gesetze nach den gottgeweihten Charakter jener Personen verletzen, oder im Einzelnen: die Verletzung des sog. privilegium canonis, des privilegium fori und der Immunität (s. d. Art. Privilegien des Clerus, ob. 432 ff. 439 ff. 441 ff.), sowie Sünden gegen die Keuschheit von oder an Ordenspersonen und Clerikern der höheren Weihen (sog. sacrilegium carnale; die Verletzung eines einfachen Keuschheitsgelübdes hat probabiliter nicht den Charakter des eigentlichen Sacrilegs). – Das sacrilegium locale wird begangen durch Handlungen, welche die Pollution eines heiligen Ortes (s. d. Art. Entweihung, n. II) nach sich ziehen oder sonst gegen die den heiligen Orten zustehenden Privilegien (s. d. Art. ob. 444 ss.) streiten. – Das sacrilegium reale besteht im sog. Gottesraub im engern und engsten Sinne (d. h. dem unwürdigen Empfang oder unwürdiger Ausspendung der heiligen Sacramente überhaupt und der heiligen Communion insbesondere, sowie verunehrender Behandlung des allerheiligsten Altarssacramentes), ferner in der Verunehrung geheiligter Gegenstände (wie Reliquien, Kirchengeräthe, Paramente, insbesondere auch des Textes der heiligen Schrift) oder Cerimonien, endlich im sog. Kirchenraub (d. h. der unberechtigten Wegnahme geweihter oder benedicirter, zum Kirchengebrauche bestimmter, oder auch ungeweihter, aber zum Schutz und zur Verwahrung in Kirchen hinterlegter Gegenstände).

Das Sacrilegium ist als Sünde betrachtet nach dem technischen Ausdruck peccatum mortale ex genere suo und wird nur in einzelnen Fällen propter parvitatem materiae zur läßlichen Sünde. Es gehört ferner auch zu den kirchlichen Verbrechen, welche theils mit Censuren theils mit vindicativen Strafen belegt sind. Über die Censuren, welche nach jetzigem Rechte bei einzelnen Sacrilegien eintreten, s. d. ob. cit. Einzelartikel. Als Strafen bestimmt das canonische Recht für das Sacrilegium an gottgeweihten Sachen und Orten das Anathem, wenn das allerheiligste Altarssacrament dabei direct verunehrt wird; wenn es an sonstigen heiligen Sachen und Stätten verübt wird, den Bann bis zu geleistetem Ersatz und im Weigerungsfalle Entziehung des christlichen Begräbnisses (c. 2, X 5, 17; c. 22, X 5, 39). Die römischen Gesetze verhängten über den Kirchenräuber nach Umständen die Strafe des Todes (Inst. 4, 18, § 9). Die peinliche Gerichtsordnung Karls V. wollte Entwendung der Monstranz oder des Ciboriums sammt den heiligen Hostien mit dem Feuertode, Diebstahl sonstiger geweihten oder gesegneten gottesdienstlichen Altargeräthe mit leichterer Todesart, Erbrechen des Opferstockes nach Urtheil der Richter an Leib oder Leben, Wegnahme nicht geweihter Dinge aus Kirchen und Sacristeien (wenn dies anders nicht gewaltsam oder des Nachts geschehen) gleich gemeinem, jedoch qualificirtem Diebstahl geahndet wissen (C. C. C. von 1582, Art. 172-175). Auch die neueste deutsche Strafgesetzgebung erkennt gegen derlei Kirchenfrevel regelmäßig auf geschärfte Strafzumessung (vgl. Strafgesetzbuch des deutschen Reiches § 243, 1) und gewährt den gottesdienstlichen Cerimonien in gewissem Umfange Schutz gegen Störung und Verunehrung (ebd. § 166 f.). – Fleischesvergehen endlich haben bei Clerikern der höheren Weihen Suspension und Pönitenzen; bei Mönchen Klosterkerker und schwere Büßungen; bei Nonnen für den Schänder, wenn er ein Geistlicher, die Absetzung; wenn ein Laie, Excommunication, und für die Nonne engsten Klostergewahrsam und Kasteiungen zu Folge (c. 6. 11, C. XXVII, q. 1). Nach römischen Rechte traf den Schänder einer Gottgeweihten die Enthauptung (l. 5, Cod. 1, 3; Nov. 123, c. 43), während die neuere Gesetzgebung ihrer ganzen Tendenz nach solche Verbrechen nicht zu den qualificirten rechnet. (Vgl. die Lehrbücher der Moraltheologie, z. B. Lehmkuhl I, n. 378 sqq.; Marc I, n. 578 sqq.)

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